Mai 3, 2021
Von Chronik
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Stuttgart, 30. April 2021

heute haben wir das italienische Konsulat auf dem Killesberg mit roter Farbe markiert. Grund hierfĂŒr ist die Verhaftung von sieben ehemaligen Militanten der Brigate Rosse (BR) vor zwei Tagen. Zwei weitere Militante, die nun in Frankreich verfolgt wurden, haben sich gestellt und sind nun ebenfalls in Haft.

Sie alle sollen nach Italien abgeschoben werden, wo sie jahrzehntelange Haftstrafen erwarten.

Der Verfolgungswille der Herrschenden gegenĂŒber der Stadtguerilla, die ab den 1970ern ĂŒberall in Europa entstanden, ist weiterhin ungebrochen. Die Brigate Rosse (Roten Brigarden) entwickelten sich aus den ökonomischen KĂ€mpfen der Arbeiter*innen in den Industriezentren Norditaliens und waren stark in diesen KĂ€mpfen verankert. Sie organisierten sich in den Fabriken und Arbeitervierteln. Als illegale, bewaffnete Stadtguerilla setzten sie immer wieder Akzente in betrieblichen KĂ€mpfen, indem sie Fabrikbesitzer oder Profiteure direkt angriffen oder fĂŒr ihr Handeln bestraften. In ihrer weiteren Geschichte griffen sie ebenfalls den Staat, seine Institutionen und Vertreter an. Schlussendlich wurden die Roten Brigaden Italiens durch massiver Repression zerschlagen: unzĂ€hlige Genoss*innen wurden von Carabinieri ermordet, tausende landeten in den KnĂ€sten, durch Kronzeugen-Regelungen kam es zu Verrat und diejenigen, die sich nicht von ihrer Geschichte distanzierten oder Verrat begangen wurden fĂŒr Jahrzehnte weggesperrt.

Zur Geschichte der Roten Brigaden → Interview von Carla Mosca & Rossana Rossanda mit Mario Moretti (ehem. GrĂŒnder und FĂŒhrer der BR): „Brigate Rosse – eine italienische Geschichte“

Obwohl die Zeit der bewaffneten KÀmpfe vorerst vorbei ist, ist es wichtig, sich weiterhin mit den Erfahrungen auseinanderzusetzen. Die Geschichte der Stadtguerilla, der Brigate Rosse in Italien, der RAF in Deutschland oder des 17. November in Griechenland um nur drei zu nennen, ist die Geschichte der revolutionÀren Bewegung und damit auch unsere Geschichte. Sich seine Geschichte selbst anzueignen, aus ihren Erfahrungen zu lernen und gemachte Fehlern nicht zu wiederholen, ist unerlÀsslich. Ansonsten wird sie weiterhin von den Herrschenden geschrieben.

Auch weiterhin ist die Verfolgung ehemaliger Militanter keine Geschichte, noch immer vergisst der Staat und die herrschende Klasse nicht. Umso wichtiger ist es, gerade jetzt die eigene Geschichte nicht zu vergessen und SolidaritĂ€t mit den verfolgten Militanten und ihre KĂ€mpfe zu zeigen. Morgen ist der erste Mai, der Kampftag der Arbeiter*innenklasse. Wie kaum ein anderer Tag in unserer Geschichte ist er geprĂ€gt von den KĂ€mpfen unserer Klasse. Zeigen wir auch morgen unsere SolidaritĂ€t mit den verfolgten Militanten und den (bewaffneten) KĂ€mpfen unserer Geschichte. An diese anzuknĂŒpfen und den Kampf gegen Ausbeutung und UnterdrĂŒckung fortzufĂŒhren, liegt an uns.

Daher: am ersten Mai auf die Straße!

Freiheit fĂŒr alle politische Gefangene!

Hoch die internationale SolidaritÀt!

Im Buch „Brigate Rosse – eine italienische Geschichte“ wird Mario Moretti gefragt:

„Mario Moretti, du bist seit 22 Jahren raus aus der Welt der Leute, neun als Illegaler und dreizehn im GefĂ€ngnis. Wenn dir ein böser Engel auf einem Tablett Freiheit und Vergessen und auf einem anderen Tablett Knast und Erinnerung bieten wĂŒrde, was wĂŒrdest du nehmen?“

seine Antwort:

„So falsche Engel gibt es nicht, nur die Menschen schlagen zwei gleichermaßen grausame Arten zu sterben vor. Jedenfalls wĂŒrde ich ihm sagen: Gib mir Freiheit und Erinnerung. Wenn du das nicht kannst, mein lieber Engel, dann fliegst du tief, nicht mal auf der Höhe unserer Niederlage.“

Quelle: Indymedia (Tor)




Quelle: Chronik.blackblogs.org