MĂ€rz 7, 2021
Von End Of Road
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Am 5. MĂ€rz 1871, vor 150 Jahren, wurde die Genoss*in Rosa Luxemburg in Zamoƛć, heute Polen, geboren. Obwohl vor 102 Jahren in Berlin zusammen mit Karl Liebknecht durch rechte Freikorps im politischen Auftrag der SPD ermordet, scheint sie heute nur noch Fans zu kennen. Auch und gerade aus den politischen Lagern, die sie aktiv bekĂ€mpfte und die fĂŒr ihren Tod verantwortlich sind. Vom Feuilleton der bĂŒrgerlich-liberalen Presse bis zu den Jusos, alle scheinen plötzlich große Rosa-Fans zu sein.

Dabei war sie nicht nur, mit vielen anderen zusammen, an der GrĂŒndung der Kommunistischen Partei Deutschlands beteiligt, sondern auch ihre erste Vorsitzende. Als revolutionĂ€re Kommunist*in war ihr VerhĂ€ltnis zur parlamentarischen Demokratie immer nur ein taktisches. Trotz anderer Ansichten z.B. ĂŒber den Charakter und die Aufgaben einer kommunistischen Partei als z.B. Lenin und die Bolschewiki war ihr VerhĂ€ltnis zum jungen Sowjet-Russland immer ein kritisch-solidarisches. Folgerichtig beteiligte sie sich aktiv an der revolutionĂ€ren RĂ€te-Bewegung nach dem 1. Weltkrieg. Ihr Ziel war es, die bĂŒrgerlich-demokratische Revolution gegen Monarchie und Weltkrieg weiterzutreiben und als sozialistische Revolution zu vollenden.

Als proletarische Internationalist*in war aber auch das von ihr und Millionen anderen angestrebte Sowjet-Deutschland nur ein erster, kleiner Schritt auf dem Weg zur Weltrevolution.

Nun stehen weder ZEIT, Frankfurter Rundschau und Co. noch die Jugendorganisationen von SPD, GrĂŒnen und Linkspartei im ernsthaften Verdacht, auf einen revolutionĂ€ren Umsturz hinzuarbeiten, den bĂŒrgerlichen Staat zerschlagen und das Privateigentum an Produktionsmitteln abschaffen zu wollen. Das Gegenteil ist der Fall. Ihr merkwĂŒrdiges Fantum fĂŒr Rosa ist deshalb ihnen auch nur möglich, indem sie konsequent ihre politischen Ansichten und Handeln ausblenden und verfĂ€lschen. An ihre Stelle setzen sie hohle Phrasen und GewĂ€sch. Sie quatschen von einer „starken Frau“.

Sie philosophieren ĂŒber ihr ach so „feinsinniges GemĂŒt“ und faseln im Duktus einer Werbeagentur darĂŒber, welche „Inspiration“ sie doch fĂŒr sie sei. Eine Sorte der vereinnehmenden Entpolitisierung, die, nebenbei gesagt, kaum ein GegenstĂŒck bei einem Mann kennt.

Im Umgang mit Karl Liebknecht oder gar Leo Jogiches zum Beispiel findet sich nichts vergleichbares. Dies zeigt nicht nur die anti-kommunistische sondern auch die patriarchale Denke der plötzlichen Rosa-Fans.

Rosa als Person, als Genoss*in, ernst zu nehmen bedeutet dagegen auch im Jahr 2021, sich vor allem mit ihr und ihren politischen Handeln, ihren Inhalten auseinander zu setzen. In ihren praktischen Erfahrungen, aber auch in ihre Krisentheorie, ihre Ansichten ĂŒber die Dialektik von Reform und Revolution und ihrem Begriff von Partei und revolutionĂ€ren Subjekt findet sie nĂ€mlich auch heute noch vieles, an das sich anknĂŒpfen ließe.

Vermutlich aber nichts, dass fĂŒr die gepflegte LektĂŒre der sonntĂ€glichen Zeitung geeignet ist. Und auch fĂŒr die identitĂ€re Imagepflege der eigenen Parteikarriere dĂŒrfte die reale Rosa eher nicht hilfreich sein. FĂŒr die revolutionĂ€re UmwĂ€lzung des patriarchalen Kapitalismus dafĂŒr um so mehr.

Um Rosa selber zu Wort kommen zu lassen:
❝Eure „Ordnung” ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon „rasselnd wieder in die Höh‘ richten” und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkĂŒnden: ich war, ich bin, ich werde sein!
(Aus ihrem letzten Artikel in der „Roten Fahne“ vom 14. Januar 1919. Geschrieben am Vortag ihrer Ermordung )
Bis dahin lassen sich Rosas Texte u.a. hier lesen: https://www.marxists.org/deutsch/archiv/luxemburg/

Herzlichen GlĂŒckwunsch, liebe Genoss*in!




Quelle: Endofroad.blackblogs.org