November 16, 2020
Von Emrawi
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Im FrĂŒhjahr wurden die Menschen im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen in Folge von dort aufgetretenen Corona-Infektionen wochenlang unter polizeilichem Einschluss auf dem LagergelĂ€nde festgehalten und blieben gleichzeitig unter verantwortungslosen ZustĂ€nden dem Infektionsrisiko ausgesetzt. Ein Bewohner des Lagers verstarb in Folge einer Covid-Infektion. Hunderte Bewohner*innen der von Caritas und Arbeiter Samariter Bund gefĂŒhrten Gemeinschaftsunterkunft in Wien-Erdberg wurden im Mai nach einem Corona-Ausbruch in geschlossene MassenquarantĂ€ne in den Wiener Messehallen gebracht und mussten dort ĂŒber zwei Wochen ausharren.

Infolge der Proteste von betroffenen Menschen, gerichtlichen Klagen und öffentlicher Kritik von verschiedenen Seiten sind die Behörden seitdem von spektakulĂ€ren MassenquarantĂ€ne-Aktionen abgerĂŒckt.

Allerdings bleibt das Grundproblem der Lagerunterbringung und die damit verbundene GesundheitsgefĂ€hrdung fĂŒr viele Menschen weiterhin ungelöst:

RegelmĂ€ĂŸig treten in ganz Österreich in Lagern und SammelunterkĂŒnften neue Covid-Infektionen auf, mit den seit Oktober erneut in die Höhe schießenden Infektionszahlen verschlimmert sich dieser Zustand. FĂŒr viele Lagerbewohner*innen sind die letzten Monate geprĂ€gt von einem permanenten QuarantĂ€ne-on-and-off. Tritt in einer Unterkunft eine Covid-Infektion auf, mĂŒssen die Zimmer-Mitbewohner*innen der betroffenen Person in QuarantĂ€ne und bleiben gleichzeitig dem Risiko ausgesetzt, sich untereinander weiter anzustecken. QuarantĂ€ne bedeutet jedes Mal: Rausgerissen werden aus dem eigenen Alltag; Unterbrechung von AktivitĂ€ten, Jobs und Kursen; Unterbrechung von sozialen Beziehungen – auf die Dauer eine extreme Belastung.

Aktuell spitzt sich die Covid-Krise in verschiedenen österreichischen Lagern wieder gefÀhrlich zu:

Am 6. November wurde ein großer Covid-Cluster in einer Asylunterkunft in Eisenstadt im Burgenland bekannt, 63 Bewohner*innen wurden positiv getestet. Laut ORF wurde die gesamte Unterkunft unter KollektivquarantĂ€ne gestellt, durch Polizeipatrouillen sollen die Menschen am Verlassen des Lagers gehindert werden.

Besonders skandalös ist, dass trotz eines dortigen Covid-Ausbruchs weiterhin Menschen in das ĂŒberfĂŒllte und isoliert gelegene RĂŒckkehrzentrum am BĂŒrglkopf in Fieberbrunn in Tirol gebracht werden. Laut Informationen von dort wurden am 5. November – unmittelbar nachdem wegen der sich ausbreitenden Covid-Infektionen bereits 15 Personen unter QuarantĂ€ne gestellt wurden – weitere 15 Menschen zum BĂŒrglkopf verbracht. Gleichzeitig musste eine Person wegen Atembeschwerden ins Krankenhaus nach KitzbĂŒhel eingeliefert werden.

All diese FĂ€lle fĂŒgen sich ein in das Bild eines skandalösen Zustands, in dem fĂŒr die österreichischen Behörden das Isolieren und Ausgrenzen von Menschen durch Lagerunterbringung und das gezielte ZermĂŒrben in RĂŒckkehrzentren, das nur darauf abzielt, dass abgelehnte Asylsuchende egal wohin einfach verschwinden, nach wie vor ĂŒber dem Schutz von Gesundheit, von Leib und Leben, steht.

Wenn es jetzt dringende Konsequenzen aus der Corona-Pandemie zu ziehen gilt, dann liegt es an uns allen, hier eine Notbremse zu ziehen: Es braucht eine sofortige Schließung aller RĂŒckkehrzentren und die vollstĂ€ndige Wiederaufnahme der GeflĂŒchteten in die Bundes- und Landesgrundversorgung. FĂŒr alle Bewohner*innen von Lagern und SammelunterkĂŒnften mĂŒssen umgehend dezentrale Wohnungen zur VerfĂŒgung gestellt werden – Platz ist vorhanden. Kosten können und dĂŒrfen kein Argument sein in einem Staat, der in der Covid-Krise Milliarden Euro aufwendet, um fĂŒr Großunternehmen die Rendite zu sichern. Denn eines sollte mittlerweile klar geworden sein: Nicht alle leiden unter der Corona-Krise gleichermaßen – eine grundsĂ€tzliche gesellschaftliche Debatte um Umverteilung als Lehre aus der Covid-Krise steht noch aus und muss dringend angestoßen werden.

Wohnungen statt Lager jetzt!

Evakuiert alle Lager – sofort!

Beendet die Schikanierung, die psychische ZermĂŒrbung, die soziale Isolation und den Ausschluss von unabhĂ€ngiger Rechtsberatung von GeflĂŒchteten!

Es reicht!




Quelle: Emrawi.org