September 1, 2021
Von Anarchist Black Cross Wien
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quelle: schwarzerpfeil.de

Seit Samstag morgen, den 7. August, liegt unser Freund und GefĂ€hrte Boris in der Station fĂŒr schwere Brandverletzungen des Krankenhauses von Metz im kĂŒnstlichen Koma, nachdem es in seiner Zelle gebrannt hat. Da seine Atemwege durch den Rauch und den Ruß stark vergiftet wurden, ist immer noch nicht klar, ob er ĂŒberleben wird. Sobald es sein Gesundheitszustand erlaubt, soll eine erste Hauttransplantation vorgenommen werden.

Seitdem ist Antony Speciale, Journalist von Lorraine Actu eifrig darum bemĂŒht, die Version des Geschehenen zu ĂŒbernehmen, die Fadila Doukhi, die Regionaldelegierte der Schließergewerkschaft Force OuvriĂšre verbreitet hat. Der PrioritĂ€t gegenĂŒber den Aasgeiern der Presse verpflichtet, wird das GefĂ€ngnis sich erst spĂ€t am Tag die MĂŒhe machen die Familie zu benachrichtigen, weit nach der Veröffentlichung in der Rubrik Vermischtes. Wenig ĂŒberraschend werden die Schließer fĂŒr ihre schnelle Reaktion angesichts dieses Ereignisses, das direkt von einem Jahr Einsperrung produziert wurde, beglĂŒckwĂŒnscht.

Es ist fĂŒr uns heute schwer nachzuvollziehen, was geschehen ist. Boris kann sich momentan natĂŒrlich nicht selbst dazu Ă€ußern, und ganz offensichtlich können wir von den Schließern und der Verwaltung nur Berichte erwarten, die sie von jeder Verantwortung freisprechen.

Wie auch immer die UmstĂ€nde dieses Vorfalls ausgesehen haben mögen, ist die einzige Gewissheit, dass die Knastverwaltung, die Justiz, ihre Lakaien und ihre Welt verantwortlich sind.  Es ist klar, dass in der GefĂ€ngniswelt diese „UnfĂ€lle“ von der Staatsgewalt hervorgebracht werden. Diese Situation ist die Folge der institutionalisierten Folter. Da, wo die Körper eingesperrt sind und ihre Bewegungen genauestens verfolgt werden, sind Feuer in der Zelle manchmal das letzte Mittel seine Ununterworfenheit oder seinen Schmerz hinauszuschreien. Wir zeigen mit dem Finger auf die Wiederholung dieser VorfĂ€lle, die sich regelmĂ€ĂŸig in Dramen verwandeln, je nachdem, wie schnell die Schließer eingreifen. Von Villepinte im Juni 2020 ĂŒber La SantĂ© im Oktober desselben Jahres bis zu Lille-Sequedin im letzten Juli, der Zellenbrand von Boris ist kein Einzelfall.

Seit seiner Verhaftung am 22. September 2020 fĂŒr die Brandstiftung an zwei Funkmasten im Jura am 10. April 2020 inhaftiert, wurde Boris am 19. Mai 2021 zu einer Strafe von 4 Jahren Knast, davon zwei auf BewĂ€hrung, und zu einer Geldstrafe von mehreren hunderttausend Euro verurteilt. Das Gericht hat den Prozess hinter verschlossenen TĂŒren verhandelt, trotz der Abwesenheit und des Antrags auf Vertagung des Prozesses seiner AnwĂ€ltin. Als Publikum waren alleine zwei Familienmitglieder erlaubt. Unter dem Vorwand von Hygienemaßnahmen wurden Freund.innen und GefĂ€hrt.innen am Eingang des Gerichts aufgehalten, wĂ€hrend ein Journalist des Est RĂ©publicain eine Einladung erhielt um einen Scheißartikel auszubrĂŒten und den Anschein einer Scheinöffentlichkeit der Verhandlung zu wahren.

In einem im Juni aus dem Knast heraus verfassten Brief kommt Boris auf seine Tat und seine Motivationen zurĂŒck, die gegen die Kontrollwerkzeuge gerichet waren, wie auch gegen die verheerenden Auswirkungen des Abbaus der benötigten Materialien fĂŒr die Herstellung dieser Technologien fĂŒr alles Leben. Er bezeichnet die Überwachungs-, Distanzierungs- und Ausbeutungsgesellschaft als dystopisch, die uns der Kapitalismus und der Staat auferlegt.

Es erscheint uns notwendig die Reichweite der Gedanken und der Handlung von Boris, die ihn in den Knast gebracht haben, so weit und so tief wie möglich zu verbreiten. Mit der gleichen SolidaritĂ€t, die er in sich getragen hat, als er dieses menschliche und ökologische Desaster angriff. Weil wir uns weigern, angesichts des Gesundheitszustandes und der Inhaftierung unseres Freundes und GefĂ€hrten in einem OhnmachtsgefĂŒhl zu verharren, rufen wir dazu auf unserer SolidaritĂ€t Ausdruck zu verleihen, in dem wir die Venen der Herrschaft und der Knastwelt angreifen.

Die Situation von Boris erinnert uns daran, dass der anarchistische Kampf eine Spannung zwischen der Wut zu leben und diesem System des Todes ist, dass sich fĂŒgen lĂŒgen heißt [MĂŒhsam, Der Gefangene] und dass wir den Weg des Aufstands wĂ€hlen anstatt den der Resignation.

Ein Angriff auf eine.n von uns ist ein Angriff auf uns alle!
Lasst uns aufrĂŒhrerisch und solidarisch sein!

Quelle: Sans Nom, erschienen bei IndymĂ©dia Lille, 25. August 2021, Übersetzung beim ZĂŒndlumpen gefunden.

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Quelle: Abc-wien.net