April 23, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Am 19. Mai, werden die StaatsbĂŒttel dem Anarchisten B., nach einer achtmonatigen Untersuchungshaft im GefĂ€ngnis von Nancy, den Prozess fĂŒr die Brandstiftung an zwei Funkmasten wĂ€hrend des Lockdowns machen. Auch wenn es wohl bekannt ist, dass SolidaritĂ€t Angriff bedeutet, ist hier auf jeden Fall eine gute Gelegenheit diesen GefĂ€hrten nicht mit diesen Arschgesichtern im Talar alleine zu lassen, wĂ€hrend man das Werk fortfĂŒhrt, dringend die alte Welt zu demolieren


Salins-les-Bains (Jura), 10. April 2020. WĂ€hrend die Selbsteinsperrung so ziemlich ĂŒberall auf der Welt in vollem Gange ist, erklimmt ein Anarchist die HĂ€nge des Mont Poupet. Stark in seinen Ideen und in seiner Entschlossenheit lĂ€sst er zwei große Funkmasten, die die Wellen der Polizei, der Gendarmerie [Armeeeinheit, die polizeiliche Aufgaben ĂŒbernimmt, Anm. d. Übs.] und der Mobilfunkanbieter aussenden, in Rauch aufgehen, ehe er in der Nacht verschwindet, so wie er gekommen war. Er ist ĂŒbrigens nicht der einzige, denn mindestens 174 Antennen sind offiziell auf dem ganzen Territorium im letzten Jahr sabotiert worden, davon die HĂ€lfte durch Brandstiftung. Und das, selbstredend, ohne die Sabotagen an Glasfaserkabeln oder Telefonzentralen mitzuzĂ€hlen, noch die gegen die Kabel- und Elektronikzubehörzulieferer.

Dass ein von der Freiheit beseeltes Individuum unter den Sternen spazieren gegangen ist, um die digitalen Ketten zu sprengen, die die Home-Officer an ihre Ausbeuter binden oder die schlechten SchĂŒler an die Schule fesseln, aber auch um den Fluss der technologischen Kontrolle zu unterbrechen, war fĂŒr die Herrschaft bereits an sich inakzeptabel. Aber dass sich dieser Akt außerdem in einen diffusen und vielgestaltigen Kampf einschreibt
 das war etwas, das die Krallen der Justiz und die der von der Herrschaft gebildete Ermittlungsgruppe namens Orakel zum Zittern brachte. Es war jene letztere, die also schnell die Ermittlungen ĂŒbernahm, unterstĂŒtzt von der Kriminalpolizei von Dijon und der Section de Recherche [Kriminalpolizei bei der Gendarmerie] von Besançon, besonders da außerdem eine frĂŒhere Brandstiftung am 27. MĂ€rz bereits den Container eines SFR-Mastes auf dem Mont BrĂ©gille in letztgenannter Stadt zerstört hatte.

Was man zumindest darĂŒber sagen kann, ist, dass sie monatelang keinen Aufwand gescheut haben, nachdem sie am Fuß des abgebrannten Mastes eine DNA-Spur gefunden hatten, die sie B., einem GefĂ€hrten, der fĂŒr seine subversiven Ideen wohlbekannt ist, zuordnen: Beschattungen und Observationen, durchgefĂŒhrt von Mitgliedern des GIGN [Spezialeinheit der Gendarmerie zur TerrorismusbekĂ€mpfung, Ă€hnlich der GSG9 in der BRD, Anm. d. Übs.], die extra aus der Hauptstadt anreisten, eine Kamera vor einer Wohnung, unter verschiedenen Fahrzeugen von Menschen, die ihm nahe stehen, angebrachte Peilsender, AntrĂ€ge auf die Platzierung von Abhöreinrichtungen in einer Wohnung sowie auf einem MĂ€uerchen in einer öffentlichen GrĂŒnanlage, ein IMSI-Catcher [eine Art Fake-Mobilfunkzelle], um die TelefongesprĂ€che live mitabzuhören und gleichzeitig der Versuch herauszufinden, ob er andere Handys verwendete, gleichzeitige Hausdurchsuchungen in drei Wohnungen
 und das alles fĂŒr quasi nichts. Sie haben tatsĂ€chlich nicht nur mehrmals die Spur des tapferen anarchistischen Radfahrers im Zuge ihrer Ermittlungen verloren, sie waren nicht nur gezwungen das Verfahren bezĂŒglich des Angriffs in Besançon gegen ihn einzustellen (das also wahrscheinlich gegen Unbekannt weiter gefĂŒhrt wird), sondern sie mussten den Tatsachen ins Auge sehen: B. hat die beiden Masten von Salins-les-Bains alleine zerstört, so wie er sich ĂŒbrigens nach seiner Verhaftung am 22. September 2020 klar dazu bekannt hatte.

Nachdem sie ihn im GefĂ€ngnis von Nancy-MaxĂ©ville eingesperrt und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet hatten, haben die Richterin und ihre Kollegen selbstredend ihre dreckige Arbeit fortgesetzt: Ablehnung des von B. gestellten Antrags auf Entlassung mit Fußfessel im Februar, Ablehnung jeglichen nicht-familiĂ€ren Besuchs bis zur Beendigung des Ermittlungsverfahrens im MĂ€rz, Angebot der Staatsanwaltschaft seine Reue und Buße gegen eine Pseudo-Verringerung der Strafe in Form einer CRPC (comparution sur reconnaissance prĂ©alable de culpabilitĂ©) [alles einrĂ€umen, was den Prozess verkĂŒrzt und sich strafmildernd auswirkt, Anm. d. Übs.] zu kaufen – die der GefĂ€hrte ohne zu zögern ablehnte, um ihn letztendlich im April fĂŒr den 19. Mai vor Gericht zu zitieren.

In dieser von elektronischen Leinen gefĂŒllten Welt, wo die permanente KonnektivitĂ€t die kapitalistische und staatliche Restrukturierung begleitet, kann der Blick der Feinde der Herrschaft nicht verfehlen sich auf die Infrastrukturen wie die Funkmasten und die Glasfaser-SchĂ€chte zu richten, von denen es so gut wie ĂŒberall nur so wimmelt.  So wie er sich auch von nah fĂŒr die Zulieferer und Installateure von Kabeln, Masten und Netzen interessieren kann, wie die unterschiedlichen Axione (Bouygues), Axians (Vinci), Circet, Constructel, Dorsalys (Eiffage), Nexans, SNEF, Sogetrel oder Scopelec, von denen einige in den letzten Monaten feurige Besuche erhalten haben. Denn in Zeiten, in denen die VerwĂŒstungen des technoindustriellen Systems auf diesem Planeten und in den Köpfen jeden Tag offensichtlicher werden, ist es das Mindeste, sich kompromisslos dagegen zu wehren. Zweifelsohne ist es das, was jene, die sich nicht mit der schönen neuen technologischen Welt abfinden, zu jeder Jahreszeit fortsetzen werden
 allerdings sind manche FrĂŒhlingshimmel so klar, dass sie die Rauchzeichen bis hinter die engsten Gitter transportieren können.

SolidaritÀt ist Angriff
Freiheit fĂŒr alle!

Einige Anarchisten in SolidaritÀt und Komplizenschaft

Indymedia Nantes, 16. April 2021

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Quelle: Schwarzerpfeil.de