Mai 19, 2022
Von InfoRiot
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Der Zentralrat der Juden lĂ€sst VorwĂŒrfe sexueller BelĂ€stigung am Abraham-Geiger-Kolleg untersuchen. Das Rabbinerseminar hat eine neue Interims-Direktorin.

Abraham Geiger Kolleg am Institut fĂŒr JĂŒdische Theologie

BERLIN epd | Nach VorwĂŒrfen sexueller BelĂ€stigung im Potsdamer Abraham-Geiger-Kolleg (AGK) hat der Zentralrat der Juden in Deutschland die Kölner Rechtsanwaltskanzlei Gercke WollschlĂ€ger mit einem Gutachten beauftragt. Die Kanzlei, die MissbrauchsfĂ€lle im Erzbistum Köln untersucht hatte, soll sowohl VerantwortungstrĂ€ger, Mitarbeiter wie auch potenzielle Opfer oder andere Betroffene befragen, wie der Zentralrat am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Im Mittelpunkt der VorwĂŒrfe steht ein langjĂ€hriger Mitarbeiter der jĂŒdischen AusbildungsstĂ€tte an der UniversitĂ€t Potsdam. Laut Zeitungsberichten handelt es sich um den Ehemann von Rektor und Rabbiner Walter Homolka, der wiederum als FĂŒhrungsfigur im liberalen Judentum in Deutschland gilt. Homolka lĂ€sst aktuell seine Aufgaben ruhen.

Unterdessen setzte das Potsdamer Rabbinerseminar am Donnerstag Gabriele Thöne als Interims-Direktorin ein. Die ehemalige StaatssekretĂ€rin ĂŒbernehme ab sofort die interne Organisation der GeschĂ€fte, teilte das Geiger-Kolleg in Potsdam mit. Der bisherige GeschĂ€ftsfĂŒhrende Direktor, Daniel Krochmalnik, war vor wenigen Tagen zurĂŒckgetreten.

Zu den Aufgaben der neuen Interims-Direktorin gehört nach Angaben des Geiger-Kollegs, die Aufarbeitung der VorwĂŒrfe gegen die AusbildungsstĂ€tte voranzutreiben sowie deren Neustrukturierung umzusetzen. Das Abraham Geiger Kolleg arbeite unter Hochdruck daran, neue Strukturen zu entwickeln, hieß es.

Ergebnisse gegen Jahresende

Das Rabbinerseminar werde in Zukunft „sicherlich anders aufgestellt sein, gerade im Bereich der Partizipation“, erklĂ€rte die Kanzlerin des Kollegs, Anne-Margarete Brenker. Thöne war den Angaben zufolge unter anderem zehn Jahre im Dienst des Landes Brandenburg tĂ€tig und von 2002 bis 2006 StaatssekretĂ€rin fĂŒr Finanzen des Landes Berlin.

Die Untersuchung der Kölner Rechtsanwaltskanzlei soll sich laut Zentralrat nicht auf das Abraham-Geiger-Kolleg beschrĂ€nken. Auch weitere Institutionen werden mit einbezogen, darunter die Leo-Baeck-Stiftung, das Ernst-Ludwig-Ehrlich-Studienwerk, das Stipendien fĂŒr jĂŒdische Studierende vergibt, sowie die Allgemeine Rabbiner Konferenz, die ein Gremium des Zentralrats ist. Die Institutionen hĂ€tten der Untersuchung ausdrĂŒcklich zugestimmt, hieß es. Der Schutz der Betroffenen werde gewahrt.

„Zugleich wollen wir grĂ¶ĂŸtmögliche Transparenz schaffen. Es gilt auch, Schaden von der jĂŒdischen Gemeinschaft abzuwenden“, sagte der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Mit Ergebnissen der Untersuchung sei zum Ende des Jahres zu rechnen. Die Auswertung solle auch Handlungsempfehlungen enthalten, um festgestellte Defizite zu beseitigen und kĂŒnftigen Defiziten im Zusammenhang mit sexualisierter BelĂ€stigung und Gewalt und sonstigem Machtmissbrauch vorzubeugen, hieß es.




Quelle: Inforiot.de