September 30, 2021
Von La Presse
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Zum GesprĂ€ch anlĂ€sslich einer FilmvorfĂŒhrung treffen wir uns im Leipziger SĂŒden. Mehrere Migrant*innen sitzen, bei einem KaltgetrĂ€nk, an dem SpĂ€tsommerabend auf einer Mauer. Darunter eine schwangere Deutsche und ein etwas Ă€lterer Mann im Kapuzenpulli – es handelt sich um Richard Gauch.
“Richard Gauch wurde mehrfach fĂŒr sein Zivilengagement ausgezeichnet. 2013 war er Projektleiter der Initiativgruppe „Mahnwache und Stolpersteine putzen“, erhielt den Preis „Couragiert in Leipzig“ und ist zudem PreistrĂ€ger des BĂŒndnisses fĂŒr Demokratie und Toleranz- gegen Extremismus und Gewalt bei der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung. Sein Kollege Ricky Burzlaff war ehemals Vorsitzender des Vereins „Verantwortung fĂŒr FlĂŒchtlinge e. V.“ aus Leipzig, welcher insbesondere auf dem Westbalkan im Interesse der dort lebenden und aus Deutschland abgeschobenen Roma aktiv ist” lautet es in einem frĂŒheren Bericht der LIZ zu dem Film aus der heutigen Vorstellung.
Seit 2015, der sogenannten “FlĂŒchtlingskrise”, engagieren sich Richard Gauch und Ricky Burzlaff in der FlĂŒchtlingshilfe. “Als die Turnhallen mit Menschen belegt wurden, wollten wir helfen. Wir hĂ€tten uns in eine der zahlreichen Initiativen engagieren können, entschieden uns jedoch dazu, mit einzelnen GeflĂŒchteten zu arbeiten. Konkret ging es darum Begegnungsorte zu schaffen und bei alltĂ€glichen Problemen – wie BehördengĂ€ngen, Wohnungs-, Job- oder Ausbildungssuche – zu helfen. Etwas, das auch noch wirkt, wenn der Trubel vorbei ist.
Im Rahmen unseres Wirkens fielen uns hier und da antisemitische Einstellungsmuster auf, denen wir mit GesprĂ€chen und Bildungsfahrten zu GedenkstĂ€tten begegneten. FĂŒr Menschen die hier geboren wurden ist es verlockend antisemitische Einstellungen zu verurteilen. Das hat auch seine Richtigkeit. Dabei wird jedoch nicht berĂŒcksichtigt, dass es sich bei GeflĂŒchteten um Menschen mit einer anderen Sozialisierung, traumatischen Fluchterfahrungen, Rassismuserfahrungen auf der Straße und den Behörden sowie Menschen mit banalen Problemen handelt” meint Richard wĂ€hrend er den Sitzplatz auf der Mauer gegen den Schneidersitz auf dem BĂŒrgersteig eintauscht.
Richard und Ricky organisieren weiterhin Bildungsfahrten – rĂŒcken dabei jeodoch immer weiter in den Hintergrund. Inzwischen sind sie Teil der vornehmlich migrantisch organisierten Initiative “AG United”. Das, im bereits erwĂ€hnten Interview mit der LIZ, proklamierte Ziel “Jene FlĂŒchtlinge, die mit ihnen nach Auschwitz gefahren sind [
] nun als Multiplikatoren wirken [
]” scheint erreicht. In der AnkĂŒndigung zur heutigen Filmvorstellung im Rahmen der “Interkulturellen Wochen” lautet es:
“Der Dokumentarfilm “Eine Begegnung – Arabische FlĂŒchtlinge treffen auf den Holocaust“ zeigt, wie wichtig die PrĂ€senz des Holocausts heute im Jahr 2021 immer noch sein muss: 3 GeflĂŒchtete aus dem Irak, Marokko und Syrien besichtigen zum ersten Mal die Konzentrationslager in Auschwitz und werden mit den katastrophalen Folgen von Antisemitismus, Rassenwahn und Krieg konfrontiert. In ihren HeimatlĂ€ndern sind Krieg, Rassismus und Antisemitismus immer noch Alltag – umso stĂ€rker können sie nachempfinden, wie es den Menschen im zweiten Weltkrieg ergangen sein muss. In stĂ€ndiger Angst zu leben, jeden Tag Leichen zu sehen und kaum Hoffnung auf eine friedliche Zukunft zu haben – Mohammed, Ghassan und Fouad kennen dieses Leben und kommunizieren im Rahmen dieser Reise nach Polen im GesprĂ€ch mit Zeitzeugen eine starke Botschaft an die Zuschauer*innen. Im Rahmen der Veranstaltung zeigen wir den Dokumentarfilm und wollen uns in der Diskussion der Notwendigkeit einer aktiven Auseinandersetzung mit Antisemitismus widmen.” 
Die diesjĂ€hrigen Interkulturellen Wochen wurden unter dem Motto “#offengeht – Leipzig auf dem Weg zu einer vielfĂ€ltigen Stadtgesellschaft” bereits am 19. September 2021 eröffnet. Insgesamt gab es in diesem Rahmen rund 100 Angebote von 80 veranstaltenden Organisationen. Das Leipziger Programm lĂ€uft noch bis zum 3. Oktober 2021.
“Vor dem Hintergrund des Mottos #offengeht haben wir uns dazu entschlossen, den Film online zur VerfĂŒgung zu stellen. Zum Prozess der Entstehung, den Finanzierungsproblemen und nicht zuletzt den Inhalten stehen wir als AG United auch nach dieser Veranstaltung zur VerfĂŒgung” so einer der Protagonisten und Mitglied der AG United aus dem Film. 
Abschließend konstatiert Richard: “Ich finde es wichtig, dass das Thema Antisemitismus angesprochen wird und auch andere Menschen sich in Form von Gedenk- und Bildungsarbeit mit GeflĂŒchteten konstruktiv einbringen.”
Die Produktion des Films und das Gesamtprojekt haben eine deutliche  fĂŒnfstellige Summe gekostet. Leider konnte diese nicht durch ein Crowdfunding-Projekt finanziert werden, sodass die Initative auf einer Summe von knapp 10.000 Euro sitzen geblieben ist. Richard und Ricky bitten deshalb um Spenden an:
Ricky Burzlaff
IBAN: DE94120965970003526837
Betreff: Filmprojekt
Wenn das Spendenziel erreicht wurde, aktualisieren wir diesen Beitrag. Zwischenzeitlich mehr eingegangene Spenden werden an den Bon Courage e.V. weitergeleitet.
Bildquelle: Screenshot YouTube “Eine Begegnung”



Quelle: La-presse.org