November 12, 2020
Von FAU Bielefeld
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So Ă€ußerte sich eine Mitarbeiterin der Oetker-Tochter „Durstexpress GmbH“ in Leipzig. Was war geschehen? Was geht uns das in Bielefeld an?

Offener Brief an die Dr. August Oetker KG, Bielefeld

Bielefeld, 12.11.2020

Bei dem GetrĂ€nkelieferdienst „Durstexpress“ in Leipzig arbeiten ca. 600 Kolleg:inn:en in der GetrĂ€nkeauslieferung, davon ca. 50 TeilzeitkrĂ€fte in der Kommissionierung. Nachdem noch vor wenigen Wochen infolge der Covid-19-Pandemie auch die Durstexpress-Mitarbeiter:innen zu „Essential Workers“ erklĂ€rt und beklatscht wurden, erfolgte zu Oktober eine KĂŒrzung der angebotenen Arbeitsstunden fĂŒr Teilzeit-Kommissionierer:innen um 60 %. Einige Mitarbeiter:innen können dadurch seit Oktober nicht einmal die ihnen garantierten Wochenstunden arbeiten. Die Lohneinbußen der Oktoberabrechnung sind fĂŒr einige Kolleg:innen existenzbedrohend. Gleichzeitig wurden Gewerkschaftsvertreter:innen der FAU Leipzig vom Standortleiter Patrick G. widerrechtlich des GelĂ€ndes verwiesen, gewerkschaftliches Informationsmaterial verboten und eingesammelt.

Insbesondere den Teilzeit-Kommissionierer:innen drohen durch die aktuelle ArbeitszeitkĂŒrzung finanziell der Ruin, da sie teilweise keine weitere Einkunftsquellen haben. Die neuen ArbeitsvertrĂ€ge ermöglichen es ihnen, fĂŒr bis zu 1300 Euro im Monat zu arbeiten, garantieren aber kaum Mindeststunden. Des Weiteren ist zu befĂŒrchten, dass Durstexpress einen Teil ihrer Lohnarbeiter*Innen so zur KĂŒndigung drĂ€ngen will, wodurch Personalkosten gespart werden sollen, die sogenannte kalte KĂŒndigung.

Dies ist nicht die erste Schikane gegenĂŒber einer Organisierung von Arbeiter:innen in Filialen des „Durstexpresses“. In der Zentrale in Berlin wurden Kolleg:inn:en gekĂŒndigt, die sich am Aufbau eines Betriebsrates beteiligten.
Diese anti-gewerkschaftliche Haltung des Unternehmensleitung konnte die Kolleg:inn:en in Leipzig nicht davon abhalten, mit Hilfe der FAU Leipzig eine Betriebsgruppe zu grĂŒnden, um gegen diese Maßnahmen gemeinsam vorzugehen.

Die Forderungen der Leipziger Kolleg:inn:en an die Unternehmensleitung:

* Gewerkschafts- und Koalitionsfreiheit mĂŒssen geachtet werden
Zugang von Gewerkschaftsvertreter*innen auf den Betrieb und offene Verteilung von gewerkschaftlichem Informationsmaterial. Keine BekÀmpfung oder Benachteiligung von Kolleg*innen aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung und BetriebsgruppentÀtigkeit.

* Schichtsicherung und SchichtplanÀnderungen nur bis sieben Tage vor Schichtbeginn
Aktuell werden ohne AnkĂŒndigung Schichten kurzfristig zum Schichtplan hinzugefĂŒgt oder gebuchte Schichten gecancelt. Teilweise 24h Stunden vorher. Eine sichere Planung des Lebensalltags ist so nicht möglich.

* Entfristungen aller VertrÀge
Aktuell werden alle VollzeitbeschĂ€ftigten sachgrundlos befristet eingestellt. Durch die Probezeit hat der Arbeitgeber bereits ausreichend Zeit zu ĂŒberprĂŒfen, ob das ArbeitsverhĂ€ltnis funktioniert. Kettenbefristungen fĂŒhren nur zur Unsicherheit bei der Belegschaft. Dadurch werden die BeschĂ€ftigten ĂŒber zwei Jahre in ein prekĂ€res LebensverhĂ€ltnis gedrĂ€ngt.

* Mindestens 12,50 € pro Stunde, sowohl fĂŒr Kommissionierer*innen als auch fĂŒr Fahrer*innen

* PĂŒnktliche und korrekte Bezahlung
Aktuell kommt es immer wieder zu Problemen bei der Lohnzahlung. Vor allem bei den TeilzeitkrĂ€ften. Eine regelmĂ€ĂŸige korrekte Bezahlung muss Standard werden!

* Keine kalte KĂŒndigung – Mindeststunden mĂŒssen sofort nachgezahlt werden
Durch die SchichtkĂŒrzungen kam es zu finanziellen Nöten bei einigen beschĂ€ftigen. Dies kommt einer kalten KĂŒndigung gleich, da diese dazu genötigt werden das ArbeitsverhĂ€ltnis zu beenden, um einen Arbeitsplatz zu suchen, der fĂŒr Ihren Lebensunterhalt garantiert. Die durch Annahmeverzug von Durstexpress entstandenen Lohndifferenzen mĂŒssen sofort nachbezahlt werden.

Wir fordern die Inhaberin des Durstexpresses, die August Oetker KG, auf, zu den VorwĂŒrfen und den Forderungen der Leipziger Kolleg:inn:en Stellung zu nehmen.

Sollte sich die Unternehmensleitung nicht Ă€ußern, gehen wir von einem stillschweigenden EinverstĂ€ndnis mit den Maßnahmen der Leitung des Durstexpresses gegen die Kolleg:inn:en und unsere Gewerkschaft aus.
Wir werden als FAU Bielefeld die Kolleg:inn:en im Werk in Bielefeld, den Betriebsrat und die Öffentlichkeit ĂŒber diese skandalösen und unsolidarischen VorgĂ€nge informieren.

Über eine Stellungnahme Ihrerseits wĂŒrden wir uns sehr freuen,

mit gewerkschaftlichen GrĂŒĂŸen,

I.Wellmann, SekretÀrin der FAU Bielefeld

aktuelle Updates von der FAU Leipzig zum Arbeitskonflikt findet ihr HIER




Quelle: Bielefeld.fau.org