Dezember 11, 2021
Von Indymedia
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Gerechtigkeit verjĂ€hrt nicht: Protestkundgebung zum Geburtstag von SS-Mann Herbert W. in Melsungen Teilnehmer aus Berlin und Wuppertal https://www.hna.de/lokales/melsungen/melsungen-ort45520/gerechtigkeit-ve… 10.12.2021 HNA.de Protestkundgebung: Zum 100. Geburtstag von Herbert W. kamen Aktivisten nach Melsungen und erinnerten an die GrĂ€ueltaten des Nazi-Regimes. Aktivisten des Ensembles des Dokumentartheaters Berlin und vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege hatten zu einer kĂŒnstlerischen Protestaktion in Melsungen aufgerufen. Anlass war der 100. Geburtstag des ehemaligen SS-Mannes Herbert W. aus Melsungen. Melsungen – W. soll wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs Angehöriger einer SS-Einsatzgruppe gewesen sein. Unter anderem diese Einsatzgruppe C soll an der Tötung von 33 771 Menschen beteiligt gewesen sein. Am 29. und 30. September 1941 soll die Einsatzgruppe der Nazis das Massaker in der Schlucht von Babyn Yar bei Kiew in der Ukraine verĂŒbt haben. Den systematischen Erschießungen fielen Juden, Sinti und Roma sowie als Partisanen verdĂ€chtigte Rotarmisten und Menschen mit Behinderung zum Opfer. An der angemeldeten Demonstration vor dem Wohnhaus des 100-jĂ€hrigen Herbert W. nahmen am Freitag insgesamt etwa 20 Menschen teil. Sie gehörten den beiden Gruppierungen an, die aus Berlin und Wuppertal angereist waren. Auch Mitglieder der Liberalen JĂŒdischen Gemeinde Felsberg waren dabei. Sie stellten sich gegenĂŒber dem Wohnhaus des Mannes auf und zeigten dabei Fotos der bei dem Massaker Ermordeten. Das Ordnungsamt der Stadt Melsungen und die Polizei begleiteten die Veranstaltung, die aber insgesamt ruhig blieb. Als Demonstrationsteilnehmer laut skandierten „Mord verjĂ€hrt nicht, Herbert W.“ unterband dies der Organisator selbst, mit Hinweis auf die Bestimmungen in der Genehmigung. Stefan Stracke vom Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege aus Wuppertal rief in einer kurzen Ansprache dazu auf, auch MittĂ€ter und Gehilfen der Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Auch aus dem Ausland mĂŒsse Druck auf die deutsche Gerichtsbarkeit ausgeĂŒbt werden. Er verlangte eine Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Herbert W. Die Kasseler Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren im MĂ€rz 2020 eingestellt. Es bestehe zwar weiter der Verdacht, dass er der 3. Kompanie des Bataillons der Waffen-SS angehört hatte, aber eine Tatbeteiligung an den Erschießungen ließe sich nicht nachweisen, teilte die Kasseler Staatsanwaltschaft damals mit. Heinz Josef Seher, Vorsitzender des Dokumentartheaters Berlin, wo ein Requiem zum Thema aufgefĂŒhrt worden war, gab zum Schluss der Demonstration bekannt, dass er hoffe, dieses Requiem zur Ermordung der 33 771 Menschen auch in Melsungen und Kassel auffĂŒhren zu können. Weiterhin teilte er mit, dass am Freitagabend ein Antrag zur Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen Herbert W. per Fax bei der Staatsanwaltschaft Kassel eingehen werde. Frederik Joel Willing von der Liberalen JĂŒdischen Gemeinde in Felsberg dankte den Teilnehmern fĂŒr ihr Kommen. „Die Erinnerung an die Toten darf nie vergehen. Diese Demo ist eine Mahnung an die heutigen Nationalsozialisten und Rechten. So etwas darf nie wieder passieren.“ W. hatte zwar zugegeben, dass er bei den entsprechenden Einheiten stationiert war. Als SanitĂ€ter der Kompanie, aber nicht an den Mordaktionen beteiligt war. In einem Interview bei dem Magazin Kontraste soll er unter anderem gesagt haben: „Ich habe nichts zu verbergen. Was gewesen ist, ist gewesen, ist vorbei.“ Das AktionsbĂŒndnis ist anderer Meinung: „Vorbei ist gar nichts. Mord und auch Beihilfe zum Mord verjĂ€hren nicht“ Sie verlangen eine Wiederaufnahme. Es könne nicht sein, dass W. von den Tötungen nichts mitbekommen habe, hieß es. Die Tötungen seien in der Nazizeit als Erfolg gefeiert worden. Die Regisseurin des Requiems, Marina Schubert aus Berlin, hatte eine Dokumentation dabei, in der Fotos vieler Ermordeter abgebildet waren und eine Aufnahme vom Kameradschaftsabend einer Tötungseinheit, wĂ€hrend sie die Erfolge des Tages feiern. (Helmut Wenderoth) Grussbotschaft von Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Centrum ln Jerusalem 80 years have passed since the horrific crimes of Einsatzgruppe C were committed in Ukraine. 80 years since 33,771 innocent Jews and other “enemies of the Reich” were brutally slaughtered at Babi Yar by Einsatzgruppe C and their Ukrainian collaborators. But the passage of time in no way diminishes the guilt of the murderers and their accomplices. And old age should not afford protection for merciless killers. Herbert Wahler may think that “What has been, has been, it’s over,” as he told the ARD journalists from Kontraste, but as long as any of the men and women from the Einsatzgruppen, death’s head units, and anyone who served in the concentration camps where so many innocent human beings were murdered are alive, they cannot be allowed to live their lives in peace and tranquility. That is a privilege they denied their victims. They must be held accountable! Even if they were not officers or had high ranks. In death squads and death camps, there is no such thing as “a small cog.” It’s the “small cogs,” who ensured the implementation of the “Final Solution,” and they must be held accountable. I wish I could personally stand together with you today in Melsungen, but be aware that you are not standing alone. Many people all over the world support the call for justice and accountability and your cry on behalf of the victims!!! From Jerusalem, I send you their solidarity, and wish you “Chazak ve-ematz,”(Be strong and courageous), and don’t give up! Dr. Efraim Zuroff Simon Wiesenthal Center »Gerechtigkeit kommt nie zu spĂ€t« Einladung zur Kundgebung beim SS-Mann und Mitglied der Einsatzgruppe C Herbert Wahler 10.12.2021 um 15:00 Uhr in Melsungen, Steinrutsche 1. AnlĂ€ĂŸlich seines heutigen 100-jĂ€hrigen Geburtstages versammeln wir uns am 10. Dezember 2021 im hessischen Melsungen beim SS-Mann Herbert Wahler. Wir sind das Ensemble des Dokumentartheaters Berlin. Zum achtzigsten Jahrestag des Massakers von Babyn Yar haben wir am 29. und 30. September 2021 in Kiew gespielt. Es sind die zwei Tage, an denen 33771 jĂŒdische Menschen von den Nazis 1941 in der Schlucht von Babyn Yar ermordet wurden. Zum ersten Mal seit 80 Jahren wurde dieses Thema in einer deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit recherchiert und wurde im November nun auch in Berlin mit beiden Ensembles auf die BĂŒhne gebracht. Unserer kĂŒnstlerischen Protestaktion in Melsungen haben sich auch Aktivist*innen des AK Angreifbare Tradtionspflege angeschlossen. Und wir fahren heute gemeinsam nach Melsungen zu einer besonderen Geburtstagsfeier. Wir wollen dem Angehörigen der Einsatzgruppe C an seinem 100. Geburtstag mit den Mordtaten seiner Einheit konfrontieren. Die Massenmorde in Shitomir, in der Schlucht von Babyn Yar und an vielen anderen Tatorten sind unvergessen! Und wir wollen dafĂŒr sorgen, dass das gegen ihn eingestellte Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zum Mord wieder aufgenommen wird. Zu den „TĂ€tigkeiten“ von Herbert Wahler, SS-Mann und Ehrenmitglied des Handball-Bundesligisten MT Melsungen Herbert Wahler, geboren am 10.12.1921, kam am 30. Juli 1941 als 19 jĂ€hriger SS-Mann zur (neubenannten) 3. Kompanie des Bataillons der Waffen SS z.b.V. ins ukrainische Shitomir. Diese Kompanie bestand aus etwa 100 zum Teil sehr jungen Soldaten der Waffen-SS. Ende Juli 1941 wird diese 3. Kompanie des Bataillons der Waffen SS z.b.V. in Shitomir fĂŒr 3 Monate der Einsatzgruppe C und in kleinen Teilen der Einsatzgruppe D zugeteilt. In der Schlucht von Babyn Yar wie auch in anderen Teilen der Ukraine mordet die Einsatzgruppe C. Sie besteht aus nur etwa 700 MĂ€nnern, die sich ĂŒber ein großes Gebiet in motorisierte Unterkommandos aufteilen. Es sind hochmobile Mordkommandos, die das Land in Blut trĂ€nken. Systematisch erschießen sie in den eroberten Gebieten Juden, aber auch Sinti und Roma, als Partisanen VerdĂ€chtige, Rotarmisten und Behinderte. Historiker*innen konnten rekonstruieren, wie sich die Einsatzgruppen mit ihren einzelnen Kommandos im rĂŒckwĂ€rtigen Gebiet Stadt fĂŒr Stadt, Dorf fĂŒr Dorf vornahmen.Von Ende Juli bis Ende Oktober 1941 tötet die Einsatzgruppe C und mit ihr die Angehörigen der 3. Kompanie des Bataillons der Waffen SS z.b.V. mindestens 78.000 Menschen. Bereits am 7. August 1941 erlernten die neuen Soldaten in Shitomir das Morden. 400 Juden sollten getötet werden. Das Exekutionskommando stellte die 3. Kompanie des Bataillons der Waffen-SS z.b.V. Eine Zeuge berichtet: „ZunĂ€chst wurde jeweils eine Gruppe von bis 12 Juden mit dem Gesicht zu den SchĂŒtzen am Rand einer vorbereiteten Grube aufgestellt. Dann gab der ZugfĂŒhrer des Waffen-SS-Zuges Feuerbefehl. Die Opfer fielen nach hinten in die Grube. Viele der Opfer waren nicht gleich tot, weil die 19 und 20 Jahre alten SchĂŒtzen aufgeregt, schlecht trafen. [
] Als Ergebnis der Besprechung erging der Befehl an die SchĂŒtzen, beim weiteren Fortgang der Exekution KopfschĂŒsse abzugeben. Dies fĂŒhrte dazu, dass bei den so getroffenen Opfern SchĂ€deldecken hochflogen und die Gehirnmasse herumspritzte und zum Teil auch die Beteiligten traf. So wurde die Erschießungsart erneut geĂ€ndert.“ Vom 8.8.-19.8.1941 kommt es in Bjelaja-Zerkow zur Erschießung von 500 Juden und JĂŒdinnen. „Die Erschießung erfolgte durch den Zug der 3. Kompanie des SS-Bataillons z.b.V. unter Mithilfe der ukrainischen Miliz.“ Nach der Ereignismitteilung der Mörder vom 20.8.1941 war die 3. Kompanie des SS-Bataillons z.b.V. in Brussiloff tĂ€tig: „Unter Hinzuziehung eines Zuges Waffen-SS wurden in Brussiloff 29 Kommunisten und 5 Agenten des NKWD festgestellt und an Ort und Stelle liquidiert..Auf dringenden Hilferuf des Ortskommandanten in Radomysl begab sich eine Abteilung mit einem Zug Waffen-SS dorthin, wo geradezu untragbĂ€re VerhĂ€ltnisse angetroffen wurden. [
] Im Zuge dieser Aktion wurden ingesamt 113 Personen erschossen.“ Im August/September 1941 wurden in Wassilkow 200 Juden und 60 „Geisteskranke“ erschossen. „Am Abend meldete dann der OberscharfĂŒhrer JĂ€ger [mit dem 3. Zug der 3. Kompanie], dass er mit seinem Zug 200 Juden zusammengetrieben und erschossen habe.“ 2 Tage spĂ€ter erschoss der Zug von JĂ€ger 60 „geisteskranke“ Frauen. Am 6.9.1941 meldeten die Mörder die Erschießung von 1.107 Juden in Radomysl. TĂ€ter sind 20 Stammangehörige des Sonderkommandos SK 4 a, ein Halbzug der 3. Kompanie des Polizeibataillons 9 und zugeteilte Angehörige der 3. Kompanie des Waffen-SS-Bataillons z.b.V. Am 19.9.1941 kehrten die Mörder nach Shitomir zurĂŒck und töten noch einmal 3.145 jĂŒdische MĂ€nnern, Frauen und Kindern. Die Mörder rekrutierten sich aus dem SK 4a einschl. dem Kommando zugeteilten Teile der 3. Kompanie des Waffen-SS Bataillons zb.V. Das bekannteste Massenverbrechen der Einsatzgruppe C fand an zwei Tagen in der Schlucht von Babyn Yar bei Kiew statt: Unter der Beteiligung der 3. Kompanie des Bataillons der Waffen SS z.b.V. wurden am 29.9 und 30.9.1941 33.771 Juden und JĂŒdinnen ermordet. Herbert Wahler will als Angehöriger dieser Einheit von all diesen Morden nichts mitbekommen haben. In dem Fernsehinterview mit „Kontraste“ aus dem Jahre 2017 rĂ€umte er zwar – unvorsichtigerweise – ein, dass er u.a. in Kiew stationiert war. SpĂ€ter ließ er mitteilen, er sei als SanitĂ€ter seiner Kompanie nicht an den Mordaktionen beteiligt gewesen. Wahler ist sich offensichtlich sicher, dass man ihn nach 80 Jahren nichts mehr nachweisen kann: Im Kontraste-Interview sagte er sehr selbstbewusst: „Also wenn sie mich ausfragen wollen, da haben sie Pech. [
] Ich habe auch nichts zu verbergen. Und von mir werden sie gar nichts hören. Nein, nichts. Schluss. Was gewesen ist, ist gewesen, ist vorbei.“ Wir sagen hingegen hier und heute: Vorbei ist gar nichts! Mord und auch Beihilfe zum Mord verjĂ€hren bekanntlich nicht. Die „JĂŒdische Allgemeine“ fragte vor ein paar Tagen den Opferanwalt und Ex-Chefermittler der Ludwigsburger Zentralstelle Thomas Walther nach der Legitimation von spĂ€ten NS-Prozessen. Die JA titelte »Gerechtigkeit kommt nie zu spĂ€t« und fragte Walter folgendes: „Jahrzehntelang hat die deutsche Justiz als Voraussetzung fĂŒr eine Verurteilung wegen Beteiligung am Holocaust den Beweis einer konkreten Tatbeteiligung gefordert. Seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) 2016 zum sogenannten »Buchhalter von Auschwitz«, Oskar Gröning, genĂŒgt es fĂŒr eine Verurteilung, Teil der Vernichtungsmaschinerie eines NS-Konzentrationslagers gewesen zu sein. Was kann die strafrechtliche Aufarbeitung des Holocaust noch leisten? Walter antwortete: Jene »konkrete« Tatbeteiligung ist nicht das, was das Gesetz verlangt. AusdrĂŒcklich ist jede UnterstĂŒtzung einer Haupttat eine »Beihilfe«. Diese UnterstĂŒtzung kann auf unterschiedlichste Art und Weise geleistet werden. [
] Teil der Maschinerie zu sein, genĂŒgte bei allen anderen Delikten seit einer Ewigkeit, nur nicht bei NS-Verbrechen. Wer etwa Teil der BankrĂ€uber-Bande ist und das Fluchtauto »tuned« oder wer »pfeift, wenn die Bullen kommen«, unterstĂŒtzt die Haupttat.“ (JĂŒdische Allgemeine vom 8.12.2021) All dass mĂŒsste fĂŒr alle Angehörigen dieser Einsatzgruppen, dieser mobilen Mordeinheiten, schon lange gelten. Wir setzen uns fĂŒr die Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens gegen Wahler ein, fĂŒr ein Verfahren, dass die neue RechtseinschĂ€tzung endlich auch auf alle Angehörigen der Einsatzgruppen ausdehnt. VerstĂ€rken wir den Druck! Die Opfer von Shitomir, Wassilkow, Radomysl, Bjelaja-Zerkow, Brussiloff, Babyn Yar und allen anderen Tatorten dĂŒrfen nicht vergessen werden! P.S. Wir hoffen, das wir, das Dokumentartheater Berlin, sobald die Coronazahlen es wieder zu lassen, vielleicht auch in Melsungen oder in Kassel am Sitz der Staatsanwaltschaft unser StĂŒck „Babyn Jar- ein Requiem“ auffĂŒhren können. Kontakt: Dokumentartheater Berlin fdokumentartheater@gmail.com AK Angreifbare Traditionspflege erinnern-heisst-handeln@web.de Hintergrundinfos: Massenerschießung von Juden ungesĂŒhnt – Mutmaßlich beteiligte SS-Angehörige bleiben ohne Strafe, ARD-Magazin Kontraste, Sendung vom 28.09.2017 https://www.youtube.com/watch?v=2Y2oITO-ln8 https://www.thejc.com/…/last-member-of-babyn-yar-sshttps://jungle.world/…/16/ungesuehnte-massenerschiessung https://jungle.world/artikel/2017/42/zoegerliche-justiz




Quelle: De.indymedia.org