November 14, 2020
Von Indymedia
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Denn es gibt trotzdem noch Probleme: Es parken Cops öfter an unserem Camp, laufen teilweise ohne Helm zu zweit durchs Camp, arbeiten auch ohne Helme während Räumungen, und bauen (ungestört) ein Riesenlager am Waldeingang.

Das heißt bisher können die Bullen unser Zuhause leider noch relativ ungestört zerstören, es gibt vor allem viel zivilen Ungehorsam. Ab und zu fliegen auch Steine oder Scheißeeimer auf Bullen, aber koordinierte Angriffe sind selten. Der Hambi wäre nicht erfolgreich verteidigt worden, wenn nicht Autonome Gruppen die Rodungen, Secus und Bullen mit Zwillen, Silvesterraketen und heftigerem angegriffen hätten – das fehlt hier.

Obwohl Diversity of Tactics eigentlich Konsens ist in der Besetzung, gibt es einfach nicht so viele Leute, die Erfahrung damit haben; viele trauen sich auch nicht. Aber sie merken langsam, dass wir diesen Wald ohne wirksame Militanz nicht retten können. Gewaltlosigkeit führt zu Waldlosigkeit.

Grundsätzlich ist Militanz im Wald leichter als in Städten:

  1. Anonymität ist viel einfacher, und damit Repression oft wirkungslos. Sie können niemanden nach einer Demo nach Hause beschatten. Ihr seid nicht daheim, wo die Cops schon die ganze Szene kennen und euer Klarname an der Tür steht. Es gibt keine Überwachungskameras an jeder Ecke. Niemand wundert sich über vollvermummte Leute und waschresistent bemalte Gesichter im Alltag. Viele haben konstant die Fingerkuppen und Handflächen zwei Hautschichten weit eingeritzt und Sekundenkleber draufgeschmiert, damit die keine Fingerabdrücke nehmen können.

  2. Mit Personalienverweigerung kommen sie nicht so gut klar, gerade wenn viele Leute gleichzeitig Personalien verweigern. In Hessen dürfen die Cops euch nur maximal bis 24 Uhr des Folgetags in Gewahrsam behalten, um eure Identität festzustellen, also bis zu 48 Stunden. (Achtung: das gilt nur bei harmlosen Sachen wie Hausfriedensbruch oder irgendwelchen Ordnungswidrigkeiten; sonst können sie eins noch in U-Haft stecken. Und es ist nie auszuschließen, dass sie euch anderer Leute Straftaten vorwerfen.)

  3. Im Wald kann eins sich gut verstecken. Alles was ihr braucht: Ein Bisschen grüne und braune Klamotten zur Tarnung, feste Schuhe ohne reflektierende Flächen, etwas Übung beim Schleichen und die Ruhe, euch tatsächlich still zu verhalten.

  4. Im Wald kann mensch viel leichter wegrennen als in der Stadt. Cops können nicht so besonders viel im Unterholz. Ihre Fahrzeuge kommen nicht durch, und schnelles Reiten unter Ästen ist auch eher semi-spaßig. Ihre Rüstungen sind schwer und unbeweglich, sie können niemensch in engen Straßenzügen kesseln denn es ist in alle Richtungen Platz, es gibt keine Straßennamen zur Orientierung. Sie sind einfach nicht gut darauf vorbereitet, im Wald zu kämpfen. Sobald ihr im Unterholz ernsthaft Vorsprung habt, folgen sie euch in der Regel nicht – allein schon, weil sie nicht wissen, wer sich hinter dem nächsten Baum versteckt. Und solchen Ängsten Nahrung zu geben, kann ein richtig schönes Hobby werden……

  5. Es gibt richtig viele interessante Ziele. Die Cops haben hier eine Menge Bau- und Rodungsmaschinen, Harvester, Bulldozer, Hebebühnen, ziemlich viel teuren Scheiß. Und die Firmen, die die an die Cops verleihen, sind vielleicht ja auch bei euch in der Nähe…

Also kommt her, überlegt euch einen Waldnamen, versteckt euren Ausweis irgendwo, schreibt euch die EA-Nummer auf den Arm (+49 641 201099540), und sucht euch einen Schlafplatz im Wald oder Camp. Hier die Packliste von der Website, zur Vollständigkeit.

Noch so ein paar nützliche Infos zur Vorbereitung:

Es gibt Shuttles zwischen dem Bahnhof Stadtallendorf und dem Danni, aber auch immer wieder mal Kontrollen. Ihr könnt darauf bestehen, dass ihr auf dem Weg zur Mahnwache Dannenrod seid, das ist eine angemeldete Kundgebung. Das heißt, dass die Kontrolle rechtswidrig ist, weil auf Versammlungen oder dem Weg dahin kein Polizeirecht gilt. Aber klar ignorieren sie das wahrscheinlich, also weicht ihnen lieber aus.

Bezüglich Corona – wir sind alle sowieso konstant an der frischen Luft und meistens vermummt, das heißt die wichtigsten Übertragungswege sind kaum möglich. Wäre natürlich trotzdem wichtig, dass ihr keine akuten Symptomen habt und möglichst sichergeht, nicht ansteckend zu sein, wenn ihr herkommt. Krätzefälle gibts ab und zu; passt vielleicht etwas auf, auf welche Sofas ihr euch setzt, mit welchen Menschen ihr kuschelt, und nehmt eigene Schlafsäcke mit. Tendenziell scheint Krätze seit der Coronapandemie weniger verbreitet zu sein, die Maßnahmen helfen ja gegen beides.

Wir haben eine Küfa in Dannenrod eingerichtet, die die ganze Besetzung bekocht. Wenn ihr gerade nicht soviel Bock auf Polizeikontakt habt, oder das sowieso eher euer Ding ist, bringt euch da gerne ein! Repro-Arbeit ist mindestens so wichtig wie selber Aktionen zu machen. Und ihr kriegt den Dank der ganzen Besetzung. Insgesamt gibt es sehr viele Aufgaben und Rollen. Kommt gern einfach vorbei und sucht euch das, was euch Spaß macht und nützlich erscheint.

Der Winter ist bis jetzt noch vergleichsweise okay, aber packt besser ein paar Schichten mehr ein, und einen warmen Schlafsack. Unser Freeshop hilft im Zweifel auch beim Aufrüsten. Wenn es zu kalt ist, kann mensch ja ein Lagerfeuer anzünden, oder eine Bullenkarre. Von denen stehen hier eh zu viele rum.

Also auf in den Danni! Zeigen wir den Cops, die aus allen möglichen Bundesländern angereist sind, was Krawalltourismus wirklich bedeutet.


Blog: https://waldstattasphalt.blackblogs.org

Twitter: https://twitter.com/keinea49

Neueste Infos bekommt ihr am besten über https://twitter.com/danniticker.




Quelle: De.indymedia.org