Mai 26, 2021
Von InfoRiot
178 ansichten



Die LandesflĂŒchtlingsrĂ€te und PRO ASYL begrĂŒĂŸen die Initiative im Bundesrat, die Inhaftierung von minderjĂ€hrigen Kindern und Jugendlichen – allein oder im Familienverbund – zwecks folgender Abschiebung grundsĂ€tzlich gesetzlich auszuschließen

Die Lan­des­flĂŒchtlingsrĂ€te und PRO ASYL begrĂŒĂŸen die Ini­tia­tive Schleswig-Hol­steins im Bun­desrat, die Inhaftierung von min­der­jĂ€hri­gen Kindern und Jugendlichen – allein oder im Fam­i­lien­ver­bund – zwecks fol­gen­der Abschiebung grund­sĂ€t­zlich geset­zlich auszuschließen.

Mar­tin Link, GeschĂ€fts­fĂŒhrer beim FlĂŒchtlingsrat Schleswig-Hol­stein, erk­lĂ€rt dazu: “Die Lan­des­flĂŒchtlingsrĂ€te lehnen Abschiebung­shaft und erst recht die Inhaftierung von Fam­i­lien und Min­der­jĂ€hri­gen grund­sĂ€t­zlich ab.” Nach den Regelun­gen der UN-Kinder­recht­skon­ven­tion, an die Deutsch­land völk­er­rechtlich gebun­den ist, sei eine Inhaftierung von Min­der­jĂ€hri­gen vor ein­er geplanten Abschiebung unver­hĂ€lt­nis­mĂ€ĂŸig und ein Ver­stoß gegen das Kindeswohl.

Dem trage der Antrag im Bun­desrat Rech­nung erk­lĂ€rt GĂŒn­ter Burkhard, GeschĂ€fts­fĂŒhrer bei PRO ASYL: “Wir fordern alle Lan­desregierun­gen auf, dem Vorhaben am Fre­itag zuzus­tim­men, damit der Bun­destag diese ĂŒber­fĂ€l­lige Geset­zesĂ€n­derung noch vor der Som­mer­pause beschließen kann!”

Die Lan­des­flĂŒchtlingsrĂ€te und PRO ASYL weisen darauf hin, dass der vor­liegende Geset­ze­santrag die Frage der möglichen Inhaftierung von Min­der­jĂ€hri­gen an FlughĂ€fen (§ 18a AsylG) außen vor­lĂ€sst. Die Ver­bĂ€nde fordern, dass Haft Min­der­jĂ€hriger zwecks Abschiebung aus­nahm­s­los geset­zlich unter­sagt wird und dieser Pas­sus daher in den Geset­zen­twurf aufgenom­men wird. 

“GeflĂŒchtete Kinder und Jugendliche sind regelmĂ€ĂŸig auf­grund der Erleb­nisse ihrer nicht sel­ten lebens­ge­fĂ€hrlichen Flucht als schw­er belastet und trau­ma­tisiert zu betra­cht­en”, mah­nt Lot­ta Schwedler vom FlĂŒchtlingsrat Bran­den­burg. Diese Kinder daraufhin neben der zwangsweisen Abschiebung auch noch der Inhaftierung anheim zu stellen, sei als struk­turelle Kör­p­er- und Kindeswohlver­let­zung entsch­ieden abzulehnen.

In Bran­den­burg ist die Abschiebe­haft zwar wegen baulich­er MĂ€n­gel seit 2017 geschlossen. Das Land nutzt jedoch die Haf­tanstal­ten ander­er Bun­deslĂ€n­der. Am Flughafen Schöne­feld kön­nen GeflĂŒchtete darĂŒber hin­aus zum Zweck ihrer Abschiebung in Gewahrsam genom­men wer­den — von dieser Haft, die auf eine Max­imal­dauer von 10 Tagen begren­zt ist, sind Min­der­jĂ€hrige nicht ausgenommen.

Auch das Grundge­setz und die EuropĂ€is­che Men­schen­recht­skon­ven­tion ste­hen der Inhaftierung Min­der­jĂ€hriger deut­lich ent­ge­gen. Der Ver­fas­sungs­grund­satz der Ver­hĂ€lt­nis­mĂ€ĂŸigkeit ver­bi­etet deswe­gen auch die Zivil­haft fĂŒr Min­der­jĂ€hrige in prak­tisch allen FĂ€llen. Min­der­jĂ€hrige GeflĂŒchtete sind als beson­ders SchutzbedĂŒrftige gem. Art. 21 der EU-Auf­nah­merichtlin­ie, die ins­beson­dere Allein­erziehende und deren Kinder schĂŒtzt, zu betrachten. 

Hin­ter­grund
Die Lan­desregierung Schleswig-Hol­stein hat am 04. Mai 2021 einen Geset­ze­santrag beim Bun­desrat vorgelegt (BR Drs. 344/21), der in AbĂ€n­derung von § 62 Abs. 1 Satz 3 Aufen­thG zum Ziel hat, die Inhaftierung von Min­der­jĂ€hri­gen in Abschiebung­shaft kat­e­gorisch auszuschließen.






Quelle: Inforiot.de