September 10, 2021
Von Emrawi
175 ansichten


Den Angeklagten wird vorgeworfen, Angriffe auf aktive Neonazis geplant und durchgefĂŒhrt zu haben. Lina soll dabei die Gruppe angefĂŒhrt und das Kommando der „kriminellen Vereinigung“ ĂŒbernommen haben. Die Inszenierung von Lina als gefĂ€hrlicher Linksextremistin hat zu einer breiten SolidaritĂ€tswelle gefĂŒhrt. Vor dem GerichtsgebĂ€ude hat zum Prozessauftakt eine Kundgebung unter dem Motto „Trotz alledem – FĂŒr einen konsequenten Antifaschismus“ stattgefunden, bei der ein Grußwort von Linas Mutter verlesen wurde:

„Meine Tochter Lina sitzt seit zehn Monaten in Untersuchungshaft und heute beginnt der Prozess gegen sie und drei weitere Menschen hier am OLG. Das sĂ€chsische LKA hat Anfang 2020 ein Verfahren nach Paragraph 129 eingeleitet, in dem Lina und anderen die GrĂŒndung und Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Ziel soll die Planung und DurchfĂŒhrung von Aktionen gegen Neonazis gewesen sein.

Weil es sich bei der Hauptbeschuldigten um eine Frau handelt, ĂŒberschlĂ€gt sich die mediale Berichterstattung. Empörend finde ich die hetzerischen, sexistischen und menschenverachtenden Inhalte einiger PressehĂ€user. So liest sich: Lina, die schöne schlanke Studentin mit den blonden Haaren, roten FingernĂ€geln und kurzem Minirock
 Gleichzeitig liest sich: Lina, die AnfĂŒhrerin eines hochorganisierten linken SchlĂ€gerkommandos, einer Terrorzelle


Ich bin zornig und erschĂŒttert ĂŒber die Kriminalisierung meiner Tochter und wie sie zur Terroristin stilisiert wird. Die Vorverurteilung ist auffallend und die Unschuldsvermutung gilt fĂŒr Lina von Anfang an nicht. Mit dem Verfahren gegen Lina und weitere Personen soll ein PrĂ€zedenzfall geschaffen und gleichzeitig ein Exempel statuiert werden: Wer sich in Deutschland gegen Nazis organisiert, wird mit aller HĂ€rte verfolgt und bestraft.

Ich empfinde die Entwicklung als sehr gefĂ€hrlich und es sollte unser aller Bestreben sein, sich dem ausbreitenden Rassismus mit aller Kraft entgegenzustellen. Diesem Faschismus, der – wie die Morde in Kassel, Hanau und Halle zeigen – eine ungeheure Dimension der Gewalt erreicht hat. Um mit Esther Bejarano zu sprechen: ,Ich sage immer, wehret den AnfĂ€ngen ist nicht mehr. Wir sind mittendrin im Kampf gegen Rassismus und Faschismus.’

Ich wĂŒnsche Lina und den anderen Beschuldigten viel Kraft und Zuversicht fĂŒr den langen Prozess. Euch danke ich fĂŒr eure großartige UnterstĂŒtzung, eure Verbundenheit und fĂŒr das gemeinsame Aufstehen gegen Rassismus und Faschismus. Lina wĂŒnsche ich von Herzen, dass sie aus der U-Haft entlassen wird und dass fĂŒr sie gilt: Jeder Mensch ist solange als unschuldig anzusehen, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren nachgewiesen ist und in dem alle fĂŒr die Verteidigung nötigen Voraussetzungen gewĂ€hrleistet sind.“

SolidaritĂ€tsbĂŒndnis: Die antifaschistische Bewegung steht vor Gericht

Auch das SolidaritĂ€tsbĂŒndnis Antifa Ost erwartet keinen fairen Prozess. „Bereits seit Monaten versuchen rechts unterwanderte Sicherheitsbehörden durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit eine Vorverurteilung der Beschuldigten zu bewirken“, erklĂ€rte die Pressesprecherin des SolidaritĂ€tsbĂŒndnisses, Marta Zionek. Sie fĂŒhrte weiter aus: „Konsequenten Antifaschismus in dieser Form zu verfolgen und als Terrorismus darzustellen, stellt eine eindeutige politische Positionierung dar. Vor Gericht stehen nicht nur einzelne Angeklagte, sondern die antifaschistische Bewegung als solche.“

gefunden auf: https://anfdeutsch.com/aktuelles/grusswort-von-linas-mutter-zum-prozessauftakt-in-dresden-28234




Quelle: Emrawi.org