November 25, 2020
Von FAU Muenster
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Unter dem Motto „Gesellschaftliche Konflikte aufzeigen – der Krise solidarisch entgegentreten“ findet am 1. Mai von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr eine Kundgebung in Kinderhaus statt (Ecke BrĂŒningheide – Josef-Beckmann-Straße). Damit wollen wir, ein BĂŒndnis aus FAU MĂŒnster, Odak, IL, ROSA, VVN/BdA,  dem Frauen*Streik BĂŒndnis und der DKP, darauf aufmerksam machen, dass die Corona-Krise nicht alle Menschen gleichermaßen trifft, und fĂŒr ein wirklich solidarisches Miteinander eintreten. Da uns auch der Schutz aller Teilnehmer*innen wichtig ist, werden wir gemeinsam darauf achten, einen Abstand von 1,5m einzuhalten, und bitten alle Teilnehmenden, Masken oder Ă€hnliches zu tragen. Da zur Zeit noch andere Veranstaltungen zum ersten Mai geplant werden, wollen wir die Kundgebung um 12:30 beenden, um allen die Möglichkeit zu geben, sich auch an den anderen Protesten zu beteiligen. Hier findet ihr den ausfĂŒhrlichen Aufruf:

„Gesellschaftliche Konflikte aufzeigen – der Krise solidarisch entgegentreten“

Die Corona Krise betrifft nicht alle gleichermaßen. Arbeiter*innen, Frauen*, GeflĂŒchtete und Migrant*innen sowie Pfleger*innen in KrankenhĂ€usern haben eine schwere Last zu schultern als andere. Darum heißt es auch und gerade in Zeiten von Corona: Heraus zum ersten Mai! Dieses Jahr tragen wir unsere Forderungen in die Außenbezirke der Stadt, wo die Menschen leben, die die Krise und die Gewalt des kapitalistischen Systems am hĂ€rtesten trifft. Dazu setzen wir auf eine lautstarken Kundgebung und dezentrale Aktionen in Kinderhaus. Wir schĂŒtzen alle Teilnehmer*innen vor Ansteckung mit dem Corona-Virus und verhalten uns solidarisch.

Jahrzehnte lang haben die Regierungen die Gesundheitsversorgung privatisiert und mit ihrer neoliberalen Politik dafĂŒr gesorgt, dass immer weniger medizinisches Personal mehr Patient*innen versorgen muss – und das zu unverschĂ€mt niedrigen Löhnen. Die Last der Corona-Krise liegt auf den Schultern der unterbezahlten Pfleger*innen, die die Folgen politischer Entscheidungen nun durch unbezahlte Mehrarbeit kompensieren mĂŒssen. Mit dem neuen Mindestlohn fĂŒr Pfleger*innen ist es nicht getan. Die Profitorientierung des Gesundheitssystems muss einer Gestaltung weichen, die die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Nach Corona darf es keine RĂŒckkehr zur „NormalitĂ€t“ in den KrankenhĂ€usern geben!

Mit dem Ausbruch der Pandemie erlebten Menschen in Deutschland und weltweit rassistische Übergriffe, bei denen eine vermeintlich „chinesische Herkunft“ in Zusammenhang mit dem Virus gerĂŒckt wurde. Rassismus als gesellschaftliches MachtverhĂ€ltnis wird in Zeiten der Pandemie vor allem an der Situation der geflĂŒchteten Menschen sichtbar. Der Großteil der Menschen schrĂ€nkt sein soziales Leben ein und geht auf Distanz, um sich selbst und vor allem Menschen, die einer Risikogruppe gehören, zu schĂŒtzen. GeflĂŒchtete Menschen, die in SammelunterkĂŒnften leben, haben diese Möglichkeit nicht und sind dem schutzlos ausgeliefert. In diesen Zeiten ist es ein Privileg Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus einhalten zu können. Der Vergleich der Anzahl der 50 geflĂŒchteten Jugendlichen aus Moria und der Anzahl der zehntausenden eingeflogenen Erntehelfer*innen zeigt uns erneut wo die PrioritĂ€ten der Regierung liegen. Wir fordern die Schließung aller Lager und die Aufnahme aller Menschen!

Frauen* auf der ganzen Welt leiden am hĂ€rtesten unter der Corona-Krise. Denn insbesondere Frauen* arbeiten in schlecht bezahlten systemrelevanten Berufen und unter schweren Bedingungen – in KindergĂ€rten, der Altenpflege, in KrankenhĂ€usern und im Einzelhandel. Frauen* mit Kindern, die die Möglichkeit haben von zu Hause aus zu arbeiten, sind aufgrund geschlossener Bildungseinrichtungen zudem rund um die Uhr mit der Kinderbetreuung beschĂ€ftigt. Besonders stark leiden darunter Alleinerziehende, die nicht die Möglichkeit haben die Care-Arbeit mit einer anderen Person zu teilen. KontaktbeschrĂ€nkungen sollen die Verbreitung des Virus verhindern, zwingen Menschen aber auf engen Raum auf lĂ€ngere Zeit ohne Ausweichmöglichkeiten zusammenzuleben. In diesem Rahmen steigt die hĂ€usliche Gewalt gegen Frauen*. Diese Gewalt war immer da, aber jetzt wird sie verschĂ€rft. Seit Jahren sind FrauenhĂ€user ausgelastet und können Opfern hĂ€uslicher Gewalt keinen Schutz bieten. Wir fordern eine breitere Finanzierung der Frauen*hĂ€user!

WĂ€hrend große Unternehmen Unsummen erhalten, um ihre wirtschaftlichen SchĂ€den auszugleichen, mĂŒssen Lohnarbeiter*innen trotz Arbeitslosigkeit oder LohnkĂŒrzungen weiter ihre Miete zahlen. Da die Mieten hĂ€ufig 50% der Ausgaben ausmachen, bleibt mit gesenktem Einkommen kaum noch etwas zum Leben. FĂŒr viele Menschen droht eine Schuldenfalle, bloß damit die Gewinne der Großkonzerne und Wohnungsbaugesellschaften weiter sprudeln. Wir fordern die Aussetzung der Mieten!

Schließlich darf die Pandemie nicht dazu missbraucht werden, unsere Grundrechte langfristig zu beschneiden. Wir fordern die RĂŒcknahme aller restriktiven Maßnahmen nach der Pandemie!




Quelle: Muenster.fau.org