März 10, 2021
Von FAU Flensburg
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Unkommerziell und pleite, unbequem, kindisch und ernst, Do-it-Yourself und Punk – so beschreibt sich der freie Radiosender „Fratz“ aus Flensburg. Der junge Sender ist erst seit Dezember 2019 auf einer UKW-Frequenz zu hören. Er ist eines von zwei freien Radios in Schleswig-Holstein. Aber die Existenz des Senders ist schon bedroht: Die FDP-Ratsfraktion hat beantragt, ihm die Finanzierung zu entziehen. Der Grund: Ihr gefällt die Berichterstattung über den kürzlich besetzten Flensburger Bahnhofswald nicht.

Die ehrenamtliche Redaktion sei über diese Argumentation „entsetzt und enttäuscht“, sagt Fratz-Vereinsvorsitzende Marie Nassauer. Dem nichtkommerziellen Sender, dem Werbeeinnahmen verboten sind, werde damit unverblümt das Einstellen des Sendebetriebs nahegelegt. In Neumünster, wo der zweite freie Radiosender Schleswig-Holsteins sitzt, seien solche Forderungen bislang nur von der NPD gekommen.

Kli­ma­ak­ti­vis­t*in­nen hatten im Oktober Baumhäuser in einem an den Flensburger Bahnhof angrenzenden Wäldchen errichtet, um dessen Abholzung zugunsten eines Parkhauses und eines Hotels zu verhindern. Die FDP-Fraktion hatte die SPD-Bürgermeisterin Simone Lange aufgefordert, die sofortige Räumung zu veranlassen – was die Stadt auch tat, allerdings nachdem sie zunächst mitgeteilt hatte, sie werde von einer Räumung absehen. Der Radiosender begleitete die Geschehnisse kritisch und ließ auch die Bür­ger­initia­ti­ve zum Schutz des Waldes sowie die Be­set­ze­r*in­nen zu Wort kommen.

„Im Rahmen der Geschehnisse um den,Bahnhofswald’ zeigte das Radio Fratz eine nur einseitige Berichterstattung“, kritisiert die FDP in ihrem Antrag, den sie im Mai dem Kulturausschuss und anschließend dem Finanzausschuss vorlegen will. Die Art der Berichterstattung passe nicht zu einer Förderung aus öffentlicher Hand.

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Quelle: Fau-fl.org