Januar 12, 2021
Von Chronik
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Köln, 9. Januar 2021

wir haben heute nacht den sitz der burschenschaft germania in köln mit farbe angegriffen.

die adresse ist BayenthalgĂŒrtel 3, Köln

im artikel findet ihr einen hintergundbericht zur germania von der rechercheseite koeln.noblogs.org und einen lageplan.

Die Kölner Burschenschaft Germania

Wie in vielen anderen Berichten bereits ausgefĂŒhrt wurde, existiert ein dichtes Geflecht von IdentitĂ€ren und AfDler_innen zu diversen Burschenschaften, so auch bei der IB-Ortsgruppe Köln. Hier ist es insbesondere die extrem rechte Kölner Burschenschaft Germania, zu der ein enger Kontakt besteht. WĂ€hrend ihrer aktivsten Zeit durfte die IB Köln regelmĂ€ĂŸig das Burschenschaftshaus am BayenthalgĂŒrtel fĂŒr ihre Stammtische nutzen. Diese Stammtische liefen stets nach demselben Prinzip ab: zunĂ€chst gab es einen Vortrag als Input, dann wurde in der „Kleinen Kneipe“ bis spĂ€t abends gesoffen.
Auch zur Vorbereitung und Organisation ihrer Aktionen durfte die IB auf das Haus zurĂŒckgreifen. Hier wurden etliche Transparente und Banner gemalt, die spĂ€ter bei Aktionen hochgehalten oder angebracht wurden. Zudem nahmen nun auch Mitglieder der IB an den internen Feierlichkeiten der Burschen in der Germania teil.

Bei den erwĂ€hnten, nicht öffentlichen Stammtischen der IB im Germanenhaus nahmen vereinzelt auch Mitglieder der AfD teil. Schon Monate bevor Roger Beckamp, ehemaliger Vorsitzende der Kölner AfD-Ratsfraktion und nun Landtagsabgeordneter in NRW, als Referent in der IB-betriebenen Flamberghalle in Halle auftrat, knĂŒpfte er Kontakt zur lokalen IB-Struktur und besuchte im Februar 2018 einen ihrer Stammtische in Köln. An diesem Abend wurde ĂŒber das Thema „Overton Fenster“ referiert. Mit dieser Theorie wird der Rahmen an Ideen bezeichnet, der im öffentlichen Diskurs noch als akzeptabel betrachtet wird. Mit dieser Strategie versuchte die IB genauso wie die AfD das politisch Sagbare weiter nach rechts zu verschieben.

Auch Alexander BrĂ€unl aus Köln-Braunsfeld besuchte einen dieser Stammtische bei der Germania. Der OrthopĂ€de BrĂ€unl, der eine Gemeinschaftspraxis in Bergisch Gladbach fĂŒhrt, war 2013/14 Beisitzer im Vorstand des AfD-Stadtverbandes Köln. Auch nach seinem Austritt aus dem Vorstand ist er noch als Mitglied bei der AfD aktiv und besuchte z.B. die Veranstaltung zum Wahlkampfauftakt der Europawahl der AfD Köln in Köln-Kalk im April 2019.

RegelmĂ€ĂŸig fand sich auch die IB-Gruppe „Widerstand steigt auf“ bei den Stammtischen der IB im Haus der Kölner Burschenschaft Germania ein. „Widerstand steigt auf“ wurde Anfang 2017 explizit als Netzwerk der IB fĂŒr Ältere aufgebaut. Weil sich die IB als junge Bewegung inszenieren wollte, wurden nur interessierte Leute bis zum Alter von 35 Jahren aufgenommen. Die ĂŒber 35-JĂ€hrigen wurden durch die IB NRW direkt an „Widerstand steigt auf“ verwiesen. Ulrike Haun aus Köln Rath-Heumar und Volker Fervers aus Mönchengladbach hatten diese Gruppe gegrĂŒndet. Ihre Aktionen bestanden zunĂ€chst daraus, in der Öffentlichkeit schwarze Luftballons und Banner anzubringen und davon Fotos zu machen, als Teil der IB Köln beteiligten sie sich aber auch an deren Aktionen (Laternenzug zu St. Martin, Gedenkbanner zum Jahrestag des Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt). Zudem fungierte Ulrike Haun als festes Mitglied bei 120 Dezibel.

Als „Widerstand steigt auf“ ihre eigenen Stammtische in Köln abhielten, wĂ€hlten sie dafĂŒr ebenfalls die RĂ€umlichkeiten besagter Kölner Burschenschaft. Seit Herbst 2018 melden sie vermehrt StĂ€nde in der Kölner Innenstadt an, um zu bestimmten Themen Propagandamaterial zu verteilen. Seit Oktober 2019 treten sie dabei als Citadelle e.V. auf.

Dabei werden sie oft von einem festen Stamm an Aktivist_innen begleitet, die zuvor ebenfalls regelmĂ€ĂŸig die IB-Stammtische besucht haben.
Die beiden GrĂŒnder_innen von „Widerstand steigt auf“ sind dabei mit dem Germanenhaus so vertraut, dass Fervers sogar meistens bei Aktionen seinen Volvo davor parkt und nach Abbau der StĂ€nde von Haun dort hingefahren wird. Einige Male wurden sie an den StĂ€nden schon von den jĂŒngeren Mitgliedern der IB Köln unterstĂŒtzt. Anfang Januar 2019 scharrten sich besonders viele Leute um ihren Stand. Unter ihnen befand sich eine Gruppe von Neonazis, die die Gelbwesten fĂŒr sich entdeckt hatten, u.a. Svetlana Goss (ehemals German Defence League) sowie Andreas Schick (Die Rechte Rhein-Erft). Auch die Verschwörungstheoretikerin Johanne Liesegang, die seit kurzem in Köln zu Kundgebungen gegen die Corona-Maßnahmen aufruft, war darunter.
Auch bei „Widerstand steigt auf“ wird der Kontakt zur AfD gepflegt. So nahmen Haun und Fervers, die gerne auch mal Nazi- und Hooligan-Demonstrationen (Patrioten NRW, Begleitschutz) besuchen, am Neujahrsempfang 2019 der AfD-Fraktion NRW in DĂŒsseldorf teil.

Ein langjÀhriges Mitglied der IB Köln, Marius Roppes, war offenbar vom Leben der Burschen, die er bei den Stammtischen in der Germania kennenlernte, sehr begeistert. Der 1996 geborene Roppes war noch bei seiner Familie in Köln-Nippes wohnhaft als er im Wintersemester 2018/19 bereits Fux (Mitglied in Probezeit bei einer Studentenverbindung) bei der Burschenschaft Germania wurde. Daher feierte er sogar seinen 22. Geburtstag in diesem Haus. Seit dem Wintersemester 2019/20 ist er als Schriftwart bei der Germania tÀtig und wohnt somit dort.
Da Roppes’ Verwandte/ Freund_innen zum Teil im Hooligan-Milieu unterwegs sind, hat er hier keine BerĂŒhrungsĂ€ngste und nahm in der Vergangenheit sogar selbst an Kundgebungen vom sog. „Begleitschutz“/ Internationale Kölsche Mitte teil.

Durch die Freundschaften, die Roppes bei der IB Köln schloss, konnte er zwei weitere Aktivisten davon ĂŒberzeugen, bei der Kölner Burschenschaft Germania einzusteigen.
Der eine davon ist Simon Blumencron aus Köln-Innenstadt. Seit Ende 2018 half er regelmĂ€ĂŸig bei den StĂ€nden von „Widerstand steigt auf“. Blumencron ist Gesellschafter eines Ladens fĂŒr Yoga- und Meditationsbedarf nahe des Stadtgartens. DarĂŒber hinaus sammelt er MilitĂ€r-Devotionalien, insbesondere Orden. Auch er war stetiges Mitglied der mittwöchlichen identitĂ€ren „Flyercrew“.

Der zweite, den Roppes zum Burschentum gefĂŒhrt hat, ist Maximilian Hunze aus Köln-DellbrĂŒck. Hunze ist Fan des Eishockeyteams Kölner Haie und besucht regelmĂ€ĂŸig deren Spiele. Auch er war oft bei den Flyer-Aktionen dabei und freundete sich insbesondere mit „Kris“ und Dennis Buggle an.

Im MĂ€rz 2019 durfte er den rechtsradikalen IBler Dominic MĂŒller aus Duisburg nach Mailand begleiten und dort dessen Kontakte in die rechte Szene kennenlernen. Zuletzt war Hunze bei der IB-Aktion Anfang Januar 2020 mit dabei, als IB-Aktivisten auf das Dach des WDR Funkhauses kletterten und ein Banner herunterließen. Hunze absolviert eine Ausbildung zum Landmaschinen-Mechaniker bei JCB Vertrieb und Service in Frechen und ist seit dem Wintersemester 2019/20 ein Fux bei der Kölner Burschenschaft Germania.

Da die Kölner Burschenschaft Germania eine schlagende Verbindung ist und hier verpflichtend eine Mensur mit scharfen Klingen gefochten wird, werden auch Roppes, Blumencron und Hunze regelmĂ€ĂŸig diesen Fechtkampf praktizieren mĂŒssen.

Eigentlich steht der Kölner Burschenschaft Germania dieses Jahr das 100-jĂ€hrige Stiftungsfest bevor, das ĂŒblicherweise an Pfingsten gefeiert wird. Dieses Semester wurden jedoch aufgrund der Corona-Krise alle Veranstaltungen offiziell abgesagt. Es mag sein, dass die Burschen dennoch feiern werden. Da andere Kölner Studentenverbindungen keinen Kontakt zur Germania pflegen, laden diese daher zumeist die Mitglieder der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks aus Bonn und der Burschenschaft Rhenania-Salingia aus DĂŒsseldorf ein, die ein Ă€hnliches extrem rechtes Gedankengut vertreten. Dank der IdentitĂ€ren Bewegung Köln und ihren Verbindungen zur AfD hat die Germania aber mittlerweile ein grĂ¶ĂŸeres GĂ€stepotential.

Quelle: Indymedia




Quelle: Chronik.blackblogs.org