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Haftantritt am 23.4. in LĂŒbeck: Knast statt Geld – fĂŒr die Freiheit


April 21, 2021
Von Criminals For Freedom
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Atomkraftgegner_innen verhindern, mithilfe einer Ankettvorrichtung im Gleisbett, die Weiterfahrt eines Atomtransportes im Hamburger Hafen durch

Die Aktivistin Ibi hat sich dazu entschlossen, fĂŒr zwei Wochen in den Knast zu gehen, anstatt eine Geldstrafe zu zahlen. Wir dokumentieren folglich ihr Statement dazu und halten euch die nĂ€chsten Tage auf dem Laufenden. Viel Kraft hinter Gittern!

Wir machen Aktionen, die wir richtig und wichtig finden. So haben wir 2014 gemeinsam mitten im Hamburger Hafen einen Urantransport mit einer Ankettaktion angehalten. Das auf dem Zug geladene Uran wurde in Namibia in offenen Tagebauen mit viel Strahlenbelastung fĂŒr alles drumherum und in Kazachstan durch Fracking und Chemikalien im Boden abgebaut. Wir haben damit bewusst und gezielt in die laufenden Prozesse eingegriffen – mit einer Intervention, weil sonst alles weitergeht wie bisher. Das Resultat: Viel Berichterstattung und Diskussion in den Medien. Und, ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum betrachtet, Transporte, die weniger geworden sind oder andere Routen nehmen. Widerstand braucht einen langen Atem.

Es gibt vieles, wogegen wir es fĂŒr richtig halten zu kĂ€mpfen und das immer wieder tun: Gegen Atomkraft, Kohlekraftwerke, Umweltzerstörung, Ausbeutung, Ungerechtigkeiten, Kapitalismus. Die allermeisten dieser, aus unserer Sicht unertrĂ€glichen, Dinge sind explizit legal. Deshalb legen wir als Handlungsmaßstab eben nicht die herrschenden Gesetze an. Manchmal verurteilt der Staat uns, so wie auch hier beim angehaltenen Urantransport. Es ist der Staat, der durchsetzt, dass das alles weiter gehen kann. Bei Geldstrafen ist das weniger sichtbar und ich denke, wenn der Staat mich tatsĂ€chlich dafĂŒr einsperrt, dass ich Urantransporte und damit Umweltzerstörung stoppe, dann bitte: Hier bin ich. Ich habe entschieden, die Geldstrafe jedenfalls nicht komplett zu zahlen und einen Teil davon im Knast abzusitzen.

Wie weit der Staat geht, um unliebsames Verhalten und vor allem das bewusste Brechen von Gesetzen zu bestrafen wird klarer beim Betrachten der UmstĂ€nde. Die Staatsanwaltschaft Hamburg, hier verantwortlich, hat wegen Corona die Vollstreckung von Ersatzfreiheitsstrafen (also Haft statt Geldstrafe) eigentlich bis Ende April ausgesetzt. Nur in FĂ€llen, bei denen das besonders relevant sei, um die verurteilte Person (und auch euch alle) von weiteren Straftaten abzuschrecken, sollen die Strafen trotzdem vollstreckt werden. Das heißt, entweder gilt die Regel fĂŒr mich nicht oder fast sieben Jahre nach der Tat meinen sie, mich von weiteren Straftaten abschrecken zu können, indem sie mich einsperren. Ich bin relativ sicher, dass das nicht funktionieren wird. Denn mit Gewissheit werden auch zukĂŒnftig Gesetze nicht mein Handlungsleitfaden sein. DafĂŒr lĂ€uft einfach viel zu viel falsch in dieser Welt.

Knast ist natĂŒrlich so ein weiterer Punkt, der falsch lĂ€uft. Menschen einsperren ist einfach abartig. Wir sehen an Corona, was die Isolation psychisch mit Menschen macht. Und dennoch isoliert diese Gesellschaft Menschen in KnĂ€sten immer wieder, bei Corona verstĂ€rkt. Was dort passiert, beachten leider nur wenige. Und so ist es sicher kein Zufall, dass Menschen, die sich Urlaub leisten können, mit Tests nur fĂŒnf Tage in QuarantĂ€ne bleiben mĂŒssen, im Knast aber nach wie vor 14 Tage QuarantĂ€ne angeordnet werden. Und dort gibt es kein Internet zum trotzdem in Kontakt bleiben, also faktisch eine Totalisolation. Es ist wichtig, auch das mehr in die Auseinandersetzung zu bringen. Ich will wissen, wie das ist und hoffe, dass ich die Kraft finde, davon zu berichten und dagegen zu kĂ€mpfen.

Eingesperrt sein macht Angst – ich liebe die Freiheit. Aber wenn wir fĂŒr Freiheit und SolidaritĂ€t kĂ€mpfen, gegen Ausbeutung, Umweltzerstörung und all die konkrete Scheiße und dabei eben mit Aktionen ĂŒber staatliche Gesetze und Firmeninteressen gehen, dann steht letztendlich die Drohung mit Knast immer im Raum. Das gilt gerade angesichts sich verschĂ€rfender Gesetze wie dem Bullenschubs-Paragrafen (mehr Infos dazu hier, hier oder hier) oder den neuen Polizeigesetzen (mehr dazu hier), in einer Zeit, die durch Fokussierung auf Sicherheit und AutoritĂ€ten hĂ€rter wird fĂŒr alles Oppositionelle, fĂŒr alles Freiheitsliebende, fĂŒr all das, was SolidaritĂ€t vor Herrschaft stellt.

Mir ist es wichtig, dass Knast nicht als die große Unbekannte und ultimative Drohung im Raum stehen bleibt und die Angst davor sich potenziert, denn letztendlich mĂŒssen wir damit einen Umgang finden, wie mit aller Repression. Einen Umgang, der nicht lĂ€hmt, sondern uns stĂ€rker macht und weder uns noch andere abschreckt. Ich wĂ€hle die Konfrontation damit – auch um eben das zu tun. Eben um das nicht auszuklammern, sondern zum Teil unserer Praxis werden zu lassen, auch damit umgehen zu können. Auch wenn die Position, jederzeit bezahlen und die Haft abbrechen zu können, verdammt priviligiert ist.

KnĂ€ste sind Teil der Gesellschaft, elementarer Teil, denn ohne wĂŒrde das alles nicht funktionieren. Also lasst uns einen Weg der Auseinandersetzung finden und sie abschaffen!

Ich freu mich ĂŒber alles an Aktionen gegen KnĂ€ste (auch gegen den neuen Abschiebeknast in GlĂŒcksstadt). Ansonsten aber auch ĂŒber Post (besonders fĂŒr die ersten 14 Tage wegen QuarantĂ€ne), RĂ€tsel, Schachaufgaben, Texte zu Verkehrswende und Utopien oder was euch sonst noch einfĂ€llt.

Post in den Knast

Ihr erreicht Ibi per Post. Um ihr schreiben zu können, erfragt einfach ihren Klarnamen per Mail beim abc Flensburg (abc-flensburg@systemli.org, pgp-key auf Anfrage). Sobald es eine Gefangenenbuchnummer gibt, um Ibi zu schreiben, werden wir die natĂŒrlich auf der UnterstĂŒtzungs-Homepage nirgendwo.info veröffentlichen, damit ihr Ibi auch direkt schreiben könnt. Dort werdet ihr auch regelmĂ€ĂŸige Updates zur Haft finden.Wer Ibis Klarnamen kennt, kann natĂŒrlich auch direkt Post in die JVA schicken:

Justizvollzugsanstalt LĂŒbeck
H-Haus
Marliring 67
23566 LĂŒbeck

Kundgebung zum Haftantritt

Am Fr, 23.4. von 16.30 bis 18 Uhr gibt es vor der JVA LĂŒbeck auch eine kleine Kundgebung zum Haftantritt (natĂŒrlich mit Abstand und Masken). Bei Interesse an gemeinsamer Anreise per Zug aus Flensburg oder Kiel meldet euch gerne ebenfalls beim abc Flensburg.




Quelle: Criminalsforfreedom.noblogs.org
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