September 1, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Den nachfolgenden Text haben wir von Sanaz erhalten. FĂŒr den gesamten Beitrag gilt eine Inhaltswarnung ĂŒber Gewalt, Folter und Mord.

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Lesbische, homo- und bisexuelle, sowie Trans*Menschen gehören in der Islamischen Republik Iran zu einer der am stĂ€rksten unterdrĂŒckten Gruppen. Sie sind schweren Menschenrechtsverletzungen und weit verbreiteter Diskriminierung ausgesetzt. Hochrangige Regierungsbeamt*innen bezeichnen diesen Teil der Gesellschaft mit hasserfĂŒllten Begriffen wie „die Niedrigen“ und „die Kranken“. Es ist noch nicht lange her, dass Emad Baghi, einer der prominentesten Menschenrechtsaktivisten im Iran, ein gestelltes Foto von zwei auslĂ€ndischen Homosexuellen öffentlich als ekelhaft bezeichnete. Nach negativem Feedback von Twitter-Nutzer*innen, bekam er von Medien wie der persischen BBC, sieben Minuten Zeit, um seine homophoben Behauptungen zu wiederholen.

HomosexualitĂ€t kann in einigen FĂ€llen sogar mit der Todesstrafe bestraft werden. FĂŒr KĂŒssen und gegenseitiges BerĂŒhren sind Peitschenhiebe vorgesehen. Durch die Kriminalisierung homosexueller Handlungen wird jegliche Form von Gewalt sowohl durch Regierungsbeamte als auch durch zivile Personen legitimiert wie z. B. die Anwendung von Folter, SchlĂ€gen und Vergewaltigung.

Laut einer Studie sind mehr als 62 % der LGBT-Personen im Iran Opfer von hĂ€uslicher Gewalt und mehr als 70 % von ihnen haben Selbstmord in ErwĂ€gung gezogen. Die große Mehrheit der sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten ist im Iran einer oder mehreren Formen von Gewalt durch Familienmitglieder ersten Grades, Verwandte und Bekannte ausgesetzt. Fast 30 % von ihnen haben sexualisierte Gewalt und mehr als 77 % körperliche Gewalt erfahren. Des weiteren wurden mehr als 38 % von ihnen zu einer Zwangsheirat genötigt. Allerdings haben 68% dieser Opfer aus Angst vor staatlicher Gewalt sich nie oder nur selten an die Justiz und die Polizei gewandt. 19 % der Opfer wurden auch von Mitarbeiter*innen der Polizei oder der Justiz misshandelt.

Die Wenigen, die die erfahrene Gewalt durch ihre Familien oder ihrer Umgebung der iranischen Justiz und Polizei gemeldet haben, wurden aufgrund ihrer GeschlechtsidentitĂ€t, sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechtsausdrucks von der Polizei verhaftet und waren auch nach ihrer Verhaftung körperlicher und verbaler Gewalt oder sexualisierten Übergriffen ausgesetzt. Im Allgemeinen werden iranische Leben, Schwule, Bisexuelle und Trans*Personen regelmĂ€ĂŸig auch von staatlicher Seite aus schikaniert und im Falle einer Verhaftung eines fairen Verfahrens beraubt.

DarĂŒber hinaus zwingt die iranische Regierung lesbische Frauen und schwule MĂ€nner systematisch dazu, sich einer Geschlechtsumwandlung zu unterziehen. So werden beispielsweise schwule MĂ€nner zu Operationen oder Hormoneinnahmen gezwungen, weil davon ausgegangen wird, dass sie eigentlich Frauen seien. Die psychologischen und körperlichen Folgen dieses Vorgehens sind fĂŒr die Betroffenen verheerend. Des weiteren werden LGBT-Personen in der Islamischen Republik Iran zwangssterilisiert.

Der Iran ist heute eines von 76 LĂ€ndern auf der Welt, die Strafen fĂŒr LGBT-Menschen (meist schwule MĂ€nner und lesbische Frauen) vorsehen. Dazu gehören GefĂ€ngnisstrafen, Auspeitschen, Geldstrafen und die Todesstrafe. In nur fĂŒnf LĂ€ndern weltweit ist die Todesstrafe fĂŒr LGBT-Menschen heute noch gĂŒltig.

HomosexualitĂ€t ist in der Islamischen Republik Iran strafrechtlich verboten. Die juristische Verfolgung homosexueller Menschen gipfelt in der Todesstrafe dieser. Genaue Statistiken ĂŒber die Anzahl der Hinrichtungen von Homosexuellen sind nicht verfĂŒgbar, da viele dieser Hinrichtungen unter anderen Rubriken wie Vergewaltigung durchgefĂŒhrt werden. Zu den Sanktionen bei homosexuellen Handlungen zwischen MĂ€nnern gilt im Falle der Penetration die Todesstrafe. In FĂ€llen, in denen der Akt der Penetration nicht stattgefunden hat, betrĂ€gt die Strafe 100 Peitschenhiebe. Nach dem islamischem Strafrecht ist zum Nachweis von „Sodomie“ die vierfache Wiederholung des GestĂ€ndnisses einer Person oder die Aussage von vier gesellschaftlich angesehenen Zeugen eines Gerechten erforderlich; Richter können aber auch Beweise akzeptieren. Frauen und MĂ€dchen, die homosexuelle Handlungen zum vierten Mal begehen, werden ebenfalls zum Tode verurteilt.

Bis 2011 wurde das islamische Strafgesetzbuch verwendet, um Urteile vor Gericht gegen LGBT-Menschen im Iran zu vollstrecken, ab dem 29. Februar dieses Jahres wird das neue islamische Strafgesetzbuch gegen LGBT-Menschen umgesetzt und verwendet. Die gesetzlichen Bestimmungen zu LGBT-Menschen im neuen Gesetz sind noch immer grausam. Zumindest wird nun aber zum ersten Mal das Wort „schwul“ im Gesetzestext verwendet. Doch obwohl sich die Bedingungen in diesem Gesetz leicht geĂ€ndert haben, ist keine wirkliche Verbesserung der Situation von LGBT- Menschen damit in Aussicht. Weiterhin wird die penetrierte Person laut Artikel 233 in jedem Fall hingerichtet, und die penetrierende Person wird nur im Falle von „Gewalt, Widerwillen und Ehegattenschaft“ hingerichtet. TatsĂ€chlich wird die penetrierende Person nach dem neuen Gesetz nur dann hingerichtet, wenn er die andere Person vergewaltigt hat, verheiratet war oder mit seiner Ehefrau Sex hatte bevor er homosexueller Geschlechtsverkehr praktizierte. Des weiteren stellen homosexuellen Handlungen zwischen nicht-muslimisch und muslimischen Personen einen Grund zur Hinrichtung dar.

‱ Zwei MĂ€nner, die 1983 nach der Veröffentlichung eines Videos ihrer Beziehung zum Tode verurteilt wurden,

‱ die Nachricht von der Hinrichtung zweier Teenager aus Mashhad im Jahr 1984 wegen „Sodomie“,

‱ die Hinrichtung von zwei jungen MĂ€nnern im November 1984 wegen „Sodomie“ in Gorgan,

‱ die Hinrichtung von drei MĂ€nnern wegen „Sodomie“ in Ahvaz im Jahr 1990, ein Großteil der veröffentlichten Urteile bezog sich auf schwule MĂ€nner.

In der Regel wird ĂŒber die Ermordung und Folterung von Homosexuellen im Iran nicht öffentlich berichtet. Die Berichterstattung ĂŒber die Hinrichtung eines jungen schwulen Mannes, Alireza Fazeli, durch seine Familie im Juni 2021, stellt eine Ausnahme dar.

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Weitere LektĂŒre zur Situation im Iran:

https://anarchistnews.blackblogs.org/2020/08/20/iran-november-2019-eine-beispiellose-massive-revolte-mit-blut-unterdrueckt-lass-es-hochgehen-diese-menschen-ohne-ein-laecheln/

https://crimethinc.com/2020/01/08/against-all-wars-against-all-governments-the-real-danger-of-the-conflict-with-iran

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Quelle: Schwarzerpfeil.de