September 15, 2021
Von End Of Road
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Seit der Veröffentlichung der Kandidat*innen fĂŒr die Aufsichtsratswahl am 5. September 2021 wurde viel ĂŒber die BeweggrĂŒnde des Wahlausschusses, warum einzelne Kandidat*innen zugelassen und andere abgelehnt wurden, spekuliert. Die Intransparenz dieses Prozesses hat in der Fangemeinde und unter den Mitgliedern des SV Werder fĂŒr viel Unmut gesorgt.

 

UnabhĂ€ngig davon sollte klar sein, dass der Sport-Verein Werder fĂŒr Weltoffenheit, SolidaritĂ€t, fĂŒr ein gemeinsames Miteinander und Antidiskriminierung steht. Aus diesem Grund haben wir uns in den letzten Tagen eingehend Gedanken darĂŒber gemacht, was es bedeutet, dass Oliver R. Harms trotzdem vom Wahlausschuss fĂŒr den Aufsichtsrat zugelassen wurde. Wir sind damit ausdrĂŒcklich nicht einverstanden, bezweifeln, dass er all die genannten Werte teilt und möchten folgend darlegen, warum er aus unserer Sicht – und auch aus Sicht vieler Menschen im Verein, wie wir zuletzt in Erfahrung bringen konnten – nicht als Mitglied des Aufsichtsrats in Frage kommt.

Uns liegt seit Kurzem ein wenige Monate alter E-Mail-Verkehr vor, der belegt, dass Oliver R. Harms einen bekannten Professor der Kriminologie, der sich auch im Forschungsfeld Fußball bewegt, kontaktiert hat. Harms stellt dem Kriminologen Fragen zum Thema „Antifa+Fußball“, die in ihrer charakteristischen Art und unter Verwendung bestimmter SchlĂŒsselbegriffe („Cancel Culture“) an gĂ€ngige verschwörungsideologische, rechtspopulistische ErzĂ€hlungen anknĂŒpfen. In dieser E-Mail bezieht Harms sich positiv auf zwei Autoren, die sich beide großer Beliebtheit in rechten Kreisen erfreuen. Einer dieser Autoren ist Karsten D. Hoffmann. Hoffmanns Buch, welches von Kandidat Harms als „bemerkenswert“ beschrieben wird, wird u.a. ĂŒber den Kopp-Verlag vertrieben, welcher pseudowissenschaftliche, verschwörungsideologische, rechtspopulistische Inhalte und Titel der extremen Rechten vertreibt. Karsten D. Hoffmann ist darĂŒber hinaus in der Vergangenheit AfD-Politiker in Rotenburg gewesen und fabuliert regelmĂ€ĂŸig ĂŒber eine Gesellschaft, die sich aus seiner Sicht bedrohlich nach links verschieben wĂŒrde.

Dieses fragwĂŒrdige Narrativ scheint Oliver R. Harms zu teilen. In der E-Mail schreibt er u.a., dass er keinen Aufsichtsratskandidaten wolle, der von „der Antifa gestĂŒtzt“ werde. Bei den Aufsichtsratswahlen halte er einen „Auftritt der Antifa theoretisch fĂŒr vorstellbar“ und dass ein „Kandidat niedergebrĂŒllt“ und „als Nazi diffamiert“ werde. Ob Herr Harms befĂŒrchtet, dass es ihn selbst treffen könne, lĂ€sst sich nur mutmaßen. In jedem Fall wird deutlich, dass Herr Harms‘ VerstĂ€ndnis von Antifaschismus nicht nur Ă€ußerst zweifelhaft ist, sondern er vielmehr versucht, Antifaschismus zu diskreditieren. Mit der falschen Gleichsetzung von Antifaschismus auf der einen und brennenden Autos und „ACAB“-SchriftzĂŒgen auf der anderen Seite, bedient er in der E-Mail ein klassisches rechtes Narrativ und gibt damit unzweifelhaft preis, welche Auffassung er teilt.
Um es deutlich zu sagen: Ohne das antifaschistische Engagement der Werderfans wĂŒrden sich Personen aus dem neonazistischen Spektrum noch heute im Stadion wohlfĂŒhlen. Dass sich auch der SV Werder grundsĂ€tzlich antifaschistisch und mit seinen Werten gegen menschenfeindliche Ideologien positioniert, scheint Herrn Harms entgangen zu sein.

Der kontaktierte Kriminologe weist in dem E-Mail-Verkehr, der dem SV Werder und auch dem Wahlausschuss vorliegt, aus seiner wissenschaftlichen Perspektive darauf hin, dass die Literatur (und der dazugehörige Verlag), auf die Harms sich in seiner E-Mail bezieht, Ă€ußerst zweifelhaft ist. Das Bild einer von Linksextremismus bedrohten Gesellschaft, dem Herr Harms offenbar anhĂ€ngt, sei laut dem Kriminologen falsch: „Ich denke, dass wir eher auf dem rechten, als auf dem linken Auge blind sind!“

Dem können wir uns nur anschließen. FĂŒr uns ist nicht nachvollziehbar, warum jemand, der offensichtlich verschwörungsideologische, rechte Narrative und Falschinformationen teilt wie Oliver R. Harms, als Kandidat zugelassen wurde. Wir sind der Meinung, dass Herr Harms in dieser E-Mail Einstellungen zeigt, die anknĂŒpfungsfĂ€hig an das Weltbild der extremen Rechten sind. Wir befĂŒrchten eine dementsprechende Ausrichtung der Entscheidungen, die er fĂ€llen wĂŒrden, sollte er in den Aufsichtsrat gewĂ€hlt werden. Mit den Werten, die den SV Werder ausmachen, wird dies nur wenig zu tun haben.

Infamous Youth im August 2021




Quelle: Endofroad.blackblogs.org