Juni 29, 2022
Von Indymedia
182 ansichten

Der Cartoon-Frosch Pepe ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Symbol der US-amerikansichen Alt-Right-Szene avanciert. Folgerichtig fungierte er auch eine Zeit lang als Erkennungszeichen der IdentitĂ€ren Bewegung (IB) im deutschsprachigen Raum. Mitunter wird Pepe dabei um visuelle Attribute erweitert, in der Szene der Studentenverbindungen beispielsweise um eine BurschenmĂŒtze.

Eine solche Pepe-Darstellung mit BurschenmĂŒtze fungiert auch als Profilbild von Simon Rabold, dem derzeitigen Frankfurter RCDS-GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Der RCDS (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) ist der Studenten[sic!]verband der CDU – und seit Jahrzehnten fĂŒr seine rechten Umtriebe bekannt. Schon 1994 hatte der Frankfurter RCDS Schlagzeilen gemacht, als sich die Gruppe der damals noch sehr jungen „Neuen Rechten“ inhaltlich wie personell annĂ€herte. Man las die erst wenige Jahre zuvor gegrĂŒndete Junge Freiheit, im Staatspolitischen Club tauschte man sich mit anderen neurechts Gesinnten aus der Rhein-Main-Region aus – darunter auch zahlreiche GrĂ¶ĂŸen der Neonazi-Szene, ehemalige NPD-Kader oder offen rechtsextreme Burschenschafter.

Dass der Frankfurter RCDS auch heute noch am rechten Rand mehr als nur fischt, ist Beobachter*innen seit Jahren klar. Die politischen VerhĂ€ltnisse sind bekannt: So berichteten Aussteiger*innen im Jahr 2021 von der NormalitĂ€t rassistischer und antifeministischer Hetze im CDU-Studenten[sic!]verband. Nach Sitzungen werde ĂŒber „Umvolkung“ durch Zuwanderung fabuliert, das Frauenwahlrecht infrage gestellt und Ă€hnliches. Sexistische und rassistische ZustĂ€nde seien keine Ausnahme, sondern NormalitĂ€t. Der Schwesterverband Junge Union stellte das erst kĂŒrzlich unter Beweis, als beim Treffen des hessischen Landesverbands lautstark sexistisches Liedgut gegrölt wurde.

Korporiert und rechtsaußen

Doch zurĂŒck zu Simon Rabold selbst. Rabold wurde am 1. Oktober 2000 geboren und wuchs in Hargesheim (Rheinland-Pfalz) auf, wo sein Vater – der offen mit der Szene der Corona-Rechten sympathisiert – in der Winzenheimer Str. 55 eine Imkerei betreibt. Auch Rabold ist oft in Hargesheim unterwegs, wohnt dort bisweilen auch fĂŒr lĂ€ngere Zeit. Im letzten Jahr war er in Frankfurt oft nahe der Friedberger Warte zu sehen, ist dort augenscheinlich aber weggezogen.

Seit dem Wintersemester 2020/21 ist Rabold unter der Matrikelnummer 7521502 an der Goethe-UniversitĂ€t eingeschrieben. Er studiert dort nun im dritten Semester Jura und engagiert sich hochschulpolitisch im RCDS, dessen politische Offenheit nach rechts bereits deutlich wurde. Rabold kandidert aktuell auf dem RCDS-Listenplatz 4 fĂŒr das Studierendenparlament. Seit dem Sommersemester 2022 fungiert er zudem als GeschĂ€ftsfĂŒhrer des RCDS. Im Dezember 2021 war er zudem als Beisitzer im Vorstand des JU-Kreisverbands Bad Kreuznach gewĂ€hlt worden.

 Dass Rabold weit rechts des CDU-Mainstreams steht, wird aber nicht nur in seinem Twitter-Profilbild deutlich: So ist er SchriftfĂŒhrer im Landesvorstand der WerteUnion, eines extrem rechten Zusammenschlusses innerhalb der CDU. Die WerteUnion hatte zuletzt Schlagzeilen geschrieben, als ihr Vorsitzender Max Otte von der AfD als BundesprĂ€sidentschaftskandidat aufgestellt wurde. Gegen Otte lĂ€uft daher zurzeit ein Ausschlussverfahren aus der CDU.

Und auch die BurschenmĂŒtze in Rabold Twitter-Profilbild kommt nicht von ungefĂ€hr: Seit FrĂŒhjahr 2022 ist er Fux des Frankfurter Wingolfs – einer zunĂ€chst recht unscheinbaren Verbindung, in der Rabold aber nicht der einzige Rechtsaußen ist. Auch Maximilian MĂŒger, ehemals Beisitzer im hessischen AfD-Landesvorstand, ist dort Mitglied; Rabold und MĂŒger sind also nun BundesbrĂŒder. Rabold beteiligt sich an den gemeinsamen AktivitĂ€ten der Verbindung, etwa einer Wanderung zum Germania-Denkmal bei RĂŒdesheim, und hĂ€lt dies stolz auf seinem Twitter- und Instagram-Profil fest.

 Twitter, Insta, Telegram

Auch sonst ist Rabold sehr aktiv in Sozialen Medien, teilt Fotos von seinen zahlreichen Urlauben und folgt allem, was ihm so zugesagt: Der neofaschistischen GegenUni, der Corona-Leugner*innen-Gruppe StudentenStehenAuf, dem Verschwörungsideologien Gunnar Kaiser oder AfD-FunktionĂ€ren wie Sven Tritschler und Cedric Salka. Zu einigen scheint auch ein persönliches KennverhĂ€ltnis zu bestehen. Bei Felix Straubinger, der 2020 mit der Jungen Bewegung Hessen kurzzeitig Aufmerksamkeit genoss, nach einem antifaschistischen Hausbesuch aber vorerst verstummte und seit kurzem wieder hin und wieder auf Querdenken-Demos auftaucht, setzt Rabold das ein oder andere „Like“.

Das Thema Corona hat es Rabold besonders angetan: So fabuliert er vom angeblich drohenden Sozialismus durch staatliche Maßnahmen, engagiert sich in Diskussionen in der StudentenStehenAuf-Telegram-Gruppe und geht auf entsprechende Demonstrationen. Im MĂ€rz 2021 lĂ€sst er sich sogar vor der Kamera ĂŒber seine anti-linken Wahnvorstellungen aus und fĂ€hrt im selben Jahr bis nach Erlangen fĂŒr StudentenStehenAuf-Demonstrationen.

Rabold hat sogar praktische Tipps parat fĂŒr andere Studierende, die Verschwörungsideologien anhĂ€ngen: So wirbt er in der StudentenStehenAuf-Gruppe fĂŒr die Fake-Corona-Test-Zertifikate von „DrAnsay“, mit denen es ohne Probleme möglich sei, in die Uni zu kommen.

Möchtegern-Publizist im rechtslibertÀren Lager

„Vor allem die Freiheit [ist] ein Herzensthema fĂŒr mich“ – so beschreibt Rabold seine politische Überzeugung. Er schreibt fĂŒr Apollo News und Tichys Einblick, wo er immer wieder gegen angebliche FreiheitseinschrĂ€nkungen wettert, gegen die FDP polemisiert (die zu weich sei) und ĂŒberall den Sozialismus gekommen sieht. Auf Apollo News kann er sich getrost ĂŒber Maskenpflicht, „Corona-, Abstands- und Regelirrsinn“ auslassen – von den Aussagen der Protagonst*innen der Querdenken-Szene sind seine Artikel inhaltlich ohnehin kaum unterscheidbar. Der rechte Libertarismus, den Rabold ebenso wie andere junge Rechte verkörpert, kommt scheinbar kosmopolitisch daher: So werden ökonomische Fragen und Fragen individueller Freiheiten fokussiert, jeder kollektiven Verantwortung und jedem Gemeinschaftsgedanken abgeschworen. Im neoliberalen Zeitalter trifft solches Denken durchaus auf fruchtbaren Boden. Doch der kosmopolitische Schein trĂŒgt: Auch Rabold gefallen Tweets, in denen die rassistische Verschwörungsideologie vom „Großen Austausch“ kolportiert wird. Die Melange aus dem modernisierten Rassismus der Neuen Rechten und einem aggressiven Rechtslibertarismus ist in rechten Internet-Subkulturen heute sehr gelĂ€ufig. Und offenbar auch im Frankfurter RCDS: Der ehemalige Frankfurter RCDS-Vorsitzende Oliver Palkowski, der zurzeit in Wien lebt, besuchte unlĂ€ngst einen Vortrag von Jordan Peterson, einem der zentralen WortfĂŒhrer der US-Rechten, und ist eng mit der neurechten Publizistin Zara Riffler befreundet, die ebenso wie Rabold fĂŒr Tichys Einblick schreibt. Beim RCDS handelt es sich um gewĂ€hlte StudierendenvertreterInnen, die sich in einem (extrem) rechten Dunstkreis bewegen.

Als die Verstrickungen des Frankfurter RCDS ins neurechte Spektrum im Jahr 1994 öffentlich wurden, waren antifaschistische Gruppen dem RCDS bei der EntrĂŒmpelung seines Raums im Studierendenhaus behilflich. Eine solche tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung bei der Entnazifizierung des Campus wĂ€re heute doch auch wĂŒnschenswert.

Wir sagen:
Antifaschistisch wĂ€hlen – keine Stimme den Rechten!
Konsequenzen fĂŒr Rabold – zeigt ihm, was ihr von seiner Gesinnung haltet!
FĂŒr eine antifaschistische Uni – den Rechten entschlossen entgegentreten!




Quelle: De.indymedia.org