Mai 19, 2021
Von Emrawi
228 ansichten


FĂŒr einen Tag der Jugend, von der Jugend fĂŒr die Jugend!

Wir sollen als nĂ€chste und ĂŒbernĂ€chste Generation diesen Wahnsinn weiterfĂŒhren, der in letzter Konsequenz auf die Zerstörung unseres Planeten hinauslĂ€uft, nachdem unsere WĂŒrde als Menschen zerstört wurde.

Wir sehen uns mit multiplen Krisen konfrontiert die alle ihre eigene zerstörerische Wirkung auf unser Leben und unsere Umwelt besitzen, aber im Kern miteinander verbunden sind.

Die wirtschaftliche Krise, die uns alle paar Jahre heimsucht wird durch die Situation um und mit Corona beschleunigt und verstĂ€rkt. Kurz gesagt: Immer mehr Aspekte unserer Leben werden durch das Kapital verwertet. Alles wird dem Profit untergeordnet und nach seinen Maximen verwertbar gemacht. Ob es nun die Grundlagen unseres Lebens (Gesundheit, Wohnraum, Nahrung, Kultur, etc.) oder unserer Umwelt sind, ist zweitranig. Der Großteil des gesellschaftlich von Allen erwirtschafteten Reichtums kommt nur denjenigen zu Gute die Marktmacht und Eigentumsrechte besitzen. Was einzig zĂ€hlt ist es aus Kapital mehr Kapital, aus Geld mehr Geld zu machen. Wie kann es sein, dass Obdachlosigkeit und Luxuswohnungen, bittere Armut und unvorstellbarer Reichtum*1, Arbeitslosigkeit und Burnout durch Überarbeitung nebeneinander existieren? Eine detaillierte Analyse wĂŒrde hier den Rahmen sprengen. Doch wir wissen das Problem liegt im System. Jahrzehnte des Klassenkampfes von Oben (Neoliberalismus, Agenda 2010) haben zur Zuspitzung unserer Probleme beigetragen und selbst hier in Europa, große Teile der Bevölkerung an den Rand einer menschenwĂŒrdigen Existenz gedrĂ€ngt.

Es wird Zeit zu handeln. Gegen den Profit der Wenigen, fĂŒr die Zukunft der Vielen!

Wir als kommende Generationen sind die Leidtragenden der Klimakrise, welche unseren Planeten verwĂŒstet hat und weiterhin zerstört. Immer extremere Temperaturen und Wetterlagen, sowie der steigende Meeresspiegel bei gleichzeitigen DĂŒrreperioden, werden die LebensrĂ€ume vieler Tiere und die Lebensgrundlagen großer Teile der Menschheit zerstören. Große Teile der Erde wurden bereits durch Erdöl, atomaren Fallout und MĂŒll, Plastik und andere Begleiterscheinungen unserer Zivilisation so weit zerstört, dass sie unbewohnbar geworden sind. Und wofĂŒr? Am Ende bestimmt der Profit. FĂŒr ein paar Euro mehr wird unsere Welt geplĂŒndert und unsere Zukunft zerstört. Der Kapitalismus braucht fossile Brennstoffe welche die ErderwĂ€rmung vorantreiben. Um den kapitalistischen Energiebedarf zu decken wurden in den letzten 300 Jahren bis dahin ungesehene ökologische Verbrechen an unserem Planeten verĂŒbt. Die Frage ist dabei nicht ob das System fĂ€llt sondern wann und wie die Konsequenzen fĂŒr die Menschheit aussehen werden. Unser Kampf fĂŒr eine ökologisch nachhaltige Zukunft, fĂŒr die Zukunft der Menschheit auf einem intakten Planten, muss global gesehen und lokal gefĂŒhrt werden.

Uns muss aber auch bewusst sein, dass wir als Jugend im kapitalistischen Zentrum eine privilegierte Position besitzen. Kriege und militĂ€rische Auseinandersetzungen wie in Syrien/Kurdistan, Libyen, Afghanistan oder im Jemen greifen immer weiter um sich. MilitĂ€rs und autoritĂ€re Systeme unterdrĂŒcken den Freiheitswillen ihrer Bevölkerung in Chile, Hongkong, Myanmar, Kolumbien und an so vielen anderen Orten. Bewaffnete Konflikte bis hin zu Krieg und BĂŒrgerkrieg zerstören die Möglichkeiten eines geschĂŒtzten Aufwachsens und einer unbeschwerten Kindheit oder Jugend. Das zivile Leben und demokratische Entscheidungsprozesse treten hinter das Recht des StĂ€rkeren, besser Bewaffneten zurĂŒck. Die Waffen ohne die diese Kriege nicht möglich wĂ€ren, ohne die Massaker und Vertreibung in ihrer jetzigen Form nicht umsetzbar wĂ€ren, werden meist im Westen hergestellt. Deutschland ist einer der weltweit fĂŒhrenden Hersteller dieser Mordwerkzeuge. Despotische Staaten wie Saudi-Arabien, TĂŒrkei und Ägypten gehören zu den Abnehmern. Die Liste ist lang und ließe sich beliebig fortsetzen. In Kriegen nimmt sexualisierte Gewalt zu und wird oft von Soldaten als Waffe genutzt. Junge MĂ€nner werden in den Krieg gezwungen, sie werden oft schlecht ausgerĂŒstet und stehen professionellen Soldat*innen und Söldnern gegenĂŒber. FLINTA*, Kinder und Jugendliche, ihre WĂŒnsche, TrĂ€ume, Unversehrtheit und Zukunft sind stets unter den ersten Opfern von Kriegen in ihren diversen Formen.

Wenn sich nun aber Menschen mit der Hoffnung auf ein sicheres Leben in WĂŒrde nach Europa aufmachen, werden sie von einer militarisierten Grenzpolizei aufs Meer zurĂŒck geschoben oder in Lager gesteckt. Der Wunsch nach einer gesicherten Zukunft, sich entfalten und etwas aufbauen zu können ist seit jeher ein bedeutender Teil des Heranwachsens. Doch dieser bescheidene Wunsch wird so vielen Menschen verwehrt, die die falschen Papiere besitzen. Es ist viel von einer „FlĂŒchtlingskrise“ gesprochen worden. Wir sehen nur eine Krise der Menschlichkeit und des Anstands. Moria und Kara Tepe sind Orte wie aus der Hölle und es mĂŒsste sie nicht geben, wenn die Menschen die nach Europa kommen mit Menschlichkeit empfangen werden wĂŒrden. Hotels stehen leer wĂ€hrend Menschen im Dreck, in der KĂ€lte und in Ungewissheit leben und sterben mĂŒssen.

Doch die Privilegierten die nicht teilen wollen, schreien laut und wollen die Stimme der Menschlichkeit ĂŒbertönen. Sie treten nach unten, weil sie nach oben buckeln. Sie trauen sich nicht gegen die herrschende Ordnung aufzustehen und fĂŒr ein gutes Leben fĂŒr alle einzustehen.

Im Gegenteil: der Faschismus erstarkt an so vielen Orten der Welt zeitgleich und mit ihm zusammen antisemitische, rassistische und patriarchale Denkmuster. Wir sehen uns einem globalen Rechtsruck ausgesetzt, der seine rechten Akteure aufs Neue in den politischen Systemen festsetzt. Sie vereint die psychotische Mischung aus alten Verschwörungstheorien in neuem Design (Pizza Gate, Adrenochrome, Coronaleugnung) und der rassistischen Mobilisierung weiter Teile der Bevölkerung. Trumps PrĂ€sidentschaft war ein besonders offensichtlicher Erfolg dieser Bewegung aus Propaganda, Falschinformationen und nationalistischem Hass. In Deutschland drĂŒckt sich die Faschisierung der Gesellschaft in den zweistelligen Ergebnissen der AfD aus. Rassistische und antisemitische Ideologien verschrĂ€nken sich mit dem Hass auf FLINTA* und fĂŒhren zu AnschlĂ€gen wie in Halle oder Hanau. Wir stehen mit den Betroffenen gegen den Hass der Nazis, Incels und Neurechten. Eine Jugend, die sich nicht durch Rassismus, Hass auf Frauen, Queere Menschen, Trans- und Homophobie spalten lĂ€sst, welche die Werte der Gleichwertigkeit und der Menschlichkeit hochhĂ€lt, kann den Faschismus dorthin verbannen wo er hingehört: auf den MĂŒllhaufen der Geschichte. Wir werden kĂ€mpfen mĂŒssen, um uns eine Zukunft zu sichern, die nicht im Klima der UnterdrĂŒckung, Kontrolle, Schikane, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit erstickt.

Beim Kampf gegen den Faschismus und die rassistische Bedrohung an Leib und Leben unserer Mitmenschen, Freund*innen und Bekannten können wir uns nicht auf die deutschen Sicherheitsbehörden verlassen. Die letzten Jahre haben gezeigt wie stark diese bereits von RassistInnen, FaschistInnen und bekennenden Nazis unterwandert sind. Uns ĂŒberrascht das kein bisschen. Denn wir sind uns im Klaren darĂŒber, dass die Polizei und das MilitĂ€r im Kern nationalistische, patriarchale, autoritĂ€re und unterdrĂŒckerische Institutionen sind. Wir glauben euren Geheimdiensten und Polizeistrukturen kein Wort mehr. Wer hat Oury Jalloh, Laye Conde und so viele Andere umgebracht? Wer hat die Akten ĂŒber V-Leute im Umfeld des NSU geschreddert? Die Helfer und Helfeshelfer der Mörder gedeckt? Wer hat die Strukturen des Rechtsterrorismus mit aufgebaut? Wer verfolgt Antifaschist*innen die sich dem Wahnsinn in den Weg stellen? Wer hat Jo, Dy und Lina weggesperrt? Wir dĂŒrfen dem Staat auf keinen Fall vertrauen und mĂŒssen unseren Selbstschutz miteinander organisieren!

Das zĂ€hlt aber nicht nur im Kampf gegen Faschismus, Antisemitismus und Rassismus. Jeden dritten Tag wird eine Frau von ihrem Partner in Deutschland ermordet. In Leipzig wurden in den letzten 2 Jahren zwei Frauen ermordet weil sie Frauen sind. Diese abscheulichen Morde werden durch eine erstarkte feministische Bewegung thematisiert die, inspiriert von der „Ni una Menos“ Bewegung, Gewalt gegen FLINTA* stĂ€rker in den Fokus einer linken und feministischen Bewegung gestellt hat. Es gibt so viele Ungerechtigkeiten gegen Menschen die nicht der priviligierten IdentitĂ€t eines Cis-Mannes entsprechen. FLINTA* bekommen weniger Geld (Gender Pay Gap), sterben hĂ€ufiger einen vermeidbaren Tod oder kommen zu Schaden, weil diese Welt auf MĂ€nner ausgerichtet ist (Gender Data Gap). FLINTA* werden weltweit aufgrund ihrer GebĂ€rfĂ€higkeit kontrolliert und unterdrĂŒckt oder wegen ihrer angeblich abweichenden GeschlechtsidentitĂ€t verdammt und ausgegerenzt. Dazu sind sie hĂ€ufiger der Gewalt von Partnern2 ausgesetzt. Wir stellen uns gegen die alltĂ€gliche und normalisierte Gewalt und sagen “Ni una Menos”. Auch wollen wir Trans- Inter- und alle anderen Personen die patriarchaler Gewalt ausgesetzt sind zu unserem Kampf einladen. Eure Wut soll auch die unsere Sein. Als Jugend mĂŒssen wir vorangehen, fĂŒr eine Zukunft ohne Ausgrenzung, UnterdrĂŒckung und Diskriminierung.

Es gibt so viele Krisen und Angriffe auf das gute, freie und schöne Leben von dem wir trĂ€umen, dass diese Liste sicherlich sehr verkĂŒrzt und nicht vollstĂ€ndig ist.

Alleine und Vereinzelt werden wir diesen Problemen aber nicht begegnen können. Wir als Jugend möchten die verschiedenen KĂ€mpfe die schon existieren an einem Tag zusammenfĂŒhren. Uns einen Tag fĂŒr unsere Anliegen, Sorgen, Ängste, unsere WĂŒrde als Menschen und unsere Wut ĂŒber das Bestehende nehmen.

Wir wollen Dich, Euch und alle Menschen mit RĂŒckgrat und Gewissen einladen diesen Tag mit uns zu gestalten und einen Teil des Weges gemeinsam zu gehen.

Wir rufen dich und deine Freund*innen dazu auf, falls es die Pandemiesituation zulÀsst, am 1.6. nach Leipzig zu kommen.

Schließt euch uns an und achtet auf AnkĂŒndigungen.

Falls euch das nicht möglich ist, zeigt eure SolidaritĂ€t veranstaltet Demos, Kundgebungen, oder kreative Soliaktionen in eurer direkten Umgebung. Sorgt fĂŒr eine Sichtbarkeit der Probleme und des Widerstands! Schließt euch mit uns kurz. Lasst uns einen ersten Juni organisieren der ein Tag der Jugend, von und fĂŒr die Jugend werden kann.

Wir brauchen eine Jugend die widerstÀndig ist, eine Jugend die es wagt zu widersprechen und zu handeln.

Es ist FĂŒnf vor Zwölf.

Wir haben eine Welt zu gewinnen.

Fight for your Future!

** https://fightforyourfuturele.noblogs.org/post/category/selbstverstaendnis/

*1

‱ 1% der Weltbevölkerung hĂ€lt etwa 40% des weltweiten Vermögens. Die reichsten 2% der Weltbevölkerung besitzen mehr als 51% des weltweiten Vermögens. Auf die reichsten 10% entfallen etwa 85% des weltweiten Vermögens.

‱ Auf die unteren 50% der Weltbevölkerung entfĂ€llt weniger als 1% des weltweiten Vermögens.

*2 Hier wurde bewusst die mĂ€nnliche Form verwendet um darauf hinzuweisen das ein Großteil der Gewalt innerhalb von Beziehungen und Familien von MĂ€nnern ausgeĂŒbt wird.

*Allgemein möchten wir mit *Stern gendern um auf eine Vielzahl von verschiedenen geschlechtlichen und gesellschaftlichen IdentitĂ€ten hinzuweisen die von der ĂŒberwiegend maskulinen bzw. zweigeschlechtlichen Form der deutschen Sprache unsichtbar gemacht werden. Bei politischen Akteuren welche die Existenz weiterer GeschlechtsidentitĂ€ten leugnen verwenden wir das Binnen-I um auf die Rolle der Frauen in diesen (oftmals aber nicht immer mĂ€nnerbĂŒndlerischen) Vereinigungen einzugehen.




Quelle: Emrawi.org