Mai 19, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Ein Brand im Humangenetischen Institut MĂŒnster vernichtet 1986 eine gigantische Sammlung an Forschungsmaterialien und wirft nicht nur die MĂŒnsteraner Genetiker um Jahre zurĂŒck. Kurz nach dem Brand wird sich herausstellen, dass das Feuer von der Roten Zora gelegt wurde, die ihre GrĂŒnde fĂŒr diesen erfolgreichen Angriff auf die Genetik in einer ErklĂ€rung darlegt, die im folgenden reproduziert ist.


Aktion gegen das Humangenetische Institut MĂŒnster

Wir waren am 5.8. im Humangenetischen Institut in MĂŒnster, um uns einige Akten anzueignen und um möglichst viel durch Feuer zu zerstören.

Abschaffung aller humangenetischen Institute und Beratungsstellen! Stop der Bio- und Gentechnologie!

Die Bio- und Gentechnologie ist eine entscheidende SchlĂŒsseltechnologie im gegenwĂ€rtigen imperialistischen Umstrukturierungsprozeß. Ihre Anwendung in der Nahrungsmittelproduktion (Hungerpolitik), Kriegsforschung, fĂŒr neue Produktionsverfahren und als soziales Kontroll- und Steuerungsmittel dient allein der Profit- und Herrschaftssicherung. Es geht den HERRschenden nicht um qualitative Verbesserungen der Lebensbedingungen, sondern darum, sĂ€mtliche menschlichen Lebensbereiche den Interesssen der Verwertbarkeit, Kontrolle, Machtsicherung und technischer Machbarkeit zu unterwerfen.

Selbst die Katastrophe von Tschernobyl wird die Bio- und Gentechnologie nutzen, ihren Anteil an der Planung einer katastrophalen NormalitĂ€t akzeptabel und profitabel zu machen: die genetische Aussonderung der Menschen gemĂ€ĂŸ vergifteter Umwelt und miserabler Arbeitsbedingungen, fĂŒr den quantitativen und qualitativen Bedarf dieses Systems. Studien zur PrĂŒfung erhöhter genetischer Empfindlichkeit gegenĂŒber RadioaktivitĂ€t werden am HUMANGENETISCHEN INSTITUT in MÜNSTER seit einigen Jahren durchgefĂŒhrt.

Dieses Institut ist ein Baustein fĂŒr die in der BRD angestrebten flĂ€chendeckenden genetischen und sozialen Kontrollen ĂŒber menschliches Leben und Reproduktion. Nach der Kosten-Nutzen-Analyse wird die Verminderung der Fortpflanzung von behinderten, nicht verwertbaren, nicht angepaßten Menschen (z.B. die Bewohner von sog. Asozialen- Siedlungen/W. Lenz vom Institut) und die Steigerung der Geburtenrate von wĂŒnschenswertem, leistungsfĂ€higem, ökologisch weniger anfĂ€lligem Menschenmaterial propagiert.

Die NĂ€he zur faschistischen Auslese-Ausmerze-Politik ist nicht weit hergeholt, sie personifiziert sich in MĂŒnster in dem fĂŒhrenden NS- Rassehygieniker v. Verschuer, der ab 51 Direktor des Instituts war. Als solcher hat er eine umfassende Erhebung (2 Millionen Personen) ĂŒber krankhafte Erbmerkmale durchgefĂŒhrt, Grundlage fĂŒr ein Machwerk ĂŒber den Nutzen frĂŒhkindlicher Euthanasie (1958): 16.000 Kinder kamen zur Vernichtung in Betracht. Diese Forschungen sind im Genetik- Register des Instituts festgehalten, werden weiter ausgebaut und verarbeitet.

Verschuer­s Nachfolger haben die traditionellen Ziele nicht aufgegeben, die faschistische Ideologie ist durch die wissenschaftlich untermauerte Sorge um „die drohende Verschlechterung des Erbgutes“ (TĂŒnte) und eine „Eugenik der Gesundheitspolitik“ weiterentwickelt worden.

Als Erforschung genetisch bedingter Krankheiten ausgewiesen, wird in den aktuellen Schwerpunkten des Instituts Grundlagenforschung betrieben, die die Voraussetzung schafft fĂŒr eine umfassende genetische Selektionspolitik, die bisher in den Bereichen prĂ€natale Diagnostik (vorgeburtliche Aussonderung/Vernichtung) und Arbeitnehmer/innen- Screening (Aussonderung bzgl. der Schadstoffbelastbarkeit am Arbeitsplatz) praktisch betrieben wird.

Geforscht und gearbeitet wird in MĂŒnster an der Lokalisierung von Genen und Chromosomen (Genkartierung), an der möglichst weitreichenden Erfassung genetischer Merkmale, an der Entwicklung technischer Verfahren zur Erfassung und Manipulierbarkeit erblicher Defekte, an der Herstellung des Zusammenhangs zwischen genetischer Abweichung und Sozialstruktur und an der EDV- gerechten Verarbeitung des erhobenen Datenmaterials.

Überregional fließt das gesammelte Datenmaterial in verschiedene Zentralregister ein und wird weiterkoordiniert mit dem bereits bestehenden Gesundheitskontrollapparat. Es wird hiermit die Basis geschaffen fĂŒr eine aggressive Sozialpolitik, die entlang der Kosten- Nutzen- Analyse die Vernicht sog. „unwerten“ Lebens offensiv betreibt 
 (in der Vorlage unleserlich) 
 wird ĂŒber die Zusammenarbeit mit der Uni- Frauenklinik sichergestellt. Zudem (???) eine Beratung Mittel zur Durchsetzung der NormalitĂ€t genetischer Nachwuchsplanung, Akzeptanzstudien werden gleich mitbetrieben.

Das Ganze wird verkauft als individuelle Lebens- und GesundheitsfĂŒrsorge. Unter dem verinnerlichten Druck, Normen zu erfĂŒllen – verbunden mit Angst, die von oben bewußt geschĂŒrt wird, oder Hoffnung auf individuelles LebensglĂŒck – liefern die ratsuchenden Frauen das Material fĂŒr eine Forschung, die sich gegen die Frauen selbst richtet: weitere Enteignung der Frauen von ihrem Körper, die gesamte menschliche Reproduktion soll ausschließlich unter den Zugriff und der Kontrolle medizinischer Techniker stattfinden, damit die Frauen fĂŒr Mann/Staat/Kapital gesunde und leistungsfĂ€hige Kinder produzieren. Anderssein, das den herrschenden Interessen widerspricht, wird zum genetischen Defekt. Die Verantwortung, diesen Defekt zu vermeiden, wird jeder einzelnen Frau zugeschoben.

Daß sich diese Politik vor allem gegen AuslĂ€nderinnen, Frauen der unteren sozialen Klasse und Behinderte richtet, zeigt sich an den sozialhygienischen Zwangsmaßnahmen, denen sie durch Abtreibungs- und Sterilisations“empfehlungen“ unterworfen sind und von denen sie in der Zukunft durch die Verweigerung der KostenĂŒbernahme im Falle einer Behinderung betroffen sein werden – wie schon heute in den USA.

Der Bevölkerungspolitik hier nach den Kriterien der Verwertbarkeit entspricht auf brutalste und mörderische Weise die Vernichtung breiter Teile der Bevölkerung in den drei Kontinenten.

Frauen mĂŒssen sich dieses Gesamtzusammenhangs und ihrer Verantwortung bewußt sein, wenn sie die „Dienste“ dieser Institute in Anspruch nehmen.

Mit der genetischen Klassifizierung der Menschen schaffen sich die HERRschenden ein Instrumentarium, die Menschen in ihren sozialen ZusammenhÀngen zu erfassen und zu kontrollieren, sie den Bedingungen von Ausbeutung und Verwertung zu unterwerfen und so die patriarchale Klassenherrschaft erneut zu festigen.

Wir bekĂ€mpfen diese Technologie nicht wegen ihrer Nichtberechenbarkeit oder unabsehbarer Folgen, wie oft argumentiert wird, sondern wir kĂ€mpfen gegen die beabsichtigte und tagtĂ€glich praktizierte NormalitĂ€t dieser Technologie, die die Vernichtung, UnterdrĂŒckung und Unterwerfung von Menschen sehr berechnend plant und durchfĂŒhren hilft. Nicht die Katastrophe ist das, was uns bedroht, sondern daß es einfach so weitergeht.

Kampf dem imperialistisch- patriarchalen Normalzustand!

Rote Zora

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Quelle: Schwarzerpfeil.de