Mai 4, 2022
Von InfoRiot
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Bad Belzig.“Die so wichtige, aber auch schon zur Routine gewordene Mahnung – Nie wieder – ist leider besonders aktuell”, sagte Ines Michaelis. Die Leiterin der Bad Belziger Grundschule “Geschwister Scholl” hielt am Dienstag am Gedenkstein im GrĂŒnen Grund die Ansprache zum 77. Jahrestag der kampflosen Übergabe der Stadt an die Rote Armee. Damit verbunden war am 3. Mai 1945 die Befreiung von 72 HĂ€ftlingen in der Krankenbaracke des KZ-Außenlagers Roederhof im GrĂŒnen Grund.

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Ines Michaelis, Direktorin der Grundschule Geschwister Scholl in Bad Belzig, mit SchĂŒlern am Gedenkstein.

Ines Michaelis, Direktorin der Grundschule Geschwister Scholl in Bad Belzig, mit SchĂŒlern am Gedenkstein.

In ihrer Ansprache ging Ines Michaelis auch auf die Ereignisse in der Ukraine ein. „Der Krieg, der tĂ€glich Menschenleben fordert, mit dem sinnlose Zerstörungen, PlĂŒnderungen und mutmaßliche Kriegsverbrechen einhergehen, ist schwer zu ertragen. Mehr als fĂŒnf Millionen Menschen sind bisher geflohen. Und das im 21. Jahrhundert. Das ist einfach absurd und wir verurteilen dies aufs SchĂ€rfste. Die schrecklichen Bilder aus Kiew, Odessa oder Mariupol und die Berichte GeflĂŒchteter – sie gehen uns allen sehr nahe“, sagte Ines Michaelis.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im GrĂŒnen Grund.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im GrĂŒnen Grund.

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Mehr als 120 Menschen, darunter auch viele junge Leute und Familien mit Kindern, waren der Einladung von BĂŒrgermeister Roland Leisegang (parteilos) und Inge Richter, der Vorsitzenden des Förderkreises Roederhof, zum Gedenken in den GrĂŒnen Grund gefolgt. An der nach zweijĂ€hriger Pause wieder in traditionellem Rahmen stattfindenden Gedenkveranstaltung, hatte auch Helena Rens aus Belgien wieder teilnehmen wollen.

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Sie ist eine Nichte der im Lager im GrĂŒnen Grund umgekommenen Maria Aerts. Doch eine Erkrankung hinderte sie daran. Inge Richter, die den Kontakt zu ihr hĂ€lt, richtete GrĂŒĂŸe von Helena Rens aus.

SchĂŒler der Grundschule Geschwister-Scholl gestalteten die Gedenkveranstaltung mit.

SchĂŒler der Grundschule Geschwister-Scholl gestalteten die Gedenkveranstaltung mit.

Eröffnet wurde das Gedenken mit einem Musikbeitrag von SchĂŒlern der Grundschule „Geschwister Scholl“. Sie stimmten die „Kleine weiße Friedenstaube“ an. Ein Lied aus der Feder von Erika Schirmer, mit dem Kinder in der DDR aufgewachsen waren, und dass SchlagersĂ€ngerin Marianne Rosenberg neu auflegte. „Ich hĂ€tte nie gedacht, dass dieses Lied noch einmal so aktuell wird“, sagte BĂŒrgermeister Roland Leisegang in seiner BegrĂŒĂŸung.

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Erinnerung an Arthur Krause und Erich Tschetschog

Dann erinnerte er an den Lehrer Arthur Krause und den Pfarrer Erich Tschetschog, die mit ihrem Mut und der Entscheidung, Belzig am 3. Mai 1945 kampflos an die Rote Armee zu ĂŒbergeben, die Stadt vor der Zerstörung bewahrten. Die EhrenbĂŒrgerwĂŒrde wurde den beiden MĂ€nnern spĂ€ter dafĂŒr ĂŒbertragen. Bei der Gelegenheit wurde eine Schweigeminute fĂŒr Jutta Kraft eingelegt. Sie war die Tochter von Arthur Krause und hielt bis zu ihrem plötzlichen Tod im vergangenen Jahr den Kontakt zum Förderkreis Roederhof.

Inge Richter, die Vorsitzende des Förderkeises Roederhof, und BĂŒrgermeister Roland Leisegang am Gedenkstein im GrĂŒnen Grund in Bad Belzig.

Inge Richter, die Vorsitzende des Förderkeises Roederhof, und BĂŒrgermeister Roland Leisegang am Gedenkstein im GrĂŒnen Grund in Bad Belzig.

77 Jahre nach der kampflosen Übergabe der Stadt an die Rote Armee wurde anschließend mit Blumen der Menschen gedacht, die im Lager litten, die im Zweiten Weltkrieg starben und deren weiteres Leben durch den Krieg schwer gezeichnet blieb.

Mahnendes Gedenken

„Als Frau Richter mich fragte, ob ich heute ein paar Worte sagen kann, habe ich lange darĂŒber nachgedacht, ob ich hier an dieser Stelle die richtige Person bin. Aber ich denke, in der heutigen Zeit hĂ€tte jeder, egal wer, Wichtiges zu sagen: Die Toten mahnen! Diese Inschrift im Gedenkstein muss fĂŒr alle Mahnung sein, nicht nur Gedenken“, sagt Ines Michaelis.

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HĂ€ftlingsnummer 11966

In ihrer eindrucksvollen Ansprache ging die Direktorin auf den Leidensweg von Vera Koldowa ein. Sie trug die HĂ€ftlingsnummer 11966 und wurde aus dem Konzentrationslager RavensbrĂŒck ins Lager Roederhof nach Belzig verlegt. „Wir wussten, dass die Hölle von RavensbrĂŒck in Belzig kein Ende nimmt, sondern dass es nur eine weitere Station unseres Leidensweges wird“, heißt es dazu in der vom Förderkreis Roederhof herausgegebenen Dokumentation „Schicksale“. Die furchtbaren Lebensbedingungen, unter denen die Frauen im Lager leben mussten, sind darin aufgezeichnet.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im GrĂŒnen Grund.

Teilnehmer der Gedenkveranstaltung im GrĂŒnen Grund.

Mit den Worten, dass zu hoffen bleibt, dass sich so etwas nie mehr wiederholt, enden oft Berichte ehemaliger HĂ€ftlinge. Doch reicht Hoffnung allein aus? „Wenn wir uns die tĂ€glichen Nachrichten anhören, wissen wir, dass dies nicht reicht. Und wir fragen uns immer wieder: Hat die Menschheit aus ihrer Geschichte nichts gelernt? Wie kann es sein, dass auf der Welt heute noch Hunger und Elend verbreitet sind, es in ĂŒber 20 LĂ€ndern Kriege gibt, der Rechtsextremismus auch in Deutschland existiert und Nationalismus und Ausgrenzung wieder wachsen“, sagte Ines Michaelis und warb, sich mutig fĂŒr Frieden, Freiheit und Demokratie einzusetzen.

Das von Katharina Dahms verfasste Gedicht „Stilles Gedenken“ wurden von Kindern der Grundschule vorgetragen. Auf deutsch und ukrainisch. Im Bild: Wowa, ein Junge aus der Ukraine, der die Grundschule in Bad Belzig besucht, trĂ€gt das Gedicht in seiner Muttersprache vor.

Das von Katharina Dahms verfasste Gedicht „Stilles Gedenken“ wurden von Kindern der Grundschule vorgetragen. Auf deutsch und ukrainisch. Im Bild: Wowa, ein Junge aus der Ukraine, der die Grundschule in Bad Belzig besucht, trĂ€gt das Gedicht in seiner Muttersprache vor.

„Machen wir uns stark fĂŒr den Frieden in Europa und weltweit und fĂŒr freie Demokratien. Zivilcourage ist heute genauso gefragt wie damals. Setzen wir uns fĂŒr eine bunte Welt ein, gegen Hetze und Fremdenhass und fĂŒr Toleranz. Und sorgen wir gemeinsam dafĂŒr, dass nicht vergessen wird“, lautete ihr Appell am Gedenkstein im GrĂŒnen Grund.

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Von BĂ€rbel Kraemer




Quelle: Inforiot.de