Januar 7, 2022
Von Gefangenen Info
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Artikel aus Kaar Nr. 935 erschienen am 29. August 2021

KĂŒrzlich hat eine Hackergruppe “edalat Ali (Ali’s Gerechtigkeit)” 16 geleakte Videos aus dem Teheraner Evin-GefĂ€ngnis veröffentlicht. Diese Videos zeigen u.a. SchlĂ€ge, vorsĂ€tzliche VernachlĂ€ssigung von Menschen, die medizinische Versorgung benötigen, Misshandlung und sexuelle BelĂ€stigung von Gefangenen. Die in den veröffentlichten Videos gezeigten Grausamkeiten sind nur die Spitze des Eisbergs von Verbrechen, die sich tagtĂ€glich in allen iranischen GefĂ€ngnissen ereignen.

Diese Videos wurden weltweit von zahlreichen Fernsehsendern und Nachrichtenagenturen verbreitet und zeigten erneut das wahre Gesicht des verbrecherischen Regimes der islamischen Republik. Seit nun 42 Jahren gibt es zahlreiche Berichte und Dokumentationen ĂŒber Folter in iranischen GefĂ€ngnissen, die u.a . auch von Amnesty International bestĂ€tigt und veröffentlicht wurden.

Die Auswirkung dieser Veröffentlichung war so enorm, sodass 24 Stunden spĂ€ter der Leiter der iranischen GefĂ€ngnisbehörde zunĂ€chst die Filme bestĂ€tigen musste. Er entschuldigte sich anschließend bei Khamenei, der Justiz, dem Parlament
 jedoch nicht bei den Opfern dieser Grausamkeiten, nĂ€mlich den Gefangenen. Er bezeichnete die gezeigten Misshandlungen als EinzelfĂ€lle und als das Werk einiger Weniger.

Die Amnesty-Regionaldirektorin fĂŒr den Nahen Osten und Nordafrika, Heba Morayef sagte hierzu in einer Mitteilung: „Folter und andere Misshandlungen sind in iranischen GefĂ€ngnissen zu systematisch, als dass man sie als Werk einiger weniger darstellen könnte. Kurze Entschuldigungen und Versprechungen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, reichen nicht aus, um Irans Systemische Straflosigkeit zu beenden.“

In der menschenverachtenden Ideologie und Vorstellungen der islamischen Republik gibt es keinerlei Menschenrechte fĂŒr politische Gefangene, die als „Sicherheitsgefangene” bezeichnet werden. Die Justiz der islamischen Republik sieht es als selbstverstĂ€ndlich an, sie zu foltern.

UnabhĂ€ngig davon, welche Ziele die Hackergruppe verfolgt, war die Veröffentlichung dieses Materials zum großen Nachteil des Regimes der islamischen Republik. Die gezeigten Bilder waren nicht einmal aus den Abteilungen fĂŒr politische Gefangene im Evin-GefĂ€ngnis. Wenn HĂ€ftlinge fĂŒr unterschiedliche Delikte so behandelt werden, stellt sich die Frage, wie in geschlossenen VerhörrĂ€umen, in geheimen Folterzentren, in den Sicherheitszellen der Revolutionsgarden 
 die politischen Gefangenen körperlich und psychisch misshandelt werden.

Viele politische Gefangene, die diese mittelalterlichen Kerker ĂŒberlebt haben, haben ihre Erfahrungen und Erlebnisse dokumentiert und veröffentlicht.

In einer Stellungnahme der Amnesty International von 25.08.2021 heißt es hierzu: „Auspeitschungen, Elektroschocks, Scheinhinrichtungen, Waterboarding, sexualisierte Gewalt, AufhĂ€ngen, die Zwangsverabreichung chemischer Substanzen und der absichtliche Entzug medizinischer Versorgung” gehören zu den dokumentierten Foltermethoden in den iranischen GefĂ€ngnissen.

Das reaktionĂ€re Regime der islamischen Republik herrscht nun ĂŒber vier Jahrzehnte im Iran.

Folter, Hinrichtungen, physische und psychische Misshandlungen, sexualisierte Gewalt standen vom ersten Tag der Machtergreifung auf der Tagesordnung dieses Verbrecherregimes.

Obwohl das veröffentlichte Videomaterial nur die “Spitze des Eisbergs der Folterepidemie” in den iranischen GefĂ€ngnissen zeigt, fĂ€llt es mit dem Jahrestag des Massakers an den politischen Gefangenen im Sommer 1988 zusammen. Derzeit findet auch der Prozess gegen Hamid Nouri, einer der Akteure der Folter und des Massakers an den politischen Gefangenen, in Stockholm statt.

All das hat weltweit das Bankrott und die Diskreditierung der islamischen Republik erheblich verstÀrkt.




Quelle: Gefangenen.info