Juli 28, 2022
Von Indymedia
118 ansichten

Vor-Absprachen in eurer Gruppe I: Wie erfahrt ihr von der Hausdurchsuchung>

Sprecht euch in euren Gruppen ab, wie ihr untereinander kommuniziert, wenn ihr von Hausdurchsuchungen in der Stadt erfahrt: Etabliert Meldeketten, klingelt beieinander, ruft euch an oder vereinbart etwas, was fĂŒr euch in Frage kommt. Zentral ist, dass möglichst viele von euch, möglichst frĂŒhzeitig von etwaigen Hausdurchsuchungen erfahren, um:

  • gegebenenfalls vor Ort unterstĂŒtzen zu können,
  • weiteren Personen Bescheid zu geben,
  • mit den zur VerfĂŒgung stehenden und bestĂ€tigten Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen (via Indymedia oder euren Social-Media-KanĂ€len).

Infos verbreiten, Spekulation vermeiden

Über den gesamten Verlauf der Hausdurchsuchung(en) gilt, möglichst breit ĂŒber diese und das Verhalten der Cops auf den zur VerfĂŒgung stehenden KanĂ€len zu informieren und Personen zu animieren, sich solidarisch zu zeigen und vor Ort zu unterstĂŒtzen. Jedoch sollte es vermieden werden, Spekulationen anzustellen, Aussagen der Behörden 1 zu 1 zu ĂŒbernehmen, sowie diese und andere GerĂŒchte zu verbreiten. Damit ist keiner Person geholfen, weder UnterstĂŒtzer*innen vor Ort, noch den Betroffenen selbst.

Vor-Absprachen in eurer Gruppe II: Organisiert notwendiges im Vorfeld

Wir können auf Hausdurchsuchungen vorbereitet sein, auch als UnterstĂŒtzerinnen. Wie im Text des SAO angemerkt, waren Personen mit “Musik, Transparenten, Reden” vor Ort. Das alles lĂ€sst sich vorbereiten. Erstellt im Vorfeld eine Playlist mit passenden Songs, aber auch StĂŒcken, die ihr gerne hören wĂŒrdet, wenn ihr betroffen von Hausdurchsuchungen wĂ€rt. Solche Songs, die euch in der Situation Kraft geben wĂŒrden, könnt ihr auch in euren ZusammenhĂ€ngen teilen, dann wissen eure Genoss*innen, was zu spielen ist, falls ihr einmal betroffen sein solltet.

Schreibt als Einzelpersonen oder als Gruppe RedebeitrĂ€ge, die sich mit Hausdurchsuchungen befassen und an die Betroffenen wenden, aber auch an die Anwohner*innen oder die anwesenden Cops. In diesen BeitrĂ€gen könnt ihr, je nach Adressatin, eure Anteilnahme und SolidaritĂ€t ausdrĂŒcken, aber auch eure Wut und euren Hass. Aber sie können auch informativ an die Nachbar*innenschaft gewandt sein, um diese fĂŒr das Vorgehen der Repressionsbehörden zu sensibilisieren.

Ihr könnt im Vorfeld zudem thematische Transparente anfertigen und zu Hausdurchsuchungen mitbringen. So helfen diese nicht nur den UnterstĂŒtzer*innen vor Ort vor Blicken und Videoaufnahmen der Cops, sondern auch vor Fotos der Presse. Zugleich machen sie Passant*innen und andere vorbeikommende Personen darauf aufmerksam, was hier gerade passiert.

Zum notwendigem Material, was es im Vorfeld zu organisieren gilt, sodass es schnell verfĂŒgbar ist, gehört auch Technik. Mindestens eine Box, mit welcher ĂŒber den Zeitraum der Hausdurchsuchung Lieder abgespielt werden können. Aber auch ein Mikro sollte anschließbar sein, um RedebeitrĂ€ge verlesen zu können. Letzteres wĂ€re aber auch mit einem Megaphone machbar. Überlegt, wo ihr so etwas herbekommen bzw. anfragen könntet und holt es euch, wenn es gebraucht wird.

Als UnterstĂŒtzer*innen vor Ort Vor Ort gilt es bei einer Hausdurchsuchung auf diese aufmerksam zu machen und zu schauen, wie die Betroffenen unterstĂŒtzt werden können. Ein wichtiger Punkt ist heraus zu finden, ob AnwĂ€lt*innen vor Ort sind. Ist das nicht der Fall, versucht das zu organisieren.

Entsprechendes Equipment fĂŒr eine solidarische Begleitung habt ihr bestenfalls. Entkoppelt davon empfiehlt es sich, mit anderen Anwesenden abzusprechen, was alle gerade bereit wĂ€ren zu geben. Ist es erst einmal nur Dasein und vielleicht Transparente halten; ist es je nach Lage und Ausstattung auch der Einsatz von Musik und Reden; sind es eventuell auch abgesprochene und laute Sprechchöre.

Etwaige SprĂŒche fĂŒr die Sprechchöre könnten im Vorfeld gesammelt und bestenfalls ausgedruckt mitgebracht werden. So muss nicht lange ĂŒberlegt werden, was gerufen werden könnte, sondern es gĂ€be bereits VorschlĂ€ge.

Über den Tag hinweg gilt vor Ort: Keine GesprĂ€che mit der Presse, keine GesprĂ€che mit Cops. Vor allem letztere sind unsere Feinde! Haltet Ausschau nach auffĂ€lligen Fahrzeugen und notiert euch die Kennzeichen, notiert euch bestenfalls auch die Kennzeichen der Zivilfahrzeuge der Cops.

Fotografiert gegebenenfalls auffĂ€llige Personen im Umfeld, die möglicherweise Cops in zivil sind. Sprecht die Menschen an, bei denen ihr denkt, es könnten “Zivis” sein. Bevor ihr diese Bilder jedoch irgendwo veröffentlicht, gilt es vorher zu prĂŒfen, ob es nicht doch solidarische Anwohner*innen oder Genoss*innen sind. Sprecht daher unbedingt mit linken Strukturen, bevor Menschen leichtfertig als “Zivis” geoutet werden. Teilt nicht einfach ungeprĂŒft “Outings” von “Zivis”, oft genug wurden Falschmeldungen verbreitet.

Was auch wichtig ist!

Kommt zum Ort der Hausdurchsuchung, auch wenn ihr nur kurz Zeit habt. Je mehr wir sind, desto eher können wir vor Ort agieren und unsere SolidaritĂ€t artikulieren, ohne uns von den Cops einschrĂ€nken und einschĂŒchtern lassen zu mĂŒssen. Zudem ist es auch gerne gesehen, wenn solidarischen Personen GetrĂ€nke oder Essen vorbeigebracht wird, gerade wenn die Hausdurchsuchungen ĂŒber viele Stunden dauern. Dies kann jederzeit geschehen und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, ist aber ein ebenso wichtiger und solidarischer Akt. Dies gilt auch fĂŒr (Geld)Spenden, denn jede Durchsuchung geht mit “Beschlagnahmungen” und Zerstörungen einher. Wartet nicht bis zu nĂ€chsten Soli-Aktion. Denkt daran, wie es euch gehen wĂŒrden, wenn Laptop, Handy, Router, etc. mitgenommen und Sachen in eurer Wohnung zerstört werden.

Am Ende der Hausdurchsuchung

Wenn die Soli-Aktion der UnterstĂŒtzer*innen bei einer Hausdurchsuchung beendet wird, geht nicht sofort, sondern fragt, ob ihr gegebenenfalls helfen könnt, sei es beim AufrĂ€umen oder Abtransport des genutzten Materials oder anderem.

Koordination bei parallel stattfindenden Hausdurchsuchungen

Sollte es zeitgleich mehrere Hausdurchsuchungen im Stadtteil / der Stadt geben, ist mehr Kommunikation untereinander erforderlich. Was wird wo noch gebraucht, wo stehen Menschen, wo ĂŒberhaupt nicht? Gibt es ĂŒberall AnwĂ€lt*innen? Eine solidarische Begleitung mehrerer Hausdurchsuchungen gelingt uns mit einem höheren Grad der Organisierung, Vorbereitung auf diese Form der Repression und der Kommunikation untereinander.

Danach: Politische Antworten

Hausdurchsuchungen sind staatliche Angriffe auf Bewohner*innen des Stadtteils, linker Strukturen und Personen. Sie bedĂŒrfen einer politischen Antwort und sollten nicht einfach hingenommen werden. Eine Reaktion auf der Straße ist wĂŒnschenswert, zeigt den Betroffenen, dass sie nicht alleine sind und macht deutlich, dass wir nicht ohnmĂ€chtig den Repressionsbehörden ausgeliefert sind. Ob die Reaktion immer noch am selben Tag erfolgt oder etwas spĂ€ter, liegt letztendlich an uns allen.

An unserer Vorbereitung, Organisierung, SpontanitĂ€t, schlicht unserer SolidaritĂ€t mit den Betroffenen. Die Vielzahl an Hausdurchsuchungen der letzten Jahre in Leipzig macht jedoch deutlich, dass es sinnvoll ist, sich schon auf zukĂŒnftige vorzubereiten. Wartet nicht darauf, dass andere Menschen alles vorbereiten, organisieren und die Verantwortung ĂŒbernehmen, sondern ĂŒberlegt, was ihr euch wĂŒnschen wĂŒrdet und zu einer politischen Antwort auf ihre Repression beitragen könnt.

United we stand. Divided we fall.




Quelle: De.indymedia.org