November 18, 2021
Von Anarchosyndikalismus
276 ansichten


Das Wiener Arbeiter*innen-Syndikat (WAS-IAA) informiert:

„Alle GeringfĂŒgig BeschĂ€ftigte der Secession aus dem Bereich Kassa/Aufsicht/Shop haben sich zusammengeschlossen, da die Arbeitsbedingungen dort schon lange nicht mehr zumutbar sind. Seit Wochen verhandelt das WAS mit der GeschĂ€ftsfĂŒhrung, die in wesentlichen Punkten jetzt aber auf Stur geschalten hat.

Wir rufen deshalb zu einer Kundgebung gegen Ausbeutung, Lohnraub und die Verletzung von Arbeitsrecht vor der Wiener Secession auf. Am Freitag, den 19. November pĂŒnktlich um 18.30 Uhr, Friedrichstraße 12, 1010 Wien, wĂ€hren der Eröffnung der neuen Ausstellung.Die Wiener Secession, welche allein durch Ihre Eintrittsgelder und MuseumsshopeinkĂ€ufe an einem einzigen durchschnittlichen Samstag an die 4500 Euro einnimmt, die von Österreichs vermutlich grĂ¶ĂŸtem Kreditinstitut, der Ersten Bank, einer seitenlangen Liste von Mitgliedern und FörderInnen, und nicht zuletzt der Arbeiterkammer höchstselbst finanziert wird, hĂ€lt es fĂŒr notwendig ihren ArbeitskrĂ€ften die Löhne vorzuenthalten.

Seit dem ersten Lockdown im MĂ€rz 2020 schreiben die GeringfĂŒgig BeschĂ€ftigten der Bereiche Kassa/ Aufsicht/ Shop mit jedem Mal, wenn die Regierung eine Schließung des Museums veranlasst, sogenannte „Minusstunden“ fĂŒr die Zeit, in der sie entsprechend nicht zur Arbeit erscheinen konnten. Nachdem der gesamte(!) Jahresurlaub sowie angehĂ€ufte Zeitguthaben von bis zu ĂŒber 100 Stunden von den Lockdowns gefressen wurden, wurden die GeringfĂŒgigen also von der Secession zum „Nacharbeiten“ dieser Stunden verpflichtet. Bei manchen der GeringfĂŒgigen fĂŒhrte das zu Monaten mit an die 70 Stunden Monats-Arbeitszeit – bei einem Gehalt von nicht einmal 450 Euro im Monat.

Zur Info: es gibt fĂŒr angeordnete Minusstunden keine Rechtsgrundlage, sprich sie sind illegal. Genauso wie es illegal ist, einen vollstĂ€ndigen Jahresurlaubsanspruch fĂŒr einen Krisenfall einzuziehen oder ĂŒberhaupt erst Zeitguthaben von ĂŒber Hundert Stunden anzuhĂ€ufen ohne dass diese je ausbezahlt oder in Freizeit abgebaut werden wĂŒrden.

Aber das Ganze hat – und hatte auch vor der Pandemie bereits – System. BegrĂŒndet wurde diese gesetzeswidrige Ausbeutung Anfang 2020 damit, man habe „ArbeitsplĂ€tze retten wollen“. TatsĂ€chlich aber wurden dennoch Mitarbeitende gekĂŒndigt, plus eine Vollzeitstelle durch weitere prekĂ€re GeringfĂŒgige ersetzt. Weiters sind die Stellen im Bereich Kassa/ Aufsicht/ Shop vor – wie nach – der Pandemie dermaßen chronisch unterbesetzt geblieben, dass es im Haus als normal und notwendig gilt, Angestellte in KrankheitsfĂ€llen aus dem Urlaub zu holen oder selbst kranke Angestellte dazu anzuhalten, sich um den eigenen Ersatz zu kĂŒmmern, um krank sein zu dĂŒrfen.

In anderen Worten also: Die Wiener Secession, ĂŒber oben genannte Einkommensquellen verfĂŒgend und wĂ€hrend des Krisenjahres staatlich unterstĂŒtzt, fand sich nicht bloß schlau dabei, die Folgen der Pandemie an den einerseits schwĂ€chsten, andererseits kapitalertrĂ€glichsten (Kassa und Shop machen ca. die HĂ€lfte der Einnahmen aus) und dem höchsten Infektionsrisiko ausgesetzten Angestellten auszulassen. Sie fand sich außerdem noch viel schlauer, als sie sich selbst, den betroffenen Angestellten, und schließlich der Öffentlichkeit das Ganze auch noch als Gefallen verkaufte.

Das Motto der Secession: „Der Zeit ihre Kunst/ Der Kunst ihre Freiheit“ ist hinsichtlich der Monate an Lebenszeit, die diese Institution ihren Angestellten gestohlen hat, blanker Zynismus. Das kuratorische Profil des Hauses, gleich dem „Moria“-Banner ĂŒber dem Haupteingang vom Mai 2020 – nichts als buchstĂ€bliche Fassade.

Die Secession, die sich mit RĂŒckgriff auf ihre Geschichte gerne alternativ und gegen BĂŒrgerlichkeit und Konservativismus inszeniert, hat bis auf die BestĂ€tigung des Klischees, Bildende Kunst interessiere sich bloß fĂŒr Reiche, alles verraten, fĂŒr das ihre Exponate stehen sollen.

Es ist fĂŒr uns als herrschaftsfreie Gewerkschaft klar, dass diese ZustĂ€nde unannehmbar sind. Noch dazu, weil die Secession bisher auf stur schaltet und nicht einmal die gesetzlich gedeckten AnsprĂŒche der GeringfĂŒgig BeschĂ€ftigten vollumfĂ€nglich erfĂŒllen will.

Unsere erste Kundgebung vor der Wiener Secession findet wĂ€hrend der Eröffnung der neuen Ausstellung statt. Viele Wichtigmenschen aus Kunst und Kultur werden anwesend sein, und es handelt sich um die erste Ausstellungseröffnung unter dem neuen Vorstand. Wir nehmen die fortwĂ€hrenden Ausbeutung der SchwĂ€chsten durch den Kunstmarkt nicht hin, speziell wenn nicht einmal die eigenen gesetzlichen Minimalstandards eingehalten werden. Wir fordern alle klassenbewussten ArbeiterInnen auf, uns zu unterstĂŒtzen!

Ein Angriff auf Eine ist ein Angriff auf alle!

Es gibt zusÀtzlich auch die Möglichkeiten, telefonisch gegen die Ausbeutung in der Secession zu protestieren: Von Montag bis Freitag von 10-17 Uhr sind
die GeschĂ€ftsfĂŒhrung unter der Nummer +43-1-587 53 07-24
sowie ihre Assistenz unter der Nummer +43-1-587 53 07-11
persönlich zu erreichen.

Hinweis: Die Kundgebung findet auch statt, falls es zuvor zu einer Einigung kommt, dann als Feier-Kundgebung und mit Verbreitung der Information, dass es zu einer Einigung gekommen ist.“

Quelle: https://wiensyndikat.wordpress.com/2021/11/17/gegen-ausbeutung-bei-der-wiener-secession/

 




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org