Januar 22, 2022
Von Indymedia
485 ansichten

Der Organisationskreis  (Bild1)

Seit April 2021 meldet Andreas Pieper jeden Montag eine Kundgebung auf dem Greifswalder Markt an, bei der er ein bis Mitte Oktober sehr ĂŒberschaubares GrĂŒppchen zwischen 20 und 40 Personen um sich scharte. Bei Andreas Pieper handelt es sich um einen ehemaligen Studenten der Physik, der der Truther-Szene zuzurechnen ist. In dem der VerschwörungserzĂ€hlungen offenen Magazin Rubokin, spricht er ein einem Artikel davon, “aufgrund der 9/11-LĂŒge aus der Matrix gefallen” zu sein. (1) DarĂŒber hinaus ist er Co-Autor des Verschwörungsideologischen Machwerks “The Ground Zero Modell”, in dem die Zerstörung des World Trade Centre druch eine unterirdische nukleare Sprengung propagiert wird. (2) Seit Mitte Oktober stiegen die Teilnehmer*innen-Zahlen auf den Kundgebungen sprunghaft auf ca. 200 Personen an und es kam in dem dazugehörigen Telegram-Chat vermehrt der Wunsch auf Demonstrationen durchzufĂŒhren. Daraufhin traten weitere Personen dem Organisationskreis bei.

Als Anmelder fĂŒr die Demonstrationen fungiert momentan Martin Klein von der Partei “Die Basis”, welcher auch bereits als Redner auftrat. Aufsehen erregte er durch die Forderung nach einem “NĂŒrnberg 2.0” . Zu Empfehlen ist hierzu ein Artikel im Fleischervorstadt-Blog (3) Seit November tritt das BĂŒrgerschafts-Mitglied Grit Wuschek von der “Initiative fĂŒr Greifswald” als Ordnerin in Erscheinung. Sie ist bereits einschlĂ€gig durch ihre Kontakte zu dem Organisationskreis von FFDG und zu Aktivist*innen der IB bekannt. So traten im Februar 2021 die IdentitĂ€ren Aktivist*innen Franziska Gerbe, Christian von Debka und Max Bartusch bei einer Mahnwache auf den Plan, die von Grit Wuschek und dem Kreis der “Initiative fĂŒr Greifswald” organisiert wurde. (Bild 2)

Weiterhin tritt die Wirtschaftsjuristin Ina Schuppa-Wittfoth wiederholt als Rednerin auf, sie zeichnet darĂŒberhinaus fĂŒr einen Offenen Brief an Manuela Schwesig verantwortlich, der unter Anderem dieses bezeichnende Zitat enthĂ€lt (Bild 3)

WĂ€hrend sich Andreas Pieper in einem Ostseezeitungs-Artikel vom 05.11.2021 noch von Pegida distanziert, gab es spĂ€testens nach der AfD-Demonstration vom 06.12.2021 in Greifswald ein zusammengehen beider Strukturen. So stellt Norbert KĂŒhl, einer der fĂŒhrenden Köpfe hinter FFDG mittlerweile zentrale Infrastruktur, wie sein Fahrzeug und Technik der Demonstration zur VerfĂŒgung. Seine Frau Petra Albrecht-KĂŒhl ist Mitglied des Organisationskreises von “Wolgast steht auf” und trat am 10.01.2022 als Anmelderin der Großdemonstration in Rostock in Erscheinung. UnterstĂŒtzt wurde sie hierbei vom FFDG-Mitglied Olaf Blank, der sich als Ordner zur VerfĂŒgung stellte. (4) Die FFDG scheint sich montags gerade stark nach Rostock zu orientieren. Am 17.1. traten Norbert KĂŒhl, Olaf Blank und Petra Albrecht-KĂŒhl mit Orangen Westen mit dem Aufdruck “Orga-Team Wolgast” in Erscheinung und hielten teilweise auch RedebeitrĂ€ge. (Bild 4) Auf den vergangenen Demonstrationen in Rostock kam es zu einer hohen Dichte an bundesweiter Nazi-Prominenz. So bildete am 10.1.2021 der bekannte Neonazi Sven KrĂŒger mit weiteren Hammerskin-BrĂŒdern gemeinsam eine Kette mit Aktivisten der IB, wie Hannes KrunĂ€gel und Daniel Sebbin. Auch Mitglieder von Nordkreuz wurden im GesprĂ€ch mit Holger Arppe (ehemals AfD) dokumentiert. (5 ; 6)

Teilnahme von Burschenschaftern, IB, Mitgliedern des III.Weg und anderer Nazis

Seit Oktober 2021 konnte die vermehrte Teilnahme von Aktivistinnen der IB und Mitgliedern der Burschenschaften Rugia und Markomannia beobachtet werden. Unter ihnen Franziska Gerbe, Eike Liefke, Max Bartusch, Ferdinand Brandt und Frank Polenz. (Bilder 5-10 ) Auch der IB-Ableger “Aktionsgruppe Nord-Ost” war mit Thomas KrĂŒger vertreten. (Bild 6) Der Physiotherapeut aus Eldena engagiert sich darĂŒber hinaus auch in der “Initiative fĂŒr Greifswald” von Grit Wuschek.

Der bei Aktionen der IB aufgefallene Inhaber von Kernbohrungen Wudtke, Martin Wudtke, erschien sogar mit Kind. Auch der mit einem AfD-Parteiausschluss-Verfahren konfrontierte Thomas Kerl (enger Vertrauter von Prof. Ralph Weber) ließ sich eine Teilnahme nicht nehmen, obwohl er offensichtlich im Zwist mit Norbert KĂŒhl liegt. Der betagte IB UnterstĂŒtzer Klaus-Peter Last wurde frĂŒhzeitig Mitglied der Telegram-Gruppe. (7)

Am 13.12.2021 machten sich auch Mitglieder der Kleinstpartei III.Weg auf nach Greifswald und veröffentlichten ihre Teilnahme anschließend auf ihrem bundesweiten Telegram-Account.

Telegram-Chat-Mitglieder mit eindeutiger NS-Symbolik, Angst vor HitlergrĂŒĂŸen und Bedrohungen von Journalist*innen

Ein kurzer Blick in den “Mo-Demo Greifswald Chat auf Telegram genĂŒgt, um Mitglieder mit eindeutiger NS-Symbolik auszumachen. Darunter beispielsweise Sebastian LĂŒder (Dachdecker mit Betrieb in Heringsdorf) oder ein Daniel (Usedomerjung) mit III.Weg Fahne im Hintergrund. (Quelle: blog17.vier.de)

Entgegen den stĂ€ndigen Versicherungen, dass bei ihnen keine Nazis mitlaufen wĂŒrden, scheint einzelnen Mitgliedern ihr Anziehungspotential fĂŒr Rechte bewusst zu sein. So Ă€ußert ein Mitglied die BefĂŒrchtung, dass HitlergrĂŒĂŸe gezeigt werden könnten und ruft dazu auf, diese zu unterbinden. Journalisten, die die Veranstaltungen dokumentieren, finden sich schnell im Fokus des Chats wieder, inklusive Drohungen wie: “Um dieses Fotokind wird sich angemessen gekĂŒmmert, …” etc.

Angriff auf Gegendemonstrant*innen und Jagd auf Vertreter der Presse

Am Montag den 10.01.2022 kam es zu einem Übergriff durch teils alkoholisierte Teilnehmer der Demonstration auf Gegendemonstrant*innen. Die Angreifer konnten in ihre Schranken gewiesen werden und entfernten sich in Richtung Nexö-Parkplatz, wahrscheinlich zu ihrem dort abgestellten Fahrzeug. Am 17.1.2022 kam es zu einem weiteren Zwischenfall im Anschluss an die Demonstration. Dabei wurde ein junger Reporter von einer Gruppe vermummter Personen gejagt. Es gelang ihm und seinem Begleiter in ein Auto zu flĂŒchten und sich so einem Angriff zu entziehen.

“Wolgast steht auf” – Reden mit eindeutiger NS-Rhetorik

Auf den mittwöchlich von Sebastian Glaser veranstalteten und mittlerweile auch von Petra Albrecht-KĂŒhl angemeldeten Versammlungen findet sich jegliche extrem rechte Schattierung wieder, die Vorpommern zu bieten hat. Im Vergleich mit den Veranstaltungen in Greifswald sind die vorgetragenen Reden auch deutlich weniger zurĂŒckhaltend.Eine Rede vom 29.12.2021 trieft nur so von antisemitischer Hetze und BezĂŒgen zu NS-Ideologie.(8 Der Redner schwadroniert von einer Verschwörung, die dabei ist “ein Virus als Waffe zu benutzen” und spricht weiter: “Das was 1945 die Bomben waren, sind heute ihre Giftspritzen. Es ist ein unberechtigter Waffenbesitz einer kleinen, globalen, nutzlosen Klique, die die Menschheit versklaven wollen.”

Beteiligung an den Demonstrationen aus dem sogenannten alternativen Spektrum

Leider stellen wir immer wieder fest, dass auf den Montagsdemos auch Menschen aus vermeintlich alternativen Milieus mitmarschieren, also Kund*innen von BiolÀden, Teiler*innen von Projekten der solidarischen Landwirtschaft, Menschen von Biohöfen und aus dem Lassaner-Winkel.

Wir wollen mit dieser Veröffentlichung alle Menschen argumentativ unterstĂŒtzen, die gerade um diese Personen kĂ€mpfen. Kritik an Corona-Maßnahmen ist in Teilen wichtig und notwendig. Eine Mangelnde Abgrenzung nach rechts, kann aber nicht einfach hingenommen werden. Deswegen konfrontiert die Leute, die ihr auf den Demos seht im Alltag. Fordert sie auf Stellung zu beziehen. Jede*r trĂ€gt die Verantwortung fĂŒr das eigene Handeln. Wer sich nicht zu schade ist mit Nazis die Demonstration zu teilen, spielt ihnen in die Karten und trĂ€gt zu dem aktuellen Rechtsruck bei. Es besteht dagegen immer die Möglichkeit, eigene Veranstaltungen zu organisieren und klare Kante gegen Rechts zu zeigen. Veranstaltungen also, die eine Kritik an der Corona-Politik formulieren und gleichzeitig Verschwörungsmythen und Rechte Hetze angreifen.

 Ganz einfach. Wer mit Nazis und Verschwörungsideologen marschiert, hat nix kapiert.

1) https://www.rubikon.news/artikel/die-matrix-die-blockchain-und-ich

2) https://911gzm.org/

3) https://blog.17vier.de/2022/01/12/nurnberg-2-0-redebeitrag

4) https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Rostock/Rechte-bei-Corona-Prot…

5) https://katapult-mv.de/artikel/neonazis-an-der-spitze

6) https://twitter.com/ExifRecherche/status/1481668991592579073

7) https://blog.17vier.de/2022/01/17/montagsdemonstrationen-in-greifswald/

8) https://www.youtube.com/watch?v=gPz5nFIF-Y4

BilderlÀuterungen:

Bild 1: twitter.com greifswald.gerade  Ina Schuppa-Wittfoth (mit Warnweste), Martin Klein (mit Fahrrad), Andreas Pieper (rechts im Bild)

Bild 2: Ostsee-Zeitung

Bild 3: twitter.com Bildwerk Rostock

Bild 4 pixelarchiv.org Links: Norbert KĂŒhl, Bildmitte Petra Albrecht-KĂŒhl

Bild 5 facebook.com rugia greifswald  1.vl. Frank Polenz, 2. vl. Ferdinand Brandt, 4. vl. Thore Ragnar Teufel, 5. vl. Max Bartusch, 6. vl. Christian v. Debka

Bild 6 Vortrag in der Rugia (2017) 1. Tino MĂŒller (NPD), 2. Daniel Neumann (Kameradschaftsstrukturen Stralsund), 3. Enrico Harmisch (NPD), 4. Norbert KĂŒhl, 5. Eike Liefke (IB), 6. Thomas KrĂŒger (Aktionsgruppe Nord-Ost / “Initiative fĂŒr Greifswald”), 7. Max Bartusch (Rugia), 8. Prof. Ralph Weber (ex. AfD)

Bild 7 1. Christian v. Debka (Rugia / IB), 2. Daniel Menkens (Rugia / IB), 3. Tino MĂŒller (NPD), 4. Petra Albrecht-KĂŒhl (AfD / Versammlungsleitung auf Coronademos in Rostock), 5. Stefan Reuken (AfD)

Bild 8 katapult-mv Bildmitte mit schwarze nort face – Jacke , Frank Polenz

Bild 9 pixelarchiv.org 3. vl. mit grĂŒner Jacke Ferdinand Brandt (Rugia)

Bild 10 youtube.com Reinhard Schulz  Bildmitte Max Bartusch (Rugia)




Quelle: De.indymedia.org