Juni 17, 2022
Von Emrawi
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Gliederung:

Marxismus und Feminismus: Eine „unglĂŒckliche“ Beziehung?

  • Der junge Marx und der utopische Sozialist Fourier: Frauen als bloßes Symbol fĂŒr die „allgemeinen Emanzipation“
  • Die linkswenderische Karikatur von Feminismus
  • Gruppe Linkswende: ‚Frauen sollen an der Seite von MĂ€nnern kĂ€mpfen‘

Frauenbefreiung: Die sozialistische Strategie

  • Was sind „soziale KĂ€mpfe“? Und sind feministische KĂ€mpfe keine „sozialen KĂ€mpfe“?
  • Die Gruppe Linkswende vertritt eine subjektiv-intentionalistische Gesellschaftsanalyse
  • Die frĂŒhe Sowjetunion
  • SchimĂ€re „Mittelstandsfeminismus“
  • Gruppe Linkswende entdeckt: MĂ€nner haben keine Vorteile durch das patriarchale GeschlechterverhĂ€ltnis
  • Die EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts war kein Geschenk der „Arbeiter_innen“ an die Frauen
  • Eine sozialistische Übergangsgesellschaft ist weder Garantie noch Vorbedingung fĂŒr eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses

Marxismus und Feminismus: Eine „unglĂŒckliche“ Beziehung?

Der 2015 auf der Linkswende-Webseite erschienene Artikel Marxismus und Feminismus: Eine „unglĂŒckliche“ Beziehung? enthĂ€lt seinen LeserInnen vor, daß der Titel des Artikels auf den Titel eines anderen Aufsatzes, der bereits bereits 1979 erschienen war, anspielt – dieser Ă€ltere Artikel

‱ stammt von der us-amerikanischen feministischen Ökonomin Heidi Hartmann,

‱ trug den Titel The Unhappy Marriage of Marxism and Feminism: Towards a more Progressive Union,

‱ erschien 1979 zuerst in Heft 3/79 der Zeitschrift Capital & Class (https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/030981687900800102),

‱ wurde dann 1981 in dem von Lydia Sargent herausgegebenen Band Women and revolution: a discussion of the unhappy marriage of Marxism and Femin­ism (South End Press: Boston, Ms., 1981) nachgedruckt

und

‱ 1983 auch in deutscher Übersetzung veröffentlicht (Frauen und Revolution, Verlag Freunde der Erde: [West]berlin) (OBV, dt. BibilioteksverbĂŒnde).

Der SDS Leipzig erstellte 2011 ein dreiteiliges Digitalisat der deutschen Übersetzung: Teil I (S. 29 – 43), Teil II (S. 44 – 63) und Teil III (S. 64 – 78). [1]

Indem die Gruppe Linkswende den Aufsatz Heidi Hartmanns verschweigt, erspart sie sich, sich mit den dort vorgebrachten Argumenten (s. den kommenden Teil III der hie­sigen Artikel-Serie) auseinanderzusetzen.

Der junge Marx und der utopische Sozialist Fourier: Frauen als bloßes Symbol fĂŒr die „allgemeinen Emanzipation“

Der Linkswende-Artikel von 2015 bezieht sich zunĂ€chst auf den jungen Marx, der sich in der Heiligen Familie (zusammen mit Friedrichs Engels) der These Charles Fouriers anschloß, dass „der Grad der weiblichen Emanzipation“ das „natĂŒrliche Maß der allgemeinen Emanzipation“ sei (MEW 2 [2], 2 – 223 [208]). Die Gruppe Linkswende schlußfolgert: „Gemessen an diesem Maßstab wird klar, wie weit uns die UnterdrĂŒckung der Frauen im modernen Kapitalismus von dieser ‚allgemeinen Befreiung‘ trennt.“

Diese These Fouriers war freilich weder materialistisch noch feministisch:

„Frauen kommen in diesem Ansatz – trotz aller ‚utopisch-moralischen Ermahnungen‘ nur als ‚Symbol‘, als eine ‚Andeutung oder Ableitung von etwas anderem‘ (Mitchell 1966-71 [3], 73 f.; Ă€hnlich auch: Balibar/Labica 1984 [4], 373) – nĂ€mlich als Symbol des menschlichen Fortschritts insgesamt (‚Maß der allgemeinen Emanzipation‘) – vor: [
]. Diese philosophische Spekulation war weder einer analytischen Konkretisierung zugĂ€nglich, noch ließ sich aus ihr eine Strategie ableiten (vgl. Mitchell 1966-71, 96 f.); vielmehr reproduzierte sie das Klischee von weiblicher SchwĂ€che und mĂ€nnlicher StĂ€rke und rief zu gönnerhafter GroßzĂŒgigkeit/Gnade der starken MĂ€nner den schwa­chen Frauen gegenĂŒber auf (‚Sieg der Menschlichkeit ĂŒber die BrutalitĂ€t’).“ [5]

Die linkswenderische Karikatur von Feminismus

Die Gruppe Linkswende stellte die im Feminismus „dominierende Vorstellung“ wie folgt dar: „sozialistische oder marxistische Politik“ genĂŒge nicht, „um UnterdrĂŒckung zu erklĂ€ren oder zu untersuchen. Viele sozialistische Feministinnen vertreten statt­dessen die Ansicht, dass es auf der einen Seite Ausbeutung gĂ€be, und dass auf der anderen etwas anderes, fĂŒr gewöhnlich das Patriarchat, die UnterdrĂŒckung erzeugt.“

TatsÀchlich lautet die feministische Auffassung:

‱ Das patriarchale GeschlechterverhĂ€ltnis sei nicht nur psychische oder kulturel­le „UnterdrĂŒckung“ [6], vielmehr sei es – v.a. in Form von geschlechts-hierarchi­scher Arbeitsteilung, sexueller/sexualisierter Gewalt und Frauenlohndiskrimi­nierung – nicht weniger materiell [7] als die KlassenverhĂ€ltnisse. [8]

‱ Ausbeutung finde nicht nur in den KlassenverhĂ€ltnissen, sondern auch zwi­schen MĂ€nnern und Frauen statt. Weibliche Hausarbeit wird nicht vom Kapital, sondern von MĂ€nnern konsumiert: [9]

Frigga Haug [10]: Die „MĂ€nner [sind] auch Nutznießer der FrauenunterdrĂŒckung [
] (in einem mĂ€nnlichen Lebensplan kommt z.B. die Aufgabe der Kindererziehung als Lebenszeit in der Regel auch dann nicht vor, wenn ein Mann Kinder haben will)“.

Karen Offen [11]: „the concept of feminism [
] can be said to encompass both a sys­tem of ideas and a movement for sociopolitical change based on a refusal of male privilege and women’s subordination within any given society.“ / „Das Konzept ‚Fe­minismus’ umfaßt sowohl ein System von Ideen als auch eine Bewegung fĂŒr sozio­politischen Wandel, die auf der ZurĂŒckweisung mĂ€nnlicher Privilegien und der Un­terordnung von Frauen beruht.

Christine Delphy [12]: „It is not because capitalism buys and exploits the labor power of the husband that, at the same stroke, it exploits the wife. That’s absolutely wrong. Obviously, she is exploited by her relations of production, not by those of her hus­band.“ /

„Der Umstand, daß der Kapitalismus [besser: das Kapital] die Arbeitskraft des Man­nes kauft und ausbeutet, bedeutet nicht zugleich, daß der Kapitalismus [besser: das Kapital] zugleich auch die Ehefrau ausbeutet. Das ist total falsch. Offensichtlich wird die Ehefrau durch ihre ProduktionsverhĂ€ltnisse, nicht durch die ihres Mannes aus­gebeutet [besser: Die Art der Ausbeutung der Ehefrau, wird nicht durch die Produkti­onsverhĂ€ltnisse, in denen ihr Ehemann arbeitet, sondern durch die Produktionsver­hĂ€ltnisse, in denen sie selbst arbeitet, definiert.].“

Gruppe Linkswende: ‚Frauen sollen an der Seite von MĂ€nnern kĂ€mpfen‘

Die Gruppe Linkswende bietet Frauen folgende Perspektive an:

„Hier, an der Seite der MĂ€nner, können Frauen wirksam aktiv werden; sind sie nicht nur Opfer[,] sondern KlassenkĂ€mpferinnen.“

„Sie [Unsere <d.h.: die sozialistische> Tradition] hat aber auch eine Vision einer sehr anderen Gesellschaft, einer sozialistischen Gesellschaft, in der die Emanzipation der Frau ein Teil der Emanzipation der gesamten Menschheit ist.“

Die Gruppe sagt zwar auch:

„Letztendlich brauchen wir, um FrauenunterdrĂŒckung zu beseitigen, revolutionĂ€ren Wandel.“

Aber die Gruppe Linkswende verkennt, daß es fĂŒr einer Überwindung der patriarcha­len GeschlechterverhĂ€ltnisses einer feministischen Revolution bedarf; sie verkennt, daß eine sozialistische Revolution nicht notwendigerweise feministisch ist [13]:

„[…] genau wie am Ende einer sozialistischen Revolution nicht nur die Abschaffung der ökonomischen Klassenprivilegien, sondern die Aufhebung der Klassenunterschie­de selbst steht, so muß die feministische Revolution, im Gegensatz zur ersten femi­nistischen Bewegung [am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts], nicht ein­fach auf die Beseitigung der mĂ€nnlichen Privilegien, sondern der Geschlechtsunter­schiede selbst zielen: genitale Unterschiede zwischen den Geschlechtern hĂ€tten dann keine gesellschaftliche Bedeutung mehr. (Das bedeutet die RĂŒckkehr zu einer ungehinderten PansexualitĂ€t [
], und wĂŒrde dann wahrscheinlich Hetero-Homo-Bise­xualitĂ€t ersetzen.)“ [14]

Vor allem verkennt die Gruppe Linkswende, daß das patriarchale Geschlechterver­hĂ€ltnis nicht beseitigt werden wird,

‱ wenn Frauen darauf verpflichtet werden, sich an die „Seite der MĂ€nner“ zu stel­len; wenn Frauen nur dann als KĂ€mpferinnen (statt Opfer) gesehen werden, wenn sie KlassenkĂ€mpferinnen sind – und nicht auch dann, wenn sie fĂŒr femi­nistische Interessen und gegen mĂ€nnliche Beharrungsinteressen [15] kĂ€mpfen

und

‱ „die Emanzipation der Frau“ zu einem Nebeneffekt der Errichtung einer „sozia­listischen Gesellschaft“ erklĂ€rt wird. Da die kapitalistische Produktionsweise nicht die Ursache des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses ist,

◩ setzt eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses keine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise voraus

und

◩ ist eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses auch nicht logisch-begrifflich in eine Überwindung der kapitalistischen Produkti­onsweise eingeschlossen.

Dies hatte Heidi Hartmann schon 1979 dargelegt: „da das Kapital und das Privateigentum nicht die Ursache der UnterdrĂŒckung [16] der Frauen als Frau­en sind, wird ihr Ende auch nicht das Ende von FrauenunterdrĂŒckung brin­gen.“ [17]

Der Linkswende-Artikel erwidert darauf nicht, obwohl er – wie bereits ge­sagt – auf den Titel des Hartmann-Aufsatzes von 1979 anspielt
 Wie soll dies anders als intellektuell unredlich genannt werden?!

Frauenbefreiung: Die sozialistische Strategie

Was sind „soziale KĂ€mpfe“? Und sind feministische KĂ€mpfe keine „sozialen KĂ€mpfe“?

Der dritte Artikel, der besprochen werden soll, beginnt mit der These, „dass die ernst­hafte BekĂ€mpfung von Sexismus mit sozialen KĂ€mpfen verbunden sein muss“.

„Sozial“ kann in dieser These zweierlei bedeuten: Zum einen „gesellschaftlich“ und zum anderen so etwas Ă€hnliches wie „sozialpolitisch“ (dann hieße „soziale KĂ€mpfe“: KĂ€mpfe um ‚soziale Gerechtigkeit‘).

In beiden Lesarten ist die Formulierung, die „BekĂ€mpfung von Sexismus“ mĂŒsse „mit sozialen KĂ€mpfen verbunden sein“, schief bzw. geht ins Leere:

‱ Feministische KĂ€mpfe sind gesellschaftliche KĂ€mpfe; sie mĂŒssen nicht erst mit gesellschaftlichen KĂ€mpfen verbunden werden.

‱ Im ĂŒbrigen waren auch „soziale“ Anliegen im zweiten Sinne, wie Frauenlohn­diskriminierung und geschlechtshierarchische Arbeitsteilung, Themen der zwei­ten Welle der Frauenbewegung und sind Themen aktueller IntersektionalitĂ€ts­debatte [18]. Der Streitpunkt zwischen Feministinnen (einige ‚QueerfeministInnen‘ vielleicht ausgenommen) und MarxistInnen betrifft nicht die Relevanz solcher Themen, sondern die Frage, worin die Ursachen von Frauenlohndiskriminie­rung und geschlechtshierarchische Arbeitsteilung liegen und was daher geeig­nete Strategien zu deren Überwindung sind.

Die Gruppe Linkswende vertritt eine subjektiv-intentionalistische Gesellschaftsanalyse

Zwar wird die biologistische These,

„Der Mann – als ‚triebgesteuertes Wesen‘ – könne da ja gar nicht anders [als das se­xuelle Selbstbestimmungsrecht von Frauen verletzten].“

von der Gruppe Linkswende zurĂŒckwiesen und dieser die Anti-These entgegenge­setzt,

„Genauso wie andere Arten der UnterdrĂŒckung – wie etwa Rassismus – gibt es Se­xismus aber nicht, ‚weil die Menschen nun mal so denken und immer so denken wer­den‘, sondern er wird von den gesellschaftlichen VerhĂ€ltnissen erzeugt und reprodu­ziert, [
].“

So weit, so korrekt. – Es folgt dann allerdings noch folgender Halbsatz:

„um damit die Ausgrenzung bestimmter Gruppen zu rechtfertigen und so die Arbeiter_innenklasse zu spalten“.

Damit sind wir nun also ganz deutlich nicht nur bei einer funktionalistisch ErklĂ€rung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses, sondern die Gefahr einer „conspirat­orial“ ErklĂ€rung von gesellschaftlicher VerhĂ€ltnisse, vor der MichĂšle Barrett [19] im Zu­sammenhang mit funktionalistischen ErklĂ€rungsansĂ€tzen warnte (siehe dazu bereits Teil I meiner Kritik an den geschlechterpolitischen Positionen der Gruppe Linkswen­de), hat sich realisiert.

Das ist eine nicht nur klassenreduktionistische, sondern auch subjektivistisch-intentio­nalistische („erzeugt [
], [
] um zu spalten“ [meine Hv.]) ErklĂ€rung historisch-gesell­schaftlicher Prozesse und VerhĂ€ltnisse. Welcher Generalstab des Kapitals soll sich wann und wo den Sexismus ausgedacht und in die Gesellschaft eingepflanzt haben? Und welche Mittel soll er angewandt haben, um die Einpflanzung durchzufĂŒhren?

Der Linkswende-Artikel zitiert dann den Marx-Satz, „Die herrschenden Ideen einer Zeit sind stets die Ideen der Herrschenden“, aber ignoriert, daß die Herrschenden im GeschlechterverhĂ€ltnis nicht die KapitalistInnen (MĂ€nner wie Frauen), sondern die (Cis-)MĂ€nner sind.

Allerdings war es auch auch keine mĂ€nnliche Verschwörung, die das Patriarchat ‚ein­gefĂŒhrt‘ hat, sondern gesellschaftliche VerhĂ€ltnisse bilden sich in historischen Prozes­sen heraus.

In dem Linkswende-Artikel geht es dagegen wie folgt weiter:

„Die Herrschenden sind daran interessiert, den Status quo beizubehalten. Und dazu gehört auch das Aufrechterhalten der ‚traditionellen‘ Geschlechterrollen, was umge­kehrt wieder die herrschende Ordnung stabilisiert.“

Die Bedeutung der Absicht (des Interesses) wird wiederum ĂŒberschĂ€tzt – und die Wandelbarkeit der Geschlechter‚rollen‘ – bei fortbestehendem patriarchalem Ge­schlechterverhĂ€ltnis unterschĂ€tzt.

Unmittelbar im Anschluß an die gerade zitierte Passage findet dann aber ein Sprung vom Interesse (also dem Subjektiven bzw. dem Bewußtsein), zum Sein statt:

„Marx schreibt: ‚Nicht das Bewusstsein bestimmt das Leben, sondern das Leben be­stimmt das Bewusstsein.‘ Die materiellen VerhĂ€ltnisse, in denen wir leben, beeinflus­sen also unser Denken.“

Die materiellen VerhĂ€ltnisse werden dann aber an dieser Stelle nicht einmal auf die kapitalistischen KlassenverhĂ€ltnisse, sondern sogar bloß auf den Neoliberalismus re­duziert:

„Deshalb kommt es, wenn wir FrauenunterdrĂŒckung von der Wurzel weg bekĂ€mpfen wollen, darauf an, die materiellen Bedingungen grundlegend zu Ă€ndern. Wesentlich sind hier die sozialen Voraussetzungen; ob 12-Stunden-Tag, KĂŒrzung der Familien­beihilfe oder Anheben des Pensionsalters: all die neoliberalen Maßnahmen des Sozia­labbaus betreffen vor allem Frauen.“

Anschließend werden einige Symptome des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses aufgezĂ€hlt (z.B.: „Frauen werden immer noch als die Verantwortlichen fĂŒr Haushalt und Kinderbetreuung gesehen.“). Aber es wird wiederum nicht erklĂ€rt, warum und in­wiefern dafĂŒr der Kapitalismus im allgemeinen oder der Neoliberalismus im speziellen verantwortlich sein soll.

Das Kapital ist nur darauf angewiesen, daß die Arbeitskraft ĂŒberhaupt reprodu­ziert wird, aber nicht darauf, daß dies gerade durch Frauen passiert. – Das Kapi­tal ist nicht einmal darauf angewiesen, daß dies durch unentlohnte Arbeit erfolgt, viel­mehr ist die Tendenz im Neoliberalismus ja gerade eine stĂ€rkere Kommerzialisierung (Lieferservices; Haushaltshilfen [20]).

Sodann gibt es in dem Text einen Abschnitt mit der Überschrift „Doppelte UnterdrĂŒÂ­ckung“ – aber MĂ€nner als ‚UnterdrĂŒcker‘ (Herrschende im GeschlechterverhĂ€ltnis) kommen wiederum nicht vor. Statt dessen wird behauptet: „Der Kampf um Frauenbe­freiung muss antikapitalistisch sein, um Sexismus endgĂŒltig zu beseitigen, [
]. Frau­enunterdrĂŒckung betrifft die gesamte Bevölkerung, kein vernĂŒnftiger Mann wird sich darĂŒber freuen, dass seine Frau weniger verdient.“ [21]

Dies unterstellt den MĂ€nner-Lohn als Standard-Lohn; das ist aber Quatsch: Denn das, was die LohnabhĂ€ngigen in einer bestimmten historischen Situation / bei einem bestimmten KrĂ€fteverhĂ€ltnis durchsetzen können, ist – wie schon im ersten Teil dieser Kritik an den Linkswende-Positionen gesagt – die jeweilige Lohnsumme aller Be­schĂ€ftigten. Damit ist aber noch nichts ĂŒber die Verteilung dieser Lohnsumme auf MĂ€nner und Frauen gesagt; auch wenn es den LohnabhĂ€ngigen gelingt, eine höhere Lohnsumme durchzusetzen, ist alles andere als garantiert, daß der Zuwachs genutzt wird, um den Unterschied zwischen Frauen und MĂ€nnern auszugleichen. Vielmehr ist die ĂŒbliche gewerkschaftliche Praxis, – wie ebenfalls bereits im ersten Teil gesagt – prozentuale Lohnerhöhungen durchzusetzen. Das heißt: Auch bei einer höheren Lohnsumme bleibt der Lohnunterschied zwischen MĂ€nnern und Frauen erhalten. – Die Schuld dafĂŒr kann nicht dem Kapital in die Schuhe geschoben werden, sondern die Ursache dafĂŒr liegt im patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnis unter den LohnabhĂ€n­gigen / am Sexismus der Gewerkschaften [22].

Im vorletzten Abschnitt spricht der Artikel dann das Thema „Reproduktionsarbeit“ an:

„Die Produktion im Kapitalismus basiert auf der Ausbeutung von Arbeiter_innen. Dazu gehört auch die Reproduktion, also die stĂ€ndige Erneuerung und Erhaltung der Ware Arbeitskraft durch Geburten, Erziehung, Pflege und Versorgung. Diese Arbeit in die Familie zu verlagern, ist fĂŒr die Herrschenden einerseits billig, andererseits erhĂ€lt es auch die traditionelle Rollenverteilung aufrecht, da die Frau ‚an den Herd‘ gebunden ist.“

Auch dies ist aber Quatsch – wie bereits im ersten Teil dieser Kritik an den Linkswende-Positionen gesagt –: Es ist weder von der Gruppe Linkswende dargetan noch ansonsten ersichtlich, warum es fĂŒr das Kapital „billig“ sein soll, ĂŒberwiegend Frauen die Haus- und insbesondere Erziehungsarbeit aufzuhalsen und – damit Frau­en dafĂŒr freigestellt werden können – MĂ€nnern im Gegenzug ‚Familienlöhne‘ zu zah­len, von denen ein Teil in den Unterhalt von Frauen fließt.

Die frĂŒhe Sowjetunion

Sodann heißt es in dem Linkswende-Artikel:

„Eine soziale Revolution kann die ĂŒberholten Strukturen der Kleinfamilie aufbrechen und somit auch die doppelte Ausbeutung der Frau beenden. So geschah es in der Russischen Revolution, in der Frauen eine fĂŒhrende Rolle spielten. Der russische Re­volutionĂ€r Leo Trotzki schrieb: ‚Die Revolution machte einen heroischen Versuch, den sogenannten ‚Familienherd‘ zu zerstören, das heißt jene archaische, muffige und starre Einrichtung, in der die Frau der werktĂ€tigen Klassen von der Kindheit bis zum Tode wahre Zwangsarbeit leisten muss.‘“

In Wirklichkeit zeigen die Oktoberrevolution bzw. die frĂŒhe Sowjetunion (von der Sta­lin-Zeit gar nicht erst zu reden), daß eine bloße ‚Vergesellschaftung‘ der Hausarbeit nicht ausreichend ist, um die sog. „doppelte Ausbeutung“ von Frauen zu beenden [23]. Denn nach der Konzeption sowohl von Trotzki als auch Kollontai als auch Lenin sollte es bei der ZustĂ€ndigkeit von Frauen fĂŒr die vormals privaten und nunmehr (teilweise) vergesellschaften Arbeiten bleiben [24]:

Trotzki war der Auffassung,

„selbst die kĂŒhnste Revolution könnte ebensowenig wie das ‚allmĂ€chtige’ britische Parlament die Frau in einen Mann umwandeln oder, besser gesagt, die Last der Schwangerschaft, des GebĂ€rens, des Stillens und der Kindererziehung zu gleichen Teilen zwischen beiden aufteilen.“ [25]

Nun kann Trotzki kaum vorgeworfen werden, daß er Mitte der 1930er noch nicht den heutigen Erkenntnis- und Meinungsstand bzgl. Trans- und IntersexualitĂ€t hatte – aber der Schluß von der „Schwangerschaft, d[a]s GebĂ€ren [und] d[a]s Stillen“ auf die Kin­dererziehung, war schon damals ein Fehlschluß; ein Fehlschluß der als biologistisch hĂ€tte erkannt werden können. (Das von mir angefĂŒhrte Trotzki-Zitat befindet sich im ĂŒbrigen unmittelbar vor dem in dem Linkswende-Artikel angefĂŒhrten Trotzki-Satz
 Aber der Gruppe Linkswende ist Trotzkis Fehlschluß nicht aufgefallen, oder sie hĂ€lt ihn nicht fĂŒr erwĂ€hnenswert
)

Lenin seinerseits schrieb:

„Eine solche Miliz [die von ihm vorgeschlagene „Volksmiliz“] wĂŒrde jene Funktionen entwickeln, die – um es gelehrt auszudrĂŒcken – in das Gebiet der ‚Wohlfahrtspolizei‘, der sanitĂ€ren Kontrolle usw. gehören, und wĂŒrde alle erwachsenen Frauen zu sol­chen Funktionen heranziehen.“ (LW 23 [26], 309 – 347 [343] – Briefe aus der Ferne [27]; meine Hv.)

1919 in einer Rede (bei der Konferenz der parteilosen Arbeiterinnen der Stadt Mos­kau) mit dem bezeichnenden Titel Über die Aufgaben der proletarischen Frauenbewegung in der Sowjetrepublik (ein Cis-Mann definiert die Aufgaben einer „Frauenbewegung“
) sagte Lenin:

„Wir schaffen mustergĂŒltige Einrichtungen, SpeisehĂ€user, Kinderkrippen, die die Frau von der Hauswirtschaft befreien sollen. Und die Schaffung dieser Einrichtungen ist eine Arbeit, die hauptsĂ€chlich von den Frauen zu leisten ist.“ (LW 30 [28], 23 – 29 [27])

Etwas spÀter in der gleichen Rede sagte Lenin:

„Die Frauen mĂŒssen sich an alledem aktiv beteiligen, damit die Rote Armee sieht, daß man sich um sie kĂŒmmert, daß man fĂŒr sie sorgt. Die Frauen können sich ferner auf dem Gebiet der Versorgung betĂ€tigen, bei der Verteilung der Lebensmittel, bei der Verbesserung der Massenspeisung, beim Ausbau von SpeisehĂ€usern, wie sie jetzt in Petrograd in großer Zahl eingerichtet worden sind.“ (LW 30 [29], 28; meine Hv.)

Und selbst Alexandra Kollontai [30] schrieb:

„Unsere eigenen Erfahrungen seit der Oktoberrevolution beweisen, daß diese Ar­beitsteilung zwischen den Geschlechtern, wie sie aufgrund der Erfahrungen des ge­samten Proletariats und des gesunden Menschenverstandes zustande gekommen sind, richtig war. Denn gerade, weil die Frauen auf den Gebieten mitarbeiteten, mit deren Problemen sie besonders vertraut waren – die öffentlichen Volkskantinen, die staatlichen MĂŒtter- und SĂ€uglingseinrichtungen – konnten sie ihre Arbeitskraft bei der Lösung der dringendsten Wiederaufbauarbeiten erfolgreich einbringen und haben so der gesamten Sowjetrepublik geholfen. [
] Eine vernĂŒnftige Planung in Sowjetruß­land muß gerade im Gegenteil die seelischen und körperlichen Eigenschaften der Frauen berĂŒcksichtigen und die unterschiedlichen Arbeitsaufgaben zwischen den Ge­schlechtern so aufteilen, daß die Planung den gemeinsamen Zielen des Kollektivs am besten dient. Denn unsere Arbeiterinnen und BĂ€uerinnen können in der Periode der Diktatur des Proletariats nicht fĂŒr die Gleichberechtigung als solche kĂ€mpfen, son­dern mĂŒssen dafĂŒr eintreten, daß die weibliche Arbeitskraft zweckmĂ€ĂŸig eingesetzt wird und daß der Mutterschutz garantiert wird.“

Eine Seite zuvor naturalisierte Kollontai diese Art der Arbeitsteilung:

„Es entstand eine natĂŒrliche Arbeitsteilung. Die werktĂ€tigen Frauen arbeiteten vorwie­gend in den gesellschaftlichen Sektoren, die ihnen traditionell nahestanden und mit deren Problemstellungen sie vertraut waren: So z.B. dem Problem der Mutterschaft oder dem allgemeinen Hausarbeiten“. [31]

Zwei Seiten weiter schrieb Kollontai dann:

„die Frauen arbeiten Seite an Seite mit den MĂ€nnern und schenken der Gesellschaft darĂŒberhinaus noch neue MitbĂŒrger und ArbeitskrĂ€fte.“ [32]

Dagegen ist einzuwenden:

‱ Entweder sind „neue MitbĂŒrger und ArbeitskrĂ€fte“ etwas zum Vorteil „der Ge­sellschaft“; dann ist es falsch, die ‚Zusatzleistung‘ [33] Schwangerschaft und Ge­bĂ€ren als ‚Geschenk‘ von Frauen an ‚die Gesellschaft‘ zu konzeptionieren, son­dern dann sollte dem eine gesellschaftliche Gegenleistung gegenĂŒberstehen.

‱ oder es ist falsch „neue MitbĂŒrger und ArbeitskrĂ€fte“ ĂŒberhaupt unter dem Ge­sichtspunkt ihrer NĂŒtzlichkeit fĂŒr ‚die Gesellschaft‘ / bevölkerungspolitischer Ziele zu bewerten und so die generative Reproduktion „der Gesellschaft“ ge­genĂŒber dem Willen oder Nicht-Willen von Frauen zur generativen Reprodukti­on zu hypotasieren (zu verselbstĂ€ndigen).

Eine solche Hypostasierung – dort nicht „der Gesellschaft“, sondern des Proletariats – zeigt sich bereits am Anfang des Kollontai-Kapitals [34], aus dem bereits die vorherge­henden Zitate stammen:

„Da das Proletariat bei der DurchfĂŒhrung der Revolution auf seine eigene Kraft ange­wiesen ist, stellt sich fĂŒr uns die Frage, auf welchen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebenen die Frauenarbeit besonders produktiv sein kann.“ [35]

Nun gehören zweifelsohne auch Frauen zum Proletariat, aber allein dies garantiert noch keine Harmonie der Interessen von bzw. des Nutzens fĂŒr mĂ€nnliche/n und weib­liche/n Angehörigen des Proletariats und schon gar nicht einen Übereinstimmung der Interessen von bzw. des Nutzens fĂŒr Proletariat und Frauen.

Es mĂŒĂŸte zumindest die Frage zugelassen werden, ob nicht

‱ der Schaden fĂŒr Frauen durch die Unterscheidung zwischen „Frauenarbeit“ und „MĂ€nnerarbeit“ und deren je spezifischer Einsatzes grĂ¶ĂŸer ist

‱ als der Nutzen fĂŒr das Proletariat durch diese Unterscheidung und einen sol­chen spezifischen Einsatz.

Es zeigt sich auch bei Kollontai der rhetorische Mechanismus, den Heidi Hartmann am Anfang ihres eingangs genannten Aufsatzes kritisierte: „der Feminismus [wird] un­ter den ‚grĂ¶ĂŸeren‘ Kampf gegen das Kapital subsumier[t]“; ‚grĂ¶ĂŸer‘ ist der Kampf ge­gen das Kapital in marxistischer Sicht, weil nur eine Teilmenge der LohnabhĂ€ngigen weiblich ist; und aus „grĂ¶ĂŸer“ wird implizit geschlußfolgert ‚wichtiger‘ – mit der expliziten praktischen Konsequenz: Die Einheit der LohnabhĂ€ngigen wird ĂŒber den Wider­spruch zwischen Geschlechtern gestellt:

‱ Die Frauen sollen „an der Seite der MĂ€nner [
] aktiv werden“ [36]

‱ „Anstatt uns in unterschiedliche IdentitĂ€ten wie Geschlecht, Hautfarbe oder se­xuelle Orientierung aufteilen zu lassen, braucht es ein kollektives IdentitĂ€tsbe­wusstsein als Klasse.“ [37]

‚Übersehen‘ wird von MarxistInnen, daß auch nur eine Teilmenge der Frauen lohnab­hĂ€ngig ist, aber (trotzdem) alle Frauen vom Patriarchat negativ betroffen sind.

Es war dieser rhetorische ‚Trick‘, einen Teil (den Klassenkampf) mit dem Ganzen gleichzusetzen, und dann diesem – unzutreffend [38] bestimmten – Ganzen den Frauen­kampf (als Teilmenge) unterzuordnen, der Heidi Hartmann 1979 zu ihrer Ehe-Meta­pher inspirierte. Denn der britische Jurist William Blackstone (1723 – 1780), der in sei­nen Commentaries das bis zu seiner Zeit entstandene englische Recht zusammen­fassend darstellte, schrieb ĂŒber die Ehe:

„By marriage, the husband and wife are one person in law: that is, the very being or legal existence of the woman is suspended during the marriage, or at least is incor­porated and consolidated into that of the husband“. [39] /

„Durch die Ehe werden Mann und Frau juristisch zu einer Person – das heißt: Das bloße [40] Sein oder das juristische Sein der Frau ist wĂ€hrend der Ehe suspendiert oder in das des Mannes inkorporiert und mit diesem vereint [41].“ [42]

SchimĂ€re „Mittelstandsfeminismus“

Im vorletzten Absatz wird dann erneut bloß behauptet:

„Anders als viele feministische Bewegungen, dĂŒrfen wir nicht glauben, Frauenbefrei­ung wĂ€re nur eine Sache der Frauen gegen die MĂ€nner. Die AnsĂ€tze eines ‚weißen Mittelstandsfeminismus‘ können Sexismus nicht erfolgreich beenden, denn nicht das Geschlecht ist bestimmend, sondern die Klasse.“

All drei analysierten Linkswende-Artikel und auch andere marxistische Texte bleiben jedes Argument fĂŒr die Behauptung schuldig, daß „die Klasse“ bestimmend sei fĂŒr das, was die Gruppe Linkswende „FrauenunterdrĂŒckung“ nennt und was Feministin­nen „patriarchales GeschlechterverhĂ€ltnis“ nennen. (Der Ausdruck „die Klasse“ ist im ĂŒbrigen auch merkwĂŒrdig [denn es gibt ja bekanntlich mehrere Klassen!]: Ist speziell die kapitalistische Klasse gemeint? Oder sind die KlassenverhĂ€ltnisse im allgemeinen gemeint?)

Auch was mit „Mittelstandsfeminismus“ genau gemeint ist, wird von der Gruppe Linkswende ebenso wenig gesagt, wie was sie unter „Mittelstand“ versteht (Sind etwa alle Feministinnen Kleinunternehmerinnen?). (Es hat den Eindruck, der Feminismus schlechthin wird in „Mittelstandsfeminismus“ umgetauft, um dann die alt-bekannte marxistische „Frauenfrage“ als „Feminismus“ ausgeben zu können.)

Gruppe Linkswende entdeckt: MÀnner haben keine Vorteile durch das patriarchale GeschlechterverhÀltnis

Die Gruppe Linkswende behauptet:

„Die UnterdrĂŒckung von Frauen bringt fĂŒr niemanden Vorteile – außer fĂŒr die herr­schende Klasse.“

Sehr wohl bringt es MĂ€nnern Vorteile,

‱ wenn der ‚Familienlohn‘ durch ihre Taschen fließt;

‱ wenn sie die besseren Jobs bekommen;

‱ wenn ihnen Frauen den Dreck hinterherputzen;

‱ wenn sie ihren Willen zu Sex gegen den Willen von Frauen durchsetzen kön­nen.

Die EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts war kein Geschenk der „Arbeiter_innen“ an die Frauen

Die Gruppe Linkswende behauptet des weiteren:

„das Frauenwahlrecht, wurden von Arbeiter_innen erkĂ€mpft. Wir mĂŒssen diese Frei­heiten verteidigen, dĂŒrfen hier aber nicht stehen bleiben.“

In Wirklichkeit haben auch bĂŒrgerliche Frauen aus der ersten Frauenbewegung fĂŒr das Frauenwahlrecht gekĂ€mpft [43] und war die EinfĂŒhrung des allgemeine (MĂ€nner- und Frauen-)Wahlrechts – oftmals wĂ€hrend oder kurz nach dem I. bzw. II. Weltkrieg – hĂ€ufig genauso stark ‚von oben‘ (als Mittel der nationalen Integration [44]) zugestanden wie von unten erkĂ€mpft. In Belgien kam es dagegen nur zu einem sehr eingeschrĂ€nk­ten Frauenwahlrecht, wĂ€hrend ein allgemeines MĂ€nner-Wahlrecht eingefĂŒhrt wurde:

„Responsibility for the very restricted female franchise lies mainly with the Liberals and Social Democrats, who feared that women voters would tend to support the Cath­olics.“ [45]

Damit soll nicht bestritten werden, daß auch die ArbeiterInnenbewegung Anteil an der EinfĂŒhrung des Frauenwahlrechts hatte – aber wie das belgische Beispiel zeigt, war die Position der Arbeiterbewegung nicht einheitlich; und die tatsĂ€chliche EinfĂŒhrung erfolgte durch bĂŒrgerliche Staaten.

Eine sozialistische Übergangsgesellschaft ist weder Garantie noch Vorbedingung fĂŒr eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses

Schließlich beruft sich die Gruppe Linkswende auf Alexandra Kollontai

„‚Ohne Sozialismus keine Befreiung der Frau – ohne Befreiung der Frau kein Sozia­lismus!‘“

Da – wie oben schon gesagt – die kapitalistische Produktionsweise nicht die Ursache des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses ist und folglich

‱ eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses keine Überwin­dung der kapitalistischen Produktionsweise voraussetzt

und (ebenso folglich)

‱ eine Überwindung des patriarchalen GeschlechterverhĂ€ltnisses auch nicht lo­gisch-begrifflich in eine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise eingeschlossen ist,

erweist sich die Parole, „ohne Befreiung der Frau kein Sozialismus!“, in der politi­schen Praxis als Versuch der Unterordnung des Feminismus unter den Antikapitalis­mus.

Es folgt noch ein dritter Teil mit Zitaten aus dem eingangs erwÀhnten Aufsatz von Heidi Hartmann.




Quelle: Emrawi.org