April 2, 2021
Von Emrawi
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In Istanbul ist erneut ein Protest von Studierenden gewaltsam aufgelöst worden. Die Polizei fĂŒhrte mehrere Festnahmen durch, die genaue Anzahl ist noch unklar. Die Beteiligten hatten vor, am Hafen von Kadıköy eine öffentliche ErklĂ€rung abzugeben und zum Streik gegen die Zwangsverwaltung an Hochschulen aufzurufen. Die Proteste fĂŒr die universitĂ€re Autonomie dauern bereits seit der Ernennung des Finanzwissenschaftlers Melih Bulu zum Rektor der Istanbuler Boğaziçi-UniversitĂ€t Anfang des Jahres durch PrĂ€sident Recep Tayyip Erdoğan an.

Zwei Studierende werden abgefĂŒhrt

In Reaktion auf die Ernennung Bulus, ein ParteigĂ€nger von Erdoğans AKP, etablierte sich eine Widerstandsbewegung, die gewaltsam unterdrĂŒckt werden soll. Hunderte Studierende und Aktivist*innen wurden im Zusammenhang mit den Protesten bereits festgenommen, gegen elf weitere erging Haftbefehl. Acht Studierende wurden zwar inzwischen wieder freigelassen – wenn auch nur gegen Meldeauflagen oder Hausarrest – mit ƞilan Delipalta von der Studierendenbewegung Öğrenci Kolektifleri und dem TIP-Aktivisten Anıl AkyĂŒz sitzen zwei Betroffene seit Anfang Februar hinter Gittern. Am morgigen Freitag beginnt der Prozess gegen beide wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt und Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Verhandelt wird am Justizpalast Anadolu im Stadtteil Kartal. Bei einer Verurteilung drohen den Angeklagten bis zu drei Jahre Haft.

Die heutige Kundgebung war vom Landratsamt Kadıköy kurzfristig verboten worden. Daraufhin wurden rund um den Hafenplatz Straßensperren errichtet, etliche ZugĂ€nge blockierten Polizisten mit gepanzerten Fahrzeugen. Auf eine Verhandlung mit den HDP-Abgeordneten ZĂŒleyha GĂŒlĂŒm und Ali Kenanoğlu ließ sich die Einsatzleitung nicht ein. Stattdessen ging die Polizei mit TrĂ€nengas gegen die Studierenden vor, die Parolen wie „Die UniversitĂ€ten gehören uns, wir werden sie befreien“ und „Wir werden kĂ€mpfend gewinnen“ riefen. Sowohl am Hafenplatz als auch in Seitenstraßen, in die sich die Studierenden nach dem Einsatz von TrĂ€nengas zurĂŒckzogen, kam es zu gewaltsamen Festnahmen. Die Polizeiblockade des Hafens dauert zur Stunde weiter an.

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Quelle: Emrawi.org