Oktober 18, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Den nachfolgenden Beitrag haben wir von Sanaz erhalten.

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Es ist ein Ort am Ende der Welt:

Die Frauenabteilung Nasvan des ZentralgefĂ€ngnisses von Bushehr. Als ich letztes Jahr in dieses GefĂ€ngnis geschickt wurde, wusste ich, dass mich eine vergessene Hölle erwarten wĂŒrde. Aber die derzeitige BrutalitĂ€t in diesem GefĂ€ngnis passte nicht einmal zu dieser Vorstellung. Da es ein FrauengefĂ€ngnis ist, wird diese Anstalt unter brutalster Folter und unmenschlichen Bedingungen gefĂŒhrt.

Ich habe so viel wie möglich und wo immer ich konnte ĂŒber das Grauen und die BrutalitĂ€t dieses GefĂ€ngnisses geschrieben und berichtet. Es ist, als stĂŒnde man zwischen vier Mauern aus Stein und wĂŒrde schreien. Ich wende mich an die, die Ohren haben um zuzuhören, die dem nicht gleichgĂŒltig gegenĂŒberstehen. Ich will dieses Mal ĂŒber die Gefangenen in Busheher sprechen, die leiden, deren Leben voller UnterdrĂŒckung und Gewalt ist.

Dieser Bericht (alle Namen geÀndert) zeigt in kurzen Szenen die Bedingungen, unter denen weibliche Gefangene in Bushehr leben.

1) Zahra ist eine afghanische Frau, die mit ihrem Kind vor den Taliban geflohen ist. Jetzt steht sie draußen im ZentralgefĂ€ngnis von Bushehr wĂ€hrend einer von den WĂ€rtern organisierten symbolischen Beerdigung. Den GefĂ€ngniswĂ€rtern zufolge ist Ahmad, der in den Armen seiner Mutter ins GefĂ€ngnis gebracht wurde, ein Bastard. Zahras Kind wurde auf Anweisung des Anstaltsleiters in ein Totenhemd gewickelt, damit Ahmed Angst hat und nachts frĂŒh zu Bett geht. Zahra ist schockiert und sagt dass sie ihr Kind lieber selbst diszipliniert damit die WĂ€rter nichts mit ihm zu tun haben. Sobald sie ihr Kind aus dem Totenhemd nimmt, greift sie es an und schlĂ€gt den Jungen.

2) Der Stationsleiter ist der Meinung, dass das Tragen von UnterwĂ€sche obligatorisch sein sollte. Maeda weigert sich und will nicht, dass der BH Tag und Nacht angespannt ist. Die derzeitige Sozialarbeiter*in der Abteilung zwingt alle weiblichen Gefangenen, ihre UnterwĂ€sche abzugeben, um sie zu bestrafen. Sie beschimpft die inhaftierten Frauen als Prosituierte. Sie droht ihnen, dass wenn sie sich nicht selbst ausziehen, sie dazu gezwungen werden und ihre UnterwĂ€sche abgeben mĂŒssen. Vor den entsetzten Augen der anderen Gefangenen rissen sie Maeda die Kleider vom Leib nur weil sie ihre UnterwĂ€sche nicht auszog. Die Strafe fĂŒr die Verweigerung von Maeda wurde fortgesetzt. In der Warteschlange beim nĂ€chsten DurchzĂ€hlen der Gefangenen wurden alle gezwungen, ihre UnterwĂ€sche auszuziehen und ihre BHs und Unterhosen in den MĂŒllsack in der Hand der Sozialarbeiter*in zu werfen. Von diesem Tag an war UnterwĂ€sche wochenlang verboten, auch wĂ€hrend der Menstruation.

3) FĂŒr das Baden der Gefangenen im Bushehr-GefĂ€ngnis gibt es bestimmte Zeiten. Sahar hat außerhalb der festgelegten Zeit ein Bad genommen, nun muss sie wegen diesen Vergehens vom Abteilungsleiter mitten in der Hof „gereinigt“ werden. Der Abteilungsleiter zieht Sahar im Hof aus und badet sie mit Hilfe der Sozialarbeiter*in mit Milch und Mineralwasser.

Der Abteilungsleiter veranlasst die Gefangenen, die Szene zu beobachten und sie mit Buhrufen zu beleidigen. Wenn sie die Augen davon abwenden wird ihnen das Recht zu telefonieren genommen. Dutzende von wĂŒtenden und erstaunten Augen starren auf den nackten und zitternden Körper dieser Frau. Wir alle denken wie einsam und hilflos wir sind.

4) Das Gesetz ĂŒber den obligatorischen Hidschab fĂŒr weibliche Gefangene in Bushehr wird in einem Maße durchgesetzt, das ĂŒber das in einigen anderen GefĂ€ngnissen ĂŒbliche Maß hinausgeht. Der Tschador und vollstĂ€ndige Hidschāb sind im Hof und auf den Flur vorgeschrieben. Eine weibliche Gefangene muss ĂŒberall einen Hijab tragen, außer im Bett.

5) Amina kehrt aus der Haftanstalt zurĂŒck. Mehrmals wird sie trotz des Abschlusses der Ermittlungen und Verhören in die Untersuchungshaftanstalt verlegt, aber nicht fĂŒr Befragungen. Sie wird den Beamten in Absprache mit dem Abteilungsleiter zur Erbringung sexueller Dienstleistungen ĂŒbergeben. Viele Dinge die hier passieren werden in Absprache mit dem Anstaltsleiter erledigt, z. B. werden Frauen, die von ihrer Familie nicht finanziell unterstĂŒtzt werden, zu den mĂ€nnlichen Insassen der Station fĂŒr MutÊża-Ehen geschickt.

Dies sind nur fĂŒnf der zwanzig FĂ€lle, zu denen ich die Behörden bisher schriftlich und mĂŒndlich ĂŒber die Frauenabteilung des Bushehr-GefĂ€ngnisses informiert habe. Ich habe keine andere Antwort als das Schweigen des Friedhofs erhalten.

Wer widerspricht, den tötet die Eskalation der Folter aus dem Hinterhalt; Drohungen den Genitalbereich vor allen Gefangenen zu untersuchen, die Gefangene* zu schlagen, sie unter QuarantÀne zu stellen, sie durch WÀrter*Innen zu verschleppen um sie zu misshandeln, TelefongesprÀche zu verbieten, Besuche abzulehnen und Urlaub zu streichen.

Im Kerker von Bushehr ist jeder Ungehorsam gegenĂŒber den grausamen und unmenschlichen Befehlen der GefĂ€ngnisleitung gleichbedeutend damit, dass man in diesem Dreck, der weder eine Stimme noch ein Gesicht hat, immer mehr gebrochen wird.

#Ű­Ù‚ÛŒÙ‚ŰȘ_ŰČÙ†ŰŻŰ§Ù†

@sepideqoliyan

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Nachtrag: Am 13.10.2021 wurde die iranische Aktivistin Sepideh Gholian verhaftet, weil sie in Tweets beschrieben hatte, wie Insassen der Frauenabteilung der Haftanstalt Bushehr den „grausamsten Formen der Folter ausgesetzt sind 
 und ihr Verbrechen ist einfach, dass sie Frauen und Gefangene sind.“

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Quelle: Schwarzerpfeil.de