Oktober 11, 2021
Von Indymedia
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Wir wollen diese Zukunft nicht. Die hier vorgestellten vermeintlich klimaschonenden, menschenfreundlichen, Projekte sind ohne totale Kontrolle und Überwachung nicht zu haben und sollen wie immer im Kapitalismus Profite generieren und zwar nicht zu knapp (u.a. durch Reduzierung des Kostenfaktors Arbeiter*in aber auch mit allen sonstigen altbewĂ€hrten Mitteln des Kapitalismus
). Um die Algorithmen zu versauen haben wir an drei Stellen die Steuerungstechnik an der 10 Km langen Teststrecke mit Feuer sabotiert. Außerdem haben wir bei der Deutschand-Zentrale von FREENOW in der Straße NeumĂŒhlen fĂŒr Glasbruch gesorgt.

„Autonomes Fahren ist unsere Zukunft“ und dafĂŒr brauchen wir ein flĂ€chendeckendes 5G Mobilfunknetz sagt der VW Chef Diess, welcher sich in letzter Zeit als Symphatisant der Partei „Die GrĂŒnen“ geoutet hat. Die VW Töchter Moia und WeShare sollen zukĂŒnftig MilliardenumsĂ€tze einspielen. Moia beginnt Anfang 2022 in den Hamburger Stadtteilen Winterhude, Uhlenhorst und Hohenfelde mit Testfahrten von Robotaxis. Im Jahr 2025 sollen dann schon einige Dutzend autonom fahrende Busse unterwegs sein.Der Verkehrssenator Tjarks mit den GrĂŒnen will tausende autonom fahrende Busse, angeblich um den Individualverkehr zurĂŒckzudrĂ€ngen. Die mĂŒssten aber auch billiger sein , meint er. Wenn an anderer Stellen Personal eingespart oder Kosten auf die Schultern anderer umgewĂ€lzt werden , lĂ€sst sich das sicher einrichten. Hauptsache der Profit stimmt.

Überhaupt hat die Hamburger Politik viel vor:

Tjarks sagt: Hamburg will zu Europas Modellstadt fĂŒr den digitalen elektrisierten Verkehr werden oder auch Modellstadt fĂŒr nachhaltige und innovative MobilitĂ€t. DafĂŒr ging der Senat „strategische Partnerschaften“ mit den alten Hasen VW, Daimler, BMW und der Deutschen Bahn ein. Seit spĂ€testens fĂŒnf Jahren ist der Hamburger Senat darum bemĂŒht, diverse Vorzeigeprojekte in Sachen MobilitĂ€t zu realisieren. Einige von ihnen werden im Verlauf der ITS prĂ€sentiert: z.B. die autonome S-Bahn von der Station Berliner Tor nach Bergedorf. Die PrĂ€sentation der schon angesprochenen Ridepooling/Carsharing Dienste wie Moia und On-Demand-Shuttles wie IOKI (eine Tochter der Deutschen Bahn). Dann selbstverstĂ€ndlich die HVV switch-app, welche dir auf deinem Smatphone immer die gĂŒnstigsten (!) Tarife und schnellsten Verbindungen anbietet, abrechnet und deine gesamten Fahrstrecken dokumentiert.

Um die Bevölkerung (oder vielleicht eher die Kundschaft) einzubinden, gibts wĂ€hrend des Kongresses erstmals einen „Öffentlichkeitstag“. In den Messehallen fĂŒhrt der NDR Moderator Dibaba durchs Programm, der Wissenschaftsjournalist Yogeshwar wird VortrĂ€ge halten. Die Tour im fahrerlosen Bus ist hoffentlich ausgefallen. Aber im Hafen gibt es jedoch das Angebot, Drohnen aller Couleur zu bestaunen. Hier betreibt die Deutsche Flugsicherung mit ihrer Tochterfirma Dronique ein „Reallabor“, ein etwa zehn Quadratkilometer umfassendes Areal. Im Hafen nutzen die Hamburger Hafen und Logistik AL (HHLA) und die Hamburger Port Authority (HPA) Drohnentechnik u.a. zur Wartung der Hafenanlagen. Ein Ziel ist sowieso der vollautomatisierte Hafen. So gibt es PlĂ€ne mittels der von Elon Musk vorangetriebenen Hyperloop Technologie, Container und Ă€hnliches mit einer Magnetschwebebahn in einer Röhre durch den Hafen rasen zu lassen. Auf dem Containerterminal Altenwerden sind jetzt schon automated guided vihicles (AGV) im Einsatz, um fahrer*inlose Containertransporte durchzufĂŒhren. Diese Vorhaben werden , wie auch die Konstruktion autonom fahrender Schiffe, vom Frauenhofer Centrum fĂŒr maritime Logostik supportet. Gegen den Einsatz „autonomer Schiffe“ kĂ€mpfen Arbeiter*innen an der OstkĂŒste der USA.

Nochmal das Frauenhofer Institut: „Der Umschlag von SeegĂŒternund deren Weitertransport wird in Zukunft durch die Digitalisierung weitgehend automatisiert erfolgen.“

Bis die autonomen Fahrzeuge und Systeme am Start sind (und weltweit wird mit Hochdruck daran gearbeitet, ganz vorne mit dabei die ALPHABET Tochter Waymo, und klar UBER) gibt es zum GlĂŒck noch ein breites Angebot an E-Rollern ( ca. 1500 in Hamburg), sowie 3500 Car-sharing Fahrzeuge und unmengen an E-Scootern. Ob diese Angebote die vermeintliche Reduzierung der privaten Autonutzung bewirken, wie von ganz naiven Zeitgenoss*innen prognostiziert, ist mehr als fraglich und umstritten. Und darum geht es eh niemandem in diesem GeschĂ€ft. Einige der grĂ¶ĂŸten Player am Markt sind die Deutsche Zentrale von Daimler und die BMW Tochter Free Now. Zwei Drittel aller Hamburger Taxen arbeiten fĂŒr Free Now. Die Firma bietet auch die Nutzung von E-Scootern, E-Mopets, E-FahrrĂ€dern und Car-Sharing an. Free Now beteiligt sich selbstverstĂ€ndlich an der ITS und hat z.B. den Future Mobility Summit 2021 in Berlin maßgeblich unterstĂŒtzt.

Was tun mit all diesen Informationen, die sicher nur die OberflĂ€che berĂŒhren? Wir befinden uns mitten in der vollkommenen Umstrukturierung der grĂ¶ĂŸten Teile von Kapitalismus und ihrer Industrie. Die Auswirkungen, mal abgesehen von den kleinen Showeffekten, die uns bei Werbeveranstaltungen und anderen Spektakeln wie der ITS vorgefĂŒhrt werden, sind tiefgreifend und setzen die Grundsteine fĂŒr ein neues allumfassendes Netz der Kontrolle. Ein grĂŒn angestrichener, digitaler, autonom agierender Kapitalismus ist nichts anderes als ein Update des selben menschenverachtenden Systems, das immer GeschĂ€fte mit dem Elend von Menschen machen wird. Wer denkt es wĂŒrde sich um irgendeine Erleichterung oder Verbesserung fĂŒr Arbeiter*innen oder gar ökologischere Lösungen handeln, lĂ€sst sich tĂ€uschen.

Statt autonomer Robo-MobilitĂ€t FREIES FLUTEN fĂŒr alle GeflĂŒchteten und Gefangenen!

Freiheit fĂŒr Lina und SolidaritĂ€t mit den Angeklagten im „Antifa Ost“ Verfahren!

Freiheit fĂŒr Jan und alle Gefangenen!

Solidarische GrĂŒĂŸe an die Unkontrollierbaren der Rigaer 94 und der Köpi in Berlin.

Der Kampf gegen Staat und Herrschaft und Kapitalismus bleibt analoge Handarbeit!




Quelle: De.indymedia.org