August 30, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Um DiebstĂ€hle zu erkennen, experimentieren Carrefour, Monoprix, Super U, Franprix und IntermarchĂ© [französische Supermarktketten, Anm. d. Übs.] mit Programmen der biometrischen Analyse um alle unsere Bewegungen in ihren GeschĂ€ften zu ĂŒberwachen.

Die Gesundheitskrise hatte bereits die Anwandlungen der biometrischen Überwachung der privaten Unternehmen befreit: thermische Kameras am Eingang der Unternehmen, Erkennung physischer AbstĂ€nde in den BĂŒros, Verfolgung der Augenbewegungen fĂŒr die Distanz-UniprĂŒfungen
 Mehrere französische Unternehmen bieten nun an, mithilfe von Programmen zur biometrischen Analyse, die direkt mit den bereits in den LĂ€den vorhandenen Überwachungskameras verbunden sind, automatisch LadendiebstĂ€hle „in Echtzeit“ zu erkennen [Programme zur Verhaltenserkennung, die dann einen sofortigen Alarm auf das Smartphone des Detektivs mit einer Kopie der Bilder schicken].

WÀhrend die Idee automatisch LadendiebstÀhle aufzudecken bereits in Japan getestet wurde, haben mehrere französische Unternehmen nicht gezögert ihr eigenes Programm zu entwickeln:

„Anaveo“, ein Unternehmen mit 320 Personen mit einem Umsatz von 70 Millionen Euro, arbeitet an der VideoĂŒberwachung fĂŒr den Handel. Sein Programm „SuspectTracker“ verspricht den Bilderfluss, der von den Kameras geliefert wird, zu empfangen um „verdĂ€chtiges Verhalten“ zu analysieren, beispielsweise „Handbewegungen in Richtung des Kinderwagens, des Rucksacks, der Hosen- oder Jackentasche“. Ihre PrĂ€sentationsvideos erwĂ€hnen beilĂ€ufig, dass die aufgedeckten DiebstĂ€hle eine Datenbank fĂŒttern werden, die es erlaubt den Algorithmus weiter zu verbessern.

„Oxania“, ein 2019 gegrĂŒndetes Start-Up, hat ein Programm entwickelt, „Retail Solutions“, das in der Lage sein soll, „Handbewegungen, die mit Diebstahl assoziiert werden in Echtzeit zu erkennen, Verhalten festzustellen, gefĂ€hrliche Situationen, den Weg des Kunden und noch viel mehr“. Das PrĂ€sentationsvideo steht ganz ruhig dazu eine biometrische Analyse der Verhaltensweisen der anwesenden Personen im Laden zu machen (Körpertemperatur, Handbewegungen, Körper
).

Und besonders „Veesion“, Pariser Start-Up, das ein Produkt der „Gestenerkennung“ mit „einem Algorithmus [verkauft], das mehrere Bausteine besitzt, die zusammen arbeiten und ermöglichen zu jedem Zeitpunkt zu sagen, ob es eine Handbewegung gegeben hat, die mit Ladendiebstahl in Verbindung gebracht werden kann oder nicht. Es gibt einen Baustein, der den Menschen erkennt, ein anderer lokalisiert die Gliedmaßen an diesem menschlichen Körper, ein anderer erkennt die Objekte von Interesse, den Einkaufswagen, eine Handtasche, einen Einkaufstrolley, das Regal selbst, die Artikel, die aus dem Regal genommen werden. Und diese Bausteine arbeiten zusammen, um eine Diebstahlswahrscheinlichkeit zu jedem Zeitpunkt zu berechnen. Anschließend haben die Ladenmitarbeiter eine mobile App, die laufend die Videos erhalten, sobald eine verdĂ€chtige Handbewegung erfasst worden ist“, erklĂ€rt Benoit Koenig, Chef des Unternehmens Veesion (France Bleu, 19. August 2020). Als Bonus bietet Veesion an „Ihre Diebstahlsgeschichte zu analysieren und personalisierte Empfehlungen zu liefern“.

Das Beeindruckendste ist vielleicht die Liste der Kunden der oben genannten Unternehmen zu untersuchen und festzustellen, dass ihr Aufmarsch bereits weit fortgeschritten ist.
Das Unternehmen Veesion kĂŒndigt an mehr als 120 GeschĂ€fte in Frankreich auszustatten und die angezeigte Karte auf [ihrer Webseite] lĂ€sst deutlich mehr erahnen. Im Bereich „Success Stories“ auf ihrer Seite findet man einige hervorgehobene Beispiele in einer deutlich grĂ¶ĂŸeren Zusammenstellung, die man noch kaum ermessen kann: Monoprix (Produkt, das im Juli 2019 in einer Filiale in Paris auf 22 Kameras installiert wurde), Franprix (3 Filialen in Paris auf 48 Kameras 2019), Super U Express (1 Filiale in Paris mit 13 Kameras 2019), Bio c‘ Bon (4 Orte in Paris) [+ Monoprix des Polygone in Montpellier oder Monoprix Lafayette in Paris).

Das Unternehmen Anaveo steht ebenfalls gut da, auch wenn es schwierig ist die exakte Anzahl ihrer Kunden zu erraten. Wir wissen zumindest, dass seine Verbreitung bereits begonnen hat, wie es die Aussagen eines Carrefour Market in Bourges, der angekĂŒndigt hat 11 Lizenzen des Programmes fĂŒr seine 32 Kameras gekauft zu haben, und die eines IntermarchĂ© in Artenay belegen. Keine Scham, weder bei den Entwicklern des Programms noch beim Handel. Im Gegenteil, wie es die Gesellschaft Anaveo klar sagt, ist das Ziel der Stationierung dieser biometrischen Überwachung die BekĂ€mpfung der „unsichtbaren Entfernung“ (sprich des Ladendiebstahls) und „dem Handelssektor dabei zu helfen seinen Umsatz zu beschĂŒtzen“.

Schlimmer noch, fĂŒr den GrĂŒnder von Veesion wird der soziale Stress, den die momentane Pandemie verursacht, soziale Unruhen verursachen, die die LĂ€den dazu zwingen werden, „mehr in Lösungen zu investieren, die ihnen erlauben sich davor zu beschĂŒtzen“. Sein Unternehmen sollte dann laut ihm „auf der Höhe der neuen Herausforderungen des physischen Retails sein“, das heißt, wenn man ihm folgt, die Werkzeuge der Technopolice zu entwickeln, um den Handel vor den armen Bevölkerungen zu beschĂŒtzen, die von der sozialen Krise zum Diebstahl verleitet werden.

[Anmerkung: In einem online verfĂŒgbaren Werbevideo des Programms Veesion, das bei Monoprix installiert ist, kann man einen Überblick ĂŒber die QualitĂ€t der Bilder, die von der Kamera erfasst und sofort auf das Smartphone des Detektivs mit mehreren Optionen geschickt werden, erhalten: https://www.youtube.com/watch?v=oj-d_FX1ot4&t=8s]


Start-up Veesion (2018)
* GrĂŒnder und Bosse (Foto nebenan) : BenoĂźt Koenig, Thibault David et Damien Menigaux
Firmensitz : 143 rue Saint-Martin, 75003 Paris
* mit ihrer Entwicklung verbundener « Start-Up-Inkubator » : Agoranov, 96 bis Boulevard Raspail, 75006 Paris

Groupe Anaveo (1999)
PrĂ€sident (Foto nebenan) : Laurent Bellot
* Firmensitz : Les CarrĂ©s du Parc – 10 rue des RosiĂ©ristes – 69410 Champagne au Mont d’Or
* und 11 Agenturen ĂŒberall auf dem [französischen] Territorium (siehe ihre Seite) : Eguilles (13), MĂ©rignac (33), Annoeullin (52), RezĂ© (44), Villebon sur Yvette (91), Cesson Sevigne (35), Niederhausbergen (67), Ramonville Saint Agne (31), Vierzon (18), Le Port (97)

Oxania (2019)
PrĂ€sident und Mit-BegrĂŒnder (Foto nebenan) : JĂ©rĂ©mie Demol
Allgemeiner Direktor und MitbegrĂŒnder : Antoine Sevilla
Firmensitz : 255 avenue de GenĂšve, 74130 Bonneville

Quelle: Sans Nom


Wenn auch noch nicht so weit fortgeschritten, gibt es auch in Deutschland VorstĂ¶ĂŸe in die Richtung. Bisher gibt es laut eigener Angabe ein Start-Up, das eine solche KI entwickelt und verkauft:

Signatrix (2017)
* GrĂŒnder und Chef: Philipp MĂŒller (siehe Bild nebenan)
* Laut eigener Aussage momentan der einzige deutsche Anbieter auf dem Markt. 14 Mitarbeiter. Die Supermarktkette Globus setzt seit 2018 in insgesamt vier Filialen das Signatrixer Programm CartWatch ein, um Ladendiebe zu fangen. Angeblich ist auch Edeka Kunde von Signatrix. Die Besonderheit (und auch die SchwĂ€che) dieses Programms ist, dass es speziell volle Einkaufswagen und Einkaufskörbe erkennt, die ohne an der Kasse gewesen zu sein hinausgetragen werden oder ob Dinge an der Kasse im Wagen „vergessen“ wurden. Es kann auch erkennen, ob Menschen eine Maske tragen. Laut eigener Aussage arbeitet das Start-up allerdings noch daran, auch den „normalen“ Ladendiebstahl aufdecken zu können.
* Firmensitz: KurfĂŒrstendamm 123, 10711 Berlin




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org