MĂ€rz 1, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Übersetzung eines Artikels von Radio Fragmata, erschienen bei CrimethInc

Wir schreiben hier von denselben Lockdown-Bedingungen in Athen, ĂŒber die wir schon seit Monaten berichten. Trotz der strengen Maßnahmen – oder vielleicht gerade wegen der Art und Weise, wie die Regierung diese mit einer Politik kombiniert hat, die den Tourismus und den Konsum trotz der Pandemie fördert – steigen die Infektionsraten weiter an. Die KrankenhĂ€user haben eine 89-prozentige Auslastung der Intensivstationen erreicht, um COVID-19-FĂ€lle aufzunehmen.

Ein Bett auf der Intensivstation, das nicht fĂŒr COVID-19 genutzt wird, ist von Dimitris Koufontinas belegt, einem Langzeitgefangenen aus der November 17-Gruppe. Vor ĂŒber einem Monat berichteten wir, dass er sich im Hungerstreik befand, um bessere Bedingungen zu fordern und in das Korydallos-GefĂ€ngnis in Athen verlegt zu werden, um nĂ€her bei seiner Familie und seinen Freund:innen zu sein. Seitdem befindet er sich im Hungerstreik.

Am 22. Februar bat Koufontinas die Ärzt:innen, die Infusion, die ihn mit FlĂŒssigkeit versorgt, zu entfernen, um seinen Hungerstreik auf Wasser auszudehnen. Dies könnte ihn zum ersten politischen Gefangenen machen, der in Europa an einem Hungerstreik stirbt, seit Bobby Sands (und mehreren anderen Mitgliedern der Irisch-Republikanischen Armee) im Jahr 1981. Am 23. Februar genehmigte die Staatsanwaltschaft die ZwangsernĂ€hrung von Dimitris gegen seinen Willen.

WĂ€hrenddessen nutzt die Regierung der Nea Demokratia die Pandemie weiterhin, um eine rechte Politik umzusetzen und Gegner:innen ins Visier zu nehmen. Hinter dem vornehmem Auftreten, mit dem sie sich als die neue politische Mitte zu prĂ€sentieren versuchen, ist das Gespenst der MilitĂ€rjunta, die Griechenland von 1967 bis 1974 regierte, zurĂŒckgekehrt, um das Land heimzusuchen. Diejenigen, die Griechenland heute regieren, stammen — sowohl durch Blutsverwandtschaft als auch durch politische Abstammung — direkt von den Griechen und Griechinnen ab, die mit den Nazis kooperierten, um die Juden und JĂŒdinnen aus Thessaloniki zu deportieren und die Partisanen auf dem Peloponnes und dem Pelion zu bekĂ€mpfen. Sie sind das moderne GegenstĂŒck zu denen, die mit dem US-MilitĂ€r gegen die kommunistischen Guerillas kollaborierten und Napalm einsetzten, um die WĂ€lder Nordgriechenlands zu zerstören.[1]

Die Nea Demokratia war die erste politische Partei, die auf die Junta der 1970er Jahre folgte. Sie waren schon viele Male an der Macht. Die Partei, die ihnen dieses Mal an der Macht vorausging, Syriza, hat die in sie investierten Hoffnungen dramatisch enttĂ€uscht. Infolgedessen gewann die Nea Demokratia die Mehrheit im Parlament und ĂŒberließ die griechische Gesellschaft vollstĂ€ndig der Gnade einer einzigen Partei. Ihre Kampagne basierte auf dem Versprechen an ihre rechte Basis, dass sie sich an den Linken, Anarchist:innen, revolutionĂ€ren Gruppen, Gefangenen, FlĂŒchtlingen und anderen Zielen des reaktionĂ€ren Hasses rĂ€chen wĂŒrden. Als sie an die Macht kamen, leiteten sie eine neue Ära des Policing und UnterdrĂŒckung ein, die neue Technologien, Anti-Terror-Gesetze, gerichtliche Bestrafung im US-Stil, sogenanntes „LebensqualitĂ€t“-Policing und -Ermittlungen sowie eine beispiellose Erhöhung der Finanzmittel fĂŒr den Polizeistaat und das MilitĂ€r beinhaltete. Dies hinterließ bei vielen einen Schock.

Bemerkenswert ist jedoch, dass die Bewegung trotz all dieser Herausforderungen lebendig und sichtbar bleibt. Die Menschen kÀmpfen weiter gegen alle Widrigkeiten. Angesichts dieser postmodernen Junta richten wir unsere Liebe an alle anderen auf der Welt, die mit der gleichen neoliberalen Umstrukturierung und faschistischen Gewalt konfrontiert sind.

„Einst waren es die Obersten des MilitĂ€rs – jetzt sind es die Bankiers – nieder mit der Junta.“

Dimitris Koufontinas

Dimitris Koufontinas fordert lediglich, zurĂŒck in den Keller des Korydallos-GefĂ€ngnisses in Athen verlegt zu werden, wo er 16 Jahre verbracht hat. Er möchte nĂ€her bei seiner Familie und seinem Anwaltsteam sein. Seine Forderung ist völlig im Rahmen seiner gesetzlichen Rechte (4760/2020, Artikel 3).

Koufontinas ist ein angeklagtes Mitglied der RevolutionĂ€ren Organisation 17. November (N17), einer bewaffneten Gruppe, die zwischen 1975 und 2002 Stadtguerillataktiken anwandte. N17 entstand als Reaktion auf die von der Junta durchgefĂŒhrten Tötungen und nahm ihren Namen von dem Datum 17. November 1973, als staatliche KrĂ€fte das Tor der Polytechnischen UniversitĂ€t in der Nachbarschaft von Exarchia mit einem Panzer stĂŒrmten und 24 Menschen ermordeten, darunter drei Jugendliche und ein fĂŒnfjĂ€hriges Kind. Als sich die Gruppe auflöste, stellte sich Koufontinas freiwillig und erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

WĂ€hrend die GeschichtsbĂŒcher und die Nachkommen ihrer politischen Gegner[2] sie als Terroristen bezeichnen, hatte N17 wĂ€hrend ihrer gesamten Existenz ziemlich viel UnterstĂŒtzung in der griechischen Bevölkerung. Zum Beispiel begrĂŒĂŸten viele Menschen die Tötung von Evangelos Mallios, einem Polizisten, der sich unter der Junta auf Folter spezialisiert hatte, nach dem Fall der MilitĂ€rdiktatur.

Es stimmt, dass Koufontinas fĂŒr den Tod mehrerer Menschen verantwortlich ist, darunter Industrielle, in- und auslĂ€ndische MilitĂ€rangehörige, Faschisten und Bullen. Aber diese TodesfĂ€lle fanden inmitten eines erbitterten Kampfes statt, in dem viele Menschen auf beiden Seiten getötet wurden und in dem der Staat die ĂŒberwiegende Mehrheit der Gewalt anwandte. Heute leiden und sterben viel mehr Menschen an den Folgen der fremdenfeindlichen Politik des aktuellen Regimes, als jemals durch die HĂ€nde von Koufontinas starben. Die Nea Demokratia will einen PrĂ€zedenzfall schaffen, indem sie ihn sterben lĂ€sst, wĂ€hrend sie sich weigern, ihm seine gesetzlichen Rechte zu gewĂ€hren – ein PrĂ€zedenzfall, der sicherlich auf andere ausgeweitet werden wird, ob sie seine Politik teilen oder nicht. Aus diesen GrĂŒnden gibt es zwar viel ĂŒber Ethik, Strategie und Taktik zu sagen, aber das dringendste Anliegen ist es, die Auswirkungen dessen, was die Regierung tut, zu erkennen und internationale SolidaritĂ€t zu mobilisieren.

Die griechische Regierung beabsichtigt, Koufontinas sterben zu lassen, anstatt die Rechte zu ehren, zu denen sie rechtlich verpflichtet ist, ihm zu gewĂ€hren. Sie tun dies zum Teil, um eine persönliche Rechnung zu begleichen, da ein Verwandter des Premierministers von N17 getötet wurde. Sie wollen auch eine Botschaft senden, dass die Ära des bewaffneten Widerstands in Griechenland vorbei ist und Koufontinas sein letztes Gesicht sein wird. Am 23. Februar erklĂ€rte Sofia Nikolaou, die Ministerin fĂŒr GefĂ€ngnisse – die neue staatliche Gelder verwendet hat, um die GehĂ€lter der Vollzugsbeamt:innen aufzublĂ€hen, anstatt SchutzausrĂŒstungen fĂŒr die Gefangenen bereitzustellen, obwohl COVID-19 in griechischen GefĂ€ngnissen grassiert – dass Koufontinas sich selbst zum Opfer macht, dass die wahren Opfer diejenigen sind, die er ermordet hat. Dies deutet darauf hin, dass die Entscheidung, Koufontinas seine Rechte zu verweigern, ein kalkulierter symbolischer Akt ist, der vermitteln soll, dass alle politischen Gefangenen die gleiche Behandlung erwarten können – vorausgesetzt, sie sind Gegner:innen der regierenden Partei. Eines der ersten Dinge, die die Regierung der Nea Demokratia nach ihrem Amtsantritt tat, war die Freilassung des Polizeibeamten, der Alexis Grigoropolous getötet hatte, was eine stillschweigende Billigung des Mordes an einem 15-jĂ€hrigen Anarchisten zum Ausdruck brachte.

Es ist kein Geheimnis, dass die Regierung der Nea Demokratia diesen Moment genießt. Im Grunde foltern sie einen Mann, der nichts mehr zu opfern hat als sein Leben, in der Hoffnung, dass er dies tun wird. Die Medien sehen seinen Tod wahrscheinlich als Gelegenheit, die Schlagzeilen von einem VerbĂŒndeten der Nea Demokratia, der unter dem Vorwurf der PĂ€dophilie verhaftet wurde, und von den VersĂ€umnissen des staatlichen COVID-19-Managements wegzulenken. Facebook hat auch BeitrĂ€ge mit Hashtags, die sich auf Koufontinas beziehen, entfernt.

Die Polizei hat wiederholt Demonstrationen in SolidaritĂ€t mit Koufontinas mit extremer Gewalt angegriffen. Letzte Woche, als Demonstrierende das Gesundheitsministerium in SolidaritĂ€t mit Koufontinas besetzten, nahm die Polizei fast jeden einzelnen Teilnehmenden fest – die wenigen, die entkommen konnten, taten dies unter großer Gefahr fĂŒr sich selbst. Gestern wurde eine kleine Gruppe, die ein Transparent trug, innerhalb weniger Minuten mit einem Wasserwerfer aus nĂ€chster NĂ€he beschossen, nur weil sie sich versammelt und angefangen hatte zu skandieren.

Aber nur die Zeit wird zeigen, was die langfristigen Auswirkungen dieses Moments sein werden. Trotz der Ausgangssperre gab es nĂ€chtliche SolidaritĂ€tsaktionen, darunter BrandanschlĂ€ge auf Polizeieinrichtungen und Farbaktionen gegen die BĂŒros rechter Journalist:innen.

Hinter Gittern befinden sich mehrere politische Gefangene in einem Hungerstreik aus SolidaritĂ€t. Der Mut derjenigen, die sich weigern, seinen Tod ignorieren zu lassen, drĂŒckt fĂŒr andere Teilnehmende an sozialen KĂ€mpfen aus, dass, egal was die Behörden tun, niemand vergessen werden wird. DafĂŒr möchten wir demĂŒtig unsere Anerkennung und unseren Respekt fĂŒr alle, die aktiv geworden sind, zum Ausdruck bringen.

In den letzten Jahren hat Koufontinas mehr Interesse an der anarchistischen Bewegung geĂ€ußert, wĂ€hrend sich seine GegenstĂŒcke auf der Linken von ihm distanzierten. WĂ€re der Anarchismus die vorherrschende politische Perspektive seiner Generation gewesen, hĂ€tte die Gruppe N17, die Illegalismus praktizierte und sich weigerte, sich auf das Theater der parlamentarischen Demokratie des Staates zu verlassen, vielleicht eine andere politische Position eingenommen. Der ehemals inhaftierte politische Gefangene und Black Liberationist-KĂ€mpfer, der zum Anarchisten wurde, Ojore Lutalo, sagte: „Jede Bewegung, die ihre politischen Internierten nicht unterstĂŒtzt, ist eine Scheinbewegung.“ UnabhĂ€ngig von der politischen Perspektive von Koufontinas, verdienen diejenigen, die ihre IntegritĂ€t hinter Gittern bewahren, SolidaritĂ€t.

Koufontinas ist 63 Jahre alt. Es gibt wenig Hoffnung, dass er ĂŒberleben wird, selbst wenn die Regierung seiner Forderung nachgibt, da er bereits an Langzeitfolgen von frĂŒheren Hungerstreiks wĂ€hrend seiner gesamten Haftzeit leidet. Er kann von diesem System keine Gnade erwarten – und das gilt in der Tat fĂŒr jede:n von uns. SolidaritĂ€t ist unsere einzige Hoffnung in solchen Situationen. Deshalb, egal wie sein Hungerstreik endet, muss sein Wille, gegen die Widrigkeiten zu kĂ€mpfen, in unseren eigenen KĂ€mpfen weiterleben.

Wir schließen mit einem Gedicht von Giannis Ritsos, einem kommunistischen Guerillero, der gegen die Nazis, gegen die von den USA unterstĂŒtzte rechte Regierung im griechischen BĂŒrgerkrieg und gegen die Junta der 1970er Jahre kĂ€mpfte und ebenfalls wiederholt inhaftiert war, ab. Als Koufontinas seinen Durststreik begann, ließ er dieses Gedicht auf seiner offiziellen Seite veröffentlichen.

Bitte haltet mein Andenken in Ehren – sagte er. Ich wanderte tausend
Meilen ohne Brot und ohne Wasser, entlang von Felsen und durch
Dornen bin ich gegangen, um dir Brot, Wasser und Rosen zu bringen.
Ich war der Schönheit immer treu. Mit einem gerechten Geist gab ich
mein ganzes Vermögen. Ich habe mein Los nicht behalten. Ich bin arm. Mit einer kleinen Lilie vom
den Feldern erhellte ich unsere hÀrtesten NÀchte. Bitte haltet mein Andenken in Ehren.
Und vergib mir diesen letzten Kummer:
Ich möchte – noch einmal – eine reife Ähre ernten mit der
schlanken Sichelmond. An der Schwelle zu stehen, wegzustarren
und mit meinen VorderzÀhnen den Weizen zu kauen
bewundernd und segnend diese Welt, die ich hinter mir lasse,
auch Ihn bewundernd, der den HĂŒgel hinaufsteigt im
goldenen Regen einer sinkenden Sonne. Da ist ein violetter quadratischer Fleck in seinem
linken Ärmel. Es ist nicht leicht zu sehen. Es war dies, mehr als alles andere,
das ich dir zeigen wollte.
Und wahrscheinlich wĂŒrde es sich mehr als alles andere lohnen
mich dafĂŒr in Erinnerung zu behalten.

Studentische KĂ€mpfe

In Griechenland, wie auch in Chile, wurde ein Gesetz erlassen, das UniversitĂ€ten zu Asylzonen erklĂ€rt, die von der Polizei nicht betreten werden dĂŒrfen, da es zu militĂ€rischen Übergriffen auf dem Campus kam. Das Regime der Nea Demokratia hat das Asylgesetz abgeschafft und der Polizei das Betreten der UniversitĂ€ten erlaubt, ohne RĂŒcksicht auf die Gewalt, die die Polizei in der Vergangenheit an den UniversitĂ€ten ausgeĂŒbt hat. Diese Entscheidung hat massive Studentendemonstrationen im ganzen Land provoziert. DarĂŒber hinaus fĂŒhrt die neue Politik zusĂ€tzliche Privatisierungsmaßnahmen ein, die auf Bildungseinrichtungen abzielen, um Schulden an die EuropĂ€ische Union zurĂŒckzuzahlen und Griechenland nach den Visionen der wohlhabenden Elite zu „modernisieren“, die Nordeuropa oder dem, was sie sich unter „Amerika“ vorstellen, nacheifern wollen.

Der Gesetzesentwurf kam im Parlament etwa zur gleichen Zeit an, als die Regierung gezwungen war, einen Versuch zur Zensur von Musiktexten aufzugeben – eine Gesetzgebung, die dem spanischen Gesetz Ă€hnelt, das die Verhaftung von Pablo HasĂ©l rechtfertigte, die letzte Woche in Barcelona Unruhen auslöste. Aufgrund der Gegenreaktion der Liberalen und des Widerstands der starken Hip-Hop-Gemeinde wurde das Gesetz nicht verabschiedet – aber es ist ein Vorgeschmack auf eine breitere Repressionspolitik, die kommen wird.

All dies findet statt, wĂ€hrend die UniversitĂ€ten geschlossen bleiben und das Regime versucht, ein post-pandemisches Griechenland zu gestalten. Straßendemonstrationen und Versuche von Student:innen, Schulen zu besetzen, wurden mit rĂŒcksichtsloser BrutalitĂ€t beantwortet. Student:innen und Demonstrierende wurden wahllos verprĂŒgelt und verhaftet. Viele landen in unterfinanzierten KrankenhĂ€usern; in einigen FĂ€llen hat die Polizei die Opfer ihrer Angriffe nur aus Sorge, dass sie an ihren Wunden sterben könnten, nicht festgenommen und die verhaftenden Beamt:innen verantwortlich gemacht.

Trotz all dieser Gewalt und dem Risiko von Geld- und Haftstrafen fĂŒr das Versammeln wĂ€hrend des Lockdowns, versammeln sich Student:innen und ihre UnterstĂŒtzenden weiterhin und zeigen StĂ€rke. Polizei und Medien behaupten, dass diese Demonstrationen dazu beitragen, das Virus zu verbreiten, aber viele Teilnehmende versuchen, Abstand zu halten und tragen alle Masken. Eine solche Behauptung scheint bestenfalls heuchlerisch, wenn die öffentlichen Verkehrsmittel weiterhin ĂŒberfĂŒllt sind, es fĂŒr viele Menschen schwer ist, an Handdesinfektionsmittel oder persönliche SchutzausrĂŒstung zu gelangen und die Budgets der KrankenhĂ€user wiederholt gekĂŒrzt wurden. Schlimmer noch, die Polizei fĂ€ngt an, Kesseltaktiken nach amerikanischem Vorbild anzuwenden, um Demonstrierende auf engem Raum zusammenzuhalten, was das Risiko der Ausbreitung des Virus dramatisch erhöht. Videos von PolizeibrutalitĂ€t illustrieren die Repression, die die Bewegung bereits erfĂ€hrt; sie zeigen auch, was die Jugend auf den Campussen erwarten kann, wenn sie wieder geöffnet werden.

Es ist wichtig zu betonen, dass die UniversitĂ€ts-Asylpolitik als Reaktion auf die MilitĂ€rjunta eingefĂŒhrt wurde, die in den 1970er Jahren so viele Menschen an den UniversitĂ€ten angriff und ermordete. Die Jahre der UniversitĂ€tsautonomie stellten eine schöne Manifestation der Selbstbestimmung der Jugend in diesem Land dar. Neben der Tatsache, dass unsere Bewegungen in den UniversitĂ€ten Zuflucht gefunden haben, um sich zu versammeln und Spenden zu sammeln, war die Zeit der UniversitĂ€tsautonomie bemerkenswert, weil sie zeigte, wie viel friedlicher diese Campusse ohne PolizeiprĂ€senz sein können.

Die riesigen Festivals, die in den Jahren des Asyls oft an den UniversitĂ€ten stattfanden, und die Tatsache, dass die UniversitĂ€ten im Vergleich zu vielen Campussen in den Vereinigten Staaten gut ohne Polizei funktionierten, liefern den Beweis, dass Polizei einfach unnötig ist. In den Vereinigten Staaten, wo es PolizeikrĂ€fte nur fĂŒr UniversitĂ€ten gibt, gibt es trotzdem unzĂ€hlige FĂ€lle von Vergewaltigungen, Massenerschießungen und anderen Tragödien. Auch in Griechenland können schlimme Dinge passieren, auch ohne Polizei. Aber stell dir wöchentliche Partys auf dem UniversitĂ€tscampus vor, an denen fĂŒnftausend oder mehr Menschen teilnehmen, ohne jegliche Überwachung durch die Behörden, ohne eine der Katastrophen, von denen wir in den Vereinigten Staaten oft lesen. Genauso wie das DARE-Programm und die Förderung sexueller Abstinenz in den Vereinigten Staaten wohl zu rebellischem Drogenkonsum und unsicheren Sexualpraktiken beigetragen haben, könnte es sein, dass diejenigen, die vermeintlich den Frieden wahren, in Wirklichkeit das anstiften, wovor sie angeblich schĂŒtzen sollen.

Viele der jungen Menschen hier haben die Freiheit nie als selbstverstĂ€ndlich angesehen. UnabhĂ€ngig von den WĂŒnschen dieser Verwaltung wird es noch Jahre dauern, bis die Polizei auf griechischen Campussen normalisiert ist – wenn sie es ĂŒberhaupt jemals ist. Wir drĂŒcken demĂŒtig unseren Respekt fĂŒr den Mut aus, den die Student:innen auf der Straße bewiesen haben, unsere Hoffnung, dass diejenigen, die brutal behandelt wurden, heilen können, und unsere SolidaritĂ€t mit denen, denen erhebliche Anklagen und Geldstrafen fĂŒr die Teilnahme an den Unruhen drohen. Möge dieser Kampf weitergehen, und möge die Polizei die Feindseligkeit erfahren, die sie verdient, wenn sie einen Fuß auf die Campusse setzt, wenn diese wieder geöffnet werden.

Migrant:innen

Das Klimachaos schafft schwierige Bedingungen fĂŒr GeflĂŒchtete, die in Lagern im ganzen Land untergebracht sind. Ein surrealer, einmaliger Schneesturm hĂ€mmerte kĂŒrzlich auf Griechenland ein, ein weiterer Schlag, der die schrecklichen Lebensbedingungen verschĂ€rft, denen so viele GeflĂŒchtete, die in diesem Land auf Asyl warten, ausgesetzt sind. Gleichzeitig bedroht eine fremdenfeindliche Politik Migrant:innen und sogar diejenigen, die sie unterstĂŒtzen. Zum Beispiel fĂŒhrte ein Gesetz, das geschaffen wurde, um die UnterstĂŒtzung von GeflĂŒchteten zu entmutigen, das wir in einem Bericht im letzten Sommer erwĂ€hnt haben, zur Entlassung eines GefĂ€hrten wegen einer Anklage wegen angeblicher Randale im Jahr 2010.

Dies ist nur eines von vielen Gesetzen, die darauf abzielen, SolidaritĂ€tsbemĂŒhungen abzuschrecken, GeflĂŒchtete zu terrorisieren, die bereits verzweifelt sind, und die BĂŒrokratie zu intensivieren, welche das neue Regime GeflĂŒchteten und Migrant:innen im ganzen Land aussetzt. Es wird erwartet, dass sich die FlĂŒchtlingskrise in der Zeit nach der Pandemie nur noch verschĂ€rfen wird.

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[1] Das US-MilitĂ€r experimentierte mit Napalm in Griechenland wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs 1946-49 und setzte es ein, um antifaschistische und kommunistische Guerillas auszubrennen, die die von den USA unterstĂŒtzte rechte Regierung, die nach dem Zweiten Weltkrieg an die Macht kam, ablehnten.

[2] Die Tatsache, dass der aktuelle Premierminister mit einer Person verwandt ist, die N17 vor ĂŒber dreißig Jahren tötete, ist ein Hinweis darauf, dass die Dynastie im Kern des griechischen Staates weiterhin an der Macht ist. WĂ€hrend die Junta offiziell vor fast 50 Jahren fiel, bestehen ihre Hinterlassenschaften weiter.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de