Februar 13, 2021
Von InfoRiot
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Fake News und Hofberichterstattung fĂŒr die Querdenken-Bewegung: ĂŒber den »Nordkurier« hatte es in den letzten Wochen einiges an Aufregung gegeben. Die Tageszeitung im Bereich Mecklenburg-Vorpommern und dem Norden Brandenburgs leistet sich eine »Textchefin«, die im Blatt verschwörungsideologisches Powerposting betreibt. Aktueller Höhepunkt: ein geheimes Schreiben des Bundeskriminalamts (BKA) aus dem Herbst, aus dem höchst eigenwillig zitiert wurde, um dem BKA die eigene verquere RealitĂ€tsauffassung unterzujubeln. »Linke Gegner das GefĂ€hrlichste an Querdenken-Demos«, hieß es im Blatt. Weil sich mittlerweile auch journalistische Kolleg*innen um das Abdriften der Zeitung sorgen, wittert man dort bereits die nĂ€chste Episode einer »Cancel Culture«. Chefredakteur JĂŒrgen Mladek stellte sich demonstrativ vor seine irrlichternde Kollegin – und ließ durchblicken, dass beim Nordkurier der Fisch vom Kopfe her schwurbelt.

In dem BKA-Schreiben von Ende November steht, dass gewaltbereite Antifaschist*innen Teilnehmende von Querdenken-Kundgebungen angreifen könnten, und zwar »neben tatsĂ€chlichen â€șRechtenâ€č auch Personen«, die »irrtĂŒmlicherweise« fĂŒr Nazis gehalten wĂŒrden. Das interpretierte Simone Schamann im »Nordkurier« wie folgt: »Mit anderen Worten: Eines der grĂ¶ĂŸten Risiken auf Querdenken-Demos ist, dass ganz normale BĂŒrger von Linksradikalen angegriffen werden – weil diese sie fĂŒr Nazis halten.« Dabei wird an anderer Stelle, die Schamann nicht zitiert, vor der voranschreitenden Radikalisierung von Einzelpersonen und Kleinstgruppen der Querdenken-Bewegung genauso gewarnt wie vor der dokumentierten Teilnahme und der Mobilisierung aus dem rechtsextremen Spektrum, GewaltvorfĂ€llen oder der Verharmlosungen des Holocaust. Schamann jedoch behauptet, das interne Schreiben lasse »das Rechts-Narrativ um die Bewegung jetzt also kollabieren«. Sie suggeriert, auch das BKA sei der Auffassung, in Wahrheit hĂ€tten Linke hinter den Ausschreitungen bei einer Querdenken-Demo im November in Leipzig gesorgt. Dabei war die Berichterstattung ĂŒber die Angriffe von Neonazis damals mit eindeutigen Videobelegen untermauert.

Anders formuliert: Nur wer die RealitĂ€t aus politischen GrĂŒnden umdeuten möchte, kann auf die Idee kommen, in Leipzig hĂ€tten Linke und nicht Querdenker selbst Ausschreitungen angezettelt. Das BKA-Schreiben will Schamann ĂŒbrigens ĂŒber eine »Whistle-Blower-Seite« bezogen haben. Dabei handelt es sich bei der Website von Mutigmacher e.V. bloß um eine von unzĂ€hligen Schwurbel-Websites aus dem Internet. Den Anschein von Relevanz erzeugen die »Whistle Blower« auch hier durch Interviewformate mit bestehenden Medienprojekten. Die »Mutigmacher« waren genauso bei Verschwörungsguru Ken Jebsen zu Gast wie bei Exomagazin.tv, eine Nachrichtenseite, die ĂŒber die außerirdische PrĂ€senz auf der Erde aufklĂ€rt. In anderen BeitrĂ€gen werden Tipps zur Umgehung des Maskenzwangs oder wirre Schreiben an Angela Merkel veröffentlicht – kurzum: hier werden die bekannten MeinungsĂ€ußerungen, die auf der Grenze zum RealitĂ€tsverlust tĂ€nzeln, zum Whistleblowing aufgeblasen.

Die Offenheit, mit der die Kollegin ihre Weltsicht kundtut, ist indes noch gestiegen. So drohte ein bekannter Szeneanwalt der Regierung mit Umsturz. Schamann bat den Mann, »natĂŒrlich«, zum »Nordkurier«-Interview. Ihren Kritiker*innen antwortete sie in einem diesmal offenen Meinungsbeitrag: »Linke Querdenken-Hasser wollen es nicht wahrhaben«. Und die Studie ĂŒber die Ansteckungen durch Querdenker-Demos? »Propaganda.«




Quelle: Inforiot.de