Juni 27, 2020
Von Anarkismo
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category international |
gender |
pressemitteilung
author Saturday June 27, 2020 18:42author by Verschiedene anarchistische Organisationen

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Internationale ErklĂ€rung verschiedener anarchistischer Organisationen – einige sind Mitglieder des Anarkismo-Netzwerks – zur Situation von Frauen in dieser globalen Gesundheitskrise des Kapitalismus.

Wir Frauen leiden unter der sozialen und wirtschaftlichen Krise, die durch das Auftreten des neuartigen Corona-Virus und seiner globalen Ausbreitung weltweit ausgelöst wurde, aber darĂŒber hinaus leiden wir unter mĂ€nnlicher sexistischer Gewalt. Das ist nicht neu in einem patriarchalen Herrschaftssystem, aber es hat im gegenwĂ€rtigen Kontext besondere Formen angenommen, indem es uns mehr und mehr in die PrivatsphĂ€re verbannt und uns mehr und mehr den MĂ€nnern untergeordnet hat.

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Wir Frauen leiden unter der sozialen und wirtschaftlichen Krise, die durch das Auftreten des neuartigen Corona-Virus und seiner globalen Ausbreitung weltweit ausgelöst wurde, aber darĂŒber hinaus leiden wir unter mĂ€nnlicher sexistischer Gewalt. Das ist nicht neu in einem patriarchalen Herrschaftssystem, aber es hat im gegenwĂ€rtigen Kontext besondere Formen angenommen, indem es uns mehr und mehr in die PrivatsphĂ€re verbannt und uns mehr und mehr den MĂ€nnern untergeordnet hat.

Die von MĂ€nnern ausgehende sexistische Gewalt nahm wĂ€hrend des Lockdowns zu. Ohne unsere Familien und Freund*innen sind wir Frauen, die wir gezwungen sind, mit einem Aggressor, meist unserem Partner, zu leben, in dieser höllischen Situation gefangen. Die von den Staaten ergriffenen Initiativen waren ineffizient und unzureichend, um die hĂ€usliche Gewalt einzudĂ€mmen, und das Problem nahm keineswegs ab, sondern zu! Der Lockdown hat Frauen, die Opfer hĂ€uslicher Gewalt geworden sind, daran gehindert, die hĂ€uslichen Umgebung zu verlassen und draußen UnterstĂŒtzung zu finden, da viele Frauen nicht in der Lage sind, in Anwesenheit ihres TĂ€ters, der im Haus bleibt, zu telefonieren. Die Zunahme von Femiziden in Haftanstalten ist in Lateinamerika und anderswo eine RealitĂ€t. Was die BelĂ€stigung auf der Straße betrifft, so befand sich diese nicht im “Lockdown”! Obwohl die Straßen leer waren, schrĂ€nkten Ausgangssperren die sexistischen und sexuellen Übergriffe in der Öffentlichkeit und im öffentlichen Raum nicht ein, ganz im Gegenteil: Mit oder ohne Maske, das Einkaufen, der Gang zum Arzt oder der Weg zur Arbeit sind fĂŒr Frauen zu Verpflichtungen geworden, die ideale Szenarien fĂŒr Stalker darstellen, um Frauen ausnutzen zu können.

Auch die unbezahlte Arbeit, die Frauen tĂ€glich verrichten, nahm mit dem Lockdown zu. Sie mussten und mĂŒssen nicht nur sicherstellen, dass die Kinder genug zu essen bekommen und ihre Hausaufgaben erledigen; viele Frauen mĂŒssen darĂŒberhinaus auch im Homeoffice weiterarbeiten, was die psychische und emotionale Belastung fĂŒr sie alle erhöht hat. In LĂ€ndern, in denen Maßnahmen ergriffen wurden, die es den Menschen ermöglichen, zu Hause zu bleiben, ohne zur Arbeit gehen zu mĂŒssen, sind es immer noch Frauen, die weniger verdienen als MĂ€nner. Weil es die MĂ€nner sind, die in dieser Situation beinahe zu den alleinigen Verdienern werden, verschwand die Aufteilung der hĂ€uslichen Aufgaben vollstĂ€ndig.

Einige Frauen waren von Krise und Lockdown stĂ€rker betroffen als andere. Die Situation von Frauen auf der Flucht, die in SchutzunterkĂŒnften oder Zentren zusammengepfercht waren, ebenso wie die Situation von Women of Colour oder der Frauen in den Arbeiter*innenvierteln, war besorgniserregend, da sie der Pandemie stĂ€rker ausgesetzt waren. Da sie einer informellen Arbeit nachgehen, können sie weder zu Hause bleiben und dabei ihr Einkommen beibehalten, noch können sie es weiterhin erhalten, wenn sie sich um den Haushalt kĂŒmmern. Parallel dazu hat die Militarisierung der Wohngebiete sowohl uns Frauen als auch unsere Kinder der polizeilichen Repression ausgesetzt.

Patriarchat und Kapitalismus nutzen die un- oder schlecht bezahlte Arbeit der Frauen im Namen der “nationalen Einheit” aus. Wir Frauen sind der Krise besonders schutzlos ausgeliefert, weil unsere ArbeitsplĂ€tze prekĂ€rer sind als die der MĂ€nner und viele von uns in “systemrelevanten” Sektoren arbeiten. So stehen viele BeschĂ€ftigte, wie z.B. diejenigen von uns, die in SupermĂ€rkten sowie im Gesundheits- und Bildungswesen arbeiten, an vorderster Front der Pandemie und verdoppeln unsere BemĂŒhungen, um sie zu stoppen. Diese Arbeitssektoren, in denen Frauen in der Mehrheit sind, werden im Allgemeinen schlecht bezahlt, aber es sind auch Sektoren, die sich historisch gesehen durch ein hohes Maß an Bereitschaft, fĂŒr bessere Löhne, gegen Entlassungen und Prekarisierung zu kĂ€mpfen, ausgezeichnet haben.

Es waren auch die Frauen, die ĂŒber die Organisationen von unten SolidaritĂ€t und gegenseitige Hilfe in die Praxis umgesetzt haben. Da die staatlichen Institutionen nicht in der Lage waren, auf die gegenwĂ€rtige Krise zu reagieren, waren es diese Organisationen, die zumeist aus Frauen bestehen, die verschiedene Strategien zur Linderung der Krise entwickelt haben, unter anderem durch GemeinschaftskĂŒchen, Versorgungsnetze und wie im Fall der NĂ€herinnen, durch das Herstellen von Masken.

Dem Staat, den Bossen, der Polizei, der sexistischen Gewalt der MĂ€nner, den Rassist*innen und den Homo- und Transphoben sagen wir: Wir werden nicht aufgeben und wir werden immer dafĂŒr kĂ€mpfen, unsere KĂ€mpfe sichtbar zu machen, gegen alle Formen der Herrschaft. Wir stehen nicht in der ersten Reihe mit den Kapitalist*innen, wir stehen in der ersten Reihe, um die Gesellschaft zu verĂ€ndern!

Arriba las que luchan!

☆ Federación Anarquista Uruguaya – FAU (Uruguay)
☆ Federación Anarquista de Rosario – FAR (Argentinien)
☆ Grupo Libertario Vía Libre (Kolumbien)
☆ Union Communiste Libertaire (Frankreich)
☆ Organisation Socialiste Libertaire – OSL (Schweiz)
☆ Libertaere Aktion (Schweiz)
☆ Aotearoa Workers Solidarity Movement – AWSM (Aotearoa / Neuseeland)
☆ Anarchist UniĂłn of Afghanistan and Iran – AUAI
☆ Die Plattform – Anarchakommunistische Organisation (Deutschland)
☆ OrganizaciĂłn Anarquista de CĂłrdoba – OAC (Argentinien)
☆ Alternativa Libertaria – AL/fdca (Italien)
☆ Melbourne Anarchist Communist Group – MACG (Australien)
☆ Workers Solidarity Movement – WSM (Irland)
☆ Coordenação Anarquista Brasileira – CAB (Brasilien)




Quelle: Anarkismo.net