November 29, 2021
Von FAU Flensburg
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Italienische Arbeiter protestieren gegen den Umgang einer Druckerei mit pakistanischen Arbeitern.

Das Wort »Sklavenhaltung« gehört eigentlich in ein anderes, lĂ€ngst vergangenes Zeitalter. Heute gibt es so etwas nicht mehr – und schon gar nicht in einem zivilisierten, europĂ€ischen Land wie Italien. Oder etwa doch? Die Ereignisse, die die Druckerei Grafica Veneta betreffen, die ihren Sitz in Norditalien bei Padua hat, beweisen leider das Gegenteil. Das in den frĂŒhen 1960er Jahren gegrĂŒndete Familienunternehmen, das den Druck von BĂŒchern, Katalogen und Magazinen anbietet und fĂŒr etliche große Verlage arbeitet, zĂ€hlt zu den fĂŒhrenden in Europa.

Bekannt wurde die Geschichte im Mai 2020, als auf einer Landstraße ein Pakistaner aufgefunden wurde: die HĂ€nde auf dem RĂŒcken gefesselt und ĂŒbersĂ€t mit Blessuren, die ganz offensichtlich zeigten, dass der Mann ĂŒbel verprĂŒgelt worden war. Wenig spĂ€ter wurde bekannt, dass mindestens neun weitere MĂ€nner, alle ebenfalls Pakistani, das gleiche Schicksal erleiden mussten.

Die Justiz setzte sich in Gang und im Juli dieses Jahres wurden zwei hohe Manager der Grafica Veneta und sieben weitere Mitarbeiter der Druckerei verhaftet, weil sie gewusst und bewusst ignoriert haben sollen, dass einige Werksarbeiter wie Sklaven ausgebeutet und »gehalten« wurden.

Sie hatten ArbeitsvertrĂ€ge, die auf den ersten Blick ganz normal erschienen: 1100 Euro monatlich fĂŒr einen regulĂ€ren Acht-Stunden-Tag. Dann aber stellte sich heraus, dass ihnen monatlich ungefĂ€hr die HĂ€lfte des Geldes fĂŒr nicht weiter definierte »Dienstleistungen« abgezogen wurden. So musste jeder dieser Werksarbeiter 120 Euro »Miete« fĂŒr ein Bett in einem stinkenden und baufĂ€lligen Haus ohne wirkliche hygienische Einrichtungen bezahlen. Der reale Stundenlohn lag bei weniger als fĂŒnf Euro; die Arbeitszeit betrug mindestens zwölf Stunden pro Tag und das sieben Tage die Woche, ohne Feiertage und ohne Urlaub. Als »Arbeitsvermittler« agierten zwei Italiener pakistanischer Herkunft.

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Quelle: Fau-fl.org