September 10, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Die Israeliten, welche sich aus der Ägyptischen Sklaverei zurĂŒckziehen und dann beginnen, ihren eigenen Lindwurm in die Welt zu setzen, fĂŒhren nichts ganz und gar Neues in die Levante ein, mit Ausnahme der erfindungsreichen Theorien ihrer FĂŒhrer.

Sie besetzen die Felder und HĂŒtten derjenigen, ĂŒber welche sie obsiegen können, und mĂŒhen sich dann, den Geboten ihrer verblichenen FĂŒhrer Folge zu leisten.

Man sagt Moses nach, dass er, zusĂ€tzlich zum abstrakten Gotte Jahwe, seinen Abkommen viele verschiedene Gesetze gegeben habe, durch welche sie sich reinhalten sollten unter den Augen des Gottes. Nachdem sie sich zwei oder drei Generationen lang reingehalten haben, beginnen sie damit, die Lebensweisen ihrer unreinen Nachbarn anzunehmen. Redner vor dem Volke fielen im BemĂŒhen, zu ergrĂŒnden, was Moses nur vorgeschwebt haben könnte, bisweilen dem Wahn und der Raserei anheim.

Dergleichen öffentliche AusbrĂŒche, AnfĂ€lle und Trancen scheinen in den Leviathanen des Altertums weit verbreitet zu sein, und lassen diese Örter nachgerade frei erscheinen, verglichen mit den beherrschten KĂ€figen der VerstĂ€ndigung, die unser Dasein umgeben.

Nach einer allmĂ€hlichen Gewöhnung an die HĂŒtten und Felder der enteigneten Kananaaniter fragen sich einige Redner, ob nicht Jahwe etwa gewollt hĂ€tte, dass sein auserwĂ€hltes Volk in den Genuss einiger GĂŒter seiner Phönizischen, oder einiger eherner Waffen und der damit verbundenen militĂ€rischen Tauglichkeit der Philistrischen Nachbarn gerate. Ein rasender Prophet erkennt, dass den Israeliten nur die Idee eines ‚Königs der Könige‘ bekannt ist, wĂ€hrend die Völker des Ostens, die Assyrer, die wahrhafte Idee des Königs in Verkörperung Assur-rabis II. besitzen.

Ein Mann namens Saulus nimmt diese Herausforderung an, indem er mit dem Ausheben von Truppen geschwind den Assyrern nacheifert. Er wird bei dem Versuch, die StÀrke seiner Truppen gegen die der eisernen Philister zu setzen, getötet, worauf ein mit eisernen Riesen vertrauterer Mann der Israeliten es vollbringt, den Israelitischen Leviathan dem Philistrischen Lindwurm anzugleichen.

König David gelingt es dann, die ĂŒberlebenden Söhne Levis in taugliche Mordmaschinen, eingegliedert in ein stehendes Heer, das durch eherne Söldner noch ergĂ€nzt wird, zu verwandeln.

Mit dieser Gewalt ist der Monarch zumindest befĂ€higt, den Rest der TrĂ€ume Moses und Deborahs zu erfĂŒllen, Moab, Ammon, Edom und Aram zu verkleinern. Gegen seine ehemaligen philistrischen VerbĂŒndeten verbĂŒndet er sich mit den Phöniziern von Tyros, Verehrern des Gottes Baal, und zeigt mit der Leichtigkeit seines Sieges ĂŒber die Philister, dass die eisernen Menschen mitnichten Riesen waren.

Von einem weiteren Redner befeuert, ahmte der siegreiche Monarch die Verehrer Baals nach, indem er seinem Gotte einen Tempel erbaute. Die Tatsache, dass dieser Gott kein totes Relikt einer vor-leviathanischen Vergangenheit, sondern der Könige König, die Abstraktion des Leviathans selbst, ist, stört niemanden. Dem Gott dieses Tempels wird auf die nÀmliche Weise gedient, wie dem der Zikkurats.

Der Sohn König Davids erbt die Krone und verrringert in Gottes Namen die Bevölkerung noch entschiedener, und ergebene MĂ€nner hĂ€ufen in ihren HĂ€usern ReichtĂŒmer an, gleichfalls im Namen des Gottes, wie es auch die Babylonier in Marduks, die Assyrer in Assurs und die Phönizier in Baals Namen tun. Die Gottheiten unterscheiden sich in UrsprĂŒngen und Eigenheiten, doch lediglich darin, selbst nach der Spaltung des einheitlichen Leviathans in zwei zankende Leviathane namens Israel und JudĂ€a. Die Geschichtsschreibung ist sumerisch-akkadisch, das Recht babylonisch, die Sprichworte sind Ă€gyptisch, die Psalme phönizisch.

Der Schimmer eines anderen glĂ€nzt einmal auf, als der Redner Elisa vor einem Teil des Volkes mit einem dergestalt ungewöhnlichen Gott gegen diesen Mangel an UrsprĂŒnglichkeit wĂŒtet, aber es gelingt ihm doch nicht, einen neuen Beginn zu setzen, geschweige denn einen neuen Exodus auszulösen.

Stanley Diamond wird hervorheben, dass das Buch Hiob eine Entschuldigung fĂŒr diesen Unwillen, sich in einer menschlicheren, sinnvolleren Richtung zu bewegen, darstelle. In einem Meer der Armut scheint dem altertĂŒmlich gesinnten Hiob persönlicher Reichtum unvereinbar mit althergebrachten Weisen des Gesellschaftslebens, bis es ihm gelingt sich zu ĂŒberzeugen, den Reichtum als Lohn fĂŒr die blinde Unterwerfung unter den unerforschlichen Gott anzunehmen.

Der von Max Weber beschriebene DĂŒnkel der weit spĂ€teren Puritaner ist bereits weit verbreitet. Diese SelbstgefĂ€lligkeit wĂŒrde nicht gegeisselt werden, bis der egalitĂ€re SchĂ€fer Amos dagegen aufbegehrt, doch dann wĂŒrde es bereits zu spĂ€t sein, wie Amos selbst in der Schrift an der Wand erahnen wĂŒrde. Tiglat-Pileser III. wird den todgeweihten assyrischen Leviathan wieder zu einer hervorragenden Kriegsmaschine erneuen, und beginnen, ganz Mesopotamien und die Levante zu verschlingen. Des HeeresfĂŒrsten Nachfolger, Sargon II. , wird den ersten Staat Israels erobern und dessen Bewohner deportieren, und Sennacherib wird dem Staate JudĂ€a einen Ă€nhlichen Hieb versetzen. WĂ€hrend ihrer langen Gefangenschaft in Assyrien und dann Babylonien wird es Moses Erben dann gelingen, etwas Neues zu schaffen. Die Erinnerung jenes Messias, welcher sie aus der frĂŒheren Gefangenschaft fĂŒhrte, wird ihnen nicht nur Hoffnung, sondern auch ein fĂŒr Gefangene jeden Zeitalters ungewöhnliches GemeinschaftsgefĂŒhl verleihen.

* * *

Dieser Mangel an OriginalitĂ€t, der den freien Erben Moses eignete, kann nicht auf ihre Umzingelung durch konterrevolutionĂ€re Heere zurĂŒckgefĂŒhrt werden – eine Entschuldigung, welche die Erben Lenins spĂ€ter nutzen werden. Die Israeliten in Kanaan bleiben zehn oder zwanzig Generationen lang (die Zahl hĂ€ngt davon ab, ob es möglich ist, der anerkannten Zeitrechnung zu trauen, deren VertrauenswĂŒrdigkeit in Frage gestellt werden wird) von den Heeren der Riesen, sowie von denen der PygmĂ€en unbelĂ€stigt.

Der Riese der Hethiter hört auf, irgendjemanden in der Levante zu drĂ€ngen, weil er völlig vom Antlitz der Erde verschwindet. Dieser trĂ€ge Leviathan, welcher Ägyptens Macht in Kadesh begegnete, verfĂ€llt so vollstĂ€ndig, dass sich die Griechen, welche spĂ€ter auf seinen verschĂŒtteten Festungen OlivenbĂ€ume pflanzen, nicht einmal seines Namens erinnern werden. Die Israeliten, welche die GeschichtsbĂŒcher schreiben, werden nur jenen in Erinnerung behalten, so dass die Pracht dieser Zivilisation erst zum Vorschein kommen wird, als ArchĂ€ologen unserer Tage sie unter HĂŒgeln von Schmutz ausgraben werden. Weder grosse KriegszĂŒge, noch DĂŒrren oder Verschiebungen der Erdplatte sind nötig, um den Niedergang dieses Erben Mohano Daros’ Schicksals zu erklĂ€ren. Jene Ă€gyptischen Geschichtsschreiber, welche den Niedergang ihres riesenhaften Nachbarn erlebten, berichten, dass schlicht niemand sich erhob, fĂŒr Khatti zu kĂ€mpfen. Den Gruppen von MykenĂ€ern, Phrygiern und Ioniern, welche den Wehrdienst in den Heeren des anatolischen Leviathans weigern, gelingt es schliesslich aus den selben GrĂŒnden, die verbleibenden Festungen ážȘattuĆĄas zu stĂŒrmen, wie Attila dem Hunnen, der spĂ€ter Rom plĂŒndern wĂŒrde. Das Ungeheuer ist verlassen worden.

Die Unsterblichen sterben eines Tages doch, und nicht nur, wenn sie von grösseren Leviathanes verschlungen werden, sondern auch, wenn ihre menschlichen Bestandteile sich zurĂŒckziehen und das Aas verrotten lassen. Die kĂŒnstlichen Drachen haben kein eigenes Leben.

TĂ€nzer umkreisen Cybele, die Erdengöttin, und feiern ihre wiedererlangte Freiheit. Sie werden noch immer tanzen, da sie zehn oder fĂŒnfzehn Generationen spĂ€ter Besucher aus Athen als von Königinnen gelenkte Völker beschreiben, und so auch werden die Athener jene Völker verstehen, welche weder von Archoi noch von Königen regiert werden.

Es wĂ€re freilich eine Übertreibung zu behaupten, dass in Anatolien nichts von dem hethitischen Lindwurm verblieben . FrĂŒhere Eingezogene , die mit Eisen bewehrten Mykener, und die Ionischen Gruppen mĂ€nnlicher Abenteurer und Mörder, deren FeldzĂŒge Homer besingen wĂŒrde, sind schwĂ€rende, vom verfallenden Leviathan in Cybeles anatolische Erde geschlagene Wunden. Die Segmente des Lindwurms regen sich weiterhin, sind jedoch lediglich SchĂ€dlinge an den RĂ€ndern friedlicher Dörfer, bis der phönizische Krake sie mit seinem pupurnen Schlick ausfĂŒllt.

Der Ă€gyptische Riese hört aus Ă€hnlichen GrĂŒnden auf, die Levante zu belĂ€stigen, wenngleich dieser Leviathan nicht so vollstĂ€ndig verfĂ€llt wie sein hethitischer Nachbar. Er erstarrt. Genötigt, um potentielle Verschwörer zu werben, streikenden Gruppen von Arbeitern ihre AnfĂŒhrer abzukaufen, mit vormaligen, zu den lybischen Abenteurern ĂŒbergelaufenen Provinzen zu verhandeln, wagen es die Ägypter nicht lĂ€nger, etwas zu tun, was ihre Vorfahren nicht getan hatten. Diese konservative Haltung bietet dem Pharao, Priestern und dem Volk ausreichend AnlĂ€sse, den toten Göttern in Tempeln und Schreinen ihre Achtung zu zollen. War nicht dies das grosse Ziel der BegrĂŒnder des Lindwurms? Die Götter kommen in Ägypten auf; Modernismus und SĂ€kularitĂ€t wĂŒrden nur die Überreste dessen beseitigen, was an wenigem noch von einer seit langem toten Vergangenheit verblieben ist.
Der assyrische Riese verlĂ€sst ebenso die Levante von allein, zumindest zehn oder zwanzig Generationen, bevor er die Israelitischen und Phönizischen Einwohner der Levante deportiert. Auf diesen Riesen werde ich jedoch noch einmal zurĂŒckkommen.

ZunĂ€chst will ich die PygmĂ€er, die Phönizier Tyras, Sidons und anderer unabhĂ€ngiger Enklaven, die nĂ€chsten Nachbarn der Israeliten in Kanaan, betrachten. Sie sind Kaufleute zu Wasser, und werden an allen KĂŒsten, die ihre Schiffe reichen, die roten oder purpurnen MĂ€nner geheißen, da sie ein Weltmonopol der Purpurfarbe besitzen und es auch wohl zu schĂŒtzen wissen. Ihre purpurnen Stoffe und Kleider sind so wertvoll allenthalben, wie es Gold oder Uran in spĂ€teren Zeiten sein werden.

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Die Söhne Levis gehen die engsten Beziehungen mit ihren phönizischen Nachbarn ein, derart, dass sie selbst Frauen aus Tyros heiraten und sich selbst vor Baal niederwerfen. Ich habe die Vermutung, dass gerade diese NĂ€he die mangelnde OriginalitĂ€t der levantischen Israeliten erklĂ€ren könnte. Der Fluch der Arbeit lastet denn schwer auf den Pflanzern und MĂ€hern, welche einen betrĂ€chtlichen Teil ihrer Jahresernte fĂŒr ihrer begĂŒterten Nachbarn purpurne GewĂ€nder und andere gute Dinge, mehrenteils aus fernen LĂ€ndern, hergeben.

Die Voreingenommenen spĂ€terer Zeiten werden einmal alle Juden als Kaufleute darstellen, ungeachtet der Tatsache, dass, von der Herrschaft Davids bis zur Zeit Hezekiahs die Einzelheiten des Handels ihnen ferner sind als Baal es ist. Sie sind Landwirte oder, das trifft es besser, Bauern. Unserer Tage wĂŒrden wir die beiden kleinen israelitischen Staaten als wirtschaftliche Kolonien der raubgierigen Phönizier bezeichnen, da es ihnen an Zeit wie an Kraft, originell zu sein, gebricht.

Die GewĂ€nder und anderer Tand, den die tyrischen MĂ€nner so grosszĂŒgig ihren hart arbeitenden Nachbarn verkaufen, kosten sie wenig, und im Gegenzug werden die HĂ€ndlersstĂ€dte mit dem nötigen Vieh und Getreide aus dem eigenen freundlichen Hinterland versorgt. Sie haben es nicht nötig, zu diesem Zwecke Schiffe nach Anatolien oder Syrakus zu entsenden, und vermögen daher die Schiffe mit leichteren und weit wertvolleren Dingen als Vieh oder Weizen zu beladen.

Die phönizischen HĂ€ndler, deren großes Geheimnis darin liegt, ihnen selbst GĂŒnstiges zu verkaufen, und anderen Teures zu nehmen , und noch grĂ¶ĂŸere Mengen an Dingen, von dort, wo sie mannigfach vorhanden, an Orte zu bringen, wo sie selten sind. Damit nun fahren sie so lange fort, bis die vordem reiche Quelle versiegt, und schicken sich danach an, neue Quellen zu erschöpfen.

Ehe Salomon in Israel und sein Stiefvater Hiram von Tyros herrschten, waren BĂ€ume ebenso reichlich wie Elephanten in der Levante. Nach ihrer Herrschaft jedoch waren BĂ€ume in Schiffen und Tempelmauern verbaut und Elephanten ebenso exotisch in der Levante geworden, wie Karibus.

Gewaltige phönizische Schiffe kreuzen nun die rote und arabische See, um StoßzĂ€hne von den indischen ElephantenjĂ€ger zu sammeln, welche ihrerseits nach dem Purpur der Levante und lybischen Erzen gieren. Hinsichtlich der Reduktion von Lebewesen auf GegenstĂ€nde, die in Schiffen transportiert werden können, und hinsichtlich der Neuverteilung zerstörter Tier- und Pflanzenwelten von ihnen lebensfreundlichen, nach ihnen lebensfeindlichen Orten, handelt es sich bei dem kĂŒnstlichen phönizischen Kraken um einen noch grĂ¶ĂŸeren GewalttĂ€ter an der BiosphĂ€re als alle frĂŒheren Leviathane der Levante zusammen. Der wildnisfeindliche Geist des Westens wird Phönizien ungleich mehr verdanken als Purpurfarben.

Jene zehn oder zwanzig Generationen, die mit dem Niedergang der Hethiter beginnen und mit dem Feldzug der Assyrer ihr Ende finden, sind eine Hochzeit der levantinischen Metropole, nicht seiner wirtschaftlichen Kolonien. Die krakenĂ€hnlichen kĂŒnstlichen MĂ€nner des kleinen Tyros und Sidons sind die einzigen noch bestehenden Leviathane westlich von China, und ich wĂŒrde mich selbst zu der These versteigen, dass die relative Ruhe der assyrischen Kriegsmaschine zumindest in Teilen dem Ansturm auf exotische GĂŒter anzulasten ist, deren Erwerb selbst die Mittel der Assyrer begrenzt.

Allein, die Phönizischen VorgÀnger der Athener, Venetier und der handeltreibenden Amerikaner sind noch spÀrlicher belegt als alle anderen Leviathane der Antike. Wir erfahren von ihnen hauptsÀchlich durch die Zeugnisse anderer. Die HÀndler tragen ihre Gehemnisse mit ins Grab.

Alles, was wir wissen, ist, dass ihr krakenĂ€hnliches Reich, bestehend aus Schiffen und Handelsposten viele, wenn nicht alle KĂŒstenlinien der Erde umfasst. Außerdem wissen wir, dass sie ihre HĂ€fen an den KĂŒsten Afrikas und der spanischen AtlantikkĂŒste begrĂŒndeten. Barry Fell wird behaupten, dass die Phönizischen Schiffe bereits lange vor den Seglern Sevillas die Hochsee befahren, und einige werden darauf hinweisen, dass sie sogar den friedlichen Ozean zu queren wagen und mit ihrer Überfahrt die Errichtung der Statuen bĂ€rtiger MĂ€nner auf den Polynesischen Inseln bedingen wĂŒrden.

Wir werden wissen, dass die Etrusker, wĂ€hrend oder kurz nach der Regentschaft Hirams auf der Italienischen Halbinsel, plötzlich lernen, ihre eigene Sprache zu schreiben, indem sie sich Hirams Alphabet bedienen. [
] Wir werden wissen, dass viele dieser Handelsposten, ob nun Gadir (Gades, Cadiz), Tarshish an der atlantischen KĂŒste, die bekannten Posten Carthago, Sardinien oder Sizilien, ob die zahlreichen Posten an der Adria oder der Ă€gĂ€ischen See, sich schnell in krakenĂ€hnliche Ungeheuer verwandeln und ihr eigenes Hinterland mit der GrĂŒndlichkeit ihrer Erbauer plĂŒndern, um wohlversorgt mit GĂŒtern zu sein, sobald die großen Schiffe einlaufen.

Dank der fortschrittlichen AktivitÀten der geheimnisvollen Phönizier entwickelt sich das westliche Eurasien schnell zu einem dichten Netz ineinander verflochtener Tentakeln, einem Orte, da freie Menschen weder zu springen, noch stehen, noch sitzen vermögen.

* * *

Der phönizische Krake lebt von Israeliten und anderen Völkern aus seinem ursprĂŒnglichen Entschluss heraus, sich der Leviathan-Werdung zu widersetzen.

Wir gewahrten, dass frĂŒhere Leviathane die Menschen der Steppe bewegten , zu fliehen oder sich zu verteidigen, und das beides Wellen in Bewegung versetzte, die selbst im fernen China zu spĂŒren waren.

Mittani, Kassiter und Hethiter waren einige der vielen, die sich erkĂŒhnten, dem Leviathan zu begegnen, und sich anschließend in ihrem eigenen leviathanischen Netz wiederfanden. Bewaffnet und befestigt, ließen die ehernen Hethiter mit ihren RaubzĂŒgen um Tribute und Aushebungs-Jagden neue Wellen entstehen.

Mykener, Ionier und Dorier mögen, als Antwort auf diese Provokationen der Hethiter, hinabgestiegen sein nach Anatolien und dem griechischen Festland und Archipel. Linguistisch sind diese Völker Cousins der Hethiter, Kassiter und Mittani, der Arier, die sich in Indien erstmals zeigten, und selbst der Perser, denen es einmal gelingt, ĂŒber ganz Anatolien und die Levante siegreich hervorzugehen.

Iranisch- (oder Indo-EuropĂ€isch-) oder TĂŒrkisch-sprechende StĂ€mme scheinen sich gemeinsam in die Steppen zu begeben. SpĂ€ter werden sie an den Grenzen des römischen Reiches auftauchen; zumindest sind sie einander keine Fremden. Einige dieser StĂ€mme sind sesshaft und verlassen ihre Orte lediglich, wenn sie dazu gedrĂ€ngt werden; andere sind Nomaden, die hirtenĂ€hnlich leben. Einige zĂŒchten Pferde, welche sich schnell von Mesopotamien nach China bewegen können, und einige wiederum schmieden sich ihre Waffen aus Eisenerz.

Mykenische Griechen weilten schon zur BlĂŒte des hethitischen Leviathans in Anatolien und auf dem griechischen Festland. Mykenische Vasen aus der mittleren hethitischen Zeit werden in Zypern, Ägypten und der Levante sowie sogar auf Sizilien und in Irland gefunden werden; Mykenisches Olivenöl muss in all diese Gegenden auf Phönizischen Schiffen gebracht worden sein, da es keine Nachweise einer grossen mykenischen Flotte geben wird. Gelegentlich machten sie Gebrauch von Aushebungen, doch verfĂŒgten zu keiner Zeit ĂŒber einen König oder ein stehendes Heer. Ihre frĂŒhere Gemeinschaft war zerbrochen, doch sie hatten sich noch nicht in einem eigenen Leviathan eingesperrt, obgleich sich ihr Theseus dafĂŒr mit großen MĂŒhen verwendete. Sie schlossen sich entweder Hethitern auf den Aushebungs-Jagden an oder unternahmen eigene RaubzĂŒge; Neulinge von fast identischer Sprachzugehörigkeit behandelten sie nicht als Verwandte, sondern Feinde. Die Mykener verstĂ€rkten ihre StĂ€dte und hielten sich, möglicherweise mithilfe der Hethiter, die Neulinge vom Leibe. Beinahe direkt nach dem Niedergang der Hethiter begannen, eine nach der anderen, die Mykenischen Festungen in die HĂ€nde der Ionischen oder dorischen Griechen zu fallen.

Die Erniedrigungen, welche die Neulinge vor ihrer Ankunft zu ertragen hatten, werden einer genauen Erforschung nicht zur VerfĂŒgung stehen, da die Griechen spĂ€terer Zeit ihre vor-leviathanische Vergangenheit zu vergessen sich entscheiden werden. Nichtsdestoweniger können wir versuchen, einen Eindruck der Natur dieser Erniedrigungen zu gewinnen, indem wir unseren Blick zu anderen Orten schweifen lassen.

Auf einer assyrischen Schrifttafel, welche entstand, als sich gerade die Zerstörung der Mykener zutrug, prahlt ein Gelehrter Tiglat-Pileser I., dass der Tyrann und sein Heer in einem einzigen Feldzuge im nördlichen Gebiet des Vansees Tausende MuĆĄki – unter dieser Bezeichnung fassten sie Phrygier, Hurriter und Griechen anderer indo-iranischer Sprachzugehörigkeit – gefangen nahmen.

Die Griechen entledigen sich ihrer mykenischen Vorfahren, als das phönizische Wirtschaftsimperium gerade seine Hochzeit erlebt. Gleich ihren Vorfahren, den Guti, bilden sie Stamm-VerbĂŒnde von Kriegern, angefĂŒhrt von dem vormaligen Priester Basileus, der nun ihr KriegsfĂŒrst ist. Ebenso wie die Guti, bleiben sie so lange verbunden, dass sie den Kontakt mit ihren ursprĂŒnglichen Gemeinschaften verlieren. Von ihren ehemaligen Göttern erhalten sie sich hauptsĂ€chlich Zeus, den blitzeschleudernden Donnergott, der den KriegsfĂŒrsten leitet. Sie ĂŒbernehmen Minotaurus, das taurische Labyrinth, Helena, Artemis und Demeter von Anatolien und Kreta. Die phönizischen Schiffe bringen ihnen Kadmus, Europa und ein leviathanisches Projekt.

Die frĂŒhesten VerbĂŒnde, unter ihnen das bekannte Geschlecht Agamemnons, scheinen so entschieden wie die spĂ€teren Mongolen, jegliche Spur dessen, was die Griechen “Zivilisation” nennen wĂŒrden, zu tilgen. Sie reißen Festungen nieder, erbauen sie nicht von neuem, machen PalĂ€ste dem Erdboden gleich, ohne sie nachzubilden, und zerstören Schrifttafeln ohne sich ihre Inschriften anzueignen. Ihre Speere sind ihre Götter und sie leben um des Kampfes wegen.

Doch als die großen Schiffe einlaufen und purpurne Tuche und Elfenben entladen, befleissen sich die Helden, jene Fremden beim nĂ€chsten Mal mit Geschenken zu empfangen. Ihre Nachbarn, besonders die Frauen unter ihnen, zwingen pressend das Öl aus Oliven und den Saft aus den Beeren. Die Griechen tragen ihren Nachbarn an, sie zu schĂŒtzen anstatt sie zu erniedrigen, und bieten einige der Geschenke, die sie von den Phöniziern erhalten hatten. Sie postieren Wachen vor Schreinen und TanzflĂ€chen, wo sich Frauen bis in den Wahn berauschen und sich gegen die BeschĂŒtzer verschwören. Und die Griechen fĂŒllen ihre Lager mit Vasen.

Agamemnons Enkel erscheinen vor der Ägaer KĂŒsten als HĂ€ndler von Wein und Öl, und eine nach der anderen, werden die Enklaven zu Tentakeln des phönizischen Kraken.

Als das Haupt des Kraken vom assyrischen Lindwurm verschlungen wird, existiert jede griechische Tentakel fĂŒr sich.

Diese Geschichte wird meist als das zwielichtige Aufstieg der Griechen aus den FÀngen des Dunkels in das Licht der Zivilisation erzÀhlt. Doch wenigstens ein, noch unbewehrter, Grieche, erlebt diese Begebenheit als etwas von dem Aufstieg ins Licht sehr Unterschiedliches.

Der Dichter Hesiod erinnert sich besserer Zeiten. Er ist ein Zeitgenosse der assyrischen Invasion Phöniziens und somit ein Zeitgenosse der Griechen, die ihr eigenes Handelsimperium zu beginnen sich anschicken, Hesiod berichtet von fĂŒnf Zeitaltern oder Generationen der Sterblichen. Die ehesten, nomadische Hirtenvölker, die irgendwo in der Steppe und den Gebirgen lebten, waren ein gĂŒldnes Geschlecht. Und sie lebten gleich Göttern ohne ein Weh des Herzens, ferne und frei von MĂŒhe und TrĂŒbsal. In Frieden und Leichtigkeit weilten sie auf ihren Landen, an Herden und vielen guten Dingen reich und geliebt von den gesegneten Göttern.

Diese nun sind noch nicht ganz hinfort; sie wandern rings auf der Erden, in Nebel gehĂŒllt, und wachen ĂŒber Urteil und Missetat.

Noch immer in den Steppen, wurden die nomadischen Hirten-Gemeinschaften gestört von den Mittlern eines Leviathans und es zeigte sich eine zweite Generation, die silbern und weit unedler war. Dem gĂŒldnen Geschlecht Ă€hnelt’ sie weder im Hinblick des Körpers, noch des Geistes
 Zeus, Sohn des Kronos, zĂŒrnte ihnen und raffte sie hin, da sie des Olymps heiligen Göttern keine Ehre zu leisten mehr mochten.
Da die Erde bedeckte das zweite Geschlecht, traten jene auf, die sich verbĂŒndeten gegen die Störer; ein drittes, nun schamloses Geschlecht von Sterblichen, sprosste aus Eschen; und war dem silbernen ungleich in jeglicher Art, doch furchtbar und stark. Sie liebten des Ares klagenswerte Werke und gewaltsame Taten; sie assen kein Brot, sondern waren im Herzen hart, dem Demanten gleich, schreckliche MĂ€nner. Grossartig war ihre StĂ€rke und unĂŒberwindbar die Waffen, die entwuchsen den ihrigen Schultern und Gliedern. Ihr Schild, ihre HĂ€user waren von Bronze geschmiedet, und so auch ihr Werkzeug
Diese wurden zerstört durch die eigenen HĂ€nde und schieden hin, nach des Hades schauerklammem Hause, und hinterliessen keinen Namen


Sodann kamen die von Homer lobgepriesenen KriegsfĂŒrsten, die

Heldenmenschen, so man Halbgötter nennt, ein Geschlecht vor dem unsern
 Der grimmige Krieg und das fĂŒrchterliche Gefecht rafften hin einen Teil der Ihrigen, einige in dem Lande des Kadmus vor dem siebentorigen Theben, wo fĂŒr des Ödipus Scharen sie stritten, einige, da er sie in Schiffen gebracht ĂŒber des troischen Meeres gewaltigen Arm.

Zuletzt reiht sich daran die fĂŒnfte Generation, Hesiods eigene, die Opfer und Helfershelfer der Wein- und ÖlhĂ€ndler, die Griechen, welche zuletzt durch die phönizischen FĂŒhrer in die KĂŒnste der Zivilisation eingeweiht wurden. Hesiod schreibt:

WĂ€re ich doch nur nicht ein Lebender unter diesen Menschen der fĂŒnften Generation, wĂ€re ich doch vielmehr zuvor des Todes gewesen oder nach ihnen geboren worden. Denn dies Geschlecht ist nun ein ehernes, und Menschen rasten am Tage nicht und halten vom Sterben sich fern nicht des Nachts
 Es könnt’ doch ihr Recht sein: und einer wird doch des andern Stadt plĂŒndern. UnbegĂŒnstigt bleibt derjenige, der seinen Schwur hĂ€lt und der Gerechten oder Gute; Eher werden sie den ÜbeltĂ€ter und sein gewalttĂ€tges Handeln preisen
 Der Neid, der, faulen Mauls und starren Blickes sich labet an dem Übel, wird, zusammen mit dem ganzen erbĂ€rmlichen Menschengeschlechte, vom Antlitz dieser Erde ein fĂŒr alle Male, scheiden. Dann endlich werden Aidos und Nemesis, weißgewandet ihre wohlgestalten Körper, des Erdballs weiten Pfad beschreiten, um, die Menscheit verlassend, den Göttern, den ewigen, Gleiche zu werden.

Hesiods Erinnerung vergangener Dinge verleiht ihm eine Kraft, die Moses vermisste; die Kraft, sich seiner leviathanischen Maske zu entledigen, indes immernoch in das leviathanische Netz eingewebt zu sein. Solch eine Kraft werden wir als kritische Theorie bezeichnen, eine öde Bezeichnung dafĂŒr. SpĂ€ter wird diese Kraft zu einem zweischneidigen Dolche geschmiedet, doch nicht durch die Griechen, denen sie Hesiod gibt.

Hesiods griechische Mitmenschen wenden diesem Geschenk, das er ihnen so freimĂŒtig ĂŒbergibt, den RĂŒcken zu, denn in eben diesem Moment, als er sie ihres eigenen Goldenen Zeitalters erinnert, verschlingt der assyrische Leviathan der Griechen phönizische Mentoren und Lenker, und Hesiods Zeitgenossen bereiten sich vor, sich in ihren eigenen Kraken hineinzustĂŒrzen.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org