Juli 16, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Das Buch am Ursprung der heutigen zivilisierenden Religionen beginnt nicht mit Zivilisations-Erbauer*innen, etwa mit den Sumerern, die den ersten Leviathan zum Leben erweckten. Sein erstes Kapitel erzĂ€hlt von einem irdischen Garten, Eden, einem Ort, der an den Naturzustand erinnert. Sein zweites Kapitel erzĂ€hlt von dem Auszug von Menschen aus den Eingeweiden eines großen Leviathans. Das Buch beschreibt dann unkritisch den Versuch dieser Menschen, selbst einen Leviathan zum Leben zu erwecken, aber das Buch fĂ€hrt fort, von schmerzhaften und oft unertrĂ€glichen Gefangenschaften in den Eingeweiden anderer WĂŒrmer zu erzĂ€hlen. Der allgemeine Eindruck, den es vermittelt, ist, dass die Wunder der Zivilisation keine positiven, das Leben steigernden Wunder sind.

AuszĂŒge aus Zivilisationen sind so zahlreich und hĂ€ufig, dass die lebensverzehrenden WĂŒrmer in einem stĂ€ndigen Zustand des Zerfalls zu sein scheinen.

Der Exodus Israels aus Ägypten ist kein großer Auszug, aber er ist ein gut dokumentierter, so dass wir Einblicke in einige der Handlungen und sogar einige der Gedanken der Teilnehmer*innen gewinnen können.

Die Subjekte des Exodus sind Zeks in Ägypten, aber sie scheinen relativ privilegierte Zeks zu sein. Sie sind vorschriftlich. Sie sind keine Menschen mit einer einheitlichen Denkweise, wie sie spĂ€ter in der Geschichte enthĂŒllen werden und wenn sie nicht sogar aus einem einzigen Stamm stammen, werden sie durch ihre spĂ€teren gemeinsamen Erfahrungen zu einem zusammengeschweißt werden.

Sie sind nicht sehr lange in Ägypten gewesen, bloß ein paar Generationen, sodass sie sich daran erinnern, dass es eine Welt außerhalb Ägyptens gibt. Ihr Bezug zum irdischen Garten mag sogar eine Erinnerung an eine Welt außerhalb von Leviathan sein. Turner wird vorschlagen, dass der einzige Garten, an den sie sich erinnern, der mesopotamische Garten des Lugals und seiner akkadischen Nachfolger sei.

Das mag auf einige von ihnen tatsÀchlich zutreffen, aber ich haben den Verdacht, dass einige von ihnen etwas anderes im Kopf haben.

Vierzig Generationen nach ihrem Exodus aus Ägypten werden die Schriftgelehrten dieser Menschen ihr Buch schreiben; in ihm werden sie akkurat von politischen und militĂ€rischen Ereignissen erzĂ€hlen, wie sie auf Tafeln und Schriftrollen beschrieben sind, die modernen Forscher*innen zugĂ€nglich sind, den Schriftgelehrten jedoch nicht zugĂ€nglich waren. Die Erinnerungen der vorschriftlichen Menschen sind lang. Menschen, die sich der Taten von Pharaos, Hethitern und Assyrern erinnern, können sich auch daran erinnern, dass ihre eigenen Vorfahren einst in Gemeinschaften freier Menschen lebten, egal ob im Jemen oder in Äthiopien, und dass diese Vorfahren mit Tieren, mit der Erde, mit dem Geist des Himmels und dem Geist des Apfelbaumes kommunizierten.

Ich habe den Verdacht, dass sie sich erinnern und Eden nennen, woran sich andere als das Goldene Zeitalter erinnern. Und wenn wenn sie sich in Ägypten unwohl fĂŒhlen, muss die Erinnerung, dass es ein Außerhalb gibt, sogar ein angenehmes, idyllisches Außerhalb, in ihnen ein Verlangen wecken, die grĂ¶ĂŸte und wohlhabendste aller antiken Zivilisationen zu verlassen.

Ungeachtet ihrer Nostalgie fĂŒr das, was Morgan und Engels eine primitivere Stufe des Seins nennen werden, eine Stufe, die keine Produktionsweise war, sind sich diese relativ privilegierten Zeks des materiellen und sozialen Zustands ihres Zeitalters sehr wohl bewusst. Sie wissen, dass der Ă€gyptische Leviathan nur ein Monolith unter anderen ist und sie scheinen eine ganze Menge ĂŒber die anderen zu wissen. Das ist nicht ĂŒberraschend, da sie sich an jĂŒngere Vorfahren lebhafter erinnern, als sie sich an Edens Adam erinnern, und zumindest einer dieser jĂŒngeren Vorfahren, ein Mann namens Abraham, stammte aus Haran, einer genau an der Kreuzung zwischen den grĂ¶ĂŸten Leviathanen der Welt gelegenen Stadt. Selbst wenn dieser Abraham nicht neben dem Palast des Regierungsoberhauptes oder dem Tempel, sondern in einem Außenbezirk lebte, war er sicherlich vertraut mit der inneren Stadt und ihren GĂ€rten und möglicherweise sogar mit den GĂ€rten anderer StĂ€dte.

Abraham muss sogar noch vertrauter mit den HĂ€ndlern und Soldaten der großen Leviathane gewesen sein, da Haran entlang der Straße gelegen war, die von assyrischen Handelsreisenden genutzt wurde, die nach ĂŒberraschenden Gewinnen in Anatolien suchten und der friedliche Handel der HĂ€ndler am Tage fĂŒhrte beinahe unvermeidbar zu ZusammenstĂ¶ĂŸen ungehobelter Armeen in der Nacht, die Harans Außenbezirke in eine sich verdunkelnde Ebene verwandelten.

Abrahams Sippe wurde sicherlich in die verwirrten Rufe zum Kampf und zur Flucht gefegt. Sie mögen sogar an Seiten der gepanzerten Ă€gyptischen oder hethitischen MĂ€nner als Hilfstruppen gekĂ€mpft haben. Es ist unwahrscheinlich, dass sie jemals Hilfstruppen der Assyrer gewesen sind, da ihr Buch nur Angst und Schrecken vor den Todesschwadronen ausdrĂŒckt, die von den Tyrannen von Assur und Ninive ausgesandt wurden.

Die Schriftgelehrten werden schreiben, dass ihr Vorfahre Abraham bereits ausschließlich Jahwe verehrte, aber das ist sicherlich Wunschdenken ihrerseits, da Abrahams Großenkel in ihrer spĂ€teren Gefangenschaft in Ägypten noch immer verschiedenen Naturgöttern huldigen.

Uns wird nicht genau erzĂ€hlt, wann oder warum Abrahams Sippe ihren Weg nach Ägypten nahm oder mitgenommen wurde, aber es gab viele Gelegenheiten, zu denen solch eine Reise opportun oder sogar notwendig gewesen sein könnte.

***

Die wiederholten Versuche der akkadischen und amoritischen Nachfolger Lugalzagesis den weltumfassenden Leviathan wieder zum Leben zu erwecken hatten den unbeabsichtigten Effekt viele der Menschen auf der Welt in Bewegung zu versetzen.

Wir haben bereits gesehen, wie beunruhigend ein Besuch durch einen HĂ€ndler, seinen Cousin und einige bewaffnete MĂ€nner sein konnte. Gemeinschaften von AussĂ€her*innen und lĂ€ndlichen Nomad*innen nahmen ihre Waffen auf, entweder um sich vor zukĂŒnftigen Besuchen zu schĂŒtzen oder um zu versuchen, ihre gefangengenommene Sippe zu retten.

In Anatolien zwangen einflussreiche Frauen den PankuĆĄ, die Versammlung aller, ihre Lebensweise gegen den Angriff der TodeshĂ€ndler zu verteidigen und die mĂ€chtigeren Gemahle einflussreicher Frauen begannen Mauern zu errichten. SpĂ€tere hethitische Schriftgelehrte werden sich auf ihren Tafeln nur auf den mĂ€chtigeren Gemahl beziehen und sich an ihn als König Labarnasch den Ersten erinnern, aber sie werden sich erinnern, dass der König ein bloßer Gemahl war, da die Frauen bis in die Zeit der Schriftgelehrten stolz und stark bleiben werden. Anatolische Frauen werden nicht so leicht entwĂŒrdigt werden; mehr als 50 Generationen spĂ€ter wird Herodot von anatolischen “Amazonen” sprechen und es wird bis in Roms patriarchales Zeitalter noch immer mĂ€chtige Frauen in Anatolien geben.

WĂ€hrend die sesshafteren Gemeinschaften dem Ungeheuer widerstanden, indem sie sich selbst einmauerten, machten es mobilere, lĂ€ndliche Nomad*innen, wie es die Guti getan hatten, und stĂŒrmten die Tore der betrĂŒgerischen Leviathane. Zu dieser Zeit haben die habgierigen Tentakeln der verschiedenen Leviathana die Ur-Großeltern beinahe aller Menschen, die die Tore der Leviathane in spĂ€teren Zeitaltern stĂŒrmen werden, auseinandergerissen, die Ur-Großeltern von Sanskrit- und Iranischsprachigen, von Tungusisch- undTĂŒrkischsprachigen, der Mongolen, Finnen und Ungaren. Die Mesopotamier*innen nannten sie Kassiten, Hurriter und Mittani. Die Ägypter*innen nannten sie Hyksos. Von den anatolisch-beinflussten Hethitern sagt man, dass sie von ihnen hervorgebracht wurden.

Viele dieser königlosen Völker ritten auf Pferden und einige handhabten eiserne Werkzeuge, aber das machte sie in keiner Weise zivilisierter als die kupferverarbeitenden Vorfahren der Ojibwa der Great Lakes; die Pferde und das Eisen wurden erst zu ProduktivkrÀften, zur Technologie der Zivilisation, nachdem sie Teil von Leviathans Waffenarsenal geworden waren.

Diese Menschen hatten keine Angst StĂ€dte anzugreifen und ihr Zorn trieb viele von ihnen dazu, die Stadtzentren ihrer Störer vollstĂ€ndig ins Chaos zu stĂŒrzen. Sanskritsprachige Kassiten, die mit Elamitern verbĂŒndet waren, machten das Meiste des Imperiums der Amoriter dem Erdboden gleich und erreichten sogar die Grenze nach Babylon.

Die Cousins der Kassiten, von den Assyrern Hurriter genannt, bildeten ihr eigenes BĂŒndnis berittener MĂ€nner im armenischen Hochland und zermĂŒrbten Assur, sowie Assurs levantische Außenposten.

Die Menschen oder Völker, die Hyksos genannt wurden, verbĂŒndeten sich mit Ă€gyptischen Armeen und jagten die Assyrer aus der gesamten Levante.

Die hethitische Armee verbĂŒndete sich mit Hyksos, Hurritern und Kassiten und plĂŒnderte das kommerzielle Aleppo, das Juwel der Levante, sowie das entfernte Babylon selbst, und halfen den Kassiten, den Amoritern die gleiche BĂŒrde aufzuerlegen, die die Amoriter den Kassiten auferlegt hatten.

Es mag sein, dass Abrahams Sippe den Hyksos dabei half, assyrische Außenposten aus der Levante zu verdrĂ€ngen und einige ihrer Mit-Hilfstruppen in das Heimatland des großen Bruders am Nil zu begleiten, wo das Leben weniger von verwirrten Rufen zum Kampf und zur Flucht erfĂŒllt war. Oder es mag sein, dass sie eine Generation spĂ€ter Zuflucht am Nil suchten, als berittene Mittani den Gebieten Assyriens das antaten, was die Kassiten denen Babylons angetan hatten.

Es ist auch möglich, das Abrahams Sippe von den siegreichen Ahmosiden gefangen genommen wurden. Oder sie mögen einige Generationen spÀter von einer Zeks-jagenden Expedition an den Nil verschleppt worden sein, die von dem zweiten Thutmosis ausgesandt worden war.

Es erscheint wahrscheinlich, dass Abrahams Erben bereits etablierte Zeks in den Außenbezirken Karnaks oder sogar weiter sĂŒdlich gewesen sind, als Menelaos und seine Mykener ihre StĂ€dte an der nördlichen KĂŒste zum Mittelmeer befestigten, als ein Vulkanausbruch in Kreta die kommunale Steinbehausung einebnete, die spĂ€ter Minospalast genannt werden wĂŒrde.

Vermutlich sahen sie – und halfen vielleicht sogar bei seiner Errichtung – den Palast von Königin Hatschepsut am anderen Nilufer, eines der schönsten architektonischen Wunder ĂŒberhaupt – ein Palast, der von ĂŒppigen tropischen GĂ€rten umgeben war, die spĂ€ter wieder zu WĂŒstensand zerfallen wĂŒrden. Wie die Zeks anderswo auch fĂŒhlten sie vermutlich den Schmerz in ihren Gelenken, wenn sie die großen Monumente ihrer Herr*innen betrachteten. Aus eben jenem Grund konnten sie nicht an den Garten des Lugals gedacht haben, als sie sich an Eden erinnerten und sie konnten schwerlich angenommen haben, dass ihre Vorfahren aus einem solchen Garten des Lugals stammten.

Sie waren noch immer in Ägypten, als die Königin Hatschepsut von ihrem Nachfolger ermordet wurde, als die Schriftgelehrten ihren Namen von den Kartuschen radierten und den eindeutigen Beweis schufen, dass es niemals eine weibliche Pharaonin gegeben habe. Die Zeks mĂŒssen sich gefragt haben, ob all das wirklich getan werden mĂŒsse, um die Erinnerung an eine Frau auszulöschen, die niemals behauptet hatte, irgendetwas anderes zu sein als ein Mann.

Die Gefangenen konnten nicht wissen, dass wĂ€hrend Hatschepsuts Name in Ägypten besudelt und vergessen wurde, der Frauenhasser Theseus, ein Archon basileus oder Befehlshaber einer Bande Mykener die anatolischen Amazonen besiegte, Antiope tötete, ihre Schwestern versklavte und sich selbst im befestigten Troja verschanzte.

***

Die Israeliten in Ägypten waren keineswegs unwissend ĂŒber die Lebensweisen und Taten der großen Leviathane ihrer Zeit. Wir können sogar annehmen, dass sie mit diesen Lebensweisen und Taten nicht einverstanden waren. Einige unter ihnen, sowie einige unter den Hyksos, waren möglicherweise Modernisierer, die dachten, dass Lugalzagesi und andere Friedensstifter gigantischer Regionen Frieden brachten und nicht den Speer. Die Modernisierer*innen waren zweifelslos eine Minderheit. Die Mehrheit muss das gewesen sein, was wir Primitivist*innen nennen wĂŒrden, Menschen, die nostalgisch auf den altertĂŒmlichen Garten und seine Naturgötter zurĂŒckblickten.

Die Modernisierer*innen unter ihnen konnten sich weder unter ihren Mitmigrant*innen noch unter ihren Ă€gyptischen Gastgeber*innen geborgen fĂŒhlen, da zahlreiche Hyksos fĂŒr ihre fremden Ansichten und Lebensweisen verstoßen wurden, als respektable Ägypter*innen ihre einstigen VerbĂŒndeten als Verwalter*innen des Sinai und der Levante ersetzten. Die Modernisierer*innen können nur Ressentiment empfunden haben, als Tuthmosis der Dritte Ägypter, denen alle kanaanitischen Sprachen fremd waren, sandte, um die LĂ€ndereien des Pharaos in der Levante zu verwalten und diese vor den grausamen Mittani zu schĂŒtzen; Und die Möchtegern-Botschafter*innen mĂŒssen erzĂŒrnt gewesen sein, als Amenophis der Zweite die Tochter des mittanischen Artatama heiratete und dann ein BĂŒndnis mit diesen Wagenlenkern gegen die Hethiter schloss.

Die Kinder oder Enkel der Modernisierer*innen, ebenso wie die Primitivist*innen, mĂŒssen sich von Amenophis dem Dritten abgestoßen gefĂŒhlt haben, der nicht nur die verhasste Allianz mit den Mittani fortsetzte und Botschafter*innen in das grauenvolle Assyrien sandte, sondern der auch seine eigene Tocher heiratete. Die unsĂ€gliche Herrschaft des Tyrannen hielt beinahe zwei Generationen lang an; GlĂŒcklicherweise scheiterte der Ischtar, der von den Mittani geschickt wurde, um das Leben des Tyrannen noch mehr zu verlĂ€ngern.

Die Modernisierer*innen mĂŒssen das erste Mal befreit aufgeatmet haben, als ein fĂŒrstlicher Modernisierer als Amenophis der Vierte ins Amt des Pharaos aufstieg und seinen Namen in Echnaton Ă€nderte. Wenn dieser Pharao nicht der erste totalitĂ€re war, so war der doch der erste revolutionĂ€r totalitĂ€re.

Es wird unserer Tage gesagt werden, dass die GroßvĂ€ter von Moses ihren Monotheismus von Echnaton erlernten, von dem angenommen wird, dass er ihn erfunden hĂ€tte. Ich glaube dieser Pharao musste nicht erfinden, was seit mehr als fĂŒnfzig Generationen allgemeine Praxis seiner Tempelturm-bauenden Nachbar*innen gewesen war. Er könnte einige Details dieser Praxis von den semitisch-sprachigen Immigrant*innen in und um seinen Palast erfahren haben.

Der Pharao verfĂŒgte, dass ebenso wie er der König der Könige und der Herr der Herren war, auch Aton, der Sonnengott, fortan der Gott aller Götter sei. Die Revolution bestand nicht in dem Dekret, sondern darin, was darauf folgte. Bewaffnete Banden neu konstituierter Priester von Aton stĂŒrmten begleitet von den Truppen des Pharaos und möglicherweise von modernisierenden Immigrant*innen die Tempel aller anderen Götter und enteigneten alle anderen Priesterschaften, indem sie die LĂ€ndereien und PalĂ€ste Aton widmeten. Dies war ein VorlĂ€ufer der berĂŒmteren Religionskriege, die Europa in einem spĂ€teren Zeitalter verwĂŒsten wĂŒrden. Ägypten hatte nie zuvor einen solchen Ikonoklasmus, eine solche Verfolgung, eine solche innere Gewalt erfahren.

Zum UnglĂŒck der Modernisierer*innen erhoben sich ganze Geschwader konservativer Priester, die den verdrĂ€ngten Göttern gegenĂŒber loyal waren, gegen die ThronrĂ€uber und gegen ihren Gott Aton. Wenn irgendeiner der Immigrant*innen die Gunst von Echnaton gehabt haben mochte, so waren diese nun in Schwierigkeiten. Nachdem sie den neunjĂ€hrigen Tutanchamun auf den Thron gesetzt hatten, fuhren die Götzen-anbetenden Priester*innen fort, die monotheistischen Partisanen so zu behandeln, wie sie zuvor behandelt worden waren. Eine neue SĂ€uberungswelle gegen Fremde begann. Dies war eine gute Zeit, Ägypten zu verlassen.

Wenn Echnaton den Israeliten schon nicht den Monotheismus gebracht hatte, so hat er ihnen doch einen anderen Gefallen getan: Er hatte die Levante aufgegeben, als er seine Armeen nach Hause beordert hatte, um die Götzenbilder zu zerstören. Aber die Verfolgten erfuhren schnell, dass die Hethiten die Ägypter als Besatzer der Levante ersetzt hatten, so dass die Levante fĂŒr die Ă€gyptisierten Semiten noch immer nicht sicher war.

Also blieben die Israeliten wo sie waren und hielten sich bedeckt, als der ArmeefĂŒhrer Horemheb Echnatons Name besudelte, behauptete, die monotheistische Verwaltung sei korrupt gewesen, seine Steuereintreibungen betrĂŒgerisch, seine Beschlagnahmungen willkĂŒrlich und seine Armee eine Bande von PlĂŒnderern.

Die Israeliten mögen gehört haben, dass sich Zeks, die sich mit nomadischen AramĂ€ern verbĂŒndet hatten, kĂŒrzlich den babylonischen Tyrannen gestĂŒrzt hatten und dass assyrische Todesschwadronen Babylon auf der Stelle eingenommen und den Rebellen abscheuliche VerstĂŒmmelungen zugefĂŒgt hatten. Solche Neuigkeiten ermutigten potenzielle Rebell*innen nicht gerade. Also blieben die Israeliten noch immer wo sie waren, wĂ€hrend der erste und dann der zweite Ramses der Erinnerung an Echnaton das antaten, was der dritte Tuthmosis mit der Erinnerung an Hatschepsut gemacht hatte: sie auslöschen.

***

Schließlich kam der Tag, auf den sie gewartet hatten.

Der zweite Ramses, ein GrĂ¶ĂŸenwahnsinniger, der berggroße Statuen von sich selbst ĂŒberall in Ägypten in Auftrag gab, entschied die Welt zu erobern. Dieser Pharao erschöpfte Ägypten seines Essens und seiner VorrĂ€te um seine Armeen zu versorgen. Er marschierte nach Westen und reduzierte freie lybische StĂ€mme zu Abgaben-entrichtenden Subjekten. Dann marschierte er nach Osten und Norden, in Richtung der Levante, mit der grĂ¶ĂŸten Armee, die jemals zusammengetrommelt worden war. Diese Armee, die sich selbst versorgte, indem sie entlang ihrer Route jede Gemeinschaft ausplĂŒnderte, erschuf eine unvergĂ€ngliche Feindseligkeit entlang der gesamten sĂŒdöstlichen MittelmeerkĂŒste.

Unterdessen zogen die vorgewarnten Hethiter die grĂ¶ĂŸte Armee, die jemals nördlich von Ägypten aufgestellt worden war, zusammen, und bereiteten sich darauf vor, den Eindringlingen entgegenzutreten; ihre Armee erregte Feindseligkeiten entlang der gesamten nordöstlichen MittelmeerkĂŒste.

Die beiden aufeinander zuschlurfenden, bewaffneten Giganten trafen sich in der Schlacht bei Kadesch am Orontes. Sowohl die Schriftgelehrten der Ägypter als auch die der Hethiter behaupteten, dass ihr Herr siegreich gewesen sei, aber die Leviathane eines jeden begannen von dem Tag nach dem Sieg an zu zerfallen.

Die siegreichen Hethiten kehrten nach Anatolien zurĂŒck und wurden von nachtragenden mykenischen und anderen Banden bewaffneter Abenteurer heimgesucht. Keines der hethitischen anatolischen Subjekte war bereit, weiterhin Khatushilischs Palast oder seine Armee zu unterstĂŒtzen.

In der Levante hielten die Hethiten noch immer Karkemisch, aber Assyrer, die von Salmanassar angefĂŒhrt wurden, setzten dem hethitischen Karkemisch ein abruptes Ende. Die Assyrer fuhren fort, “den Feind der Mittani abzuschlachten” und hĂ€tten vermutlich die gesamte Levante eingenommen, wenn sie sich nicht nach Osten hĂ€tten wenden mĂŒssen, gegen aufstĂ€ndische Babylonier, die von Elamitern unterstĂŒtzt wurden.

Phönizische HandelsstĂ€dte, insbesondere Tyros und Sidon, die immerhin so frei waren, ihre eigenen Götter Baal und Moloch zu fĂŒttern anstatt die Götter ihrer hethitischen Lehnsherren, entsandten große Schiffe nach Libyen und anderswohin in Afrika, in die ÄgĂ€is und die Adria, eigentlich ĂŒberall hin entlang des Mittelmeeres und bis in den Atlantik. Sie hinterließen Spuren ihrer Besuche in vielen Teilen der Welt, aber sie gaben ihre Ziele nicht an ihre Konkurrent*innen preis.

Rein zufĂ€llig wurden auf der entgegengesetzten Seite des Globus, jenseits eines Ozeans, der offiziell nicht durchsegelt wurde, bis ein gewisser Kolumbus diese Meisterleistung vollbrachte, gigantische HĂ€upter geformt, HĂ€upter von Menschen, die kein bisschen so aussahen wie irgendjemand, der jemals bei Tehuantepec gelebt hatte, die sogenannten Köpfe der Olmeken. Es wĂ€re natĂŒrlich beleidigend den heutigen Nahua-Völkern und Maya nahezulegen, dass ihre Vorfahr*innen Praktiken wie das Erbauen von Zikkurats oder das VerfĂŒttern menschlicher Opfer an Baal nicht erfunden haben. Aber eine solche Unterstellung wĂ€re keineswegs beleidigend fĂŒr die Vorfahren dieser Menschen gewesen, die tatsĂ€chlich darauf bestanden, dass sie viel von seltsam aussehenden Fremden gelernt hatten, die ĂŒber das Meer gekommen waren.

Wie auch immer, im Mittelmeerraum riefen die Handelsreisende der großen Schiffe VerteidigungsbĂŒndnisse hervor, die mit kleinen Schiffen ausgerĂŒstet waren und die schon bald ihrerseits zu PlĂŒnderungsexpeditionen aufbrachen.

Die gesamte Welt schien in hektische Bewegung versetzt worden zu sein.

Der zweite Ramses kehrte schon bald an den Nil zurĂŒck, um seine Heldentat zu feiern und er wies seine Bildhauer an, den Sieg von Kadesch auf die Mauern jedes neuen Tempels zu meißeln, auf jede Wand eine andere Szene der Schlacht.

Aber schon bald zerfiel Ramses’ Leviathan ebenso sicher wie der seines Feindes. Eine Verschwörung in seinem Palast brachte den Pharao fast zur Strecke. Zeks in den Arbeitskolonnen weigerten sich, weigerten sich einfach die ihnen zugeteilten Aufgaben auszufĂŒhren. Das war eine frĂŒhe aufgezeichnete Form des Streiks. Die Besorgnis, die von den Schriftgelehrten ausgedrĂŒckt wird, legt nahe, dass es sogar ein Generalstreik gewesen sein könnte. Und dann kam die Kunde, dass Libyer*innen auf dem Seeweg und andere mysteriöse Fremde das Nildelta ĂŒberfielen.

Wenn die Israeliten jemals aus ihrer Ă€gyptischen Gefangenschaft ausziehen wollten, dann war dies sicherlich die richtige Zeit dafĂŒr.

***

Die ausziehenden Gefangenen ĂŒbertragen ihre Verantwortung an einen Moses, einen Ägypter, zumindest von mĂŒtterlicher Seite her. (In Ägypten werden Namen und Reichtum noch immer durch die mĂŒtterliche Erblinie weitergegeben, ein alter Brauch, den die Schriftgelehrten und Pharaonen kein bisschen besser abzuschaffen vermochten als die anatolischen Hethiten.)

Moses mag ein niederer Palastbeamter gewesen sein, der wegen seiner familiĂ€ren Verbindungen zu den Fremden daran scheiterte aufzusteigen. Die spĂ€teren Äußerungen dieses Mannes sind geradezu fanatisch patriarchal und dieser Fanatismus lĂ€sst sich nicht einfach erklĂ€ren, indem man auf die patriarchalen Tendenzen lĂ€ndlicher Nomaden verweist; es werden Materialien gefunden werden, die zeigen, dass die israelitischen lĂ€ndlichen Nomaden ebenso weibliche wie auch mĂ€nnliche Gottheiten in Ägypten verehren. Sein Vater war möglicherweise ein Beamter wĂ€hrend Echnatons Herrschaft gewesen, der sein Amt verlor, als der monotheistische Pharao fiel, und der seither seinen Landsleuten seine modernistischen Ansichten vorgrummelte und anpries. Der Sohn, Moses, verschmĂ€ht seine Mutter offensichtlich, ebenso wie ihr Volk und entscheidet sich, ein Verfechter, ein Erlöser des Volkes seines Vaters und seines Halbbruders zu werden.

Wir werden keinen guten Grund haben, Moses Motive zu hinterfragen, seine Entscheidung auf Missgunst zu schieben. Das Buch portrĂ€tiert ihn als ein prinzipientreues Mitglied der herrschenden Klasse, das sich auf die Seite der UnterdrĂŒckten schlĂ€gt und wir können das akzeptieren und davon ausgehen. Er ist ebenso ideal geeignet fĂŒr die Aufgabe die Gefangenen aus dem Leviathan zu fĂŒhren, wie jeder andere Cousin eines Ensis. Er braucht bloß zu sagen, “Lass mein Volk ziehen” und seine ehemaligen Beamtenkollegen und sogar Verwandte werden die nötigen Anweisungen und Papiere ausstellen.

Das Ziel ist klar. Moses wird die Gefangenen nach Kanaan fĂŒhren, was erst kĂŒrzlich von all den großen Armeen verlassen wurde, von denen zumindest zwei der Besetzer wahrscheinlich nicht so bald zurĂŒckkehren werden: Der Ă€gyptische Leviathan wird von Streikenden, Verschwörern und PlĂŒnderern beschĂ€ftigt, und der hethitische Leviathan scheint allen Berichten zufolge, die Moses gehört haben muss, gĂ€nzlich zu zerfallen, heimgesucht von anhaltenden Hungersnöten und feindlichen PlĂŒnderern. Die dritte große Armee, die assyrische, ist anderswo beschĂ€ftigt; ihr Tyrann Tukulti-Ninurta unterwirft am Tigris Babylonier und Elamiten und ruft sich selbst als König der Könige, Herr der Herren, Sonne aller Menschen aus. Folglich erscheint Kanaan ein sicherer Zufluchtsort zu sein, zumindest fĂŒr den Moment.

Aber fĂŒr Moses’ Gefolgsleute, zumindest fĂŒr die “Primitivist*innen” unter ihnen, bedeutet Kanaan etwas anderes; es bedeutet fĂŒr sie eine gewohnte Sprache, ein ursprĂŒnglich gewohntes Zuhause; es bedeutet wahrscheinlich etwas wie der Eden, zu dem sie zurĂŒckkehren wollten. Warum sonst sollten sie eine kriegsgebeutelte levantinische Provinz “das gelobte Land” nennen?

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Moses ein Modernisierer wie sein Vater ist, besonders nicht angesichts der Tatsache, dass er Ägypten mit den Zeks verlĂ€sst. Das Buch macht deutlich, dass es keine Modernisierer in der gesamten Gruppe von Wanderern gibt. TatsĂ€chlich ist der Ekel dieser Menschen vor den Annehmlichkeiten der Zivilisation so tiefgreifend, dass er noch immer von den zivilisierten stĂ€dtischen Schriftgelehrten empfunden werden wird, die noch vierzig Generationen spĂ€ter mit Abscheu von den “AmĂŒsierlokalen” Ägyptens und der “Hure” Babylon schreiben werden.

Moses war eindeutig kein Modernisierer in Ägypten. Aber als er erst einmal draußen im WĂŒstensand steht und einige der Menschen in Richtung Jemen ziehen, andere in Richtung des Roten Meeres und Äthiopien, muss Moses sich entscheiden, wer und was genau er ist.

Der Moses des Buches ist kein Modernisierer. Er denkt nicht, dass die Einölung und Straffung eines Leviathans irgendeine menschliche Bedeutung haben könnte. Er fĂŒhlt sich ebenso abgestoßen von Aschur, Khatti und Ur, wie jede*r seiner Gefolgsleute.

Aber wo ist das gelobte Land? Die meisten seiner Gefolgsleute sind offensichtlich Primitivist*innen. Und offensichtlich sind sie entweder schwach oder blind, da ihnen klar sein sollte, dass wenn sie erst sicher die WĂŒste erreicht hatten, Moses nichts mehr fĂŒr sie tun konnte. Sie klammern sich an ihn, entweder aus LoyalitĂ€t oder weil sie immer noch eingeschĂŒchtert sind von dem ehemaligen Mitglied des Ă€gyptischen Palastpersonals.

Moses ist weder ein Modernisierer noch ein Primitivist. Es ist klar, dass er ein gepanzerter Mann ist, der unfĂ€hig ist, seinen Panzer zu entfernen. Er ist wie Lenin. Er sucht innerhalb, aber findet dort keine Bestimmung; alles, was er in sich selbst findet, sind VersatzstĂŒcke leviathanischer RĂŒstung. Er hasst Ur und Aschur und sein Zeitgenosse Tukulti-Ninurta lĂ€sst ihn vor Wut erschaudern. Aber die einzige Stimme in ihm ist die Stimme von Lugalzagesi, die Stimme des AllmĂ€chtigen, des Königs der Könige, des Herrn der Herren, des Mannes aller MĂ€nner. Lenin wird die Stimme der Elektrifizierung hören. Dennoch hasst Moses jeden einzelnen König der Könige, ebenso wie Lenin die Kapitalist*innen hassen wird. Moses abstrahiert den König, macht ihn zu einem Gott, ebenso wie Lenin die Elektrifizierung abstrahieren wird und sie zum Kommunismus machen wird.

Durch diesen Akt projiziert Moses seine innere Leere, seinen Panzer, seinen eigenen toten Geist in den Kosmos.

Wenn sich irgendjemand in dieser Gruppe Eden als den Garten eines Lugals vorstellt, dann ist das Moses. Die Götter sind fĂŒr diesen Ägypter der Oberklasse alle tot. FĂŒr ihn gibt es keinen Eden, es gibt nur Leviathan.

Es ist eine Ironie, dass dieser Mann, fĂŒr den es kein Außerhalb gibt, derjenige sein sollte, der die anderen nach draußen fĂŒhren sollte.

NatĂŒrlich hatte er ĂŒber all das nicht zuende nachgedacht, bevor er Ägypten verließ und vielleicht hatte er erwartet, dass sich sein Panzer ablösen wĂŒrde, vielleicht hatte er gehofft, dass irgendein Funke in ihm zum Leben erwachen wĂŒrde. Aber nichts dergleichen passierte. Nur eine Abstraktion regt sich in ihm, körperlos, asexuell, geschlechtslos und unsterblich. Die Abstraktion ist Leviathan selbst, als Konzept.

Wir werden alle wissen, dass seine Gefolgsleute nicht mochten, was sie hörten. Sobald er ihnen den RĂŒcken zuwandte, bilden sie den uralten, heiligen Kreis der alten Gemeinschaft. Sie geben sich selbst auf. Sie trĂ€umen. Sie werden besessen. Sie verehren ein goldenes Kalb, nicht weil sie aus Gold ist, sondern weil sie weiblich ist, weil sie das Leben gebĂ€rt, weil sie von der Erde ist und weil sie die Erde ist.

Diese Menschen kannten den Unterschied zwischen den toten Götterbildern der Ägypter und den lebendigen Symbolen ihrer eigenen Vorfahren. Sie erinnern sich. Ihr Inneres war nicht abgestorben. Sie sind Zeks und Kinder von Zeks. Sie haben immer gewusst, dass der Panzer eine BĂŒrde ist, die sie eines Tages ablegen wĂŒrden und als der Tag gekommen ist, sind sie in der Lage ihn abzuwerfen.

Moses ist gehandicapt. Er kann darauf antworten, indem er zu ihnen geht und ihren Stimmen lauscht. Er ist noch immer Moses, der Mann, der potentielle Mensch. Er ist frei. Er kann den lebendigen Funken in ihm aufbrechen lassen, wie ein Ei. Er kann sich entscheiden lebendig zu werden.

Aber Moses antwortet, indem er ihnen den RĂŒcken zuwendet. Er lĂ€sst den Panzer die Kontrolle ĂŒbernehmen. Er versteift sich. W. Reich wĂŒrde sagen, er wird rigide. Er entscheidet sich, das Potenzial Nichts werden zu lassen, den Panzer den kleinen Funken des Lebens, der da war, auslöschen zu lassen. Er lĂ€sst Leviathan durch sich sprechen. Und die Stimme, die da spricht, ist nicht die von Echnaton, der Sonne, sondern die von Lugalzagesi, dem Herrn der Herren.

Der Panzer spricht von keinem Garten. Er drĂŒckt “eine Vision des Lebens” aus, “die spirituell Lichtjahre von der mythischen Gemeinschaft entfernt ist”, wie Turner es ausdrĂŒcken wird. Die Stimme von Leviathan spricht von Geboten und Strafen. Sie spricht nicht von Sitten, von Wegen des Seins, sondern von Gesetzen, von geschlossenen Toren. Sie sagt nicht: Du kannst und Du sollst sein. Sie sagt: Du sollst nicht.

Und wehe denen, die nicht gehorchen. Ebenso wie das Ding Leviathan seine Polizei besitzt, um diejenigen, die von seinem Recht abweichen zu verfolgen, zu foltern und zu exekutieren, so hat auch das Konzept von Leviathan, Jahwe, seine Polizei.

Aber die Polizei des Konzepts ist nicht selbst bloß ein Konzept. Moses verleiht diese Aufgabe an die Lebensspenderin selbst, an die Natur – nicht die gesamte Natur, sondern bloß ihre EinbrĂŒche, ihre Gewalt, alles vereint und zusammengefasst wie in Lugalzagesis eigener Gottheit im Zikkurat. Erdbeben, StĂŒrme, Fluten und Plagen sind Jahwes Instrumente der Verfolgung, Folter und Hinrichtung. Die Göttin, die in dem Kalb verehrt wurde, wird gegen ihre Verehrer*innen gewendet.

Und nun kommt das krönende Detail. Nun wird Moses zu einem tatsĂ€chlichen Vorreiter Lenins. “Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.” Das ist etwas, das Moses von Echnaton gelernt haben mag. Das ist modern. Keine Sumero-Akkadier waren bisher in der Lage, das “kein anderes” aufzuerlegen. Moses legt sich nicht nur Teile der RĂŒstung an; er trĂ€gt sie vollstĂ€ndig.

Das Gebot hat noch immer eine sumerische Form, aber seine moderne Bedeutung wird vorbuchstabiert:

Dann packte er das Kalb, das sie gemacht hatten, verbrannte es im Feuer und zerstampfte es zu Staub. Den Staub streute er in Wasser und gab es den Israeliten zu trinken.

Der ehemalige Beamte des Pharaos weiß, dass Gefangene von freien Gemeinschaften in Zeks verwandelt werden mussten; sie mussten domestiziert werden, sie mussten gezwungen werden, ihre Freiheit zu essen.

Aber die Verehrer*innen des Kalbs leisten noch immer Widerstand. Sie rebellieren. Sie sind bereit erneut auszuziehen, dieses Mal aus dem Leviathan ihres eigenen AnfĂŒhrers.

Also lĂ€sst der gepanzerte Mann den Schleier fallen und enthĂŒllt die RĂŒstung allen. Er hört auf, ein Medium zu sein, durch das Lugalzagesi spricht. Er wird Lugalzagesi. Er setzt eine allgemeine SĂ€uberungswelle in Bewegung, mit einer Polizei, die weder ein Konzept ist noch der konzentrierte Zorn der Erde:

„Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen NĂ€chsten.“ Die Leviten [sie werden spĂ€ter ein VerteidigungsbĂŒndnis schließen] taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann.

Dieses Massaker ist der erste Völkermord, der im Namen von Jahwe verĂŒbt wird. Und dafĂŒr gibt es weder einen menschlichen Grund noch eine menschliche Rechtfertigung. “Ich bin, der ich bin.” Das ist der Glaubenssatz.

Das anti-menschliche, anti-natĂŒrliche Gesicht dessen, was spĂ€ter Totalitarismus genannt werden wĂŒrde, muss zusammen mit dem Rest der RĂŒstung getragen werden. Jedes letzte Fleckchen menschlicher Haut muss verdeckt werden. Leviathan besitzt weder Leben noch Seele. Er ist, der er ist. Er ist sein eigener, einziger Zweck. Er ist Tod, total, ungerechtfertigt, unerklĂ€rt.

Wir werden an Wissenschaft, Technologie und den sÀkularen Staat gewöhnt werden; wir werden nicht erschreckt werden von der Unmenschlichkeit der Vision dieses Mannes; einige von uns werden sogar beeindruckt sein von seinem progressiven, nein prophetischen, Charakter.

Aber diejenigen, die Ägypten verließen, diejenigen von ihnen, die immer noch am Leben sind, können diesen monströsen RĂŒckschritt nicht verdauen und Moses weiß das. Wenn er nicht schnell handelt, wird dieser Massenmord von einem Massensuizid oder von einem Exodus derer, die ĂŒbrig geblieben sind, gefolgt werden. “Ich bin, der ich bin” ist nicht genug fĂŒr Menschen, die sich noch immer erinnern.

Also fĂŒhrt er den berĂŒhmten Bund ein. Er hatte ihnen bereits gesagt, “wenn ihr auf meine Stimme hört 
 werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein 
” Nun, wie ein Pferdedompteur, erzĂ€hlt er ihnen, dass sie entlohnt werden wĂŒrden, erzĂ€hlt er von dem, was ihnen ihr Gehorsam einbringen wĂŒrde. Sie wĂŒrden das gelobte Land erreichen. Aber in diesem Land wĂŒrden sie Zeks bleiben. Der Fluch mĂŒhsamer Arbeit wĂŒrde nicht von ihnen genommen werden. Das Land wĂŒrde nicht Eden sein, ein Ort, der fĂŒr diesen gepanzerten Mann nicht lĂ€nger existierte (ebenso wie Frauen fĂŒr ihn nicht existierten; nur Söhne existierten; Frauen sind fĂŒr ihn nichts als GebĂ€rmaschinen fĂŒr Kinder, GefĂ€ĂŸe, die ebensogut aus Ton gemacht sein könnten, das Material, zu dem die Erde selbst reduziert worden ist, das Material, das manipuliert und verstĂŒmmelt werden wird).

Das gelobte Land ist ein neuer Leviathan und die GeschĂ€tzten werden ebenso belohnt werden, wie Lugalzagesis Ensis belohnt werden. Du sollst die anderen enteignen. Du sollst große und stattliche StĂ€dte, die du nichts selbst erbaut und HĂ€user voller guter Waren, die du nicht selbst gefĂŒllt hast und Weinberge und OlivenbĂ€ume, die du nicht gepflanzt hast, einnehmen.

Dies ist das Land, wo Milch und Honig fließen und Moses’ Truppen werden es wie Pioniere stĂŒrmen:

Ich vertreibe die Kanaaniter, Amoriter, Hetiter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter 


Es ist von Bedeutung, dass die Kanaaiter, die Cousin*en, die ersten Opfer sind. Leviathan hat keine Sippe. Wer auch immer in seinem Weg steht, was auch immer außerhalb von ihm lebt, ist sein Feind. Alle Lebewesen, die nicht in seinen Eingeweiden eingeschlossen sind, egal ob Mensch, Tier oder BĂ€ume, sind sein Feind.


 bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht ĂŒber die Fische des Meeres, ĂŒber die Vögel des Himmels und ĂŒber alles Tier, das auf Erden kreucht.

Das ist, wie Turner hervorhebt, eine KriegserklĂ€rung gegen die Wildnis und dieses Wort hat nun eine furchteinflĂ¶ĂŸende Bedeutung erlangt: es bezieht sich auf “alles Tier, das auf Erden kreucht.” Das ist Leviathans KriegserklĂ€rung gegen alles Leben.

Moses stirbt, aber die “Söhne Levis” erreichen tatsĂ€chlich das Gelobte Land, das Land ihrer einstigen Sippschaft. Und sie erreichen es nicht als Sippe; sie bilden nicht den uralten Kreis oder beleben die verlorene Gemeinschaft wieder. Sie erreichen es wie Tukulti-Ninurtas’ bewaffnete Assyrer, als die Nemesis ihrer einstigen Sippe. Einer der Söhne Levis, ein Mann namens Deborah, ein Vorreiter der gepanzerten Jeanne d’Arc, erfĂŒllt die Pioniere mit genozidalem Hass. Sie, oder vielmehr er, ermahnt, schwĂ€rmt und gestikuliert um die Söhne noch gegen den letzten Moabiter*in, Hazoriter*in und Kanaaniter*in im Gelobten Land aufzubringen.

Moses stirbt, aber der Leviathan, den er in Bewegung setzt, ist unsterblich und wenn er auch schon bald selbst verschlungen wird, wird sein Konzept eines Tages den Pfad von Ungeheurlichkeiten erleuchten, von denen Lugalzagesi oder Moses nicht zu trÀumen gewagt hÀtten.

Du wirst alle Völker verzehren, die der HERR, dein Gott, fĂŒr dich bestimmt. Du sollst in dir kein Mitleid mit ihnen aufsteigen lassen 


Wie Turner beobachten wird, ist dies eine Beschreibung der Dinge, die kommen werden; das sieht bereits die “dunklen Wolken ĂŒber Afrika, den Amerikaner*innen, dem fernen Osten bis schließlich den entferntesten Inseln und Dschungel-Enklaven, die mit Feuer und Schwert und durch die subtilere Waffe der Missionierung durch Verspottung getroffen werden werden”, voraus. Dies ist bereits die Entdeckung der Neuen Welt.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org