Dezember 3, 2021
Von InfoRiot
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Geplantes Rechenzentrum in Neuenhagen

Google-Ansiedlung in Ostbrandenburg scheitert an Wassermangel


Fr 03.12.21 | 12:46 Uhr | Von Philip Barnstorf

Kommt nach Tesla auch Google nach Ostbrandenburg? Nein. rbb-Recherchen haben ergeben: DafĂŒr ist nicht genĂŒgend Wasser da. Die immer knappere Ressource könnte das erhoffte ökonomische Wachstum in der Region ausbremsen. Von Philip Barnstorf

Am Wassermangel scheitern die PlĂ€ne des US-Unternehmen Google, ein Rechenzentrums in Neuenhagen (MĂ€rkisch-Oderland) zu bauen. Grund dafĂŒr ist, dass das Rechenzentrum nicht mit ausreichend Wasser hĂ€tte versorgt werden können. Das haben Recherchen des rbb ergeben.

Wasser reicht nicht – Rationierung droht

Das US-Unternehmen Google sucht schon seit mehreren Monaten ein GrundstĂŒck fĂŒr ein Rechenzentrum in oder um Berlin. Ein Kandidat: Das Industrie- und Gewerbegebiet Neuenhagen. Dort verlĂ€uft eine Starkstromleitung, mit der sich die Rechner besonders gut versorgen ließen. Wie der rbb aus vertraulichen Quellen erfuhr, war der Betreiber der Immobilie schon in GesprĂ€chen mit Google.

FĂŒr die Wasserversorgung wĂ€re der Wasserverband Strausberg Erkner (WSE) zustĂ€ndig gewesen, der aber ein Veto einlegte. Es gebe nicht genug Wasser in der Region. Deshalb hatte der WSE am Mittwoch entschieden, dass das Wasser fĂŒr BĂŒrger kĂŒnftig rationiert werden soll. Bis 2025 soll fĂŒr jedes GrundstĂŒck eine Maximalmenge Wasser pro Jahr festgelegt werden. Dabei soll vor allem die Zahl der Bewohner ausschlaggebend sein. Auch fĂŒr Unternehmen im Verbandsgebiet soll es Kontingente geben.

TatsĂ€chlich weist der Verband seit Jahren auf drohende VersorgungsengpĂ€sse hin, weil im Sommer weniger Regen fĂ€llt und außerdem immer mehr Menschen und Unternehmen in die Region ziehen. Die Tesla-Ansiedlung und ein in Strausberg geplantes Rechenzentrum der Bundeswehr hĂ€tten diese Sorge noch verschĂ€rft.

Auch wenn der Name Google nicht fiel, kam das Thema auf der letzten Verbandsversammlung des WSE am Mittwoch zur Sprache. Christiane FĂ€lker von der Neuenhagener Bauverwaltung monierte, dass es wegen der Wasserknappheit “nicht mehr möglich ist, ein Rechenzentrum anzusiedeln”. WSE-Chef Andre BĂ€hler bestĂ€tigte das: “Wir haben diskret eine Anfrage dazu erhalten und haben die abschlĂ€gig entschieden.” Dass es sich dabei um Google handelt, bestĂ€tigten mehrere Quellen, die nicht genannt werden wollen, gegenĂŒber dem rbb.

1,3 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr

Auf Nachfrage erklĂ€rte Christiane FĂ€lker, dass mit dem Rechenzentrum etwa 100 ArbeitsplĂ€tze entstanden wĂ€ren. BĂŒrgermeister Ansgar Scharnke (parteilos) sprach in diesem Kontext am Freitag sogar von bis zu 300 neuen Jobs. Er betonte zugleich, dass die Gemeinde keine Verhandlungen mit möglichen Nutzern des Rechenzentrums gefĂŒhrt habe. Es sei jedoch davon auszugehen, “dass Rechenzentren dieser GrĂ¶ĂŸenordnung nur von einigen wenigen internationalen Großunternehmen betrieben werden”, hieß es am Freitag. Und solche “Rechnerfarmen” mĂŒssten mit Wasser gekĂŒhlt werden. Dadurch hĂ€tte das Zentrum mit 1,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr Ă€hnlich viel Wasser verbraucht wie die Tesla-Fabrik im nahen GrĂŒnheide.

Offensichtlich reicht das Wasser zwischen Strausberg und Erkner, in diese Region fĂ€llt auch Neuenhagen, derzeit fĂŒr keine weitere Industrie-Ansiedlung mit diesem Wasserverbrauch. Das Land hat inzwischen einen Auftrag zur Erkundung von unterirdischen WasservorrĂ€ten in Hangelsberg ausgeschrieben. Aber selbst wenn sich dieses Wasser als geeignet erweisen sollte, dĂŒrfte es Jahre dauern, bis es mit einem neu zu bauenden Wasserwerk gefördert werden kann.

Google wollte den Vorgang auf Nachfrage nicht kommentieren.

Signal an Potsdam

DarĂŒber hinaus teilte Scharnke mit, dass die Gemeinde Neuenhagen einer SatzungsĂ€nderung des Wasserverbands zugestimmt habe. Damit könnten nur bei NeuvertrĂ€gen SpitzenverbrĂ€uche bei privaten und gewerblichen Nutzern begrenzt werden, hieß es. “Dazu zĂ€hlen die tĂ€gliche RasenbewĂ€sserung, das mehrmalige BefĂŒllen von Swimmingpools im Jahr ebenso wie einige gewerbliche SpitzenverbrĂ€uche.”

Damit solle ein Signal an die Genehmigungsbehörden in Potsdam gesendet werden, “dass sowohl fĂŒr die zweite Ausbaustufe von Tesla als auch fĂŒr die Daseinsvorsorge und das Wachstum der StĂ€dte und Gemeinden Handlungsbedarf bestehe”, erklĂ€rte Scharnke. Das Land mĂŒsse seiner Pflicht zur Genehmigung höherer Entnahmemengen nachkommen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.12.2021, 16:30 Uhr

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Beitrag von Philip Barnstorf




Quelle: Inforiot.de