Mai 5, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Die Anarchisten sind schliesslich gegen den Antimilitarismus (oh weh, da habt ihr den Versprecher, seht, ein Versprecher passiert nie völlig zufĂ€llig, tatsĂ€chlich sind die Anarchisten auch gegen eine gewisse Art von “Antimilitarismus”). Wie auch immer, um unangenehme MissverstĂ€ndnisse zu vermeiden, lasst uns versuchen, deutlicher zu sein. Ich korrigiere mich: die Anarchisten sind gegen den Militarismus. Daran besteht kein Zweifel. Sie sind gegen den Militarismus, und dies nicht im Namen von einer einstimmigen pazifistischen Auffassung. Sie sind vor allem gegen den Militarismus, weil sie eine andere Auffassung des Kampfes haben. Das heisst, sie haben nichts gegen Waffen, sie haben nichts gegen das Konzept der Verteidigung vor der UnterdrĂŒckung. Aber sie haben hingegen viel gegen einen bestimmten, vom Staat gewollten und befehligten, und von den repressiven Strukturen organisierten Gebrauch der Waffen. Sie haben viel einzuwenden gegen einen militĂ€rischen Gebrauch der Waffen. WĂ€hrend sie aber einverstanden sind, oder zumindest in ihrer ĂŒberwiegenden Mehrheit einverstanden sind, mit dem Gebrauch der Waffen gegen den UnterdrĂŒcker, mit dem Gebrauch der Waffen gegen jene, die unterdrĂŒcken und ausbeuten, mit dem Gebrauch der Waffen in einem Befreiungskrieg. Mit dem Gebrauch der Waffen gegen bestimmte Personen, gegen bestimmte Realisierungen der Ausbeutung.

Es ist also falsch, zu sagen: „Die Anarchisten sind Antimilitaristen, was das gleiche ist, wie zu sagen, dass sie Pazifisten sind”. Die Anarchisten sind nicht gegen den Militarismus, weil sie alle Pazifisten wĂ€ren. Sie haben nichts gegen das Symbol der Waffe, und ebenso wenig können sie eine Verurteilung des bewaffneten Kampfes im Generellen akzeptieren, um hier diesen streng technischen Begriff zu gebrauchen, der eine ausgedehnte Betrachtung verdienen wĂŒrde. Sie sind hingegen völlig einverstanden mit einem bestimmten Gebrauch der Waffen: Welchen? Jenen, bei dem diese GegenstĂ€nde gebraucht werden, um sich zu befreien, da keine Befreiung auf friedliche Weise möglich sein wird. Denn jene, die die Macht besitzen, werden nie so höflich sein, sich in aller Seelenruhe beiseite zu stellen, ohne Widerstand zu leisten und ohne zu versuchen, diese um jeden Preis zu erhalten.

Aus Alfredo Bonanno. »Wie ein Dieb in der Nacht.«

Was ist Krieg? Was ist Militarismus?

Über die unterschiedlichen Epochen haben sich Kriege auf verschiedene Arten und Weisen geĂ€ußert. Einige (frĂŒhe) EroberungsfeldzĂŒge, bei denen sich eine zivilisatorische Imperialmacht bisher nur von staatenlosen Gemeinschaften bewohnte Gebiete einverleibt, mögen dabei zumindest seitens der staatenlosen Gemeinschaften anders gefĂŒhrt worden sein, als jene Kriege in denen die Armeen von Monarchen, Aristokraten, Kauf- und GeschĂ€ftsleuten, Kirchen oder Nationalstaaten aufeinandertreffen. Möglicherweise haben sie sogar mehr mit bestimmten modernen Formen des Krieges gemein, auf die ich noch zurĂŒckkommen werde. Vorerst will ich die Frage danach, was Krieg und Militarismus ist jedoch ausgehend von jenen althergebrachten Konflikten unter den Herrschenden beantworten, in denen sie ihre Armeen aufeinander hetzen, um irgendwelche HerrschaftsansprĂŒche zu klĂ€ren oder gar persönliche Streits auszutragen.

Der FĂŒrst, der eine eigene Armee befehligt etwa, er mag mannigfaltige GrĂŒnde haben, um gegen die Armee eines anderen in den Krieg zu ziehen. Vielleicht wurde er gedemĂŒtigt, vielleicht buhlt er damit um die Liebe einer Prinzessin, bzw. vielmehr die Anerkennung und Gunst ihres Vaters, vielleicht behagt ihm der Verlauf einer seiner Reichsgrenzen nicht und er möchte sie ein StĂŒck nach außen verschieben, vielleicht will er einen Schatz erobern oder sich das Recht zur Ausbeutung weiterer Bauern sichern. Manchmal trachtet er einem anderen, höherstehenden FĂŒrsten nach dessen Position, manchmal mag er auch eine Eingebung Gottes gehabt haben oder irgendeinen Mythos allzu ernst genommen haben. Egal was sein Grund ist: FĂŒr seine Untertanen und Söldner dĂŒrfte dies schwerlich Grund genug sein, ihr Leben und ihre Unversehrtheit fĂŒr ihn und seine Sache zu geben. Es mag vielleicht sogar den einen oder anderen Untertan geben, der zwar ebenfalls nicht fĂŒr des FĂŒrsten Sache in den Krieg zieht, allerdings die eigene Sache (einen höheren Posten, einen Anteil der Beute, usw.) mit der des FĂŒrsten verbunden betrachtet. Die Zahl solcher Untertanen wird aber immer gering sein und wie auch der FĂŒrst sind sie selbst ebensowenig bereit, ihren eigenen Kopf hinzuhalten, wenn Schwerter auf Schilde prallen, Pfeile RĂŒstungen durchbohren und Lanzen an dem zerbersten, was vielleicht einmal der unversehrte Leib eines Menschen gewesen sein mag.

Um eine Armee aufzustellen muss sich der FĂŒrst also etwas einfallen lassen, wie er das Interesse irgendwelcher Untertanen – es mĂŒssen ja auch nicht notwendigerweise die eigenen sein – wecken kann, den ihnen zugedachten Platz im Gemetzel einzunehmen und dort – wenn es sein muss – bis zum bitteren Ende zu bleiben. Eine einfache Möglichkeit, dieses Interesse zu wecken besteht darin, seine Krieger*innen zu bezahlen. Der FĂŒrst nennt diese Söldner und er weiß um das Problem, dass diese wankelmĂŒtig sein werden. Schließlich hat er sie nur durch Bezahlung oder das Versprechen einer Bezahlung – manchmal auch durch das Versprechen eines Anteils einer reichen Beute, ein Ă€ußerst gewiefter Trick, weil er auch gleich das Interesse des Söldners siegreich zu sein weckt – dazu bewegen können, ihm zu dienen. Und der FĂŒrst weiß, dass nicht nur er Geld besitzt, sondern auch sein Feind. Auch kommt es nicht selten vor, dass Söldner angesichts einer feindlichen Streitmacht oder wĂ€hrend der Schlacht mit ihr mitsamt ihrem Sold und den an sie ausgegebenen Waffen desertieren, dass sie sich als kampfuntauglich erweisen oder dass sie sich ĂŒberhaupt weigern, etwas zu tun, wofĂŒr sie ihrer Auffassung nach nicht genĂŒgend Sold erhalten haben. Söldnerheere sind deshalb nicht besonders beliebt bei unserem FĂŒrst. Das sogenannte Lehnssystem ist ein Versuch, diese rein monetĂ€re Bindung der Söldner um eine AbhĂ€ngkeit der fortan Vasallen genannten Untertanen zu ersetzen. Im Austausch fĂŒr das Recht, selbst einmal Despot zu sein und einen kleinen Teil der LĂ€ndereien des FĂŒrsten zu verwalten, die darauf lebenden Bauern zu knechten und einen gewissen sozialen Status zu erlangen, leistet der Vasall seinem FĂŒrsten, dem Lehnsherren alle möglichen Dienste, vor allem zieht er fĂŒr ihn in den Krieg – und verpflichtet auch einige seiner Untertanen dazu. Was der Söldner fĂŒr das bisschen Sold, das er bekam nicht zu tun bereit war, das tut der Vasall, dieser edle Ritter, nun mit Freuden im Austausch fĂŒr etwas noch viel schmutzigeres: Eine schmucke RĂŒstung und eine Position in der Verwaltung des Reiches seines FĂŒrsten. Der Militarismus ist geboren.

Der fortan gepanzerte Vasall wird im Gegensatz zum Söldner nie wieder in der Lage dazu sein, seine eigene Sache zu vertreten, denn wenn er von einem langen, ermĂŒdenden und krĂ€ftezehrenden Feldzug an die heimische Feuerstelle zurĂŒckkehren wird, dann wird er sich dort um die Verwaltung des Reiches seines Lehnsherren kĂŒmmern, er wird den Bauern auf dem von ihm verwalteten Land Steuern abpressen, wird die nötige BĂŒrokratie erledigen und sich auf die nĂ€chste Schlacht vorbereiten, denn nach dem Krieg ist fĂŒr ihn vor dem Krieg. Er mag glauben, dass es seine Sache wĂ€re, fĂŒr die er hier eintritt, aber er wird zeitlebens höchstens ein betrogener Egoist bleiben.

Sein Lehnsherr dagegen, unser FĂŒrst, er reibt sich in seiner Burg, seiner Pfalz oder seinem Schloss die HĂ€nde und stĂ¶ĂŸt auf seinen cleveren Einfall an. Nicht nur, dass er sich fortan nicht mehr darum zu kĂŒmmern braucht, seine LĂ€ndereien zu verwalten, er kann nun wann immer er will, Kriege fĂŒhren und seine Vasallen werden ihm beinahe bedingungslos folgen. Schnell werden diese Vasallen, der sogenannte Schwertadel, Untervasallen einsetzen und diese wiederum Untervasallen. Die dabei entstehenden Hierarchien ermöglichen nicht nur die Verwaltung schnell wachsender Reiche, sondern bestimmen auch die Heeresordnug und sichern funktionierende Befehlsketten. Denn nicht nur im Krieg werden Gehorsam und vor allem Disziplin fortan die wichtigste Tugend eines Untertanen sein, auch in Friedenszeiten wird diese militaristische Tugend bestĂ€ndig eingeĂŒbt, wenn die Vasallen ihren jeweiligen Herren im zivilen Staatsleben dienen.

Diese militaristische Ordnung bleibt trotz zahlreicher Machtstreitigkeiten, Intrigen und Putsch(versuche) solange bestehen, bis eine neue Klasse nach der Macht greift und dieses System von außen stĂŒrzen wird: Das BĂŒrgertum. SpĂ€testens nachdem in Frankreich die Köpfe des Adels rollen, bedarf es auch einer Umstrukturierung des MilitĂ€rs. Ein sich zur neuen Oberklasse erhobener Mittelstand kann freilich nicht die militĂ€rischen Dienste des Adels fĂŒr sich in Anspruch nehmen und ohnehin wĂ€re dessen Treue nun nicht mehr gesichert, wo wir es nicht lĂ€nger mit kleinen Despoten in der Gunst eines befehlshabenden FĂŒrsten zu tun haben. Das BĂŒrgertum bedient sich weiterhin der militaristischen Logik, benötigt nun aber neue Untertanen, die fĂŒr ihre Sache streiten werden. In Frankreich und den USA und spĂ€ter auch in der gesamten westlichen Welt entstehen die ersten Nationen und es wird der Mythos einer nationalen Einheit, der Nationalismus sein, der fortan die Untertanen fĂŒr die Sache der Herrschenden in den Krieg mobilisieren wird. Können die Vasallen noch als betrogene Egoisten gelten, weil sie geglaubt haben mögen, dass sie fĂŒr ihre eigene Sache, d.h. fĂŒr ihre Macht, ihren Einfluss und ihren Status in die Schlacht zogen, so gelingt es dem BĂŒrgertum jeglichen Egoismus im MilitĂ€rwesen auszurotten. Man zieht fortan fĂŒr eine fiktive, aber einem eigen geglaubte Nation, fĂŒrs Vaterland, in den Krieg, ist bereit, sich fĂŒrs Vaterland das halbe Gesicht wegschießen zu lassen, Gliedmaßen weggesprengt zu bekommen oder spĂ€ter auch Giftgas zu inhalieren. Die verwalterische Teilhabe an der Herrschaft, die die Disziplin der Vasallen auch in Friedenszeiten sicherte, entfĂ€llt und wird durch etwas viel schrecklicheres ersetzt: Fabriken. Im Takt der Maschine zu funktionieren, das wird fortan die nötige Disziplin des Marschierens im Gleichschritt in Friedenszeiten pflegen. Und wĂ€hrend die Vasallen in Friedenszeiten gewĂ€hrleisten mussten, dass sie allzeit genĂŒgend Kriegspferde zur VerfĂŒgung hĂ€tten, produziert die neue Unterklasse, das sogenannte Proletariat, in den Fabriken schnell auch in Friedenszeiten das KriegsgerĂ€t, mit dem es im Kriege verstĂŒmmelt werden wird.

Die organisatorischen zivilen Hierarchien, die in der bĂŒrgerlichen Demokratie formell aufgelöst wurden, die aber im Kriege funktionierende Befehlsketten garantierten, werden in den Fabriken eintrainiert, die nicht zufĂ€llig nach einer militaristischen Logik organisiert sind. Auch wenn die meisten heutigen Staaten ein stehendes Berufsheer besitzen, das unter diesem Gesichtspunkt betrachtet vielleicht mehr dem Söldnerwesen gleichen mag, das ohnehin nie völlig verschwunden war – Söldner-Hilfstruppen waren oft einfach notwendig, um genĂŒgend Soldaten aufbieten zu können –, so zeigen doch die Erfahrungen der Weltkriege, sowie der Kriege der jĂŒngeren Vergangenheit, dass eine Mobilisierung der Arbeiter*innen nicht nur notwendig ist, sondern dank der allgemeinen militaristischen Disziplin und dem antrainierten Gehorsam auch allzu gut funktioniert.

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Aber das Zeitalter der Kriege der Nationen, es scheint sich dem Ende zuzuneigen, ja bis auf wenige Ausnahmen bereits vorbei zu sein. SpĂ€testens mit dem Ende des kalten Krieges haben sich die zwei verbliebenen, militĂ€risch-imperialen Fraktionen in eine internationale Staatengemeinschaft integriert, in der Konflikte weniger ĂŒber herkömmliche territoriale Kontrolle, sondern zunehmend ĂŒber AnsprĂŒche auf Ressourcen und weltpolizeiliche Uneinstimmigkeiten entstehen. Das heißt freilich nicht, dass es keine Kriege mehr gĂ€be. Aber wir mĂŒssen unser VerstĂ€ndnis von Krieg aktualisieren, wenn wir heutige MilitĂ€roperationen ausreichend verstehen wollen.

Die Kadaver der nationalen Armeen, sie bestehen zwar aus einer Reihe nostalgischer GrĂŒnde weiter, werden jedoch in MilitĂ€rbĂŒndnissen wie der NATO zu einem neuen MilitĂ€r zusammengeschweißt und in internationalen Interventionseinheiten wie den UNO-Blauhelmen fĂŒr vorrangig weltpolizeiliche Missionen eingesetzt, die der Sicherung von Rohstoffen dienen. Obwohl das internationale Kapital auf dieses staatlich organisierte MilitĂ€r beinahe beliebig zugreifen kann, stellt es in verschiedenen Teilen der Welt zunehmend auch eigene Sicherheitstruppen auf (beispielsweise in SĂŒdamerika), die dort den Ausbau einer extraktivistischen Infrastruktur ĂŒberwachen und Widerstand dagegen niederschlagen. Wo allerdings der Haupteinsatzzweck eines zunehmend internationaleren MilitĂ€rs die Niederschlagung von AufstĂ€nden, die Intervention in BĂŒrgerkriege und der Schutz wirtschaftlicher Interessen der Kapitalistenklasse ist, da bröckeln auch die nationalistischen Mobilisierungsstrategien. Auch wenn sich offenbar noch immer jede Menge Nazis in den Reihen des MilitĂ€rs tummeln, die dort ihre Sehnsucht stillen, ihrem Vaterland zu dienen, lĂ€sst sich eine Mehrheit der Menschen nicht lĂ€nger so plump tĂ€uschen. Anstatt feindlicher Nationen bedarf es in Zeiten globaler VölkerverstĂ€ndigung und internationaler Staatengemeinschaft nun eines neuen Feindes, gegen den wenigstens die Sympathien der Menschen fĂŒr die StreikrĂ€fte ihres Landes erweckt werden können. Und in Zeiten, in denen das internationale MilitĂ€r den Einsatz im stĂ€dtischen Raum trainiert, in denen BĂŒrgerkriegsszenarien und AufstandsbekĂ€mpfung vom MilitĂ€r eingeĂŒbt werden, da ist es auch erforderlich, dass sich dieser Feind unter der Bevölkerung versteckt.

Der Feind heißt spĂ€testens seit 2001, aber nicht erst seitdem, internationaler Terrorismus. Und es ist vermutlich ein genialer Schachzug, dass er so ohne weiteres kaum auszumachen ist. Bereits zuvor erprobte rassistische Motive lassen sich gegen ihn ebenso mobilisieren, wie ordnungspolitische Ängste vor einer anarchistischen oder anderweitig subversiven, aufstĂ€ndischen Verschwörung, die Chaos in eine gleichgeschaltete und im Gleichschritt getaktete Welt bringt. Und natĂŒrlich lassen sich Revolten in der Dritten Welt, in denen die Versklavten gegen ihre Ausbeuter*innen aufbegehren, ebenso leicht zu Terrorismus erklĂ€ren, wie das Regime eines Landes, das sich weigert den Ölinteressen eines Imperiums zu entsprechen.

Wie viele US-Amerikaner*innen können sich mit denen identifizieren, die unter den beiden BĂŒrotĂŒrmen des Welthandels begraben worden sind, wie wenige waren es im Vergleich mit den Toten des Afghanistan- und Irakkriegs? Und doch genĂŒgt dieses Ereignis und dessen propagandistische Ausschlachtung nicht nur zahlreiche US-Amerikaner*innen, sondern auch unzĂ€hlige EuropĂ€er*innen gegen etwas zu mobilisieren, das es so vermutlich gar nicht gibt, bzw. das rĂŒckwirkend betrachtet ĂŒberhaupt erst durch diese Kriege entstanden ist. Aber der „Krieg gegen den Terror“ hat nicht nur in den entlegenen Regionen der WeltmĂ€chte Kriege gegen ein Gespenst ausgelöst, sondern auch eine KriegsfĂŒhrung gegen die eigenen Bevölkerungen in den Metropolen der Macht begrĂŒndet. Fortan ist jede*r BĂŒrger*in potenzielle*r Terrorist*in. Und zwar in dem Grade, in dem er*sie „arabisch“ aussieht, muslimischen Glauben praktiziert oder anderweitig rassifiziert werden kann. Die seit 2001 frei drehende US-Flugsicherheitsbehörde TSA etwa ist der Überzeugung Terrorist*innen nicht nur an althergebrachten Rassemerkmalen wie Hautfarbe oder Kopfform zu erkennen, sondern auch an der spezifisch-terroristischen Barthaartrimmung.

Der Krieg gegen internationalen Terrorismus ist auch in Europa die ultimative rassistische Argumentationsstrategie gegen Migration geworden. Wer aus den Kriegsgebieten dieser Welt in Richtung der wohlhabenderen Metropolen flieht, könnte ja ein*e Terrorist*in sein. Wer dagegen in den Metropolen ausrastet und Amok lĂ€uft, der*die bleibt der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig harmlose, irregeleitete AmoklĂ€ufer aus der Nachbarschaft. Ich muss hier sicherlich nicht alle Aspekte der Angst vor dem Terrorismus erlĂ€utern, sie dĂŒrfte den meisten Leser*innen nur allzu prĂ€sent, ihre gezielte SchĂŒrung und anschließende Instrumentalisierung durch die Politik in Form von technologischer AufrĂŒstung der Polizei – die mittlerweile Panzer fĂ€hrt und Handgranaten zu ihrem Arsenal zĂ€hlen darf – und des MilitĂ€rs, sowie ein Ausbau der Grenzregime, ganz besonders in Europa, noch in Erinnerung sein.

Es lĂ€sst sich festhalten, dass das Gespenst des Terrorismus, wie es uns heute durch die gehirngewaschenen Köpfe spukt, das ideale und mit großem Aufwand produzierte Feindbild ist, um die MilitĂ€rstrategien zu legitimieren, die von einem zunehmend global aufgestellten MilitĂ€r zur Sicherung eines weltumspannenden Imperiums trainiert werden.

***

Doch auch dieses modernisierte VerstĂ€ndnis von Krieg muss dieser Tage ĂŒberdacht werden, erleben wir doch seit mittlerweile mehr als einem Jahr eine neue Form des Kriegs, genauer gesagt, des BĂŒrgerkriegs. Der Terrorismus, er ist weithin obsolet geworden, fĂŒllt höchstens noch die Randspalten der Tageszeitungen. Stattdessen fĂŒllt ein anderer, noch fiktiverer Feind, die Schlagzeilen: Covid-19. Dieser unsichtbare Superterrorist, der die Menschen unsichtbar und hinterhĂ€ltig heimsucht, der hinter jeder BrĂŒhrung, was sage ich, hinter jeder Begegnung, lauert, er ist der ultimative Feind und seine Bekriegung, sie erfordert eine ganz besondere Form der Massenmobilisierung: Die Mobilisierung zur Abwesenheit. Der moderne Kriegsheld, er – oder sie, diese moderne Armee hat nun wirklich jegliche Geschlechterunterschiede ĂŒberwunden – lĂŒmmelt sich zuhause auf dem Sofa, frisst Junkfood in sich hinein und verfolgt gespannt den minĂŒtlich ĂŒber alle Bildschirme flimmernden Frontbericht. Und auch wenn dort mittlerweile lĂ€ngst keine Toten mehr gezĂ€hlt werden, sondern nur mehr noch von einer wenig aussagekrĂ€ftigen „Inzidenz“ die Rede ist, fiebern die kriegsbegeisterten Massen noch immer mit. Und alle anderen? „Die Beste Medizin heißt Disziplin“, so oder so Ă€hnlich lautet der Slogan einer der jĂŒngsten Werbekampagnen der Bundesregierung, mit der die Nation zum „Durchhalten“ aufgefordert wird. Und Disziplin ist wahrhaft vonnöten, um als Soldat*in in diesem Krieg zu kĂ€mpfen. Der klassische Krieg kannte von Zeit zu Zeit wenigstens einen „Fronturlaub“, ebenso wie wenigstens ein Teil der Bevölkerung gar nicht in den Krieg zu ziehen brauchte, der moderne Virenkrieg dagegen rekrutiert die gesamte Bevölkerung und kennt höchstens eine „Lockerung der Maßnahmen“ und selbst dabei fragt sich die*der aufmerksame Beobachter*in, wie es kommt, dass eine immer weiter verschĂ€rfte Maßnahmensituation (Lockdown und KontaktbeschrĂ€nkungen sind eigentlich die ganze Zeit geblieben und zuletzt noch um Ausgangssperren erweitert worden) doch immer wieder als „Lockerung“ verkauft werden kann.

Und wer nun aufrichtig behaupten wird, die Kriegsrhetorik bisher nicht bemerkt zu haben und folglich der Ansicht sein mag, dass es sich hier ĂŒberhaupt nicht um einen Krieg handele, die*der möge mir vielleicht erklĂ€ren, wie es kommt, dass außgerechnet Rheinmetall und andere RĂŒstungskonzerne Corona-Schutzmasken produzieren.

Aber es ist freilich nicht bloß die Kriegsrhetorik, sozusagen zum guten Zweck (was auch immer das wĂ€re), mit der wir es hier zu tun haben. Wem auch immer das entgangen sein mag, den*die erinnere ich gerne noch einmal daran, dass wir uns in einem globalen Ausnahmezustand befinden. Ein Ausnahmezustand, der nicht nur die zuvor bestehenden, nationalen Grenzen schloss, sondern der auch ganz neue Grenzregime errichtet hat. Ob globales FreiluftgefĂ€ngnis (wobei „Freiluft“ mittlerweile als allzu optimistisch entlarvt wurde) oder das von einem philosophierenden Demokraten aufgestellte „Lager als Nomos der Moderne“, das heute gar nicht mehr besonders philosophisch zu sein scheint, die momentane RealitĂ€t hat etwas von beidem. Auch wenn das QuarantĂ€ne-GefĂ€ngnis (meist) keine Fenstergitter und StacheldrahtzĂ€une mehr kennt, sondern hier und da mit elektronischen Fußfesseln auf modernere Instrumente der Einsperrung zurĂŒckgreift und anderswo in einem gigantischen Selbstversuch die noch modernere Form der Selbsteinsperrung testet, das Risikogebiet-Lager (oft – es gibt durchaus Ausnahmen) keine allzu festen Grenzen kennt, keine EinzĂ€unung und FlĂŒchtende meines Wissens nach zumindest in Deutschland – VorfĂ€lle in direkten Nachbarstaaten und anderswo auf der Welt stellen das natĂŒrlich auch fĂŒr hier in Aussicht – bisher nicht von WĂ€rtern erschossen wurden, so muss einem die Corona-Maske doch gehörig die Sinne vernebelt haben, wenn man diese Analysen noch immer zurĂŒckweist. Dazu kommen jede Menge neuer Papiere, vom Passierschein in Form eines negativen Coronatests und einer Bescheinigung des Arbeitgebers bis hin zum internationalen Ausweisdokument eines elektronischen Impfpasses. Greencard wird das zuweilen unkritisch von der Kriegspropaganda genannt.

Aber wĂ€hrend an all den neuen Grenzen wenigstens vorerst noch nicht allzu oft geschossen wird, GrenzĂŒbertritte je nach Person und Situation auch einmal geduldet werden und die Bullenschweine immerhin metaphorisch auf 1,5 Meter Abstand bleiben, hat sich die Situation an den Nationalstaatsgrenzen, sowie ganz besonders an den europĂ€ischen Außengrenzen noch einmal dramatisch verschĂ€rft. Die Situation in den noch viel realeren Lagern vor dem Festland, die weder des Stacheldrahts, noch den scharf schießenden Wachen entbehren, sie verschĂ€rft sich immer mehr. Und die ohnehin immer nur humanistische Hilfe der Linken
 Sie befindet sich im Lockdown. Meist aus Überzeugung. Als im letzten Jahr die Bilder des brennenden Morias einen Funken Hoffnung aufkeimen ließen, da forderten die Linken ein neues, hygienischeres Lager. Aber was hat das mit dem Krieg zu tun? Leider eine ganze Menge, beweist es doch, dass es in Deutschland erstmals in der Geschichte eine spezifisch Linke Armee gibt. Jene, die frĂŒher den „Dienst an der Waffe“ ablehnten und im Zweifel lieber „Zivilidienst“ verrichteten, man hat sie auf ihrem ursprĂŒnglichen Metier rekrutiert: In den KrankenhĂ€usern und Pflegeheimen, eben dort, wo man schon frĂŒher lieber Patienten den Hintern abwischte, anstatt sich die Waffe aushĂ€ndigen zu lassen und zu desertieren. Und folglich ist es heute auch nicht das Sturmgewehr, mit dem die Corona-Avantgarde in die Schlacht zieht, sondern die – nur fĂŒr die grĂ¶ĂŸten Idioten harmloser wirkende – Spritze. Das bevorzugte Werkzeug des „Todesengels“, möchte man da fast einwerfen.

Was bedeutet das also fĂŒr ein anarchistisches VerstĂ€ndnis von Krieg? Fest steht: weniger moderne Formen des Kriegs sind mit diesem modernen Krieg ebensowenig ausgestorben, wie der Krieg gegen den Terrorismus die althergebrachten Staaten- und BĂŒrgerkriege nicht obsolet gemacht hat. Der Virenkrieg, auch wenn einem eigentlich unmissverstĂ€ndlich seine Kriegspropaganda ins Auge springen muss, er wird von vielen gar nicht als Krieg wahrgenommen. In Tradition des Anti-Terror-Kampfes, des „Friedenseinsatzes“ von Blauhelmen und dem „diplomatischen Wert“ der Atombombe verspricht der Virenkrieg ebenfalls Frieden oder schlimmer noch, Gesundheit. Und er scheint dieses Narrativ dadurch sogar zu perfektionieren. Die militaristische Logik der Disziplin, die derzeit jeglichem sozialen Leben auferlegt wird, die irrationale und willkĂŒrliche Reglementierung aller sozialen Beziehungen außerhalb der bereits seit Ewigkeiten institutionalisierten Beziehungen der Familie, sie dienen der Rekrutierung einer Armee von Moralist*innen und Denunziant*innen, die fortan effizienter als jede Polizei Delinquent*innen disziplinieren und verfolgen soll.

Der moderne Krieg, er wird also nur noch in den Peripherien mit Waffengewalt ausgetragen, er gibt nur noch die „Unbelehrbaren“, die „Terrorist*innen“, die „Verbrecher*innen“, usw. der vernichtenden Gewalt von Armeen preis und zieht es selbst bei diesen vor, sie zu verhaften, einem Gericht vorzufĂŒhren und ins GefĂ€ngnis – oder in ein Lager – sperren zu lassen. Unterdessen jedoch kennt er zunehmend weniger eine Unterscheidung zwischen Territorien des Friedens und jenen des Krieges. Ist es die Polizei, die sich zunehmend die Strategien des MilitĂ€rs aneignet oder ist es vielmehr das MilitĂ€r, das selbst in den Gebieten des Krieges eine polizeiliche Logik verfolgt? Ich denke schon diese Frage offenbart einen gewaltigen Irrtum: Polizei und MilitĂ€r sind in Wahrheit ein und das selbe; sind es möglicherweise immer schon gewesen. Die Propaganda des modernen Rechtsstaats mag hier naheliegenderweise ein anderes Bild zeichnen, aber ebenso wie der Krieg von manchen immer schon als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln betrachtet wurde und wieder andere zu dem Schluss kamen, dass umgekehrt, die Politik die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln sein mĂŒsse, unterscheidet sich die Polizei vom MilitĂ€r ebenfalls höchstens in den angewandten Mitteln und selbst hier hat die Entwicklung moderner Kriegstechnologien und eine jĂŒngere, militĂ€rische AufrĂŒstung der Polizei diese Unterschiede zunehmend verwischt.

Falsche VerbĂŒndete im Kampf gegen den Militarismus

Man muss nicht auf das Manifest der Sechzehn zurĂŒckgreifen – in welchem bekannte Anarchisten dazu aufriefen, sich dem Lager Frankreichs wegen seiner revolutionĂ€ren Tradition anzuschließen und gegen den kaiserlichen Absolutismus Deutschlands zu kĂ€mpfen – um angesichts des Krieges Beispiele fĂŒr den kompletten Verlust der Orientierung und des GespĂŒrs fĂŒr die involvierten Interessen seitens der Anarchisten zu finden. Der Großteil des heutigen „antifaschistischen“ Diskurses reproduziert im Miniaturformat die gleichen Fehler und spiegelt die Ideen des in den 70er Jahren weit verbreiteten „Antiimperialismus“ wieder: Demokraten vs. Faschisten hier, Staaten der Dritten Welt gegen Staaten des Westens dort. In jĂŒngster Zeit akzeptieren die UnterstĂŒtzer des Kampfes gegen „den Faschismus“ der Dschihadisten in Syrien sogar die StreitkrĂ€fte der US-Luftwaffe im eigenen Lager. Eine Position die bereits wĂ€hrend jenes Krieges prĂ€sent war, welcher zum Zerfall des ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren fĂŒhrte. In gleichem Maße verteidigen viele mit gerĂŒmpfter Nase die internationalen Interventionen, um die Grausamkeiten einzudĂ€mmen, die wĂ€hrend der „BĂŒrgerkriege“ in vielen afrikanischen LĂ€ndern begangen wurden (bevorzugt die Interventionen der Blauhelme, welche weniger Ablehnung provoziert als die der französischen Fremdenlegion oder die einer Koalition der NATO). Heutzutage hat es fast den Anschein, dass die westlichen Armeen eher freiwillige Rekruten einsetzen, anstatt einer Massenrekrutierung, um ihre Drecksarbeit durchzufĂŒhren. Sprich, der einzige Faktor der uns davor verschont zu sehen, wie LibertĂ€re sich in die Armeen einreihen, um die „Bösen“ zu bekĂ€mpfen, die noch stĂ€rker konter-revolutionĂ€r sind, als die AnhĂ€nger der kommerziellen Demokratie.

Aus Die Reihen Durchbrechen. Gegen den Krieg, Gegen den Frieden, fĂŒr die soziale Revolution.

Man sollte meinen, das erĂŒbrige sich zu bemerken, dass ein Staat niemals ein VerbĂŒndeter im Kampf gegen den Militarismus sein könne. Und doch scheinen vergangene und jĂŒngere Parteinahmen von Antimilitarist*innen dringend einer solchen Klarstellung zu bedĂŒrfen. Und wenn ich in diesem Kontext Staat sage, so meine ich auch jede militaristische Bestrebung mit der Absicht, einen Staat zu grĂŒnden oder anderweitig staatliche Aufgaben zu ĂŒbernehmen. Was aus einer antimilitaristischen Perspektive, so wie ich sie verstehe, mindestens unlogisch erscheint, lĂ€sst sich mit einer anarchistischen Perspektive dagegen ĂŒberhaupt nicht vereinbaren. Was sich bereits frĂŒher in SolidaritĂ€tsbewegungen mit dem bolschewistischen Regime, der Fatah und Hamas oder in der Kuba-SolidaritĂ€tsbewegung beobachten ließ, findet seinen Ausdruck dieser Tage beispielsweise bei jenen, die buchstĂ€blich die Fahnen von YPG und YPJ schwenken. Schöne Anarchist*innen und Antimilitarist*innen sind das, die da die Banner militĂ€rischer VerbĂ€nde spazieren tragen, die Verhaftungen durchfĂŒhren, GefĂ€ngnisse und Lager betreiben und von ihren Söldner*innen die militaristische Disziplin des Tötens auf Befehl einfordern.

Aber es ist weniger interessant, die Tatsache, dass dies so ist, festzuhalten, sondern weitaus spannender ist doch die Frage des Warum? Wie kommt es, dass unverhohlen militaristische und autoritĂ€re Organisationen schließlich von ihren eigentlichen Gegner*innen verteidigt werden als „geringeres Übel“ – was noch die ehrlichste Betrachtungsweise ist – oder gar als „Notwendigkeit“ im Krieg gegen den imperialistischen Militarismus. Dass der Antimilitarismus hier als eine Mobilisierungsstrategie fĂŒr den Militarismus dient, mag wie eine grausame Ironie erscheinen, ich unterstelle jedoch, dass hier vielmehr jene Rekuperationen des Antimilitarismus sichtbar werden, die die Abwesenheit von Krieg, die Ordnung des sozialen Friedens und die repressive Kontrolle ĂŒber jegliche diese Ordnung störenden Tendenzen zum Ziel eines jeden Antimilitarimus umzudeuten versuchen. Dies mag vielleicht auch das Ziel eines humanistischen, kommunistischen oder demokratischen Antimilitarismus sein, als Ziel eines anarchistischen Antimilitarismus scheint es mir jedoch völlig unzureichend. Spannend finde ich am aktuellen Beispiel der Rojava-SolidaritĂ€t, die auch unter Anarchist*innen, wenn sie nicht gar unkritisch ĂŒbernommen wird, so doch weitestgehend unkommentiert bleibt, wie eine bestimmte Art und Weise der Argumentation reproduziert wird, die umgekehrt bei einer staatlichen, kapitalistischen oder nationalistischen Legitimation von und Propaganda fĂŒr Militarismus zu Recht kritisiert wird. Es ist das Narrativ einer nationalen Verteidigung – auch wenn dieses nationale Motiv vielleicht verschleiert werden mag und sich teilweise hinter identitĂ€tspolitisch ansprechenderen Begriffen wie „Frauenrevolution“ (jaja, das Ziel 40% der Posten mit Frauen besetzen zu wollen und die gezielte PrĂ€sentation weiblicher MilitĂ€rs durch die Propaganda scheint da heute bereits zu genĂŒgen) oder „ökologischer Revolution“ verbirgt – gegen einen im Anmarsch befindlichen Feind. Ein Narrativ, das sofortige „Lösungen“ verlangt, die oberste PrioritĂ€t haben und denen folglich alles andere untergeordnet werden muss und wird. Dieses Narrativ dient nicht nur der Legitimation einer Miliz, sondern es soll auch all das Übrige rechtfertigen, was vielleicht durch die Propaganda der neuen Verwaltung anders versprochen wird, in der Praxis jedoch entsprechend autoritĂ€r daherkommt. „Noch keine Zeit gehabt, sich darum zu kĂŒmmern.“ Eben ganz die Propaganda, derer sich auch etablierte Staaten bedienen, wenn sie im Kriegszustand die Arbeiter*innenschaft zu persönlichem Verzicht zugunsten der Interessen der Nation aufrufen und zugleich die militĂ€rischen Operationen im In- und Ausland als dringlich, alternativlos, sowie als Grundvoraussetzung fĂŒr eine Bearbeitung des entsprechenden Problems in der Zukunft darstellen.

Es mag vielleicht ĂŒberraschen, dass gerade eine antimilitaristische Bewegung dieses Narrativ nicht als ein klassisches Stilmittel der Kriegspropaganda erkennt und man könnte sicher noch seitenlange Überlegungen niederschreiben, warum das so ĂŒberraschend vielleicht gar nicht ist. Aber ich will stattdessen zum eigentlichen Thema dieses Textes zurĂŒckkommen: Wie könnte eine aufstĂ€ndische Perspektive aussehen, die nicht nur den Militarismus des tĂŒrkischen Regimes, den der NATO und den des IS angreift, sondern die sich eben auch gegen den Militarismus von YPG und YPJ und ihrer sozialdemokratischen bis leninistischen Parteien, der PYD und der PKK, sowie ĂŒberhaupt gegen jede Herrschaft, auch gegen die dessen, was Demokratischer Konförderalismus genannt wird und sowieso nur in den Augen eines Trotzkisten, der sich kurzerhand zum Anarchisten erklĂ€rt hat, als anarchistisch im Sinne des Begriffs gelten kann, richtet?

Fluchtpunkte einer antimilitaristischen Praxis des Angriffs

(i) Die Kriegsproduktion

JĂŒngere antimilitaristische Kampagnen, die im Burgfrieden dessen, was manchmal die „Festung Europa“ genannt wird, agierten, haben die Produktion von Waffen, Munition und sonstigem KriegsgerĂ€t als ein Feld der Intervention fĂŒr sich entdeckt. Wenn der aus dieser Produktion stammende Nachschub die Frontlinien des Krieges, die sich anderswo auf der Welt befinden, nicht mehr erreicht, so wĂŒrde auch der Krieg zum Erliegen kommen. Und tatsĂ€chlich: Ohne eine ununterbrochene Kette an Nachschublieferungen wĂ€ren die Kriege der Vergangenheit und Gegenwart unmöglich fortzusetzen (gewesen). Soweit jedenfalls die Theorie des Ganzen.

Gemessen an ihrer Praxis mĂŒssen diese Interventionen bislang jedoch als weitgehend gescheitert betrachtet werden. Blockaden vor Produktionsstandorten der RĂŒstungsidustrie, oft lange im Voraus angekĂŒndigt und somit in die ProduktionsplĂ€ne dieser Firmen einplanbar, hielten oft nur wenige Stunden an und lösten sich nicht selten nach einer gewissen Zeit von selbst wieder auf, als die Teilnehmer*innen der Blockade Hunger verspĂŒrten oder in die Annehmlichkeit ihrer Nachtlager zurĂŒckkehren wollten, oder an die RĂŒckreise denken mussten, um am nĂ€chsten Tag wieder ihrer Arbeit nachzugehen. Ich will mit dieser Beurteilung ĂŒberhaupt nicht klein reden, dass solche kollektiven BemĂŒhungen des Protests nicht ihren eigenen Wert haben, aber wer glaubt, mit der Teilnahme an einer derart vorhersehbaren, einkalkulierbaren und im höchsten Maße symbolischen Blockade tatsĂ€chlich einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kriegsproduktion in dem Maße blockiert wird, dass das irgendeinen Effekt auf die KriegsfĂŒhrung in den Kriegsgebieten hĂ€tte, die*der lĂŒgt sich schlicht selbst etwas vor. Aber es gab nicht nur diese Form massenhafter Blockaden: Sabotagen an Gleisen, BrandanschlĂ€ge auf Firmenfahrzeuge von RĂŒstungskonzernen und ihren Zulieferern, sowie den Fahrzeugen von Logistikunternehmen, die deren KriegsgerĂ€t verschickten, usw., sowie eine vielleicht noch grĂ¶ĂŸere Serie an Farbangriffen auf die Sitze dieser Unternehmen boten und bieten bis heute eine militante Perspektive der Intervention in die Kriegsproduktion.

Und doch: Mir wĂ€re es neu, dass dabei jemals die Nachschublieferungen an die Fronten der Kriege zum Erliegen gekommen wĂ€ren. Zu geringfĂŒgig war die Unterbrechung der Produktion, zu unbedeutend die Sabotage der Logistik. Nichts, was nicht durch eine zusĂ€tzliche Nachtschicht aufgeholt hĂ€tte werden können. Und der finanzielle Schaden? Nun ja, sagen wir die GeschĂ€ftsfĂŒhrungen der betroffenen Unternehmen rechnen in anderen Dimensionen.

Es ist keineswegs meine Absicht, diese Interventionsversuche klein zu reden, Leute zu entmutigen auch dann anzugreifen, wenn der Feind ĂŒbermĂ€chtig zu sein scheint und der eigene Handlungsspielraum im Vergleich zu klein, der eigene Widerstand zu unbedeutend erscheint. All das ist fĂŒr mich kein Grund, vom Angriff abzusehen. Vielmehr denke ich, dass es sich lohnt, etablierte Strategien von Zeit zu Zeit zu ĂŒberdenken und gegebenfalls einer Überarbeitung zu unterziehen, wenn sich herausstellt, dass das eigene Handeln in ihnen weitestgehend wirkungslos verhallt oder kalkulierbar wird.

Die heutige Hightech-Produktion – und die Produktion von KriegsgerĂ€t fĂ€llt definitiv in diese Kategorie – ist an sich eine Ă€ußerst labile Angelegenheit. Sie ist abhĂ€ngig von zahlreichen teuren und schwer zu beschaffenden Ressourcen – ironischerweise jene Ressourcen um deren Sicherung sich der ein oder andere Krieg dreht – und besteht aus einer langen Produktionskette an Zwischenprodukten und deren Logistik an die Produktionsstandorte, an denen das Endprodukt, sei es nun ein Panzer, ein MilitĂ€rjet, eine Drohne, ein Raketenwerfer oder irgendetwas anderes, aus tausenden oder Millionen von Einzelteilen zusammengesetzt wird. Die produzierenden Unternehmen durchschauen oft selbst nicht vollstĂ€ndig, wer die Zulieferer ihrer Zulieferer sind und noch weniger, wer deren Zulieferer wiederum beliefert. Das gilt, selbst wenn es in der RĂŒstungsindustrie – mehr noch, als irgendwo sonst – durchaus Bestrebungen gibt, diese Produktionsketten nachzuvollziehen und – sofern sie fĂŒr den Produktionsprozess unverzichtbar sind – entsprechend abzusichern, zumindest teilweise auch fĂŒr die Hersteller von Panzern, Flugzeugen, Drohnen und Co. Es soll in der Geschichte der Produktion von Hightech-GĂŒtern – und auch in der der RĂŒstungsindustrie – jedenfalls schon das ein oder andere Mal vorgekommen sein, dass Produktionshallen tagelang still standen, weil eine bestimmte Mutter, die nicht ohne weiteres im Baumarkt nachgekauft werden konnte, nicht geliefert worden war oder weil ein Zulieferer Bankrott machte und erst einmal Ersatz fĂŒr das von ihm gelieferte Bauteil aufgetrieben werden musste. Und als vor einigen Jahren einmal die Weltmarktpreise fĂŒr seltene Erden explosionsartig in die Höhe schnellten, weil China seine Exporte senkte, da gab es bei den Zulieferern der Autoindustrie – und was man fĂŒr Autos braucht, das braucht man in der einen oder anderen Form oft auch fĂŒr gepanzerte Fahrzeuge – erhebliche LieferengpĂ€sse.

Ich will hier aber gar nicht allzu konkret werden. Jedenfalls scheint mir die Möglichkeit interessant zu sein, dass jenseits der oft mit MilitĂ€rtechnologie ĂŒberwachten, direkten Produktionsstandorte der RĂŒstungsindustrie in meist ohnehin unsympathischen Gegenden die vernachlĂ€ssigte industrielle Peripherie dieser Sparte manchmal entlegen in kleinen KĂ€ffern, manchmal am Rande irgendwelcher weitaus sympathischeren Industriegebiete der GroßstĂ€dte schlummern mag und eine große Menge Potenzial fĂŒr zĂŒndenden antimilitaristischen Ideenreichtum liefert.

Auf eine Ă€hnliche Art und Weise ließe sich vielleicht auch im Bereich der Logistik strategisch nachbessern. Die oftmalige GĂŒterschienennetzanbindung der Produktionsstandorte von RĂŒstungsunternehmen und die Namen der Logistikunternehmen der die Werkstore passierenden LKWs könnten hier Ansatzpunkte offenbaren, auch wenn ich denke, dass der qualitative Gewinn fĂŒr eine antimilitaristische Praxis des Angriffs hier vor allem darin bestehen könnte, tatsĂ€chliche Frachten an die und von der RĂŒstungsindustrie auszumachen und zu blockieren/zerstören, wenn nicht gleich das gesamte logistische System, in dem diese verschifft, verladen, mit der Bahn oder dem LKW transportiert werden angegriffen und sabotiert wird, anstatt sich auf – in diesem Sinne eher symbolische – Angriffe auf diese Logistikunternehmen im Allgemeinen zu beschrĂ€nken, die zwar sicherlich einen finanziellen Schaden anrichten, jedoch effektiv kaum Auswirkungen auf den reibungslosen Betrieb der Kriegsproduktion haben dĂŒrften.

Dabei bleibt zu bemerken, dass verschiedene aufstÀndische Projekte der Vergangenheit vor allem dort Erfolge verzeichnen konnten, wo sie entsprechende Schwachstellen in Produktions- und Lieferketten identifizierten und ihre Angriffe auf diese konzentrierten.

(ii) Die Infrastruktur des Krieges

Armeen fĂŒrchten seit jeher WĂ€lder, Berge und Wildnis, sprich jene Umgebungen, in die ihre Zivilisation bislang nur spĂ€rlich oder ĂŒberhaupt nicht vorgedrungen ist und in der es ihnen an notwendiger Infrastruktur, sowie oft auch an geografischem Wissen und Erfahrung mangelt, um ihre Umgebung erfolgreich zu kontrollieren. Kein Wunder, dass eigentlich sĂ€mtliche Spezialabteilungen des MilitĂ€rs ihre „Elitesoldaten“ auf – außerhalb einer militĂ€rischen Ausbildung TodesmĂ€rsche genannte – Expeditionen durch die raue Wildnis schicken, sie entgegen der ĂŒblichen militaristischen Logik darin ĂŒben, in gewisser Weise eigenverantwortlich zu agieren, eigene Entscheidungen zu treffen und unabhĂ€ngig von den Bewegungen anderer Einheiten ihrer Armeen zu kĂ€mpfen. Diese Spezialabteilungen sind das militĂ€rische Instrument, um in Gebiete vorzudringen, die frei sind von einer fĂŒr die ĂŒbliche militĂ€rische Intervention notwendigen, minimalen Infrastruktur. Aber gewissermaßen handelt es sich bei diesen Einheiten um ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Moderne Kriegstechnologie baut vor allem auf Drohnen, Satteliten, AufklĂ€rungsflĂŒge, (Infrarot-)Überwachungstechnologie, usw., um jederzeit selbst in die entlegensten Gebiete dieser Welt vordringen zu können. Und in den wenigen FĂ€llen, in denen sich in der Vergangenheit die Wildnis als allzu undurchdringbar erwies, wusste man sich mit Pflanzengiften, Napalm und anderen biochemischen Waffen zu helfen. Die römischen Legionen rodeten WĂ€lder, um das geeignete Schlachtfeld fĂŒr ihre Truppen zu schaffen, die US-Army versprĂŒhte das Umweltgift „Agent Orange“, um ihre Feind*innen aus der Deckung zu locken. Das sind natĂŒrlich nur zwei der populĂ€rsten Beispiele dafĂŒr, wie sehr die totale Kontrolle ĂŒber ihre Umgebung damals wie heute eine bedeutende Rolle fĂŒr MilitĂ€rs spielte. Auch wenn die strategische Zerstörung der Umwelt auch heute noch eine wichtige Rolle in diesem oder jenem militĂ€rischen Konflikt spielt, so lĂ€sst sich doch behaupten, dass die Kriegstechnologie zumindest nach Wegen sucht, Umweltzerstörungen eines solchen Ausmaßes (im Zuge ihres lokalen Einsatzes, denn natĂŒrlich zerstört alleine die Rohstoffproduktion fĂŒr MilitĂ€rgerĂ€t die Umwelt in gigantischem Ausmaß) nach Möglichkeit zu vermeiden und stattdessen mithilfe von HighTech in jeden bislang „toten Winkel“ vorzudringen.

Dabei spielen lĂ€ngst nicht nur die militĂ€rischen Technologien eine Rolle, mit denen bislang unbekanntes „Feindesland“ ad hoc wĂ€hrend oder im Voraus einer militĂ€rischen Intervention erschlossen werden soll, sondern gerade dort, wo sich Kriege vornehmlich gegen einzelne Bevölkerungsgruppen in einem ansonsten erschlossenen Gebiet richten, seien es indigene Bevölkerungen, Rebell*innen, Invasor*innen, das was heute mit dem Begriff Terrorist*innen gemeint ist, oder schlicht verarmte Bevölkerungsteile, die nicht bereit sind, dem Bau einer Mine, einer Fabrik, einer Straße, usw. zu weichen, sind es vielmehr die „zivilen“ Technologien, die den Armeen und/oder der Polizei oder auch privaten SicherheitskrĂ€ften den Weg bereiten. Alles was dazu beitrĂ€gt, den Raum kontrollierbar zu machen, lĂ€sst sich selbstverstĂ€ndlich auch militĂ€risch zu eben jenem Zwecke nutzen. Auf Straßen und Schienen kann das MilitĂ€r schnell in jeden erschlossenen Winkel vordringen, BrĂŒcken helfen dabei, natĂŒrliche Hindernisse wie FlĂŒsse, Schluchten und TĂ€ler zu ĂŒberwinden und landwirtschaftlich genutzte FlĂ€chen ermöglichen es nicht nur, große Areale von einem einzigen Aussichtspunkt aus zu ĂŒberblicken, sondern sie erleichtern vor allem auch das VorrĂŒcken abseits der Straßen; soweit dĂŒrfte man das schon einmal mitbekommen haben. TatsĂ€chlich sind dies jedoch nur die offensichtlichsten Infrastrukturen derer sich die Armeen bedienen. FĂŒr die Schiffahrt mithilfe von Schleusen und Talsperren begradigte und vertiefte FlusslĂ€ufe ermöglichen einen verlĂ€sslichen Transport von KriegsgerĂ€t bis weit ins Inland hinein, HĂ€fen ermöglichen das schnelle Landen von KriegsgerĂ€t, ebenso wie nicht nur FlughĂ€fen militĂ€risch genutzt werden können, sondern auch diverse schnurgerade Autobahnabschnitte als Start- und Landebahnen fĂŒr Kampfflugzeuge dienen und teilweise auch als solche angelegt sind.

Jenseits einer solchen logistischen Infastruktur benötigt ein modernes Heer natĂŒrlich auch eine stabile und verlĂ€ssliche Kommunikationsinfrastruktur. Eigens militĂ€risch genutzte Sattelitenkommunikation, deren Bodenstationen sich auf MilitĂ€rbasen ĂŒberall auf der Welt befinden und vom MilitĂ€r mobil aufgespannte Ad-Hoc-Funknetzwerke, ĂŒber die verschiedene Einheiten untereinander und mit ihrem Kommandostab kommunizieren können sind ebenso zu nennen, wie bereits etablierte und durch diverse Funkmasten aufgespannte Behördenfunk- und Mobilfunknetze, die sich selbstverstĂ€ndlich auch zu militĂ€rischen Zwecken anzapfen lassen (der Behördenfunk ermöglicht es der Polizei immerhin bereits von beinahe ĂŒberall nach VerstĂ€rkung zu funken). Insbesondere Drohnen und jede andere Form von unbemanntem Vehikel benötigt derartige Funknetze, um Informationen zu ĂŒbermitteln, sowie Kommandos zu empfangen. Auch das vorrangig fĂŒr das Internet verlegte Glasfasernetz lĂ€sst sich zu militĂ€rischer Kommunikation nutzen und ein funktionierendes Stromnetz, das so gut wie ĂŒberall eine beinahe unbeschrĂ€nkte Menge an Energie zu liefern vermag erleichtert jede militĂ€rische Operation. Nicht zu vernachlĂ€ssigen ist dabei vor allem auch die in StĂ€dten ĂŒberhand nehmende Beleuchtung, die es selbst Nachts ermöglicht, hunderte Meter weit in Straßenschluchten, Parks, Hinterhöfe, usw. hineinzublicken und aus der NĂ€he beinahe in jede dunkle Ecke blicken zu können. Und die ebenfalls ĂŒberhand nehmende VideoĂŒberwachung ermöglich schon jetzt ein immer engmaschigeres Netz polizeilicher Kontrolle.

Wir leben in einer vermessenen und kartographierten Welt, die solange ihre Infrastruktur intakt ist, militĂ€risch leichter zu kontrollieren ist, als dies den Anschein macht, wenn man sich die Berichte ĂŒber militĂ€risch schwer kontrollierbare Guerilla-WiderstandskĂ€mpfer in anderen Teilen der Welt verinnerlicht. Dazu ist es jedoch erforderlich, sich in dieser Welt jenseits der kontrollierten Pfade bewegen zu lernen, eine FĂ€higkeit die nicht einfach ĂŒber Nacht erlernt werden kann, ebenso wie es erforderlich ist, die neuralgischen Punkte ausfindig zu machen, die die kritischen Infrastrukturen zum kollabieren bringen. Und diese – selbst wenn im Detail – nur zu kennen genĂŒgt vielleicht nicht, wie in dem Text „Fahrtenbuch“ (Die Reihen durchbrechen) argumentiert wird, es bedarf auch des spezifischen Wissens, wie diese erfolgreich sabotiert werden können, von der Herstellung der dafĂŒr erforderlichen „Betriebsmittel“, bis zu deren fachgemĂ€ĂŸen bzw. unfachgemĂ€ĂŸen Gebrauch.

Ich denke, dass gerade dieser Aspekt des Wissens in LĂ€ndern, in denen gerade kein offener Krieg gegen die eigene Bevölkerung gefĂŒhrt wird, oft unterschĂ€tzt wird. Umso bedeutender wird dieses Wissen in dem Szenario eines Aufstandes, auf den wir schließlich nicht nur alle gespannt warten, sondern auf den wir uns auch vorbereiten. In einer solchen Situation zu wissen, wie die Infrastruktur des Krieges unschĂ€dlich gemacht werden kann, das könnte sich womöglich als entscheidend erweisen.

(iii) Die Kriegspropaganda

FĂŒr das Funktionieren des Militarismus und insbesondere fĂŒr die Mobilisierung nicht nur der Soldat*innen im Kriege, sondern auch jener Teile der Bevölkerung, die einen Krieg immer mittragen, ist in der heutigen Epoche die Propaganda von entscheidender Bedeutung. Vielleicht vergleichbar mit der Weltkriegspropaganda erweist sich heute die Virenkriegspropaganda, die wir seit ĂŒber einem Jahr erleben. LĂ€ngst sind alle Medien, von den Zeitungen, ĂŒbers Radio und Fernsehen bis hin zu den sogenannten sozialen Medien auf eine Art und Weise gleichgeschaltet, die ich persönlich vorher nicht fĂŒr möglich gehalten hĂ€tte. Und alle machen sie mit, vom wirtschaftsliberalen Tagesblatt bis zur linken Monatszeitschrift, vom Staatsrundfunk bis hin zu Techgiganten wie Google und Facebook, die auf ihren Internetplattformen die staatliche Sicht der Pandemie prominent bewerben und kritische Stimmen entweder algorithmisch abwerten und somit verstecken oder unverhohlen zensieren. Wer hĂ€tte das gedacht, dass die Unternehmen, die einst (natĂŒrlich zu Unrecht) von sich behauptet hatten, den Arabischen FrĂŒhling möglich gemacht zu haben, nun, wo es die westlichen Staaten sind, die (Internet)zensur vorantreiben, sich so bereitwillig als Vollstrecker andienen. Achso, ja, eigentlich stand das zu erwarten.

Die gesamte Kommunikationstechnologie, von der Zeitung ĂŒber den Rundfunk bis hin zum Cybernetz, sie war schon immer das Mittel der Wahl propagandistischer Indoktrination. Wie sonst könnte man auch die Massen erreichen. Die heute vielfach behauptete Medienvielfalt, sie existiert ebensowenig wie das Internet ein Instrument der Meinungsfreiheit ist. All diese Technologien erweisen sich im Kriegszustand mehr als jemals zuvor als Werkzeuge der Propaganda.

Auch wenn man sicherlich so einiges darĂŒber sagen könnte, mit welchen Strategien die Herrschenden es erreichen, bei einem Großteil der Bevölkerung nicht nur die notwendige Angst vor dem Virus zu schĂŒren, sondern sie auch gleich noch auf die Notwendigkeit des lĂ€ngst tobenden Virenkrieges einzustimmen, so wĂ€re diese Analyse im Endeffekt doch unnötig, wĂŒrde vielleicht sogar nur den Herrschenden etwas bringen, die ihre Mechanismen dadurch verfeinern könnten. Aus der notwendigen Distanz betrachtet, muss man meines Erachtens nach zu dem Resultat kommen, dass es die schiere Existenz von Massenmedien ist, die diese Kriegspropaganda ermöglicht und folglich eine effektive BekĂ€mpfung dieser nur auf die Zerstörung dieser Massenmedien hinauslaufen kann.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org