September 16, 2021
Von Indymedia
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Seit Jahren bekommen wir KrankenhausbeschĂ€ftigten und unsere Patien*innen die schlechten Arbeitsbedingungen im Krankenhaus zu spĂŒren. Wir sind im Streik. Wir streiken nicht gerne, aber der Streik ist unser letztes Mittel, um etwas fĂŒr uns und unsere Patient*innen zu verĂ€ndern. Wir wollen Menschen heilen und nicht an underen Arbeitsbedingungen kaputt gehen. Wir brauchen deshalb jetzt deine UnterstĂŒtzung. Komm am Dienstag, den 14. September mit uns auf die Straße. (aus Aufruf der Berliner Krankenhausbewegung)

Seit dem 9. September 2021 befinden sich zahlreiche BeschĂ€ftigte der beiden stĂ€dtischen Berliner Krankenhauskonzerne, CharitĂ© und Vivantes, sowie in den Tochterbetrieben von Vivantes in einem unbefristeten Streik. Vorausgegangen war am 12. Mai ein 100-Tage-Ultimatum an die Klinikleitungen sowie an den Senat als EigentĂŒmer der stĂ€dtischen KrankenhĂ€user. Das Ultimatum blieb ohne Reaktion von Seiten der Klinikleitungleitungen und des Senats.

Es folgte am 19. August eine Kundgebung am Anhalter Bahnhof mit anschließender Demo zum Abgeordnetenhaus unter den lautstark vorgetragenen Forderungen: „TvöD fĂŒr alle an der Spree“ und „Mehr Personal noch vor der Wahl“. Einen drei Tage spĂ€ter geplanten Warnstreik ließ Vivantes per einstweiliger VerfĂŒgung durch das Arbeitsgericht verbieten. Durch zahlreiche Aktionen gelang es der Krankenhausbewegung, ihr Streikrecht zu verteidigen. In der Widerspruchsverhandlung wies das Arbeitsgericht die AntrĂ€ge von Vivantes ab. Der Weg fĂŒr einen unbefristeten Arbeitskampf war nun frei.

Die Demonstration vom Bettenhochhaus der CharitĂ© Mitte zum Roten Rathaus war geprĂ€gt durch die kĂ€mpferische Stimmung der streikenden KlinikbeschĂ€ftigten. In zahlreichen RedebeitrĂ€gen schilderten sie ihre Arbeitsbedingungen, geprĂ€gt durch Personalmangel und Arbeitshetze, durch Lohndumping in den Tochterfirmen und Gehaltsunterschiede von bis zu 1.000 Euro fĂŒr die gleiche TĂ€tigkeit. Sie berichteten von EinschĂŒchterungen und Repressionen gegenĂŒber streikenden Kolleg*innen. Sie brachten ihre Wut ĂŒber die Ignoranz der Klinikleitungen und der Senatsvertreter*innen zum Ausdruck.

Ebenfalls zu Wort kamen zahlreiche UnterstĂŒtzer*innen der Krankenhausbewegung. FĂŒr die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ rief Kalle Kunkel unter großem Beifall den Streikenden zu: „Es gibt einen Sinnspruch, der Ghandi zugeschrieben wird. Erst ignorieren sie euch, dann belĂ€cheln sie euch, dann bekĂ€mpfen sie euch und dann gewinnt ihr. Im Krankenhaus muss man diesen Spruch umĂ€ndern. Erst ignorieren sie euch, dann beklatschen sie euch, dann bekĂ€mpfen sie euch um so hĂ€rter, und dann gewinnt ihr trotzdem.“ Weiter fĂŒhrte er u.a. aus: „Gesundheit und Wohnen dĂŒrfen keine Ware sein, Punkt. Sowohl eure Krankenhausbewegung als auch die Bewegung fĂŒr die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne senden ein Zeichen der Hoffnung in diese Republik, in der uns seit 30 Jahren erzĂ€hlt wird, alles sei alternativlos. Dem setzen wir ein Zeichen der Hoffnung entgegen. Wenn ihr die grĂ¶ĂŸte Uniklinik Europas und den grĂ¶ĂŸten Klinikkonzern Deutschlands bestreikt und euch durchsetzt, wenn wir von der Initiative 350.000 Unterschriften sammeln, dann wird das in der gesamten Republik zur Kenntnis genommen, als ein Kampf der Hoffnung gibt, als ein Nein zu der ErzĂ€hlung von der Alternativlosigkeit, die uns seit 30 Jahren eingeblĂ€ut wird. Sie sind aber auch ein großes JA fĂŒr die Vorstellung, dass sich die Gesundheitsversorgung an dem BedĂŒrfnis des Menschen orientiert, dass unsere Mieten dafĂŒr da sind, den Bestand der Wohnungen zu erhalten und nicht die Pofite der Konzerne zu bedienen. Demokratie bedeutet nicht nur alle paar Jahre seine Stimme abzugeben, Demokratie bedeutet, dass wir unsere Arbeits- und Lebensbedingungen selbst gestalten können. DafĂŒr mĂŒssen wir gemeinsam kĂ€mpfen. Stimmt am 26. September beim ‚Volksentscheid Deutsche Wohnen & Co enteignen‘ mit JA, damit Berlin unser aller Zuhause bleibt.“ – Andi –




Quelle: De.indymedia.org