Oktober 25, 2021
Von Graswurzel Revolution
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Vor 520 Jahren begann mit der „Entdeckung“ Amerikas durch Christoph Kolumbus die brutale
Kolonialisierung, Ausbeutung und Zerstörung indigener Gesellschaften und Kulturen in Nord- und
SĂŒdamerika durch die europĂ€ischen Kolonialherren. Nun revanchieren sich die Zapatistas mit einem
Besuch in anderen Kontinenten, aber die „Gira por la Vida“ (dt. Reise fĂŒr das Leben) verfolgt ganz
andere Ziele.

Wie einst Kolumbus Amerika erreichten im Sommer 2021 sieben Indigene aus dem mexikanischen
Chiapas Europa mit einem Segelschiff. Sie waren als Vorhut einer vielköpfigen Delegation von der
Karibikinsel Isla Mujeres aus losgesegelt und betraten am 22. Juni in der spanischen Hafenstadt
Vigo Europa. Aber nicht, um es zu kolonisieren, sondern um den Kolonialist*innen den
Kolonialismus und Kapitalismus vor die FĂŒĂŸe zu pfeffern: „Wir wollen euren Kolonialismus und
Kapitalismus nicht!“
Rund 170 weitere Delegierte der zapatistischen Befreiungsbewegung sind mittlerweile in Europa
angekommen und touren durch die europĂ€ischen Staaten. „Wir sind nicht gekommen, um mit den
großen Massen zu sprechen, sondern mit denen, die mit uns sprechen wollen, denen wir zuhören
wollen, wie sie kÀmpfen und sich schlagen und wie sie denken. Was wir denken und was wir
wollen, ist, dass sich unsere Augen und unser Verstand öffnen mĂŒssen – auf dem Land wie in der
Stadt“, so der zapatistische Sprecher Subcomandante MoisĂ©s im September 2021 in Wien.
Die meisten Zapatistas sind IndĂ­genas aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Sie sehen sich
in der sozialrevolutionÀren Tradition von Emiliano Zapata (1879-1919), dem legendÀren
Anarchisten und Protagonisten der Mexikanischen Revolution. Ihre Organisation, die EZLN
(Ejército Zapatista de Liberación Nacional, dt. Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung), trat
erstmals am 1. Januar 1994 mit einem bewaffneten Aufstand öffentlich in Erscheinung, verzichtet
seitdem aber auf Gewalt.
Den Zapatistas geht es um Vernetzung auch mit feministischen Bewegungen. In Europa suchen ihre
Delegationen Kontakte und einen regen Austausch mit den sozialen Bewegungen „von unten und
links“.


Am 25. September 2021 hatte ich die große Freude, einige der Zapatistas, die gerade durch Europa
reisen, kennenzulernen. Zuvor war ich von Mitgliedern des Ya-Basta-Netzwerks gebeten worden,
den Compas aus Mexiko ein bisschen etwas ĂŒber die Geschichte vor allem der hiesigen
anarchistischen und der Hausbesetzer*innen-Bewegungen von unten zu erzÀhlen. Das tat ich mit
Hilfe einer Diashow und der großartigen Übersetzungsarbeit durch Mitglieder der Gruppe
B.A.S.T.A. Erfreut waren die Zapatistas, dass es mit der Graswurzelrevolution seit fast 50 Jahren
eine Monatszeitung fĂŒr eine gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft in Deutschland gibt, die
regelmĂ€ĂŸig auch ĂŒber die Zapatistas berichtet. Neben mir stellten auch Vertreter*innen mehrerer
Antifagruppen und der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter*innen Union (FAU) ihre Arbeit
vor. Das war ein toller Nachmittag in MĂŒnster. Auch das Kickern mit den Zapatistas hat großen
Spaß gemacht.
Auf der Seite des Ya-Basta-Netzwerkes heißt es: „Die zapatistische Delegation, die Deutschland
bereist, teilt sich in 13 Teams auf. Diese bestehen meist aus fĂŒnf Leuten 
 Die Zapatistas haben
sich entschieden, in dieser ersten Welle der Reise kleinere Treffen mit politischen Gruppen und
Bewegungen in den Vordergrund zu stellen und sich mit ihnen vor Ort lokal auszutauschen.“ (1)

Ich kann nur wÀrmstens empfehlen, sich mit den Zapatistas zu vernetzen.
Fragend schreiten wir voran. Viva Zapata! Anarchie und GlĂŒck.




Quelle: Graswurzel.net