Juli 18, 2021
Von FAU Halle
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Basisgewerkschaft klagt erfolgreich gegen Reinigungsfirma und kritisiert mangelnde Hygienestandards

Das Arbeitsgericht Halle hat das Reinigungsunternehmen RWS GebĂ€udeservice GmbH dazu verurteilt, einer ehemaligen Mitarbeiterin 200 Euro zu zahlen. Die Firma hatte der Frau zu wenig Lohn gezahlt. Zuvor hatten sowohl die FAU als auch die Mitarbeiterin selbst die Firma mehrfach auf die fehlenden Zahlungen hingewiesen. Das Unternehmen hat die Forderungen ignoriert, bis das Verfahren vor Gericht ging. Nun hat das Unternehmen endlich reagiert und das Geld ĂŒberwiesen.

Das Unternehmen hatte im letzten Monat der Anstellung nur die HĂ€lfte des Lohnes bezahlt. Daraufhin legte die KlĂ€gerin Beschwerde ein. Trotz eines Arbeitsvertrages, der von 15 Wochenstunden ausging, wurde ihr fĂŒr die ErfĂŒllung ihrer Aufgaben eine zweite Person zugeteilt und die Stundenzahl dann um die HĂ€lfte gekĂŒrzt, ohne dass eine neue Vereinbarung getroffen wurde. Dies geschah, obwohl der KlĂ€gerin auf Nachfrage zugesichert wurde, dass sie, wie im Vertrag vereinbart, weiter entlohnt wird.

Neben der Missachtung arbeitsrechtlicher Mindeststandards geht das Unternehmen verantwortungslos mit Hygienestandards um. So beklagt die ehemalige Angestellte, dass es wĂ€hrend ihrer BeschĂ€ftigung immer wieder an notwendigen Arbeitsmitteln wie Wischmopps und MĂŒllbeuteln fehlte.

Diese Bedingungen verschĂ€rften sich innerhalb der Pandemie. Die Reinigungsfirma forderte die Mitarbeiterin zum Beispiel Anfang des Jahres dazu auf, zur Arbeit zu erscheinen, obwohl diese meldete, dass sie Kontakt zu einer nachweislich positiv auf das Coronavirus getesteten Person hatte. Zudem wurden der Angestellten wĂ€hrend ihrer EinsĂ€tze in Kindertageseinrichtungen und Schulen seit September des vergangenen Jahres keine Masken zur VerfĂŒgung gestellt.

„Wir mĂŒssen zum wiederholten Mal feststellen, dass systemrelevante Arbeiten, wie die Reinigung von öffentlichen und privaten Einrichtungen fĂŒr Kinder und Jugendliche, Aufgaben sind, die nicht marktwirtschaftlich organisiert werden können“, so Jay Parker, Sprecherin der Gewerkschaft: „Unter kapitalistischen Bedingungen fallen die BedĂŒrfnisse der Menschen hinter die Systemlogiken von Schnelligkeit und die damit einhergehende unzureichende ErfĂŒllung wichtiger gesellschaftlicher Aufgaben zurĂŒck.“

Parker stellt fest: „Es zeigt sich einmal mehr, dass die Unternehmen, gerade auch in Situationen wie der der Pandemie, arbeitsrechtliche Mindeststandards missachten und den notwendigen Gesundheitsschutz fĂŒr Angestellte und Kund*innen ignorieren.  Der Ausgang dieser Auseinandersetzung zeigt, dass es sich lohnt fĂŒr bessere Arbeitsbedingungen einzutreten und sich gewerkschaftlich zu organisieren.“




Quelle: Halle.fau.org