MĂ€rz 18, 2021
Von La Presse
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Der 18. MĂ€rz findet international als „Tag der politischen Gefangenen“ immer mehr Verbreitung. Unter politischen Gefangenen werden Menschen verstanden, die wegen ihrer politischen Einstellung oder Weltanschauung im GefĂ€ngnis sitzen. Ebenso wenn eines der Merkmale maßgeblichen Einfluss auf die Strafzumessung hatte. Die Unterscheidung zwischen „politischen“ und „legitimen“ Gefangenen ist dabei nicht immer eindeutig. Abseits dieser Frage eröffnete die Die GG/BO Soligruppe Leipzig, anlĂ€sslich dieses Tages, eine Plakatausstellung zur Gesundheitssituation im GefĂ€ngnis. Wir sprachen mit Karin von der Soligruppe.

Ihr eröffnet heute eine Plakataustellung mit dem Titel „GefĂ€ngnis, Gesundheit, Gesellschaft“ – was hat es damit auf sich?

Zu Beginn möchten wir uns erstmal beim Landesverband Hamburger StraffĂ€lligenhilfe e. V. bedanken, der diese Tafeln im Rahmen der Aktionstage GefĂ€ngnis 2019 erstellt hat und uns zur VerfĂŒgung stellte, damit wir das Thema einem grĂ¶ĂŸeren Publikum zugĂ€nglich machen können. Wir haben lediglich sachsenspezifische Anpassungen vorgenommen und das Design verĂ€ndert.

Die Ausstellung wollten wir schon voriges Jahr veröffentlichen aber da ist uns Corona leider dazwischengekommen. Wir haben uns einfach in den letzten beiden Jahren ausfĂŒhrlich mit dem Thema beschĂ€ftigt und eine Vielzahl von Kleinen Anfragen angestoßen, um das zu bestĂ€tigen, was lĂ€ngst bekannt ist: Und zwar, dass die medizinische Versorgung im Knast unterirdisch ist und das obwohl der Gesundheitszustand von Gefangenen weitaus schlechter ist als in der Allgemeinbevölkerung. Was logisch ist, denn viele Gefangene kommen aus prekĂ€ren Lebenssituationen. So sind viele Gefangene von Armut betroffen, haben keinen sicheren RĂŒckzugsort, leben auf der Straße, waren in ihrem Leben hĂ€ufig körperlicher uns psychischer Gewalt ausgesetzt, konsumieren Alkohol oder Drogen und weisen deutlich hĂ€ufiger psychische und körperliche Vorerkrankungen auf und und und! Wir glauben, dass die Tafeln einen ersten wenn auch sicherlich unvollstĂ€ndigen Überblick geben können, mit welchen Problemen und Schwierigkeiten Menschen in Haft konfrontiert sind. Wir möchten mit der Ausstellung aufzeigen, wieso der Knast in seiner ganzen Struktur darauf angelegt ist, Menschen nicht gesĂŒnder zu machen, sondern krĂ€nker. Und Kurz und Knackig: Wir verstehen es als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe das System Knast und Strafe zu ĂŒberdenken und erhoffen uns mittels so einer Ausstellung einfach ein bisschen mehr VerstĂ€ndnis und bestenfalls regen die doch recht kurzen Texte zu einer ersten kritischen Auseinandersetzung an.

In einem Plakat findet sich der Link zu einer umfangreichen TAZ Recherche in der grade Sachsen ein schlechtes Attest ausgestellt wird – grade was die Gesundheitsversorgung von Gefangenen angeht. hat sich dort zwischenzeitlich was getan?

Leider nein. Es ist schwierig, der Artikel ist von August 2019 und ich wĂŒrde sagen es sind mit Corona eher weitere Herausforderungen dazugekommen. So weit wir wissen, liegen die Gesundheitskosten pro Kopf bei den Gefangenen aktuell immer noch unter dem der Krankenkassen und somit kommt der Staat dem Auftrag einer medizinischen Versorgung nach den allgemeinen Standards der gesetzlichen Krankenkassen nicht nach. Das ist Fakt. Uns erreichen immer wieder Briefe von Gefangenen und Mails von besorgten Angehörigen, die uns erzĂ€hlen, dass Gefangenen keine Behandlungen erhalten oder sich diese zum Teil hart erkĂ€mpfen mĂŒssen. Einige Berichte machen uns dabei einfach nur sprachlos. Vieles können wir leider nicht veröffentlichen weil die Betroffenen das nicht möchten, aus Angst vor Repression. Das darf nicht sein und das wollen wir so nicht hinnehmen.

Wie verfolgt ihr das Thema als GG/BO Soligruppe?

Naja wie bereits erwĂ€hnt, es ist fĂŒr uns schon ein wichtiges Thema- eins von vielen. Neben der Gesundheitsversorgung beschĂ€ftigt uns auch die Firma Massak, ein Unternehmen das fĂŒr die Lebensmittelversorgung tĂ€tig ist oder Telio, ein anderer Monopolist in GefĂ€ngnissen der ĂŒberteuerte Telefonate fĂŒr Gefangene anbietet, um nur zwei Unternehmen zu benennen die sich ein goldenes NĂ€schen verdienen zulasten der Gefangenen und so weiter uns so fort. Wenn ihr wollt schaut gerne auf die Internetseite ggbo.de oder schaut im linXXnet vorbei. Kritik, VorschlĂ€ge oder what ever, kontaktiert uns gerne und danke fĂŒr das Interesse.

Die Ausstellung ist, im Rahmen der jeweils gĂŒltigen Corona-Schutzverordnung, vom 18. MĂ€rz bis 31. Mai im linXXnet zu besichtigen.




Quelle: La-presse.org