Juni 6, 2021
Von Emrawi
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Am Nachmittag des 26.April wurde in der Innenstadt ein Haus besetzt. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus wurde festgestellt, dass genug „Platz fĂŒr alle!“ da sei. In diesem Zusammenhang wurde auch eine klare SolidaritĂ€t mit der Gudi zum Ausdruck gebracht. Vor dem Haus gab es eine Kundgebung, an der sich ca. 200 Menschen beteiligten. Am Abend wurde das Haus gerĂ€umt und die Demo aufgelöst.

Der 28. April war der Tag, an dem die Gudi ihre Pforten schloss. Noch einmal versammelten sich betroffene Wohnungslose, Basismitarbeiter*innen und UnterstĂŒtzer*innen am danebenliegenden Keplerplatz. Es galt Abschied zu nehmen, In Diskussionsrunden wurde ĂŒber die Protestmaßnahmen reflektiert, ĂŒber Möglichkeiten und Schwierigkeiten des Widerstandes geredet. Etwas mehr als 50 Menschen beteiligten sich an dieser letzten, unmittelbaren Protestaktion.

Der 1.Mai, der traditionelle Kampftag der Arbeiter*innen, stand in Wien ganz im Zeichen der Polizeigewalt. Nicht vergessen werde sollte aber das Motto der Mayday-Demo: „Soziale KĂ€mpfe verbinden!“ Zwischen 1500 und 2000 Menschen beteiligten sich daran. Einen Strang dieser sozialen KĂ€mpfe war und ist die Krise der Care-Arbeit, die im Kampf um den Erhalt der Gudi einen Ausdruck fand. Ein*e Basismitarbeiter*in der Gudi hielt bei der Auftaktkundegebung eine Rede. Im Vorfeld besuchten Aktivist*innen der Initiative Sommerpaket verschiedene Basismitarbeiter*innen, die das Pech hatten, an diesem Tag arbeiten zu mĂŒssen. So wurde das Motto der Demo auch praktisch umgesetzt.

FĂŒr die meisten ehemaligen NĂ€chtiger*innen ist es gelungen, einen anderen Schlafplatz zu finden – doch leider nicht fĂŒr alle. Ca. fĂŒnf Menschen wurden wortwörtlich auf die Straße gesetzt. Einen Monat nach der Schließung ist von den versprochenen Bauarbeiten noch nichts zu sehen. Ob die Gudi, wie versprochen, wieder aufmachen wird, ist mehr als unklar. Die offiziellen GrĂŒnde fĂŒr die Schließung stellten sich somit als unwahr heraus.

Ein kurzer Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes. Bereits jetzt sind die ĂŒbrigen Notquartiere bis zum Anschlag voll. An den meisten Tagen ist es nicht möglich, ein Bett fĂŒr Menschen, die darauf angewiesen sind, zu finden. Dank den sozialen Verwerfungen der Corona-Krise, dank eines Endes des Delogierungsstopps wird der Andrang, wird die Anzahl der Wohnungslosen nicht zurĂŒckgehen. Die Stadt Wien schafft es nicht, sich auf diese neue Situation einzustellen. In der Vergangenheit wurden alle ganzjĂ€hrigen Notquartiere in viel höherschwellige „ChancenhĂ€user“ umgewandelt. Nur noch spendenfinanzierte Quartiere (Gruft 1&2, VinziBett) bieten niederschwellig, unkompliziert und ganzjĂ€hrig SchlafplĂ€tze an. So können aber nur ca. 150 Betten zur VerfĂŒgung gestellt werden – und das in einer Stadt, in der 2 000 000 Menschen wohnen. Von Seiten der Stadt Wien gibt es nur kurzfristige Einrichtungen, die nur im Winter fĂŒr sechs Monate geöffnet haben (bzw. neun wĂ€hrend der Pandemie). Diese PrekaritĂ€t spart Geld, öffnet aber WillkĂŒr TĂŒr und Tor. Noch dazu werden diese kurzfristigen Quartiere mehr und mehr aus der Stadt und an Rand gedrĂ€ngt, da dort der kapitalistische Verwertungsdruck geringer ist. Durch diese Fokussierung auf den Sparstift entstehen sowohl fĂŒr Obdachlose als auch fĂŒr Basisarbeiter*innen unhaltbare ZustĂ€nde. Darum wird es auch wieder und wieder zu Protesten kommen.

So steht im Moment die Schließung des Haus Erdberg, einer Unterkunft fĂŒr Refugees, bevor. Wieder einmal wird das Ende vom Fond Soziales Wien veranlasst, wieder einmal werden keine GrĂŒnde genannt, wieder einmal wird das GesprĂ€ch mit den betroffenen Bewohnern und Basismitarbeiter*innen verweigert, aber wieder einmal gibt es auch Protest.

Am Mittwoch, 9.Juni, um 13:00 findet eine Demo vom haus Erdberg zum FSW statt.




Quelle: Emrawi.org