Oktober 12, 2021
Von Indymedia
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Bis zur Wahl lautete der ‚Schlachtruf‘ noch „
 mehr Personal noch vor der Wahl.“ Dies konnten sie bis zum Wahltermin am 26. September nicht durchsetzen. Und so begleitet der Arbeitskampf in den Berliner Kliniken auch noch die Koalitionsverhandlungen zur Bildung des Senats.

Allerdings konnten die Krankenhausbewegung und ver.di zwei Tage zuvor, am 7. Oktober, einen wichtigen Teilerfolg verbuchen. Es gab mit der CharitĂ© eine Grundsatzvereinbarung fĂŒr einen Entlastungstarifbetrag. Es sei das beste Ergebnis, dass KrankenhausbeschĂ€ftigte in der Bundesrepublik bisher durchsetzen konnten, so berichteten die Kolleg*innen aus der Tarifkommission und die Auszubildenden auf der Auftaktkundgebung am Hermannplatz. Jetzt werden sie sich mit geballter Kraft der Auseinandersetzung bei Vivantes zuwenden, um auch dort den Arbeitskampf erfolgreich beenden zu können.

Die Chancen dafĂŒr sind mit dem Abschluss an der CharitĂ© gestiegen. Weil dort bis zu 700 PflegekrĂ€fte neu eingestellt werden mĂŒssen, ist Vivantes unter Zugzwang geraten. Will der Klinikkonzern nicht riskieren, dass seine BeschĂ€ftigten mit den FĂŒssen abstimmen und sich bei der CharitĂ© bewerben, muss auch er die Arbeitsbedingungen spĂŒrbar verbessern.

Die miese Bezahlung bei den ausgegliederten Vivantes-Töchtern sprach der Kollege Matthias an. Er erlĂ€uterte die Bedeutung ihrer TĂ€tigkeiten fĂŒr den Krankenhausbetrieb – in der Reinigung von Krankenzimmern und OperationssĂ€len, beim Nachschub von medizinischem Material, beim Patiententransport, bei der Verpflegung in der WĂ€scherei („ohne uns mĂŒssten die Ärzte nackt operieren“) und und und. Die Ausgliederungen seien nur aus KostengrĂŒnden erfolgt, um die Löhne zu drĂŒcken. Die liegen teilweise noch weit unter den Vergaberichtlinien des Senats von 12,50 Euro. Er verwies auf die Bauvorhaben mit ihren astronomischen Kostensteigerungen, wie den Flughafen BER, die Elbphilharmonie in Hamburg oder S21 in Stuttgart. Die Politiker gĂ€ben Geld aus, dass ihnen nicht gehöre. „Immer wenn ich von solchen Beispielen höre, dann denke ich, wie toll es doch wĂ€re, wenn bei Vivantes und CharitĂ© genauso wirtschaftlich und sparsam mit dem Geld um sich geschmissen wĂŒrde.“

Nach der Rede des ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke und einer SolidaritĂ€tserklĂ€rung von Konstantin Wecker und Rolf Becker setzte sich der Demozug in Bewegung. Auf einer Zwischenkundgebung vor dem Urban-Krankenhaus sprach auch Isabel, Tochter einer verstorbenen Vivantes-Patientin, ĂŒber das Schicksal ihrer Mutter. Weitere RedebeitrĂ€ge zeigten die breite Resonanz, die die Krankenhausbewegung gefunden hat. So berichteten die Riders von Gorilla ĂŒber ihren Arbeitskampf und die darauf erfolgten Entlassungen wegen der Teilnahme an als rechtwidrig bezeichneten Streiks. Eine SolidaritĂ€tsbotschaft aus Thessaloniki, Griechenland, machte deutlich, dass der Kampf der Berliner Krankenhausbewegung ĂŒber die Stadt- und Landesgrenzen hinaus Beachtung findet.

Vor dem Willy-Brandt-Haus wurden zum Abschluss nochmals die Tarifforderungen lauthals vorgetragen. Und es gab die AnkĂŒndigung, dass auch nach dem Ende der Tarifauseinandersetzung die Krankenhausbewegung aktiv bleiben werde. Denn es gĂ€be noch sehr viel zu tun und zu erstreiten, bevor der Mensch und nicht Bilanzen und Renditeerwartungen unser Gesundheitssystem bestimmten. – Andi –




Quelle: De.indymedia.org