Januar 2, 2022
Von Emrawi
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Solange grundlegende Ideologien und Strukturen, die diese Krise verursachen, nicht konfrontiert und beseitigt werden, verdammen wir uns selbst und zukĂŒnftige Generationen zur Nicht-Existenz. Die «Big Green» non-profit Unternehmen und so genannte Nicht-Regierungs-Organisationen (selbst Indigene) haben die Bedingungen fĂŒr Dissens und Triage dieser Krise, mit der Behauptung der Weitsichtigkeit, in der wir angeblich eine bessere Zukunft vor uns sehen können, auf eine Weise festgelegt, die sich als oberflĂ€chliche und kurzlebige Fata Morgana offenbart, die uns das unvermeindliche Ende unserer eigenen Auslöschung oder eine Existenz in einer trostlosen und dezimierten Höllenlandschaft entgegenblĂ€st – was sonst kann von einer Reihe immergleichen, vorgefertigten Taktiken erwartet werden, die uns im Kreis marschieren lassen?

Angesichts der tatsĂ€chlich tödlichen, sogar existentiellen Krise, mit der die gesamte Erde und die von ihr abhĂ€ngigen und von ihr lebenden Arten konfrontiert sind, scheitern die derzeitigen Taktiken von gewaltlosem Zivilen Ungehorsam genau weil diejenigen die sie anwenden, durchwegs die Dringlichkeit der Katastrophe am Horizont missverstehen und die Sicherheit einer positionellen, taktischen, analytischen, strategischen und strukturellen Halbherzigkeit als «Protest» umarmen, der sich materiell als eine ausgeschmĂŒckte Duldung in Form von kontinuierlich zunehmender symbolischer Proteste und Abenteuern in der Komfortzonenpolitik eines Marsches zur Katharsis Ă€ussert, als ob dies das Schmelzen von Gletschern, und die Auslöschung ganzer Arten beenden wĂŒrde.

Dieses gescheiterte Posieren von so genanntem «Schutz», «Erhaltung», und AnhĂ€ufung von «politischer Macht» (Lobbyismus) dient stattdessen der Festigung des Staates und dessen Gewaltmonopol viel mehr als es diesen herausfordert. Dahinter kann nur eine Psychologie vermutet werden und dies ist eine von kreativer Erschöpfung und konzeptioneller Blindheit oder ganz einfach eine ZurĂŒckhaltung, die auf der Angst beruht, als «alarmistisch» oder «zu radikal» abgestempelt zu werden. WĂ€hrend fast die gesamte neoliberale Umweltbewegung fĂŒr Klimagerechtigkeit (und ohne Zweifel ist sie neoliberal oder bedeutet GrĂŒner Kapitalismus und GrĂŒne Wirtschaft etwas anderes?) fĂŒr die absolute Notwendigkeit eines radikalen Wandels Alarm schlĂ€gt. In unserem Fall, als Indigene Völker, haben wir dies schon zu Zeiten vor Kolumbus betont, gegenĂŒber einander, und gegenĂŒber den Siedler*innen, als wir sie daran erinnerten, dass du Geld nicht essen kannst.

Die Taktiken der Klimagerechtigkeitsbewegung sind insoweit begrenzt, als sie sich im Wesentlichen in einer Form von aggressiver Lobbyarbeit (auf nationaler und internationaler Ebene) Ă€ussern. Aber wir können nicht viel mehr erwarten, wenn sie mit Strategien hantieren, die auf Schadensbegrenzung durch politische und wirtschaftliche Reformen gegenĂŒber genau den Menschen, KrĂ€ften, MĂ€chten, Interessen und Institutionen beruhen, die diese Krise ĂŒberhaupt erst verursacht haben. Auch wenn systemische Probleme wie Kapitalismus und Kolonialismus in Pressemitteilungen angesprochen werden und auf Transparenten auf den Strassen geschrieben stehen, beruhen die zugrundeliegenden strategischen Ziele auf der Neukonfiguration der herrschenden Gesellschaftsordnung hin zu einem ökologischer orientierten, umweltbewussten Nationalstaat, gegen die totalisierende, allumfassende Kraft des kapitalistischen Kolonialismus und Imperialismus. «Gerechter Übergang» ist eine Strategie der wirtschaftlichen Erlösung, um Lebensweisen, die von vornherein untragbar sind weiterhin aufrechtzuerhalten. Du kannst Kapitalismus und Kolonialismus nicht mit Lobbyarbeit abschaffen, egal wie sehr du es auch versuchst.

Die GrĂŒne Wirtschaft [Green Economics] ist wie deren Vorfahrin, die GrĂŒne Reform [Green New Deal], dazu bestimmt, das koloniale US-Siedler*innen Projekt und die kapitalistischen VerhĂ€ltnisse aufrechtzuerhalten, deren ausgeprĂ€gten Interessen darin bestehen, die fortlaufende «Ausbeutung» (Zerstörung) der gesamten Welt fortzufĂŒhren, und dabei natĂŒrlich einzukassieren. Im Fall der GrĂŒnen Reform, die in vielerlei Hinsicht ihre eigene Nachfolgerin erzeugt hat, nĂ€mlich die Rote Reform [Red New Deal], die nicht nur die langjĂ€hrige Indigene Klimagerechtigkeitsarbeit plagiiert, vorgibt und kooptiert – der «Roten Nation» ihre «Rote Reform» schlĂ€gt ein antikapitalistische und elends begrenzte antikoloniale Antwort vor, die nicht nur die Industrialisierung verstĂ€rkt, sondern schlussendlich zur fortwĂ€hrenden Teilnahme am Kapitalismus selbst fĂŒhrt, nur «neu benannt» und «reformiert» unter einer sozialistischen Â«Ăœbergangsrubrik», fĂŒhrt sie zu den VorschlĂ€gen ihrer marxistischen Organisationen mit einem «dekolonisierten» autoritĂ€ren Arbeiter*innenstaat als beste Lösung.

WĂ€hrend wir also kollektiv an der Luft sterben, die wir nicht atmen können, am Wasser, das wir nicht trinken können, oder an beidem, das im Hier und Jetzt unerschwinglich ist, sollen wir auf den Bau einer weiteren sozialistischen Utopie warten. Eine Utopie, die auf der derzeitigen Dystopie wachsender Ödnis und Klimakatastrophen auf allen Kontinenten aufbaut. ‹Von der tödlichen Atomkraft ĂŒber den Abbau von Lithium und seltenen Erden bis hin zur Privatisierung von Wasser – das greening, die Ökologisierung jeder Wirtschaft ist immer noch ein Krieg gegen Mutter Erde und die gesamte Existenz. Aber ja, sicher «können wir den Übergang und unseren Ausweg aus dieser Situation programmieren», du kannst es nicht. Dies ist keine Lösung, es ist noch nicht mal eine Intervention, geschweige denn ein Verbot von Globalem Katastrophen Kapitalismus, das ist Gruppenfantasiedenken. Es ist ein beschleunigter Tod durch Selbstmord.

„ Wir wollen keinen umweltfreundlichen Siedler*innenkolonialstaat, wir wollen seine gesamte Existenz abschaffen.“

Die vorderste Reihe der Indigenen Klimagerechtigkeitsgruppen missionieren ein Narrativ ihrer eigenen Opferrolle, in einer Form, die die Finanzierungsströme ihrer non-profit Unternehmen erhöht, um ihre aufgeblasenen GehÀlter und Protestaktionen gegen den Klimawandel zu finanzieren, auch bekannt als PR-Stunts mit einem juristischen Team auf Abruf. All das, wÀhrend sie um das Rampenlicht konkurrieren und mit Prominenten mobilisieren, um organisatorische Anerkennung und eine HomogenitÀt von populÀren Zielen aufzubauen, von der Standardisierung der routinemÀssigen taktischen und strategischen Stagnation ganz zu schweigen.

Die Behauptung, dass wir 80% der BiospĂ€hre der Welt schĂŒtzen, wurde zu einer Abwandlung der kolonialen Idee von der «BĂŒrde des weissen Mannes», doch hier wird sie lediglich zur «BĂŒrde der Kolonisierten» verschoben. Das ist die perverse koloniale Logik von Klimaaktivismus: unsere Lebensweisen und unsere komplexen, andauernden KĂ€mpfe auf Kampagnen-GesprĂ€chspunkte zu reduzieren, nur um zu beweisen, dass wir «einen Platz am Tisch» verdient haben, das ist «VerĂ€nderung» durch Arithmetik, ĂŒber bessere Selbstvermarktung, MarkenfĂŒhrung und Werbung. Durch Zeremonie und eine Unzahl von taktisch dynamischen direkten Aktionen schĂŒtzen wir alle Existenz – nicht nur Prozente. Unsere Kraft lĂ€sst sich nicht am Tisch der Kolonisator*innen finden, sie ist in dessen wohlgenĂ€hrten Flammen zu finden und wieder zu entfachen.

Mit der Berechnung, dass Indigener Widerstand gegen 20 Projekte zur Nutzung fossiler Brennstoffe Kohlenstoffemissionen «gestoppt oder verzögert» haben, die etwa 25% der jĂ€hrlichen Gesamtemissionen der U$A und KKKanadas entsprechen, zeigen die Klimaaktivist*innen die Kraft direkter Aktionen auf, weisen ihren Kampagnen aber auch mehr Anerkennung zu, als ihnen gebĂŒhrt.Vor allem, wenn sie in ihren Berichten bedeutende Verluste wie die DAPL- und Line 3-Projekte anfĂŒhren, tendiert diese Statistik zu einem verblendeten Klimaoptimismus, den wir als einen Weg voller Gefahren und Tod betrachten. Wenn wir nicht ehrlich mit und ĂŒber die SchwĂ€chen unserer Bewegungen sind, wie können dann VerĂ€nderungen in der Taktik, und noch wichtiger, Anpassungen unserer Gesamtstrategien, gegen Ende von noch weiteren verĂ€ndernden Statistiken von Bedeutung sein?

Es klingelt wie eine unehrliche Verkaufsmasche und umgeht die wichtigen GesprĂ€che darĂŒber, was tatsĂ€chlich funktioniert, um eine Klimakatastrophe aufzuhalten. Es bietet zudem immer noch einen Ermessensspielraum, der erlaubt die Verhinderung des Klimawandels und der damit zusammenhĂ€ngenden desaströsen Katastrophen als «optional» zu bezeichnen. Nicht existentiell notwendig, was es eigentlich ist. Jede auf diesem Planeten lebende Art ist buchstĂ€blich vom Aussterben und der Massenzerstörung bedroht. Wir sind nicht davon ĂŒberzeugt, daraus ein Zahlenspiel zu machen, bei dem es darum geht, den Unterbruch von 25% einer Industrie zu feiern, wenn wir ĂŒber 98% der Schlachten in einem Krieg mit so hohen EinsĂ€tzen verloren haben. Besonders, wenn diese Aktivist*innenkampagnen Hunderte von Millionen Dollar ausgegeben haben und Tausende unserer Verwandten inhaftiert sind und durch rassistische Gerichtssysteme geschleift werden.

Wir sind nicht (gĂ€nzlich) Pessimist*innen, wir wollen ehrliche GesprĂ€che darĂŒber fĂŒhren, was funktioniert und was nicht. Die Krise ist dringend und die Lage verzweifelt. Sie ist nicht «bevorstehend», die Krisen sind hier, jetzt, ĂŒberall und jederzeit. Wenn wir die SchwĂ€chen ignorieren und die Lektionen die wir daraus ziehen können, herunterspielen oder ignorieren, wie können wir Strategien und Taktiken verĂ€ndern und wachsen lassen, so dass sie effektiver sind?

Es liegt nicht in unserer Verantwortung unhaltbare Formen der Existenz aufrechtzuerhalten. Es IST in der Tat unsere Verantwortung, sie zu vernichten. Ihre Aufrechterhaltung als «Nachhaltigkeit» ist die vermeintliche BĂŒrde der gegenwĂ€rtigen Bewegung fĂŒr Klimagerechtigkeit, diejenige, die einen radikalen Wandel in und fĂŒr sich selbst dringend benötigt, die als Projekt zur «BĂŒrde der Kolonisator*innen» wurde, aufgebaut auf dem fortdauernden Völkermord an den Kolonisierten, bis zum Anfang, vor mehr als ĂŒber 500 Jahre zurĂŒck, nachhallend. Wenn wir keine Feind*innen von Mutter Erde sein wollen, liegt es an uns, unsere Verantwortung, Gegenseitigkeit und Gemeinsamkeit gegenĂŒber der Erde zu verĂ€ndern, wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Dies bedeutete schon immer, dass wir die Durchsetzung der Wege unserer Vorfahr*innen durch spirituelle und praktische Interventionen anstreben (vom Anbau von Nahrungsmittel bis zum Abbrennen ihrer Festungen und allem, was dazwischen liegt). Es ist die Kontroverse zwischen Harmonie und Disharmonie die uns in dieser Welt schon immer herausgefordert hat.

Um diese Minen, Kraftwerke, DĂ€mme und Pipelines vollstĂ€ndig zu stoppen, mĂŒssen wir die politische Maschinerie und die Systeme, die sie hervorbringen, an deren Wurzel stoppen.

Unsere Kraft liegt nicht im Rampenlicht, wo noch mehr Möchte-Gern-Kommentator*innen um Anerkennung verhandeln und fĂŒr den kolonialen Blick auftreten. Sie beschrĂ€nkt sich nicht auf Wörterbegrenzungen in den sozialen Medien oder auf das Schreien durch ein Megaphon an einem genehmigten Marsch. Unsere Kraft liegt in den Schatten der Flammen, die dieses System bis auf den Grund niederbrennen, wĂ€hrenddem wir ein weiteres Streichholz anzĂŒnden.

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Quelle: Emrawi.org