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Protest der Federation of General Workers Myanmar (FGWM)
Protest der Federation of General Workers Myanmar (FGWM)

Alles fing an mit der Internationalen Konferenz von Gewerkschaften in der Textilindustrie Ende Februar 2020 in Colombo (Sri Lanka). Dort trafen sich erstmals Aktive der FAU und der Federation of General Workers Myanmar (FGWM), damals noch bekannt unter Federation of Garment Workers Myanmar, persönlich. Unter ihnen war auch die SekretĂ€rin und Organizerin der FGWM Moe Sandar Myint. Damals hat noch niemand geahnt wie relevant diese Vernetzung werden wĂŒrde.

Was bisher geschah – ein kurzer Abriss

Im Februar 2021 putschte sich das MilitĂ€r erneut als Alleinherrscher an die Macht. In den zehn Jahren zuvor konnte Moe noch erleben, wie das Land sich öffnete. Zwar hatte das MilitĂ€r auch in dieser Zeit viel Macht, aber es gab zumindest eine mehrheitlich zivile Regierung. Eine Regierung unter welcher ebenfalls bereits ethnische Minderheiten wie Rohingya diskriminiert und verfolgt wurden. Und doch hatte sich einiges getan: Es bildeten sich Gewerkschaften in den zahlreichen NĂ€hfabriken, die aus dem Boden sprossen, Frauen konnten sich freier auf der Straße bewegen und das Internet wurde nicht mehr vom MilitĂ€r kontrolliert. Fast jede:r hatte Zugang zu mobilen Daten und der Preis fĂŒr ein Smartphone sank nach 2011 rapide, nachdem das MilitĂ€r auf Druck der Demokratiebewegung erste Reformen eingeleitet hatte.

Aber dann gab es im November 2020 Wahlen und die Partei von Aung San Suu Kyi, die Nationale Liga fĂŒr Demokratie (NLD), gewann mehr Stimmen als erwartet. Das MilitĂ€r, das sich bis dahin immer 25% der Sitze im Parlament reserviert hatte, reagierte etwas mehr als zwei Monate spĂ€ter mit einem Putsch. Wieder ĂŒbernahm es die Macht und wieder sperrte es die Politiker:innen der zivilen Regierung weg. Angeblich sei bei der Wahl betrogen worden.

Aber nun passierte, womit kaum jemand gerechnet hatte: Massen gingen auf die Straße. Die Bevölkerung wollte diesen Putsch nicht hinnehmen. Es gab riesige Demonstrationen in allen grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten. Vor allem junge Menschen, die grĂ¶ĂŸtenteils wĂ€hrend der Öffnung des Landes aufgewachsen waren, wollten die neue, alte Diktatur nicht akzeptieren. »You messed with the wrong generation« war auf einigen Bannern und Plakaten zu lesen.

Stand heute (08. April 2022) wurden im Zuge der Auseinandersetzungen nach dem Putsch 1735 Menschen vom MilitÀr getötet und werden 10.131 als politische Gefangene in GefÀngnissen festgehalten. Die Zahlen werden kontinuierlich von der Assistance Association of Political Prisoners (AAPP) aktualisiert.

Vernetzung und SolidaritÀt

Auch nach dem 01. Februar 2021 sind viele internationale Unternehmen, wie adidas, Deutsche Post DHL Group oder die Öl- und Gaskonzerne Chevron und TotalEnergies in Myanmar geblieben, um weiterhin GeschĂ€fte zu betreiben. GeschĂ€fte, die direkt oder indirekt der MilitĂ€rjunta helfen an der Macht zu bleiben. Um hier entsprechenden Druck zu organisieren wurde die Blood Money Campaign initiiert. Diese ist ein Zusammenschluss von zivilgesellschaftlichen Akteur:innen innerhalb sowie außerhalb von Myanmar, welcher Boykott- und Sanktionskampagnen organisiert. Es ist ein Versuch, internationale Unternehmen dazu zu bewegen, ihre UnterstĂŒtzung des MilitĂ€rs, z.B. durch das Zahlen von Steuern, aufzugeben und somit der MilitĂ€rdiktatur die finanzielle Grundlage zu entziehen. Sowohl die bereits erwĂ€hnte FGWM als auch diverse FAU Syndikate beteiligten sich an den BemĂŒhungen der Blood Money Campaign. Einige Unternehmen reagierten: So kĂŒndigten Chevron und TotalEnergies sowie der norwegische Telekommunikationskonzern Telenor an, sich aus Myanmar zurĂŒckzuziehen. Auch wenn die Junta von den Regierungen in China und Russland unterstĂŒtzt wird, sind das wichtige Schritte.

Die FGWM geht noch weiter. Die Föderation von Basisgewerkschaften setzt sich fĂŒr umfassende Wirtschaftssanktionen ein und ruft dazu auf, jegliche GeschĂ€ftsbeziehungen in Myanmar abzubrechen. Die Arbeitsbedingungen seit dem Putsch sind laut FGWM miserabel und sich dagegen zu wehren kaum möglich, da bei ArbeitskĂ€mpfen das MilitĂ€r in die Fabriken geschickt wird. Gewerkschaftliche Organisierung ist seit einem Jahr illegal und wird verfolgt.

Was also tun? Viele (ehemals) Aktive der FGWM sind entweder in die Grenzregion nach Thailand geflohen und versuchen sich von dort aus aktiv gegen die Junta einzusetzen, sind innerhalb von Myanmar auf der Flucht und bewegen sich von Unterschlupf zu Unterschlupf, oder haben sich – wie auch viele junge Menschen – der Widerstandsbewegung People’s Defence Force (PDF), welche aus dem Dschungel heraus agiert, angeschlossen. Gleichzeitig gibt es weiterhin Gewerkschafter:innen der FGWM in einzelnen Fabriken, wo sie versuchen, heimlich Arbeiter:innen zu organisieren, um sich fĂŒr ihre Interessen einzusetzen.

Die FAU ist Teil der Internationalen Konföderation der Arbeiter:innen (IKA). Diese hat eine Arbeitsgruppe Asien, welche zu dem Thema arbeitet und die FGWM aktiv unterstĂŒtzt. Im Januar initiierte diese Arbeitsgruppe gemeinsam mit der FGWM eine Spendenaktion. Angestrebt wurden 10 000€ innerhalb von zwei Monaten. Neben diversen Schwestergewerkschaften, wie Industrial Workers of the World (IWW), der USI in Italien und der SAC in Schweden, sowie mehreren Einzelpersonen, beteiligten sich viele FAU Syndikate daran und sorgten so maßgeblich dafĂŒr, dass die Spendenaktion erfolgreich mit Einnahmen von mehr als 14.000 € beendet wurde!

Der Kontakt zur FGWM ist stabil und der Kampf gegen die MilitÀrjunta geht weiter!

#UnitedAgainstTheJunta

Helene & Mo (FAU Hamburg)
Fragen oder Anmerkungen gerne an: asia@icl-cit.org




Quelle: Direkteaktion.org