November 16, 2020
Von Anarchistische Gruppe Essen
393 ansichten


Dieses Jahr hatten wir die Möglichkeit einen Rede bei der Kundgebung zum Frauenkampftag der Falken in Essen zu halten. Hier unser Beitrag:

Wir sprechen hier heute als Anarchist*innen, gleichzeitig aber auch als Feminist*innen, als Antikapitalist*innen, als Antirassist*innen. Staat, Kapitalismus, Patriarchat, Rassismus – das sind die SĂ€ulen der Herrschaft. Wir sind davon ĂŒberzeugt, dass sich keine davon unabhĂ€ngig von den anderen auflösen lĂ€sst, da sie alle miteinander verflochten sind und einander stĂŒtzen. Wir fordern die Befreiung aller Menschen, also auch die Befreiung der Geschlechter. Dabei ist “die Frauenfrage” fĂŒr uns kein Nebenwiderspruch, sondern genauso elementar wie alle anderen UnterdrĂŒckungsformen.

Bei unserem Kampf um Befreiung geht es uns nicht um bloße Reformen, damit werden wir uns nicht zufrieden geben! Wir lassen uns nicht von zugeworfenen BrotkrĂŒmeln in Form von Frauenquoten oder Entkriminalisierung der Abtreibung besĂ€nftigen. Der Kampf geht weiter. Die Befreiung muss da ansetzen, wo die UnterdrĂŒckung entsteht: auf der Straße, bei uns zu Hause, auf unserer Arbeit, in den Medien & sozialen Netzwerken. Um die Radikalfeministin Carol Hanisch zu zitieren: „Das Persönliche ist politisch!“, also lasst uns an der Graswurzel anfangen, indem wir unser eigenes Verhalten reflektieren und Verhaltensweisen ablegen, welche andere und uns selbst unterdrĂŒcken, welche uns von dieser Gesellschaft beigebracht worden sind.

Wir fordern eine Welt frei von UnterdrĂŒckung und Herrschaft. Die Befreiung der Frau ist einer der KĂ€mpfe, die notwendigerweise zur Befreiung der Gesellschaft von jeglicher UnterdrĂŒckung und Diskriminierung gefĂŒhrt werden mĂŒssen. Die Gesellschaft ist durchzogen von patriarchalem und sexistischem Denken. TĂ€glich sind Frauen damit konfrontiert und selbst in den eigenen Reihen oftmals nicht geschĂŒtzt davor.

Namentliche BekleidungsgeschĂ€fte verkaufen mittlerweile T-Shirts mit der Aufschrift „feminist“ – man könnte meinen der Feminismus ist in der Gesellschaft angekommen. Traurigerweise als Modetrend des heutigen Zeitgeist verliert er an Bedeutung und wird mehr und mehr eine Randerscheinung, die ausschließlich Frauen etwas angeht, und die eigene Emanzipation dessen endet oftmals auch nur im Kauf eines solchen T-Shirts.

Wir mĂŒssen laut sein und fĂŒr unsere Freiheit aufstehen, traut euch, euch aufzulehnen, wenn euer Chef einen sexistischen Spruch macht! Du bist nicht der Spielverderber, wenn du dich als Mann in der Mackervollpfostenrunde gegen das Verhalten deiner Kollegen aussprichst! Denn Feminismus geht auch MĂ€nner etwas was an, auch ihr seid Betroffene des Patriarchats! Auch ihr steckt in einer Geschlechterrolle. Lasst uns dieses Denken gemeinsam aufbrechen und Platz schaffen fĂŒr vielfĂ€ltige GeschlechtsidentitĂ€ten – frei von geschlechterspezifischen Denken.

Vor 23 Jahren erst wurde die Vergewaltigung in der Ehe per Gesetz strafbar gemacht. MĂ€nner, welche damals dagegen gestimmt haben, sitzen heute noch an hochrangigen Stellen in der Politik. Zum Beispiel Friedrich Merz, welcher gerade zur Kanzlerkandidatur in der CDU steht. Was sagt uns das? Wir können nicht darauf vertrauen, dass eine VerĂ€nderung durch den Staat kommen wird, der Staat ist Teil dieser UnterdrĂŒckung und fördert sie. Lasst uns nicht lĂ€nger die Augen davor verschließen und das Problem an der Graswurzel packen, von ganz unten, miteinander, kollektiv und selbstorganisiert. Denn wir brauchen keine Herrscher, um unser Leben zu organisieren – ganz nach dem Prinzip: jede* nach *ihren FĂ€higkeiten und jede* nach *ihren BedĂŒrfnissen, wollen wir gemeinsam eine bessere Welt gestalten!

FĂŒr das schöne Leben !




Quelle: Agessen.blackblogs.org