Mai 23, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Das Labor war die realisierte Utopie dieses auf Sachen reduzierten Wissens, ein kĂŒnstlicher, abstrakter Raum. Hier kann man mit den “Naturgesetzen” spielen, ohne die Hindernisse der Natur, alle “irrationalen und störenden” Elemente können eliminiert werden. Dadurch, dass sich die Vorbedingungen im Labor kontrollieren lassen, werden die komplexen und wechselhaften Verkettungen eliminiert. Die Experimentierenden werden alleinige Ursache des beobachteten PhĂ€nomens. Man muss eingesetehen, dass durch dieses Vorgehen eine RealitĂ€t hergestellt wird, obwohl diese nur beobachtet werden sollte – der “unendliche Irrtum” ist geschaffen und wird weiter und weiter gesponnen.

Von weißen MĂ€nteln und deren NeutralitĂ€t in Das Feld der Kontrolle

Wer erinnert sich noch an den Februarmorgen 1997, als die Zeitungen den Warnhinweis der neuen Zeit den Bewohnern der Erde verkĂŒndeten: Wir prĂ€sentieren euch Dolly, ein Schaf, eher aus der Replikation, als der Befruchtung geboren. Das Bild eines gewöhnlichen Schafes provozierte keinen generellen Aufschrei und die Zeitungen ĂŒbernahmen es selbst uns mit VulgaritĂ€ten ĂŒber die Mythen der molekularen und genetischen Biologie des Tieres zu versorgen. Der NormalbĂŒrger lernte von der Existenz der Biotechnologie durch Dolly, das Schaf, das innerhalb eines Labores kĂŒnstlich erschaffen worden ist. Nicht ohne die Beschwörungen ĂŒber die “ethische Barriere”, die uns gegen das Klonen von menschlichen Wesen schĂŒtzen sollte, stach die Genmanipulation triumphierend hervor, indem sie ihr Programm der Welt eröffnete: die Geheimnisse der Natur “zu entdecken”, die fundamentalen Mechanismen des Lebens und seiner Reproduktion zu verstehen und zu beeinflussen, das Leben “zu verbessern”, zum Beispiel indem man die menschlichen Gene sĂ€ubert.

Die Zeit verging und die heutige Biotechnologie ist keinen radikalen Infragestellungen ausgesetzt. Ein Grund unter anderen ist die bedeutende Entdeckung, die in der Zwischenzeit gemacht wurde: die Idee, was ein menschliches Leben sein könnte ist so massiv verloren gegangen, vergessen, verstĂŒmmelt worden oder ist jetzt so schwer vorzustellen, dass man beinahe unfĂ€hig sein wird, ein ernstes und nicht-reaktionĂ€res Argument zu artikulieren, das der Verbesserung und Duplikation des menschlichen Wesens innerhalb eines Labors widerspricht. Biotechnologie brachte die natĂŒrlichen Grenzen zu Fall, die bis zu einem bestimmten Moment als Mauern dienten, um die industrielle Expansion zurĂŒck zu halten. Aber schlussendlich ist das, was im Labor entdeckt wird nichts mehr als “Leben” innerhalb eines Labors, in anderen Worten, nichts: ein genetischer “Meccano”, eine willkĂŒrliche Konstruktion, die nur als Lebensform beobachtbar wird, wenn sie zurĂŒck in die Natur gebracht wurde. Die WĂ€nde der Laboratorien konnten also nicht all diese Experimente enthalten: das Labor musste hoffnungslos auf die ganze Welt ausgeweitet werden.

Wir können Biotechnologie als einen Cluster aus Techniken definieren, die benutzt werden Mikroorganismen, Tierzellen (das menschliche Tier eingeschlossen) und GemĂŒse industriell auszubeuten. Diese Techniken konzentrieren sich hauptsĂ€chlich auf die Manipulation und Modifizierung von Genen, in anderen Worten, auf die Komposition von Fragmenten unzusammenhĂ€ngender Organismen. Das ist besonders der Fall, seit die Möglichkeit DNA-Teile zu rekombinieren 1973 in den USA entdeckt wurde. Biotechnologie wird in Sektoren angewendet, die von Landwirtschaft zu Pharmazeutika und Chemie reichen. Biotechnologie ist (an der Frontlinie) in der Offensive auf allen Feldern: ZellenvorrĂ€te, um Organe zu “korrigieren”, GVO, das ein wichtiger Teil globaler Landwirtschaft geworden ist, die synthetische Schaffung und Produktion von Pflanzen und Bakterien, in kĂŒnstlicher Befruchtung (eingeschlossen der HinzufĂŒgung von Genen), die KĂŒhe oder menschliche Wesen, Waffen der Massenvernichtung produziert, die aus kĂŒnstlichen Bakterien bestehen, die Erbanlagen angreifen und die genetische Standardisierung von Rind.

Es könnte nutzlos erscheinen uns daran zu erinnern, dass alles, was heute als “schwache Gene” bekannt und korrigierbar durch Biotechnologie ist, ewige Variationen der Evolution von Leben selbst ist; und dass die Reduktion, die von der genetischen Manipulation ausgefĂŒhrt wird (die “Kreation” von kĂŒnstlichen Genen und somit Organismen) nur zum 
 Ende des “Lebens” fĂŒhren kann, seiner FĂ€higkeit beraubt, zu reproduzieren und zu wachsen. Die von Monsanto kommerzialisierte, sterilisierte Saat kann, zu einem kleinen Grad, als Spiegel betrachtet werden von dem was ĂŒberall passiert: Leben wird “steril”, seines Reichtums beraubt, reduziert auf Computermodelle innerhalb von Laboratorien. Das gleiche gilt fĂŒr das “menschliche Wesen”. Die wachsende BlĂ¶ĂŸe die mit der industriellen VerwĂŒstung und Verschmutzung verbunden ist, kann zur zur biotechnologischen Lösung fĂŒhren. Falls “Natur” nicht lĂ€nger funktioniert, dann lassen wir “Natur” funktionieren. KĂŒnstlicher Uterus, Befruchtung in Laboratorien, eugenische Selektion von Eizellen, die befruchtet werden sollen durch standardisierte Spermien: das KĂŒnstlich-Machen, mehr als der Progressivismus und die Emanzipation, die seine Partisanen behaupten zu sein, ist “die Zukunft zu der wir verurteilt sind”. Das ist was (unter anderem) die bewaffnete Gruppe von Frauen/Lesben Rote Zora (gezeichnet durch Linkstum und Anti-Imperialismus) erwartete, indem sie ihre Biotechnologie-Kritik mit Dutzenden Angriffen gegen Forschungszentren in den 80ern materialisierten: “Wir haben uns entschieden, unsere Aktionen gegen die demografische Politik und genetische und reproduktive Technologie zu konzentrieren. Wir betrachten und betrachten weiterhin dieses Thema als einen zentralen Punkt im Kampf gegen das Patriarchat. Diese Technologien materialisieren ein patriarchales MachtverhĂ€ltnis die sogenannten “Herren der Schöpfung” intervenieren, indem sie zerstören und etwas “Neues” zu einem bisher unbekannten Ausmaß erschaffen, und das mit dem Ziel das Leben auszubeuten, Profit zu erhöhen und die Strukturen der Macht und UnterdrĂŒckung zu stĂ€rken. [
] Reproduktive Technologien wollen technisch sich selbst als Prozess an die Stelle setzen, Kinder zu haben: Frauen die als “klinisch tot” diagnostiziert worden sind, werden dann als tot erklĂ€rt und in Produktionsmittel verwandelt, und ihre Embryos – fĂŒr die es angeblich essentiell notwendig ist, gegen Frauen verteidigt zu werden – in Forschungsobjekte. Die Fabrikation des kĂŒnstlichen Uterus, die Forschung wird gemacht mit dem “Material”, das die Medizin durch Millionen GebĂ€rmutterentfernungen erhĂ€lt, ist bereits eine konkrete Praxis, so wie das Tabu des menschlichen Klonens weniger streng geworden ist.”

Es ist kein Spezialwissen ĂŒber Molekularbiologie nötig, um zu beteuern, dass die Unternehmungen der Manipulationstechniker zahllose Konsequenzen haben, weil sie unkontrollierbar und unwiderruflich sind. Die qualitative Essenz der Lebensformen, die als Dinge manipuliert werden, bleibt “mysteriös” und unzugĂ€nglich fĂŒr die Wissenschaftler, die dann zur Substitution dieser Essenz durch genetisch spezifische Programme ĂŒbergehen. Selbst wenn ein offensichtlicher methodologischer Fehler durch Invasionen von Parasiten, die Multiplikation von Infektionen, die Unfruchtbarkeit der Erde und Lebewesen, die Vermehrung von Tumoren signalisiert wird, behĂ€lt die Biotechnologie den selben Geist bei, indem neue Insektizide erschaffen werden, neue Antibiotika, Landwirtschaft ohne Erde und genetische Therapien um die Metastasen von Krebs zu verlangsamen. Somit verstehen wir bis zu welchem Punkt das KĂŒnstliche, die offizielle Ideologie der Herrschaft geworden ist. Die neue Welt, die neue “natĂŒrliche Ordnung der Dinge” ist das eine Wesen, das durch Biotechnologie geschaffen wurde. Nichts muss außerhalb davon ĂŒberleben.

Biotechnologie (all ihre Zweige und Anwendungen) gliedern alle Formen des Lebens auf, sei es GemĂŒse oder Tier, indem sie es als unterschiedsloses Genmaterial behandelt. Sie löst alle Unterschiede auf, alles von der ĂŒberraschenden Vielfalt der organischen PhĂ€nomene. Sie reuziert die lebende Gesamtheit auf eine RealitĂ€t kodifizierter Gene; es ist eine erschreckende Reduzierung des Lebens, die uns fast vergessen lĂ€sst, dass das “genetische Programm” in der Ära der Computer erschaffen wurde. Die Maschinen, die zur Aufgliederung der Genome befĂ€higen, sind dieselben, die das theoretische Modell der “Geninformation” produzieren; in anderen Worten, Biotechnologie erschafft ein Universum, ein geschlossenes Universum, indem es alles auf ihren logischen Formalismus reduziert. Je mehr dieses Universum Einfluss erreicht, deste absurder wird es die “biologische Reprogrammierung” des Menschen, seine biotechnologische “Erweiterung” seiner FĂ€higkeiten zu verweigern und desto mehr nacktes Leben wird den “Spezialisten der Schöpfung” in weißen Kitteln ĂŒberlassen.

Entnommen aus Reise in Richtung Abgrund. Lose Betrachtungen zur Technowelt.


Dieser Beitrag ist Teil einer mehrteiligen Artikelreihe.

Teil 1: Der Anschlag der Roten Zora auf das Humangenetische Institut MĂŒnster im August 1986

Teil 2: Auswertung der gestohlenen Akten aus dem Humangenetischen Institut MĂŒnster durch die Rote Zora

Teil 3: Eugenismus im weißen Kittel

Teil 4: Brandstiftung bei Gentech-Futterlieferant 2015

Teil 5: Sabotage an Forschungsfeld von Agroscope 2017

Teil 6: Brandanschlag auf das DuPont Pioneer GMO-Forschungszentrum in Pessina (Italien) 2018

Teil 7: Genetisch korrekt

Teil 8: Eine kleine Ampulle Genetik, bitte?

(Teil 9): Eine Nachbemerkung

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Quelle: Schwarzerpfeil.de