Mai 15, 2021
Von SchwarzerPfeil
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Den nachfolgenden Beitrag haben wir per Mail erhalten.


Heute wurde das Haus in der Willy-Brandt-Alle 18 von uns besetzt.
Eine Hausbesetzung gab es in LĂŒbeck nun schon lĂ€nger nicht mehr. Es ist ziemlich ruhig um das Thema Wohnraum in LĂŒbeck geworden. Doch diese Ruhe ist mehr als trĂŒgerisch.
Gerade in den letzten Jahren ist das Wohnen auch hier immer teurer geworden.

Dank der mangelnden Infrastruktur des öffentlichen Nahverkehrs in LĂŒbeck will jede*r in der Innenstadt oder in den angrenzenden Stadtteilen wohnen. Das lĂ€sst die Preise dort in, fĂŒr gewöhnliche Menschen, unbezahlbare höhen steigen. Steigende Mieten und gleichbleibende Löhne fĂŒhren zu einer VerdrĂ€ngung der Ärmeren in die Randbezirke. Und wer erst einmal in Hudekamp oder Buntekuh leben muss, dem wird dadurch der Anschluss an den Rest der Gesellschaft verwehrt.

Diese VerdrĂ€ngung findet statt, wĂ€hrend in und um die Altstadtinsel zahlreiche HĂ€user teilweise mehrjĂ€hrig leer stehen, einfach nur weil Wohnraum als Spekulationsobjekt profitabler ist, als wenn er fĂŒr seinen eigentlichen Zweck, das drin Wohnen, genutzt wird.
Was den Kostenfaktor des Wohnens angeht, so blickt LĂŒbeck wohl gerne auf seinen direkten Nachbarn Hamburg, wo der Quadratmeter-Preis bei ca. 15 Euro im Monat liegt. Eine schrittweise Angleichung an diese VerhĂ€ltnisse wird wohl auch in den nĂ€chsten Jahren zu erwarten sein.

Durch Aktionen wie die Vertreibung der Drogenkonsument*innen aus dem KrĂ€henteich, die EindĂ€mmung von SchlafplĂ€tzen fĂŒr Obdachlose in der Innenstadt sowie die Errichtung von unbezahlbaren Neubauwohnungen wie in der Wallstraße wird LĂŒbeck mehr und mehr zur Stadt der Reichen. Der Hansestadt geht es vor allem um ein Tourist*innen freundliches Stadtbild das von Wohlstand, Sauberkeit und Ordnung geprĂ€gt ist.

Diese trĂŒgerische Ruhe, in deren Schatten all diese unmenschlichen Prozesse stattfinden, wollen wir heute durch einen Aufschrei durchbrechen.
Einen Schrei der AusdrĂŒckt, dass wir die durch den Staat geförderte
Kapitalistische Wirtschaft, die Wohnraum zur Ware macht anprangern und ablehnen.
Wir haben es satt, dass wir teilweise ĂŒber die HĂ€lfte unserer GehĂ€lter fĂŒr ein Dach ĂŒber dem Kopf ausgeben mĂŒssen, dass viele Menschen obdachlos sind, obwohl genug Wohnraum leer steht und, dass Gentrifizierung, Luxussanierung sowie Immobilienkonzerne wie z.B. Vonovia durch reine Profitgier und dem Wunsch nach einem guten stĂ€dtischen Ansehen uns aus dem öffentlichen Bild an die StadtrĂ€nder
verdrÀngen wollen.

Wir besetzen dieses Haus, weil die Politik keinerlei Hilfe ist im Kampf um Wohnraum fĂŒr alle.
Wenn entsprechende Gesetze, wie der Mietendeckel in Berlin etabliert werden, so werden sie kurz daraufhin wieder gekippt oder durch ungerechtfertigte Nebenkostenabrechnungen sowie angeblich notwendige Luxussanierungen umgangen.
Wenn HÀuser besetzt werden, um all dem Einhalt zu gebieten, werden sie daraufhin von der Polizei gerÀumt, wie schon mehrere Hausprojekte bundesweit in den letzten zwei Jahren.
NĂ€chste Woche soll es schon wieder zu einer RĂ€umung kommen. Das Jugendzentrum „Potse“ in Berlin ist bedroht und soll am 19.05.21 neuen BĂŒro-GebĂ€uden weichen.

Auch deshalb, weil so viel FreirĂ€ume bereits Zerstört wurden oder davon bedroht sind wollen wir uns heute PrĂ€sent machen und zeigen, dass wir uns den Raum, der allen Menschen zu steht, einfach nehmen. Abseits von Staat und Kapital, ganz unbĂŒrokratisch und direkt.

SolidaritÀt mit der Potse und allen anderen Hausprojekten. Friede den FreirÀumen und Krieg der Stadt der Reichen!

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Quelle: Schwarzerpfeil.de